... so wird in dem Buch ueber Sex und Liebe philosophiert. Aber eigentlich geht es darum gar nicht. Und dann wieder doch. Verwirrend? Genau so wie das Buch.
ALLES IST ERLEUCHTET
Jonathan Safran Foer ist der geliebte Ehemann von Nicole Krauss. Diese werte Dame hat mir die Freude bereitet meinen geliebten Bruno Schulz in ihrem bislang besten (und einzigen???) Werk "Die Geschichte der Liebe" zu verewigen und allein deshalb schon einen Stein bei mir im Brett. Dass sie jetzt auch noch einen der wenigen gutaussehenden Maenner dieses Planeten per Ring an sich gekettet hat, sei ihr vergeben, da dieser die Frauenwelt (und auch die Maennerwelt, wenn man so will) auf der ganzen Welt literarisch beglueckt.
Ihr sei verziehen und ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich ohne korrekte Umlaute schreibe, aber nach einem Computerzusammensturz gibt es erstmal keine Umlaute im Angebot.
Nun aber mal zu Mr. Foer und seinem 400 Seiten-Buechlein.
Allgemeine Daten
Autor: Jonathan Safran Foer,
Sprache: Deutsch
Broschiert - 383 Seiten - Fischer (Tb.), Frankfurt
Erscheinungsdatum: Februar 2005
Auflage: 4. Aufl.
ISBN: 3596156289
Preis: 9,95 Euro
Jonathan Safran Foer
Lecker. :) Oooooh, mir ist meine Objektivitaet abhanden gekommen ...
Am besten ist Foer tatsaechlich fuer "Alles ist erleuchtet" bekannt, aber er hat noch mehr geschrieben. Geboren 1977, lebt er heute mit Frau und Kind in Brooklyn, New York.
Er studierte an der Princeton University Philosophie und Literatur und erhielt dort den Senior Creative Writing Thesis Prize. 2000 erhielt er den Zoetrope, einen Preis fuer Fiktion und 2007 erhielt er den Granta Magazine "Best of Young American Novelists"-Preis. Er veroeffentlichte bereits vor seinen Buechern in Zeitungen und Zeitschriften wie der New York Times oder dem New Yorker. 1999 reiste er in die Ukraine um ueber das Leben seines Grossvaters zu recherchieren und das Ergebnis ist das vorliegende Buch in dem sich Fiktion mit Wirklichkeit mischt.
Alles ist erleuchtet
Worum geht es erst einmal?
--> Also ein junger Amerikaner namens Jonathan reist durch die Ukraine und sucht nach der Frau, die seinem juedischen Grossvater im II.Weltkrieg das Leben rettete. In einem klapprigen Auto reist er mit einem alten Ukrainer und dessen Enkel Alex (Sasha) als Reisefuehrer durch die Ukraine in die Ukraine seines Grossvaters. Es ist ein "Roadmovie", der sich nicht zwischen herzzerreissend, komisch und tieftraurig entscheiden kann.
--> Aber das stimmt so eigentlich gar nicht, denn das Buch ist eigentlich viel mehr. Es geht nur teilweise um Jonathan und nur teilweise um Alex oder den Grossvater. Das Buch besteht eigentlich aus 3 Geschichten, wenn man so will.
Einerseits liest man Alex Briefe an Jonathan, die einem das hier und jetzt nahe bringen. Man lernt aus diesen Briefen, wie die Reise wirklich vor sich ging und wer Alex ist. Dann liest man die Geschichte, die Alex schreibt, denn Alex ist eigentlich auch irgendwie ein Schriftsteller. Er schreibt eine Geschichte ueber seine Reise mit Grossvater, Jonathan und Samy Davis Junior Junior (ein Hund). Er beschreibt was passierte und wie Jonathan der Vegetarier in der Ukraine fast verhungert, wie sie das Dorf Trachimbrod suchen, aus dem Jonathans Grossvater kam, und wie sie Augustine finden und doch wieder verlieren. In Verbindung mit Alex' Briefen erkennt man
was in seiner Geschichte des Buches wahr ist und was er sich erdacht hat. Der dritte Teil nun ist Jonathans fiktive Geschichte ueber die Geschichte von Trachimbrod seit 1791. Die Geschichten werden nicht getrennt von einander gelesen, sondern durch Ueberschriften gekennzeichnet abwechselnd erzaehlt. Der Lehrer geht dabei nicht verloren, da es leicht erkennbar ist, welche Geschichte gerade erzaehlt wird und man vergisst auch nicht, was vorher stattfand, dazu sind die drei Geschichten zu sehr miteinander verbunden.
Gut oder nicht gut?
Nun, das scheint Ansichtssache, aber mir hat das Buch streckenweise sehr gut udn streckenweise gar nicht gefallen. Es ist keine leichte Kost. Es ist emotional teilweise sehr anstrengend, auch wenn es Fiktion ist. Aber alles der Reihe nach.
Wie man sich denken kann, hat Foer sich selbst nicht nur namentlich in die geschichte eingebracht, sondern auch seine Persoenlichkeit laesst sich finden. Der ruhige Amerikaner mit juedischen Wurzeln, der staendig in seinem Notizbuch schreibt und kein Fleisch ist, der Hunde nicht ausstehen kann und sich mit dem ukrainischen Leben nicht anfreunden kann. Das stoert den Lesefluss nicht weiter, ausser dass man staendig auf die letzte Seite blaettern muss, um sich sein Photo anzusehen. Aber gut.
Insgesamt scheint der gutaussehende Herr aber zu polarisieren. Einige lieben ihn und feiern mit diesem, seinem Erstlingswerk die Geburtsstunde der wahren Literatur (John Updike, Joyce Carol Oates, Salman Rushdie, Isabel Allende, Russell Banks, Dale Peck), waehrend andere ihn als Karrikatur eines Literaturabschlusses betrachten (Harry Siegel). Es geht dabei weniger um seine Inhalte, als viel mehr um seine Art des Schreibens. Er scheint an einigen Stellen tatsaechlich zuuuuuu ambitioniert und bringt in diesem Roman so viel Neues ein, was nicht falsch ist, aber verwirrt. Es ist so, als ob man ueberfahren wirdm it einer komplett neuen Gattung der Literatur, die es vorher einfach nicht gab und der man jetzt gnadenlos ausgeliefert ist, weil man das Ende der geschichten lesen will. Und das nervt einen manchmal, weil zu viel Neues eben doch eine Ganze Menge von einem abverlangt und ja, nicht immer ist neu = gut.
Foer schreibt nun also drei Geschichten in einer und verliert sich nicht. Das ist nicht neu, aber bemerkenswert. Er springt in den Zeiten, schreibt manchmal in Versform, dann wieder ein Drama und an anderen Stellen in guter alter Schiller-Manier dialektisch. Er beschreibt Geschichte, die es nicht gab und philosophiert ueber die Bedeutung der Liebe, gibt seitenlange Buchinhaltsangaben (in kabbalistischer Manier handelt es sich die verschiedenen Formen der Traurigkeit, der Liebe oder der ... ,etc), ein liebenswuerdiges Englisch (der Ukrainer Alex, der ja auch eine geschichte schreibt, spricht ein witziges Englisch) und Tagebucheintraege finden sich auch. Alles in allem verbindet er alles bereits Bekannte zu einem und macht daraus etwas komplett neues, dass einen dann ganz nebenbei erschlaegt.
Der Uebersetzer Dirk van Gunsteren, und das muss man betonen, hat zweifelsohne einen ueberragenden Job geleistet, denn dieses Buch war mit Sicherheit nicht leicht zu uebersetzen. ich habe es auf Deutsch gelesen, werde ich mich aber irgendwann dem Englischen zuwenden, denn allein schon das sprachliche Mittel des falschen Englisch (immer wenn Alex was schrieb) geht nur bis zu einem bestimmten Grad zu uebersetzen.
Wer sich Jonathan Safran Foers Erstlingswerk zuwenden moechte, sollte dies wohlgewaehlt tun. Als Nebenbeilektuere eignet es sich nicht, denn was in dem Buch vorhergesagt wird, tritt gnadenlos ein: Die Zerstoerung Trachimbrod durch die Nazis und damit auch die Zerstoerung alles juedischen Lebens in dieser Region. Er schreibt ueber Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Schuld und Selbstmord und laesst viele Fakten des echten Dorfes aus, aber dafuer ist das Buch eben auch Fiktion.
Ich empfehle es fuer diejenigen, die anspruchsvolle Kost nicht meiden und sich auch mit der menschlichen Natur im Reinen sehen. Es geht nicht um den Nazi im Menschen und auch nicht um den juedischen Nachbarn, es geht um die ganz persoenliche fiktive Geschichte einiger Einwohner Trachimbrods, deren Geburt, Leben und deren Sterben. Und es geht um Alex und seine schwierige Beziehung zu seinem Vater, die verwirrende und erschreckende Rolle die Alex' Grossvater in dem doch eigentlich fiktiven Trachimbrod spielte und es geht um Jonathan, den der Leser selbst eigentlich nie kennenlernt.
Einen Stern ziehe ich ab, wegen dem oben benannten "Zuviel".
Ansonsten gnadenlos empfehlenswert.
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Wo viel Licht, da ist auch viel Schatten...
ein Testbericht von Christin782009-10-20 19:43:45vom 20.10.2009Empfehlung: ja
Vorteile: Erzählstil, Charaktere......Nachteile/Kritik: Die Thematik
in meinem heutigen Bericht möchte ich euch folgendes Buch vorstellen: „Alles ist erleuchtet“, geschrieben wurde es von Jonathan Safran Foer.
'''Lesemotivation'''
Ich las vor Kurzem das Buch „Die Geschichte der Liebe“ geschrieben von Nicole Krauss, der Frau von Jonathan Safran Foer. Auf dieses Buch wurde ich durch eine Reportage aufmerksam und in eben dieser Reportage wurde auch Herr Foer vorgestellt, so dass es für mich gleich feststand, ebenfalls ein Buch von ihm zu kaufen. Ich erwähnte glaube ich schon einmal, das ich recht empfänglich für derartige Werbung bin.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das Buch auch ohne diese Reportage gekauft hätte, ob ich überhaut auf das Buch aufmerksam geworden wäre. Aber das ist ja jetzt auch egal, ich habe es gelesen und ich kann hier schon sagen, dass ich es beim einmaligen Lesen nicht belassen werde.
'''Der Autor'''
Jonathan Safran Foer wurde 1977 geboren und studierte in Princeton Philosophie und Literatur. „Alles ist erleuchtet“ war sein erster veröffentlichter Roman und wurde in mehr als 20 Ländern verkauft. Jonathan Safran Foer lebe und arbeitet heute in New York, ist mit Nicole Krauss verheiratet und hat, so weit mir bekannt ist, einen Sohn.
'''Worum geht es in diesem Roman?'''
Es gibt Bücher bei denen es mir nicht schwer fällt den Inhalt zusammen zu fassen. Bei „Alles ist erleuchtet“ ist das nicht der Fall, es fällt mir schwer den Inhalt in konzentrierter Form darzustellen, was sicherlich daran liegt, das man in diesem Buch nicht mit einer kontinuierlichen Handlung konfrontiert wird, das sehr viele Zeitsprünge zu verarbeiten sind, das es sich nicht nur um einen Erzähler handelt und das es um ein sehr schweres, belastendes Thema handelt.
Jonathan Safran Foer, ein junger Amerikaner, reist durch die Ukraine auf der Suche nach der Frau, die seinem jüdischen Großvater während der Nazizeit das Leben gerettet hat. Seine Vorfahren lebten in Trachimbrod, auch Sofiowka und zum Anfang nur Schtetl genannt.
Begleitet wird er von Alex, er ist Jonathans Dolmetscher und Alexs Großvater, der Fahrer.
Nach Jonathans Rückkehr in die USA schreibt er an einem Manuskript über die Geschichte Trachimbrods, seiner Einwohner, die Geschichte Jonathans Vorfahren, angefangen 1791. Dieses Manuskript schickt er in Abständen Alex in die Ukraine. Alex antwortet darauf mit einem Brief und anschließenden Beschreibungen der gemeinsamen Erlebnisse in der Ukraine. Alex schreibt ebenso wie Jonathan an einem Buch. 2 Bücher die jeweils von dem anderen sehr beeinflusst werden.
Ich möchte es bei dieser kurzen Inhaltssangabe belassen, werde im anschließenden Teil aber immer wieder auf den Inhalt zurückkommen, gekoppelt mit meinen Empfindungen, die ich beim Lesen hatte und noch immer habe.
'''Wie habe ich dieses Buch empfunden?'''
Das Buch gehört zu den Romanen die ich für mich als sehr schwer verdaulich betrachte, eine Handlung die ich an mich heran gelassen habe, während des Lesens aber immer wieder bemerkt habe, das es mir zu viel ist, das zu verarbeiten, was ich gerade las. Ein Buch, das ich oft nach nur wenigen Zeilen beiseite gelegt habe, um das Gelesene zumindest etwas verarbeiten zu können. Bei diesem Buch stellte sich mir auch immer wieder die
Frage, wieviel lesen gesund ist und ob nicht die Psyche irgendwann dicht macht, man liest zwar, nimmt aber nichts auf, da die Psyche sich schützt und was passiert wenn man weiter liest, welchen Einfluß hat das Gelesene auf einen und kann Lesen eventuell sogar krank machen? Ich finde es erschreckend wenn mir jemand erzählt, er hätte beim Lesen eines bestimmten Buches geweint, das Gelesene hätte ihn sehr stark berührt und beschäftigt, dieser jemand ist aber nicht in der Lage nach nicht einmal einem Jahr zu erzählen worum es genau in dem Buch ging, auf detaillierte Fragen keine Antwort zu geben weiß. Ich glaube, wenn es schon soweit ist, sollte man seinen Lesekonsum überprüfen. Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte? Ich glaube man kann nur eine bestimmte Anzahl von Büchern, Geschichten, Schicksalen verarbeiten und das ist mir beim Lesen des Buches „Alles ist erleuchtet“ immer wieder durch den Kopf gegangen. Zumal man sich selber nicht vergessen darf und das tut man, ich verallgemeinere bewußt, beim Lesen sehr oft.
Habt ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, wieviel von dem was eure Vorfahren erlebt, gefühlt haben an euch vererbt wurde? Schreckenserlebnisse haben immer eine Auswirkung auf den Menschen, genauso wie sehr schöne Erlebnisse und diese summieren sich natürlich wenn man die vergangenen Generationen zusammenfasst. Ich glaube daran, dass man all das in sich trägt und es an die Kinder weiter gibt und diese geben es an ihre Kinder weiter und diese Kinder an ihre und so weiter. Vorausgesetzt es entstehen neue Generationen. Das Gefühl sich in einer Großstadt nicht wohl zu fühlen, die Angst vor Hunden, die Begeisterung für das Meer, die Faszination an bestimmten Dingen; oft kann man sich etwas nicht erklären, oft fühlt man sich selbst fremd, fast schon als würde man von etwas Außenstehendem geleitet. Können dafür die Erlebnisse der Vorfahren verantwortlich sein? Wir sind das was wir sind, durch unsere Vergangenheit und durch das Leben der vorangegangenen Generationen. Natürlich nicht nur, aber zu einem nicht unerheblichen Teil. Das Leid und die Freude unserer Ahnen steckt in uns und wie geht man mit diesem Erbe um, wenn mehr Leid als Freude erlebt wurde, wenn in einer Schreckenszeit gelebt wurde? Ich bin der Auffassung das man sich mit der Vergangenheit auseinander setzen sollte, mit seiner eigenen und auch mit der seiner Vorfahren um sich selber kennenzulernen, um zu verstehen woher man kommt. Denn, kann man nicht nur dann Vorwärts gehen, nachdem man zurück gegangen ist?
So geht Jonathan Safran Foer, im Roman von Alex als „Der Held“ bezeichnet in die Geschichte seiner Vorfahren zurück und zeigt dem Leser auf, wie sie sich entwickelt haben, was sie durchlebt, durchlitten haben. Dafür springt der Autor zwischen den Zeiten umher, so befindet sich der Leser im Jahre 1791, dann wieder 1798, macht einen Sprung ins Jahr 1804, dann ins Jahr 1942, um wieder ins Jahr 1791 zurückgeführt zu werden. Während des Lesens der ersten Seiten haben mich diese Zeitsprünge doch etwas verwirrt, obwohl dem Leser durch Überschriften der einzelnen Kapitel erzählt wird in welchem Jahr er sich wieder finden wird. Ich stellte mir immer wieder die Frage, warum der Autor nicht kontinuierlich die Zeiten „abarbeitet“. Im Nachhinein denke ich, das der Autor durch diese Zeitsprünge dem Leser ein besseres Empfinden darüber vermitteln wollte, wie sehr die einzelnen Generationen miteinander verknüpft sind, wie stark sich etwas das sich im Jahre 1791 ereignete, auf die kommenden Generationen ausgewirkt hat.
Viele Personen treten auf, die meisten von ihnen Vorfahren von Jonathan Safran Foer, er erzählt rückblickend die Geschichte seiner Familie, seiner jüdischen Familie um letztendlich auf die Geschehnisse der Nazizeit zu kommen. Auf die Vernichtung von Trachimbrod, auf das Auslöschen eines ganzen Dorfes durch die Nazis. Sein Großvater hat überlebt, als einer der wenigen, sein Leben wurde von einer Augustine gerettet, die von dem Helden gesucht wird, der sich in Begleitung von Alex und seinem Großvater befindet.
1791 wird Brod aus dem gleichnamigen Fluß geboren, sehr mysteriös, an der Grenze zum Fantastischen stellt der Autor dieses Geschehnis dar, auf das im Laufe der Handlung immer wieder zurückgegriffen wird. Brods Eltern sind ertrunken und sie wird von einem Trachimbroder aufgezogen, Jankel der schon auf die 70 Jahre zugeht und mit dem sie ein sehr zurück gezogenes Leben führt, ihr Wissen bekommt sie aus Büchern, eine belesenes Mädchen, das durch das viele Wissen unglücklich wird. Womit ich schon wieder bei der Frage wäre, wieviel lesen gesund ist und ob man nicht unglücklich wird, je mehr man liest? Eine Frage die ich mir vor dem Lesen des Buches schon gestellt habe und die durch das Lesen wieder sehr aktuell geworden ist.
Am Abend des Todes ihres Ziehvaters wird Brod vergewaltigt, lernt am selbigen Abend ihren zukünftigen Mann kennen, deren Geisteszustand sich durch einen schweren Unfall Jahre später sehr verändert. Brod noch fast ein Kind, bekommt selber Kinder und lebt ihr unglückliches Leben. Brod ist die Ur ur ur ur ur Großmutter des Helden.
Leider verläßt der Leser Brod im Laufe der Geschichte, um erst am Ende wieder zu ihr zurück zu kommen. Ein Charakter der mich sehr bewegt hat und der sicherlich in mir bleiben wird, wie auch Alex, sein Großvater und natürlich Jonathan Safran Foer. Ich finde es übrigens eine geniale Idee, dem Protagonisten seinen eigenen Namen zu geben.
Das Unglückliche durchzieht sich durch die Leben der Vorfahren von Jonathan Safran Foer und dem Leser wird wirklich sehr viel zugemutet. Einige wenige Pausen bekommt er, während er die Briefe von Alex liest und seine Beschreibungen der gemeinsamen Reise durch die Ukraine. Mit einem solchen Abschnitt beginnt das Buch, sehr humorvoll, der Leser weiß noch nicht was auf ihn zu kommen wird. Der Humor vergeht, je weiter die Handlung voran schreitet und irgendwann war von Humor gar nichts mehr zu bemerken und irgendwann bieten diese Passagen kaum noch Erholung, denn es wird immer deutlicher das auch Alex Großvater in die Geschehnisse um Trachimbrod verwickelt ist und spätestens als sie eine Frau finden, ob sie nun Augustine ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle, eine Überlebende von Trachimbrod, war für mich die Geschichte nur noch todtraurig und dieses Wort trifft es. Ich habe selten in einem Buch so eindrucksvolle Beschreibungen von Schreckenserlebnissen gelesen wie in „Alles ist erleuchtet“, die Abgründe der Menschen, der Deutschen, der Nazis werden mit einer Gewalt dargestellt, die mich zu erdrücken drohten und diese Beschreibungen liegen fern von Detailliertheit.
Zum Anfang des Buches kommt Alex als ein sehr lebenslustiger Mensch herüber, der sich zu vielem Äußert, der ein aufregendes Leben lebt und der den Traum hat, irgendwann mit seinem kleinen Bruder in die USA auszuwandern. Jonathan Safran Foer dagegen kommt sehr intellektuell herüber, etwas eingeschüchtert, verwirrt. Im Laufe der Handlung wurde mir immer mehr bewußt, wie sehr sich Alex und Jonathan ähneln, das Alex vorgab jemand anderes zu sein und es zu dem Zeitpunkt als er es vorgab, vielleicht auch war. Die Fragen von: Wer sind wir? Sind wir wirklich die für die wir uns halten? Wer wären wir gerne und warum? Laufen wir Illusionen hinterher die uns das gegenwärtige Leben erschweren? Ist es um uns herum wirklich so wie wir denken, oder doch ganz anders und woher nehmen wir die Sicherheit zu wissen das es so ist und nicht anders? – spielen im Laufe des Romans eine große Rolle.
Ich erwähnte weiter oben schon, das einige Darstellung am Rande zum Fantastischen sind. Eigentlich mag ich Derartiges nicht, aber in die Beschreibungen von Herrn Foer haben mich überzeugt und immer wieder denken lassen, dass es rein theoretisch so gewesen sein könnte, mit ganz viel Fantasie, es vielleicht nicht so abwegig ist. Es geschehen ja wirklich Dinge, die wir uns mit unserem Menschenverstand nicht erklären können.
Womit ich beim Lesen ein großes Problem hatte und auch jetzt im Nachhinein, das ist das Alter des Autoren beim Schreiben des Buches. Er war Anfang 20 und ich habe immer wieder nachgesehen, ob ich mich in der Jahreszahl nicht verlesen habe. Mir ist es ein Rätsel, wie ein so junger Mensch so anschaulich, einfühlsam, extravagant erzählen kann, wie es ihm möglich sich in verschiedene Rollen hineinzuversetzen die doch recht unterschiedlich sind, wie er so tiefe Gefühle, Ängste und Zweifel zum Ausdruck bringen kann, woher er die Kreativität nahm mit der das Buch geschrieben wurde, woher der Mut sich von dem klassischen Erzählstil zu entfernen? Für mich ist es schwer nachvollziehbar und wenn ich nicht wüßte das er wirklich erst Anfang 20 war, würde ich annehmen, er währe im Alter weiter fortgeschritten und mindestens Mitte, Ende 50. Ich habe es selten, das ich mich für die Entwicklung eines Autoren interessiere, was vielleicht auch daran liegen mag, das ich oft Bücher von älteren Autoren lese, die schon auf ein Werk zurückblicken können. Herr Foer steht am Anfang seines Werkes und ich bin sehr neugierig darauf, wie er sich entwickeln wird, ob er weitere Bücher schreiben wird, als die 2 die er bisher veröffentlicht hat.
Ich erwähnte eben schon, das ich den Stil des Buches als außergewöhnlich und extravagant empfinde. Alex ist ja Ukrainer und spricht ein sehr fehlerhaftes Englisch und dieses wird in den Passagen die er erzählt auch so dargestellt. Ich habe etwas gebraucht um zu kapieren das es sich hierbei um eine Erzählform handelt und nicht um Fehler des Übersetzers. Den Mut einen Text mit Fehlern zu schreiben, die aber so platziert sind, dass es treffender erzählt wird, als wenn die Fehler nicht eingebaut worden wären und da stellt sich natürlich die Frage, ob es sich wirklich um Fehler handelt? Das Hineinschlüpfen in die verschiedenen Erzähler ist dem Autor genial gelungen.
Warum ich den Stil als extravagant und außergewöhnlich empfinde? Ganz einfach: Die Handlung wird nicht einfach nur erzählt, sie wird dargestellt, mir kam es fast wie ein darstellendes Spiel vor. Es gibt Seiten auf denen die Wörter aneinander gereiht sind, ohne Kommas, ohne irgendwelche anderen Satzzeichen. Mit diesem Mittel wird ein ungeheuerliches Tempo erreicht und es wurde an genau den richtigen Stellen eingesetzt. Der Leser vergißt da Atmen, der Leser ist geschockt, der Leser möchte das eigentlich gar nicht lesen, was er liest, da es so schrecklich und grausam ist und dennoch kann er nicht vom Text lassen, jedes Satzzeichen würde diesen Effekt mindern.
Die Wichtigkeit des Schreibens kommt immer wieder in diesem Buch vor. Ohne Schreiben keine Erinnerungen und Überlieferungen, sehe ich ganz genauso, dennoch wäre ich sicherlich nicht auf die Idee gekommen 2 Seiten nur „Wir schreiben...“ zu schreiben. Als ich beim Durchblättern diese Seiten sah, dachte ich noch was das für ein Unsinn wäre, was für eine Papierverschwendung, als ich diese Wortgruppe jedoch im Zusammenhang des Textes las, war ich ganz anderer Meinung und sehr fasziniert.
Dieses Buch gehört zu den Büchern, die man entweder mag oder man mag sie nicht, ich kann mir nicht vorstellen das es etwas dazwischen gibt. Ich mag dieses Buch sehr und zähle es zu den besten die ich bisher gelesen habe und zu denen gehören unter anderem „Stiller“ von Max Frisch, „Das Museum der Unschuld“ von Orhan Pamuk. Es ist anders und deshalb für mich so wertvoll und die Tatsache das sich ein so junger Mann wie Jonathan Safran Foer es ist, sich mit seiner Geschichte auseinandersetzt und den literarischen Weg gefunden hat sich ausdrücken zu können, finde ich zutiefst beeindruckend.
Ich habe das Lesen dieses Buches als nicht leicht empfunden, zum einen wegen des ungewöhnlichen Stils, zum anderen wegen der Zeitsprünge und auch wegen des schweren Themas, der vielen Gefühle, der Schicksale und zähle dieses Buch zu den Büchern, die nicht unbedingt für ungeübte Leser geeignet sind, was natürlich nicht heißt das ich es ihnen nicht empfehlen möchte. Ganz im Gegenteil, aber ich kann mir gut vorstellen, das es viele geben könnte, die das Buch beiseite legen, nach nur wenigen Seiten. Es ist kein Buch, das ich zum einfach mal so nebenbei herunter lesen empfehlen könnte und es auch sehr schade finden würde, wenn es so gelesen würde. Ich kann diesen Satz „Ich habe das Buch verschlungen“ nicht wirklich ausstehen, zumindest nicht bei tiefer gehenden Handlungen, bei Büchern dessen Schreiben dem Autoren sehr viel abverlangt hat.
Wer meine vorangegangenen Zeilen gelesen hat, wird sich die Frage nach der Spannung der Handlung selber beantworten können. Es ist kein, ich möchte unbedingt wissen wie es weiter geht Buch, ich wollte gar nicht wissen wie es weiter geht, da ich es erahnte, aber die Gewissheit nicht erlangen wollte.
Ein Buch das mich zutiefst bewegt und angesprochen hat, das ich weitere Male lesen werde, das mich sehr zum Nachdenken angeregt hat und dessen Autor ich gerne einmal treffen würde und diesen Wunsch hatte ich bisher bei noch nicht vielen Autoren. Ein Buch dem ich eine Empfehlung aussprechen möchte und das mich wieder einmal dahin gebracht hat, mich zu Fragen warum man Thriller und Krimis liest, wo man doch in der Geschichte so viele Grausamkeiten findet, die real waren und es leider immer noch sind, denn wir tragen die Geschichte in uns und sie ist lange noch nicht verarbeitet und ein jeder sollte sich mit sich selber beschäftigen und vielleicht das ein oder andere Mal nicht die Unterhaltung und die Zerstreuung von Außen suchen.
'''Sonstiges'''
383 Seiten, 9,95 Euro kostet die Taschenbuchausgabe, ISBN Nr. 9783596156283, erschienen im Fischer Verlag.
'''Mein Fazit'''
Bevor man anfängt dieses Buch zu lesen, sollte man sich bewußt sein, das die Handlung schwer verdaulich sein wird, vielleicht sogar gar nicht verarbeitet werden kann. Es gibt Grausamkeiten die kann man erklären, man kann sie darstellen aber man versteht sie trotzdem nicht und jeder Versuch nach Verständnis scheitert. Wer dieses Buch lesen möchte, dem kann ich dazu raten aber es ist kein Buch zum Verschlingen und wenn es doch gemacht wird, dann kann es zu Unverträglichkeiten und Übersättigung kommen.
In diesem Sinne verabschiede ich mich von euch...
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