ein Testbericht von leser@tte2004-07-19 18:19:28vom 19.07.2004Empfehlung: ja
Vorteile: guter Rundumschlag, Praktikumstauglich...Nachteile/Kritik: unhandlich
Der Gerthsen ist eines der Standardbücher, um die man im Physikstudium kaum herumkommt und auch für verwandte Studiengänge, die ein physikalische Praktikum beinhalten, kann er sehr nützlich sein.
Zwar prangt auf meiner 19.Auflage der Schriftzug "Die ganze Tiefe der Physik", jedoch halte ich ihn eher für einen Einstieg in die Physik, der weite Teile abdeckt, als da wären (nach Kapiteln):
1 Mechanik des Massenpunktes
2 Mechanik des starren Körpers
3 Mechanik deformierbarer Körper
4 Schwingungen und Wellen
5 Wärme
6 Elektrizität
7 Elektrodynamik
8 Freie Elektronen und Ionen
9 Geometrische Optik
10 Wellenoptik
11 Strahlungsenergie
12 Das Atom
13 Kerne und Elementarteilchen
14 Festkörperphysik
15 Relativitätstheorie
16 Nichtlineare Dynamik
17 Statistische Physik
18 Nichtlineare Dynamik
Lösungen zu den Aufgaben
Farbtafeln
Quellennachweis
Sach- und Namensverzeichnis
Bei dieser Fülle an Themen und einem Umfang von mittlerweile fast 1300 Seiten (20.Aufl. 1262) kann es aber auch nicht wundern, daß nicht auf jedes Thema in "der ganzen Tiefe" eingegangen wird.
Aber der Gerthsen entwickelt sich auch stetig weiter.
In unserer Unibibliothek stehen diverse ?alte? Ausgaben. Da heißt er noch "Gerthsen, Kneser, Vogel" und ist wesentlich handlicher. Mittlerweile heißt er aber nur noch Gerthsen und wird von H. Vogel herausgegeben. (Was aus dem Kneser wohl geworden ist...)
Den didaktischen Aufbau finde ich recht gelungen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Einleitung, welche den historischen Zusammenhang herstellt. Am rechten Rand werden dann oft Personen vorgestellt, die eng mit dem Stoff des Kapitels in Zusammenhang stehen.
Seit einigen Auflagen ist das ganze Buch zweifarbig gedruckt (blau und schwarz), wodurch die Grafiken wesentlich deutlicher werden.
Am Ende jedes Kapitels findet sich eine Sammlung von Fragen (Lösungen im Anhang), die nach dem Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet sind.
Die Auswahl dieser Fragen finde ich recht gelungen, da sie oft einen direkten Alltagsbezug haben.
Z.B. Warum ist der Himmel blau oder warum tickt es in dem Kasten am Weidezaun...
Besonders hat mir das Kapitel über Statistische Physik gefallen.
Hier werden die Grundaufgaben der Kombinatorik an guten Beispielen erklärt, wie z.B. der Wahrscheinlichkeit, daß eine Horde Affen aus Buchstabennudeln den Satz TO BE OR NOT TO BE legt.
(Auch wenn Herr Gerthsen o. Vogel nicht bedenken, daß die Affen die Nudeln wohl eher essen würden, was das Ganze natürlich NOCH UNWAHRSCHEINLICHER macht!)
Der Gerthsen versteht sich selbst als Übungsbuch, Lehrbuch neben der Vorlesung, zur Prüfungsvorbereitung, zur Vertiefung einzelner Fragestellungen und als handliches, umfassendes Nachschlagewerk.
Wenn ich ihn auch nicht als umfassend empfinde und zur Vertiefung lieber anderweitig gucke, wird er dem Anspruch doch über weite Strecken gerecht!
Ein Buch, das ich schon oft empfohlen habe, wenn ich Praktikanten betreut habe.
Den größten Nachteil sehe ich noch in dem recht unhandlichem Format, daß der Gerthsen angenommen hat, seit die Lösungen der Aufgaben mit aufgenommen worden sind...
lilly, 19.07.2004
Physik ist eine Sache, die voumlllig an mir vorbei geht. Zum Gluumlck geht039s nicht allen Leuten so ie mir! Koumlnntest vielleicht noch ne Preisangabe machen, sofern ich die nicht uumlbersehen haben sollte... LG, Lilly
Tris., 19.07.2004
Klasse geschreiben. Scheint empfehlenswert zu sein.
Ein weiterer geistiger Totschläger von naturwissenschaftlichen Problemen
ein Testbericht von Darkgravity2004-08-31 15:09:46vom 31.08.2004Empfehlung: ja
Vorteile: schöne Aufmachung, übersichtlich, originelle Aufgaben...Nachteile/Kritik: keine einteilung der Aufgaben in Schwierigkeitsstufen, manchmal Erklärungen etwas kurz, "Tipler" is besser - meine Meinung
Da ich schon gerade dabei bin und über den "Tipler" einen Testbericht verfasst habe, mach ich jetzt auch noch einen über den guten alten "Gerthsen", der auch in jeder Unibiblitohek zu finden ist.
Inhalt
Ersteinmal ein kurzer Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
(ich spreche hier immer von der 21. Auflage)
Messen und Messeinheiten
Kinematik
Dynamik
Einfache Bewegungen
Arbeit, Energie, Impuls, Leistung
Reibung
Gravitation
Trägheitskräfte
T ranslation und Rotation
Dynamik eines starren Körpers
Gleichgewicht und Bewegung eines starren Körpers
Der Kreisel
Ruhende Flüssigkeiten und Gase
Oberflächenspannung
Strömungen
Der deformierbare Festkörper
Schwingungen
Wellen
Wellenausbreitun g
Eigenschwingungen
schallwellen
Oberflächenwel len und Flüssigkeitswellen
Wärmeenergie und Temperatur
Kinetische Gastheorie
Wärmekraftmaschinen
Wärmeleitung und Diffusion
entropie
Aggregatzustände
Vakuum
Ele ktrostatik
Dieelektrika
Gleichströme
Mechanisme n der elektrischen Leistung
Galvanische elemente
Thermoelektrizität
Ströme und Felder
Erzeugung von Magnetfeldern
Induktion
Magnetische Materialien
Wechselströme
Elektromagnetische Wellen
Erzeugung von freien Ladungsträgern
Bewegung freier Ladungsträger
Gasentladungen
Plasmen
Reflexion und Brechung
Optische Instrumente
Lichtgeschwindigkeit
Matrizenoptik
Geometrische Elektronenoptik
Interferenz und Beugung
Polarisation des Lichts
Absobtion, Dispersion und Streuung des Lichts
Wellen und Teilchen
Strahlungsfeld
Strahlungsgesetze
Die Welt der Farben
Das Photon
Emission und Absorption von Licht
Das Bohrsche Atommodell
Atome in magnetischen und elektrischen Feldern
Grundzüge der Quantenmechanik
Teilchen in Potentialtöpfen
Laserprozesse
Laserstrahlen
Las er, Typen und Eigenschaften
Kurzzeitlaser
Systematik des Atombaus
Röntgenstrahlung
Moleküle
Kristallgitt er
Gitterschwingungen
Metalle
Halbleiter
Gitte rfelder
Makromolekulare Festkörper
Supraleitung
Der innere Aufbau der Atome
Radioaktivität
Schnelle Teilchen
Elementarteilchen
Kosmische Strahlung
Bezugssysteme
Relativistische Mechanik
Relativistische Physik
Gravitation und Kosmologie
Statistik und Ensembles
Physikalische Ensembles
Quantenstatistik
Stabilität
Nichtline are Schwingungen
Biologische und chemische Systeme
Chaos und Ordnung
LÖSUNGEN ZU DEN AUFGABEN
FARBTAFELN
QUELLENNACHWEIS
SACH - UND NAMENSVERZEICHNIS
Puh endlich geschafft. Nachdem mein Vorgänger in seiner Rezension die GROßÜBERSCHRIFTEN angegeben hat, hab ich mir mal die Mühe gemacht ein wenig mehr ins Detail zu gehen und habe die UNTERÜBERSCHRIFTEN angegeben. Nicht dass ich meinen Vorgänger kritisieren will, nein im Gegenteil - sein Beitrag ist genial. Ich möchte dem Leser meiner Rezension nur nochmal etwas NEUES bieten.
Der Gerthsen hat in seiner 21.Auflage 1288 Seiten und ist ein Buch ähnlich wie der "Tipler" Der Einband ist aus Pappe und damit sehr stabil, was auch wichtig ist für ein Buch mit solchem Gewicht und Größe. ;O)
Die Einzelnen Kapitel:
Jedes einzelne Großkapitel besitzt nochmal ein eigenes kleines Inhaltsverzeichnis. Danach folgt die Einleitung, dann erst die Unterüberschriften. In den Erklärungen, sind wichtige, zu merkende Stichpunkte fett gedruckt. Sätze und Formeln blau markiert - weniger wichtige Formeln schwarz umrandet. So entsteht ein übersichtliches und leichtverständliches und merkbares Erklärungsbild. Ein Beispiel schließt immer den Erklärungsabschnitt ab. Außen am Seitenrand finden sich immer wieder Diagramme und Kurzzusammenfassungen. Am Ende des Großkapitels gibt es Aufgaben, deren Lösungen ganz hinten in demselben Buch stehen.
Die einzelen Kapitel sind übersichtlich und leicht verständlich geschrieben, doch meiner Meinung nach etwas komplizierter als im Tipler - siehe meine Rezension dort.
Die Bilder und Diagramme sind sehr schön und zeigen die Problemstellungen gut. Auch die Aufgaben sind sehr schön gestellt, allerdings nicht in Schwierigkeitsstufen unterteilt - zumindest nicht sichtbar. Dafür glänzen die im "Gerthsen" gestellten Aufgaben mit Originalität. Teilweise lustige, interessante, komische und skurile Aufgaben sind hier zu finden, die einen Physiker wirklich locken, hinter die Lösung zu kommen.
Durch die manchmal skurile Art der Aufgabe wird allerdings auch die Lösung erschwert, weil man sich so manches nicht ganz so leicht vorstellen kann - aber das ist ja in Klausuren eh nicht viel anders -also eine gute Übung für den Ernstfall.
Bemerkung
Für mich persönlich war und ist der Gerthsen weniger geeignet. Trotz seiner Übersichtlichkeit und seiner schönen Erklärungen konnte ich mit ihm nicht soviel anfangen, wie mit dem "Tipler", der um einiges ausführlicher in so manchen GRUNDSÄTZLICHEN Problemen ist. Ich hatte den Eindruck, dass im "Gerthsen" manchmal für mich jetzt einfach etwas Wichtiges
fehlt und ich deshalb nicht auf die Lösung kommen. Dieses Problem hatte ich mit dem "Tipler" nicht.
Aber ich kenne auch viele Physiker, die nicht so denken und den "Gerthsen" als ihren Favoriten bezeichnen und einen Großteil für die Prüfungen daraus lernen. Es ist also mit den Physikbüchern wirklich immer ein zweischneidiges Schwert. Man weiß nie, was dem ANDEREN liegt. Deshalb sollte auch hier jeder selber erstmal in der Unibibliothek stöbern und sich das Buch gegebenenfalls mal ausleihen und dann entscheiden.
Meine Rezension kann hier nur dazu dienen, um sich ein Bild von diesem Kompendium zu machen. Ob es nun wirklich genial oder einfach miserabel ist, das muss man selbst entscheiden.
Jeder hat eine andere Art zu verstehen und eine andere Art zu lernen.
Für mich jedenfalls war das Buch bestenfalls mittelmäßig. Ich habe dort Wissen nachgeschlagen, das im Tipler oder im Bergmann/Schäfer nicht zu finden war...und das ist dann doch nicht allzuviel.
Genau dasselbe wie beim Tipler möchte ich also empfehlen:
ein Testbericht von Dobby2004-07-01 18:25:36vom 01.07.2004Empfehlung: ja
Vorteile: übersichtlich, umfassend...Nachteile/Kritik: etwas knapp
Eigentlich war es war es nur aus der Not heraus und dem Mangel an Büchern überhaupt geboren. Im Studienjahr 1946/47 gleich nach dem 2. Weltkrieg hängte der Berliner Professor Christian Gerthsen seinen Studenten ein Skript zu seiner Experimentalphysikvorlesung aus, im Jahr 1948 erschien die erste Auflage des Gerthsen. Mittlerweile ist der Gerthsen schon für Generationen von Physikstudenten eines der Standardwerke im Bücherschrank, sogar mein Vater (Examen 1967) hat ein Exemplar aus den 60gern. Um die Fortführung und die notwendige Ergänzung neuer Forschungsinhalte haben sich dann auch die Herren Kneser und
Vogel verdient gemacht. Eine Sache muss hier allerdings deutlich gesagt werden: Es handelt sich nicht um ein Lexikon wie bei yopi eingeordnet, sondern um ein Lehrbuch der Experimentalphysik!
Was macht aber das Geheimnis des Erfolges dieses Physikbuches aus? Auf über 900 Seiten werden die Grundlagen der Physik umfassend und einigermaßen begreiflich dargestellt. Am Ende dieses Artikels stelle ich allerdings noch kurz einige Alternativen zum Gerthsen vor.
Zunächst einmal: Der Gerthsen wendet sich an alle Physikstudenten und zudem auch an alle verwandten Fächer. Hauptsächlich werden die Inhalte eine Physik-Vordiploms oder einer Physik-Zwischenprüfung für Lehramtskandidaten. Die Inhalte des Gerthsen erstrecken sich über die Gebiete der klassischen Physik bis hin zur Atom- und Kernphysik.
Die Inhalte des Gerthsen sind zwar komprimiert, aber ausführlich genug dargestellt. Allerdings eignet sich der Gerthsen nicht so sehr zum alleinigen Studium, eine Vorlesung nebenbei ist sicher ganz hilfreich. Hat man aber Grundzüge und wesentliche Inhalte der Physik begriffen, ist der Gerthsen meiner Meinung nach das ideale Buch zur Vorbereitung auf Praktika oder Prüfungen. Dies liegt zum einen an seiner Übersichtlichkeit. Mit Hilfe des umfangreichen Inhaltsverzeichnisses und des Stichwortkatalogs findet man ausgezeichnet einzelne Inhalte. Die mathematischen Zusammenhänge sind ausreichend ausführlich und durchaus verständlich dargestellt, allerdings sollte man Differential- und Integralrechnung schon ausreichend beherrschen. Aus diesem Grund ist der Gerthsen sich nicht für Schüler oder Studenten von Fächern, die nur sehr entfernt mit der Physik zu tun haben, geeignet. Auch ist der Gerthsen für Studenten mit leichten mathematischen Defiziten im ersten Semester recht happig. Allerdings wird einem an der Uni die für dieses Buch nötige Mathematik in der Regel sehr schnell beigebracht. Die modernen Bücher für die Experimentalphysik verzichten eben nicht mehr auf die Mathematik, sondern bewegen sich einen Schritt auf die theoretische Physik zu, was ich für äußerst sinnvoll halte. Ein Punkt muss allerdings noch Erwähnung finden: Im Hauptstudium (nach dem Vordipolm) reicht der Gerthsen selbstverständlich nicht mehr aus, den tiefen Einstieg in die einzelnen Gebiete der Physik kann und will er nicht leisten.
Der große Vorteil des Gerthsen ist: Die ganzen Grundlagen der Physik sind in einem Buch zusammengefasst und einzelne Inhalte sind in kleinen, übersichtlichen Kapiteln schnell nachzulesen. Ich habe in keinem anderen Buch die Kompaktheit und diese Übersichtlichkeit gefunden. Besonders für die Vorbereitung von Praktikumsversuchen (besonders im Grundstudium) findet man meist das notwendige Wissen kurz, übersichtlich und trotzdem umfassend dargestellt. Das Wiederholen von Inhalten gelingt nach meiner Erfahrung mit keinem Buch besser. Weiter findet sich am Ende jedes Kapitels eine sehr umfangreiche Sammlung an Aufgaben zu dem vorangegangenen Gebiet.
Fazit: Meiner Meinung nach sollte jeder Physikstudent und Student benachbarter Fächer den Gerthsen besitzen, allerdings ist es als "Zweitbuch" zum Nachschlagen und Üben besser als als "erstbuch" zum Lernen der Inhalte. Zum Vordiplom und spätestens zum Diplom sind die Inhalte obligatorisch.
Anmerkung: Dieser Bericht wurde von mir (in ähnlicher Form) schon im Jahr 2000 bei ciao veröffentlicht.
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