Grimm Hans-Ulrich: Die Suppe lügt Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Das kommt mir nicht aus der Tüte
ein Testbericht von bienvenue2007-07-19 14:24:48vom 19.07.2007Empfehlung: ja
Vorteile: Einfach und verständlich geschrieben...Nachteile/Kritik: Manches wollte ich garnicht so genau wissen
Ich habe Gründe dafür, weshalb ich selber koche (ohne Fix-und Fertig-Produkte) , mein Kind keine Cola trinken darf, ich keine Süßstoffe verwende und selbst beim Katzenfutter genau aufs Etikett schaue. Auch meine Abneigung gegen Molke und Fruchtjoghurts kann ich in dem folgenden Bericht ein wenig begründen und erklären.
Selbstverständlich lebe auch ich nicht "gesund pur"! Das ist in unserer Welt auch kaum möglich...und wer weiß schon, wie das wirklich funktioniert?
Ich habe ein Buch :-)
Ein Buch, welches mich in meiner bisherigen Einstellung unterstützt . Ich möchte es jedem ans Herz legen, der Ernährungsgewohnheiten hinterfragt, nicht jedem Etikett Glauben schenkt und bereit ist, einigen alltäglichen Lügen die Stirn zu bieten.
Jemand, der bisher Fast- bzw. Fake-Food zu sich genommen hat, wird so seine Schwierigkeiten haben, den in dieser Lektüre dargestellten Wahrheiten ins Gesicht zu schauen. Gut, einige werden sagen: "Blödsinn, glaub ich nicht" andere denken "Ist mir trotzdem egal". Nun gut, mir ist es nicht egal. Mich interessiert, was ich tagtäglich zu mir nehme und vor allen Dingen, meinem Kind verabreiche.
Ich schaue gerne zweimal hin, bevor ich einer Werbung, einem Slogan, oder einem Produkt meinen Glauben schenke. Diese Grundhaltung hat mich zum Kauf dieses Buches motiviert.
Obwohl auf einiges vorbereitet, hat mich der Inhalt des Buches doch manchesmal schlucken lassen. Vieles habe ich nicht gewusst und hätte mir die entsprechende Fragen vielleicht niemals gestellt?!
Inhalt
Der Inhalt des Buches beschäftigt sich mit den Inhaltsstoffen in unseren Lebensmitteln, vorrangig mit Aromastoffen.
Als großer Aufhänger dient u.a. die spektakuläre Herstellung des Erdbeeraromas, welches aus Sägespäne hergestellt wird.
"Das kann aber bei meinem Lieblings- Joghurt nicht sein, denn da steht ja "natürliches Aroma" drauf" wird jetzt so manch Einer/Eine sagen.
Doch, es kann sein, denn Sägespäne ist doch "natürlich", oder etwa nicht? Diese Tatsache reicht aus, um ein Produkt entsprechend zu deklarieren.
Leseprobe:
"Die Sägespäne, aus denen die Künstler von Haarmann & Reimer ihr Erdbeeraroma gewinnen, entstammen australischen Bäumen - sind also unzweifelhaft natürlichen Ursprungs. Auch das Rizinusöl, aus dem die Chemiker von BASF ein feines Pfirsich-Aroma herauskitzeln ist reine Natur, gepresst aus Samen von Ricinus communis, der Christpalme…"
Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert:
1. Diskrete Welt-Macht
Die Geschmacksindustrie
In diesem Kapitel wird die Adresse, des in der Welt größten Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen (IFF International Flavors & Fragances) preisgegeben. Ein Konzern, der über 4200 Beschäftigte hat und sich in der Öffentlichkeit kaum bemerkbar macht.
." …er laboriert still im Winkel, bleibt inmitten einer schrillen Welt mit Fernsehwerbung, Leuchtreklame, Radiospots fast rumpelstilzchenhaft ruhig…"
Auch andere Geschmacks-Industrielle aus aller Welt werden genannt und ebenso die Produkte, die mit deren Geschmacksstoffen versetzt werden. Die meisten dieser Industrieprodukte wären ohne Aromen und Geschmackstoffe ungenießbar.
. "….eine Hühnersuppe mit Nudeln aus dem Hause Knorr beispielsweise enthält nur zwei Gramm "Trockenhuhn"…Das entspricht gerade mal sieben Gramm vom Fleisch eines echten Federviehs, Damit kann natürlich kein Koch der Welt Hühnergeschmack in vier Teller Suppe zaubern. Knorr kann das - mit einem Gramm Aroma, dem Geschmack aus der Fabrik."
Der Autor weist in diesem Kapitel darauf hin, dass bereits 75 Prozent alles Verzehrten in Deutschland aus industrieller Produktion stammt
( in den USA sogar 95 %).
2.Organisierter Etikettenschwindel:
Das Kenzeichnungsrecht
Ich erfahre, dass der europäische Sitz des "Kunstkochens" Holzminden ist, dass Vanillin (der synthetische, billige Ersatz für Vanille) 1874 von dem Forscher Dr. W. Haarmann erfunden wurde, in dessen Firma auch, bereits oben beschriebenes Erdbeeraroma aus Sägespäne hergestellt wird. Es werden Urteile zum Kennzeichnungsrecht genannt und einige Produkte, die uns einen anderen Inhalt vorgaukeln, als Beispiele genannt.
Das Geheimnis der Zitronensäure, die z. B. in Cola vorhanden ist, wird gelüftet. Einige Abkürzungen wie WONF und FNTF werden erklärt und Unterschiede mit Beispielen unterlegt.
3.Die Logik des Menüs
Über die Geschichte des Geschmacks
Wie die Überschrift schon aussagt, wird hier sehr lebendig der Blick auf die Vergangenheit bis in die Gegenwart gewagt.
Wusstet ihr, dass in der Maggi-Würze nicht ein Blättchen des so genannten "Maggikrauts" ist, sondern dass dieses Kraut erst in der neueren Zeit so genannt wird, weil dessen Geruch an die Maggi Würze erinnert. Und wie heißt das Maggikraut wirklich??...Weiß es jemand? Ich verrate es hier jetzt mal nicht!
Zum Ende folgt die fließende Überleitung zu
4.Das dressierte Kind
Der Kampf um die Kleinen
Der Autor beschreibt, wie Kinder ihres ursprünglich natürlichen Geschmacksverhalten beraubt und Geschmacksnerven "dressiert" werden können. Besonders dieses Kapitel habe ich mit großem Interesse gelesen. Es wird erklärt, warum ältere Kinder bestimmte natürliche Produkte nicht annehmen und wie es dazu kommt. Selbstverständlich beginnt es mit der Babynahrung! Es werden Themen wie Übergewicht, Mangelerscheinungen und Erkrankungen bei Kindern behandelt. Cola wird als "Kalzium-Räuber" enttarnt, womit die Zunahme an Osteoporose Erkrankungen bei Kindern erklärt wird.
Insbesondere jungen Eltern möchte ich dieses Kapitel ans Herz legen. Vielleicht lassen sich späteren Allergien, Krankheiten oder Auffälligkeiten vermeiden oder zumindest eingrenzen.
5.Doppel-Blind-Versuche
Die Ohnmacht staatlicher Kontrolleure
6.Geschmacks-Verirrung
Die schleichende Legalisierung verbotener Metzgermethoden
Ihr könnt erfahren, wieso Würste geduscht werden, was Flüssigrauch ist und wie Fleisch und Würstchen ungeräuchert trotzdem nach Rauch schmecken. Auch die Gründe und Gefahren dieser künstlichen Beräucherung, werden genannt.
7.Die Suppe lügt
Der Betrug am Körper
" die Aromen sind geeignet, den Körper auszutricksen. Wenn diese Geschmacksstoffe Rind signalisieren, dann wird das Hirn alarmiert, dann werden die Verdauungsdrüsen aktiviert, die das ganze System darauf einstellen Rind zu verarbeiten. Jetzt läuft das ganze leer. Da wird der Körper betrogen. Das ist physiologisch ein Mangelzustand. Und die Folge ist saumäßiger Kohldampf. Die reflexhafte Reaktion dann: weiter essen!...."
8.Dicker Hund
Wohlgeschmack als Masthilfsmittel
Wem seine eigenen Ernährungsgewohnheiten nicht so von Interesse erscheinen, die Liebe zum Tier aber groß ist, darf sich in diesem Kapitel über Zusätze in Tierfutter und die Wirkung von Aromen kundig machen und wird vielleicht beim nächsten Einkauf ein wenig skeptischer aufs Etikett schauen.
9.Heimlich light
Der unmerkliche Siegeszug des Süßstoff
Wie oft stellte ich mir die Frage, weshalb der halbe Markt von Light-Produkten gefüllt ist, die Menschen, die vor dem Regal stehen jedoch immer dicker werden?! Die Frage wird in diesem Kapitel beantwortet! Auch wie diese Stoffe heißen, worin sie versteckt sind und wie sie wirken, wird ausführlich beschrieben. "bäh" Ich persönlich habe das Glück, dass mir Geschmacksnerven geschenkt wurden, die Süßstoffe ablehnen und mich somit vor dem Verzehr dieser Produkte schützen. Nach dem Lesen dieses Kapitels möchte ich mich hiermit bei meinem Körper für diese "Vorsichtsmassnahme" bedanken.
10.Müll mit Maske
Aus Abfall werden Lebensmittel - prima Imitate
Hierzu wieder eine kleine Leseprobe:
"…Das Rezept ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Denn als Ausgangsbasis dient: Klärschlamm. Man nehme die festen Bestandteile der Brühe, ruhig auch das reichlich vorhandene Toilettenpapier, verkoche es bei hohen Temperaturen zu Granulat, mahle es sodann und füge einige Sojaproteine hinzu. Fertig ist "Jinko Nikku" ein neuartiger Fleischersatz…" Das lasse ich mal so stehen, um nicht alles vorweg zu nehmen.
11.Der Schock-O-Riegel
Versteckte Risiken für die Gesundheit
Allergien, ihre Auslöser und versteckte Inhaltsstoffe werden hier dargestellt. Unter anderem wird auf die oft zu lesende Deklaration " kann Spuren von…enthalten" eingegangen. Einige erschreckende "Ernährungsunfälle" mit lebensbedrohlichen Ausgang werden geschildert.
12.Das Geschmacks-Kartell:
Der Kampf der Giganten im Food-Business
13.Lieber Lecker:
Die Zukunft des Geschmacks
Hierzu nur den Schlusssatz , es ist ja schließlich kein Roman, bei dem ich jetzt das Happy-End verraten könnte!
"Sie ist einfach ein bisschen verwirrend, unsere schöne neue Welt des Essens"
Der Autor
Hans-Ulrich Grimm
Jahrgang 1955
Ehemaliger Redakteur des Spiegel
Weitere Werke
"Aus Teufels Topf"
Meine Ausgabe
Ist im Knaur Verlag als Taschenbuch erschienen und hat mich im Jahre der Euroeinführung 8.90 Euro gekostet. Die Auflage ist aus dem Jahr 1999. Es gibt mittlerweile eine überarbeitete Ausgabe von 2005, für die man als Hardcover 19,90 Euro bezahlen darf. Einfach im Internet stöbern, da finden sich auch preiswertere Exemplare.
Fazit
Ich habe dieses Buch an einem Stück durchgelesen, da es spannend wie ein Krimi geschrieben ist. Es ist so verständlich, dass selbst Kinder (ab 10 Jahren) es lesen könnten, wenn sie ihre Eltern fragen dürfen :-). Die Sprache ist ironisch, sarkastisch und teilweise mit schwarzem Humor unterlegt, trotz aller Sachlichkeit! Störend empfand ich allzu häufige Wiederholungen, wie zum Beispiel den "Reißer" mit der Erdbeer-Sägespäne. Die Themen der Kapitel sind zwar klar voneinander abgegrenzt, aber auch hier finden sich einige Inhalte vorangegangener Aussagen immer wieder.
Trotz dieser Kritik, ist dieses Buch ein "Wachmacher", der ganz sicherlich keine krankmachenden Nebenwirkungen hat, abgesehen von der Übelkeit, die sich einstellt, wenn man liest, was wo drin ist….
Fast hätte ich die Molke vergessen:
Zu finden im Kapitel: Müll mit Maske
"..Man nehme zum Beispiel Molke. Ein Abfallprodukt der Landwirtschaft, es entsteht bei der Käseherstellung. Das grünliche Abwasser wurde früher weggeschüttet oder an die Schweine verfüttert. Vielleicht aus einer instinktiven Abwehrreaktion: Denn neuere Studien deuten darauf hin, dass ein Eiweißbestandteil der Molke an der Entstehung von Diabetes beteiligt sein könnte…..Der Großmolkerei Müller im bayrischen Aretsried gebührt das Verdienst, den flüssigen Nahrungsbaustein Molke, jenes grünliche Abwasser, massenhaften Genuß zugänglich gemacht zu haben. Das war nicht ganz einfach:……Schließlich hatten sie die Lösung : ein bischen Molke ein bisschen Wasser, Coffein, Traubenzucker und künstliche Süßstoffe als billigen Zuckerersatz…"
Guten Appetit!
Die dem Buch entnommenen Inhalte sind mit "..." dargestellt!
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