Für Interessierte des Themas „Serienmörder“ unbedingt empfehlenswert!
ein Testbericht von klukklukkluk2004-06-28 23:38:30vom 28.06.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Interessant, voller Fakten, gut geschrieben...Nachteile/Kritik: Da gibt es nichts
Serienmörder wecken seit jeher in großem Maße das Interesse der Menschen. Woher dieses Interesse stammt ist wohl eine nicht eindeutig zu beantwortende Frage, denn es gibt sicherlich die verschiedensten Beweggründe. Zum einen ist es mit Sicherheit die grosse Abscheu, die man dem Täter gegenüberbringt, denn die meisten Serienmörder sind nicht gerade zimperlich zur Sache gegangen. Zum anderen wird aber auch eine gewisse Faszination dadurch ausgeübt, das die Täter meist lange Jahre unentdeckt bleiben und von Nachbarn und Bekannten als ruhig, nett, entgegenkommend usw. eingestuft werden. Somit ist die Möglichkeit gegeben, dass ein mordender Psychopath neben Dir sitzt und Du merkst es nicht...
Deutschland hat im letzten Jahrhundert einige dieser Serienmörder hervorgebracht, von denen einige sehr bekannt wurden, wie zum Beispiel Fritz „Der Metzger“ Haarmann oder Peter „der Vampir von Düsseldorf“ Kürten. Aber der grausamste aller deutschen Mörder ist wohl der weitgehend unbekannte Joachim Georg Kroll, der im Juli 1976 festgenommen wurde und dem acht Morde sowie ein Mordversuch nachgewiesen werden konnten.
Der Autor und Kriminologe Stephan Harbort greift in seinem Buch „Ich musste sie kaputt machen“ die Geschichte des Serienmörders Joachim Georg Kroll auf und bietet dem Leser einen interessant geschriebenen und mit viel Faktenwissen dokumentierten Einblick in dessen Leben.
Man wird durch das Leben des grenzdebilen Mörders geführt und erfährt wie der zurückgebliebene junge Mann nur wenig in der Lage ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Schritt für Schritt kapselt er sich von seiner Umwelt ab, lebt zurückgezogen und sieht sich alltäglich mit sexuellen Problemen konfrontiert, die er nicht lösen kann, durch ein „komisches Gefühl“ aber gezwungen wird ihnen nachzukommen.
Sein Weg scheint vorprogrammiert und das, was der Leser befürchtet, wird von Stephan Harbort detailliert beschrieben. Kroll streift über 20 Jahre durch das Sauerland, den Niederrhein und das nördliche Ruhrgebiet um Duisburg und hinterlässt eine Spur des Schreckens, die nur schwer zu verstehen ist.
Seine kriminalistische Karriere endet dann auf ihrem Höhepunkt, als Kroll sogar zum Kannibalen mutiert und von der Polizei beim zubereiten des Abendessen ertappt wird, da er das Toilettensystem durch Gedärme eines getöteten Kindes verstopft hat. Die Beschreibung der Ereignisse lässt selbst abgebrühte Leser stocken, aber aufgrund des spannenden Erzählstils schafft man es nicht den Wälzer an die Seite zu legen, um seine Gedanken von den eben erworbenen schockierenden Informationen zu befreien.
Nach dem Ende der Morde ist bei Stephan Harbort aber noch lange nicht Schluss, denn er beschreibt im weiteren Verlauf des Buches die Vernehmung des Täters, bei der es noch das ein oder andere Kuriosum geben soll. Die Beschreibung dieser Geschehnisse ist dabei ebenso interessant zu verfolgen, wie authentisch, da Harbort Passagen aus den Originalverhören niederschreibt. Es gibt aber natürlich nicht nur trockene Auszüge, der Grossteil des Buches besteht aus sauber analysiertem Material, dass sehr spannend und ohne Wertung des Autors dargebracht wird. Der „Kannibale vom Rhein“ wird nicht als Monster dargestellt, es wird aber auch nicht schöngeredet, was sich Kroll zu Schulden hat kommen lassen.
Stephan Harbort geht am Ende dieses durch und durch gelungenen
und extrem empfehlenswerten Romans allerdings auf die Frage ein, wie eine gerechte Bestrafung von Kriminellen a la Joachim Georg Kroll auszusehen hat und regt zu einer Diskussion an, die leider viel zu wenig geführt werden dürfte.
Dieses Buch ist für Interessierte des Themas „Serienmörder“ unbedingt empfehlenswert!
Zum Autoren:
Stephan Harbort
Kriminalist und Autor
geboren am 22. April
1964 in Düsseldorf
eine Tochter
Diplom-Verwaltungswirt
Kriminalhauptko mmissar
stellv. Leiter eines Kriminalkommissariats beim Polizeipräsidium Düsseldorf
Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Düsseldorf (1996-2000)
Fachlehrer und Referent am Polizeifortbildungsinstitut Neuss (1998-1999)
Vortragstätigkeit
Rezensionen
zah lreiche Veröffentlichungen zum Strafrecht und Strafverfahrensrecht, zur Kriminologie und Kriminalistik
derzeitiger Forschungsschwerpunkt: Serientötung
Autor von zwei Monographien ("Der Beweiswert der Blutprobe", Boorberg 1994; "Rauschmitteleinnahme und Fahrsicherheit", Boorberg 1996)
Autor der populärwissenschaftlichen Bücher "Das Hannibal-Syndrom. Phänomen Serienmord" (Militzke, 2001), "Mörderisches Profil. Phänomen Serientäter" (Militzke, 2002) und "Ich musste sie kaputtmachen - Anatomie eines Jahrhundert-Mörders" (Droste, 2004)
beratende Tätigkeit bei TV-Dokumentationen (u. a. für die BBC)
Diese Rezension ist zuvor auf meiner Homepage erschienen.
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Ich musste sie kaputtmachen
ein Testbericht von Ilka1232006-02-11 22:15:09vom 11.02.2006Empfehlung: ja
Vorteile: Sehr anspruchsvolle Ausdrucksweise;
ein absolutes muss...Nachteile/Kritik: Nichts
Jahrgang 1964, in Düsseldorf geboren und dort lebend
verheiratet mit Ilona, eine Tochter (Katharina) aus erster Ehe
Kriminalhauptkommissar, Diplom-Verwaltungswirt
stellv. Leiter eines Kriminalkommissariats beim Polizeipräsidium Düsseldorf
2001 - 2002, Autor populärwissenschaftlicher Bücher ("Das Hannibal-Syndrom", "Mörderisches Profil", beide Militzke, Leipzig)
2004 - 2005, Autor von Sachbuchkrimis ("Ich musste sie kaputtmachen", "Der Liebespaar-Mörder", beide Droste, Düsseldorf)
2001 - 2005, Lesungen im gesamten Bundesgebiet
September 2005: Premiere "Ich musste sie kaputtmachen", Moment Theater, Neuss
1998 - 2005, Fachberater wissenschaftlicher TV-Dokumentationen (u. a. für ARD, WDR, NDR, SWR, BBC)
2001 - 2004, Fachberater bei Kino-Produktionen (u. a. für "Hannibal", "From Hell", "Roter Drache")
2001 - 2005, Fachberater für TV-Crime-Doku-Serien (u. a. für VOX, "Medical Detectives" und "Die Spurensucher")
2002 - 2005, Fachberater und Experte für "Serienmord/Fallanalytik" bei ARD, RTL, SAT.1, PRO SIEBEN, N 24
Stephan Harbort versteht es wie kein Zweiter, von der ersten zur dritten Person zu "springen", um im nächsten Moment wieder sachlich zu schreiben, ohne dabei verworren zu wirken.
Das Buch handelt über einen Mann, der wohl das düsterste Kapitel der deutschen Kriminalgeschichte seit dem zweiten Weltkrieg schrieb.
Der "Jahrhundert-Triebtäter" gestand eine Vielzahl von Morden, die er in mehr als zwei Jahrzehnten am Niederrhein und im nördlichen Ruhrgebiet begangen hatte!
Die Opfer: Kinder, Frauen, Männer.
Stephan Harbort wirft einen vertiefenden Blick auf die Entstehung und Entwicklung der Ereignisse und klärt darüber auf, wie sich der "nette Nachbar" zu einem der erbarmungslosesten und grausamsten Serienmörder Deutschlands aufschwingen und wie es ihm gelingen konnte, der Polizei immer wieder zu entkommen.
Leseprobe:
KAPITEL EINS
... Dann stand er auf, ging ein paar Schritte und überzeugte sich nochmals davon, dass der Vorhang nicht die kleinste Möglichkeit bot, ihn und alles andere zu erspähen. Er fürchtete sich vor den neugierigen Blicken seiner Nachbarn, die ihn sowieso nicht verstehen würden. Schließlich drehte er sich beruhigt um und ließ seine rechte Hand über die Bluse der Puppe gleiten. Das Spektakel konnte beginnen.
Der raue Stoff fühlte sich unendlich geschmeidig an. Seine dünnen Finger wanderten bis zum Hals der Puppe, den er mit der Hand fest umschloss. Er starrte die Puppe unentwegt an, so, als wenn er ihr etwas sagen wollte. Er kniff die Augen zusammen, sein Kiefer begann zu arbeiten, die Lippen zitterten. Doch er blieb stumm. Dann beugte er sich über den Herd. Er schob den Deckel des blauen Kochtopfs vorsichtig ein kleines Stück beiseite und lugte hinein. Die tiefliegenden dunklen Augen fixierten das Objekt seiner Begierde. Minutenlang verharrte er so und glotzte. Es inspirierte, es stimulierte ihn.
Irgendwann hatte er sich sattgesehen. Er schob den Deckel wieder in seine ursprüngliche Stellung. Es musste alles seine Ordnung haben, er durfte sich keinen Fehler erlauben. Nun nahm er vier kleine Kartoffeln und fünf mittelgroße Möhren aus einer Glasschale, die links neben ihm auf der Waschmaschine stand, und legte alles in den weißen Topf. Während seine linke Hand jetzt über die Bluse und den Rock der Puppe streichelte, berührte er mit der rechten den Griff des blauen Topfs. Am liebsten hätte er wieder hinein gesehen und sich sofort des Inhalts bemächtigt. Aber es war noch zu früh.
Das wusste er aus Erfahrung. Er musste sich beherrschen. Er trat einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk ausgiebig. Schließlich setzte er sich wieder an den Tisch. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, nahm den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Er war nicht müde, und er dachte auch nicht nach, er ließ sich einfach von seinen monströsen Gedanken überwältigen, die jetzt von ihm Besitz ergriffen. Alles war leicht, alles war möglich.
Mit einem Mal riss er die Augen auf. Seine Blicke wanderten hektisch zwischen der Puppe und den Kochtöpfen hin und her, die rechte Hand umklammerte nun fest den Knauf des Brotmessers. Er begann leicht zu schwitzen, sein Puls raste. Und dann wurde er wieder von diesem Gefühl überrannt, gegen das er sich nicht wehren konnte, das ihn antrieb. Sein ganzer Körper begann sich zu verkrampfen.
KAPITEL ZWEI
"Hast Du schon mal gesehen, wie ein Mann seinen Mantel aufknöpft? Klar. Im Restaurant. Im Kino. Oder auf der Straße, wenn es warm ist. Das ist ja auch ganz normal. Macht aber ein Mann seinen Mantel auf, ohne dass jemand außer Dir dabei ist, (zum Beispiel im Wald, in der U-Bahn oder im Treppenhaus) und Du siehst dann sein Geschlechtsteil, dann ist das nicht normal. Das hat schon etwas mit Sex zu tun. Mit bösem. Es gibt nämlich Männer, die eine Freude daran haben, Kindern ihr Geschlechtsteil zu zeigen. Diese Männer nennt man Sittenstrolche."
Die Idee war richtig, man wollte es erst gar nicht so weit kommen lassen, Kinder über drohende Gefahren rechtzeitig aufklären. Im Auftrag der Innenminister von Bund und Ländern glaubte eine Expertengruppe, den typischen Kinderschänder enttarnt zu haben. Seinen Steckbrief konnte jeder nachlesen, in einem kleinen gelben Heft, 32 Seiten im DIN-A5-Format, erhältlich für 1,50 Mark am Kiosk. Im Juni 1976 war die Aufklärungs-Schrift "im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern" als Flaggschiff des "kriminalpolizeilichen Vorbeugungsprogramms" erstmals erschienen. Zur Begründung hieß es: "Bei uns werden jährlich fast 100 000 Kinder zwischen sieben und 14 Jahren sexuell missbraucht. Seelisch geschädigt. Körperlich verletzt. Und manchmal ermordet."
Die Lebenshilfe war bestimmt für Kinder vom siebten Lebensjahr an, bündelte "kriminalistischen Sachverstand", fußte auf "kinderpsychologischem Wissen" und enthielt wohlmeinende Faustregeln wie diese: "Wenn Du einem Sittenstrolch begegnest, nichts wie weg!" Und wie das "Böse" auszusehen hatte, war ebenfalls unzweifelhaft: Es musste ein "Mann mit Mantel" sein, natürlich. Der "Sittenstrolch" war stets ein Fremder, jemand, der wie eine Naturkatastrophe über seine Opfer hereinbrach. Besonders verdächtig erschien, wer "keine Frau hat". Denn: "Der macht sich, wenn er böse ist, an Jungen und Mädchen heran." So einfach war das.
Dem "Triebtäter" war man auf die Schliche gekommen. Er hatte jetzt ein Gesicht, er zeigte ein bestimmtes Verhalten. Drohendes Unheil war nun erkennbar, durchschaubar, berechenbar. Nur den "lieben Onkel", den "netten Nachbarn" hatte niemand auf der Rechnung; so wie jenen 43-jährigen Waschraumwärter, der zu dieser Zeit in einer Duisburger Mansardenwohnung lebte - unauffällig und unbeachtet.
Nun, wenn ihr neugierig seid, wie es weitergeht, müsst ihr euch das Buch unbedingt kaufen!
Verlag und Preis:
Droste Verlag
Gebunden mit Schutzumschlag / 384 Seiten / 13,5 x 20,8 cm
ISBN 3-7700-1174-0
€ 19,95
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ein Testbericht von buchverschlinger2004-04-19 17:36:29vom 19.04.2004Empfehlung: ja
Vorteile: extrem spannend, akribische Recherche, klare Sprache, psychologisch tiefgehend...Nachteile/Kritik: mäßiger Titel, unappetitliche Details, abschreckendes Titelbild
Im Kern geht es bei diesem Buch um die authentische Entwicklungs- und Lebensgeschichte eines der schlimmsten deutschen Serienkiller des vergangenen Jahrhunderts. Dem Autor - selbst Kriminalhauptkommissar und renommierter Serienmord-Experte - ist es gelungen, diese verstörenden Ereignisse (unter anderem isst der Täter vom Fleisch seiner Opfer) nicht oberflächlich, plakativ oder populistisch darzustellen, sondern die Schilderungen und Analysen gehen in die Tiefe und offenbaren Innenansichten eines Serienkillers (aktiv von 1955 bis 1976 im gesamten Ruhrgebiet), wie ich Sie bisher noch nicht zu lesen bekommen habe. Bei keiner der 384 Seiten hatte ich
das Gefühl, schlecht unterhalten oder unzureichend informiert worden zu sein. Zudem gelingt es Harbort, diesen Fall ungemein spannend zu erzählen. Dieses Buch ist ganz gewiss nichts für Leser mit schwachen Nerven! Immer dort, wo man sich mehr Informationen wünscht, findet man sie auch, zum Beispiel, wenn es um bestimmte Hintergrundinformationen geht(Fahndungsmethoden oder Gerichtsgutachter). Vielleicht ist der Vergleich ein wenig gewagt, aber das Buch hat soviel Suspense wie Thomas Harris Klassiker "Das Schweigen der Lämmer". Und der Autor verfügt über eine ausdrucksstarke Sprache, er ist ein leidenschaftlicher und geschickter Erzähler. Wer sich für True Crime-Literatur interessiert, wird bestens bedient. Allerdings ist es schon ein wenig mehr, als "nur" die Dokumentation eines Kriminalfalls. Positiv ist ebenfalls zu vermerken, dass der Kommissar Harbort offenbar sehr penibel recherchiert hat, die Bibliographie ist sehr beachtlich. Nicht so gut gefallen hat mir der Titel, dafür ist das Buch nahezu einwandfrei: Verarbeitung hervorragend, so gut wie keine Tippfehler. Auch das Lektorat hat seinen Teil zum Gelingen dieses Buchs beigetragen - das ist ja (leider) nicht immer so. Wer noch mehr über das Buch und den Autor erfahren möchte, kann es ja mal auf der offiziellen Homepage www.stephan-harbort.de versuchen.
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