ein Testbericht von bolmsoe2005-08-22 14:53:27vom 22.08.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Spannung, viel Hintergrundwissen über Indien, schlüssige Charaktere...Nachteile/Kritik: das Ende
Vor einigen Wochen habe ich mir nun endlich ein Buch vorgenommen, das mich aufgrund seiner Dicke bisher immer etwas abgeschreckt hat: Den Tausendseiter "Palast der Winde". Wie es mir damit erging, lest Ihr hier:
***Inhalt***
Wir befinden uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts im von England kolonisierten Indien. Der verwaiste Sohn eines Angehörigen der britischen Armee und dessen Frau, Ash, wird von der Inderin Sita aufgenommen, die bei dem Ehepaar gedient hatte und selbst kinderlos ist. Durch Sita wird Ash als Inder erzogen. Da Sita Angst hat, das Kind zu verlieren, wandelt sie den Namen in Ashok um und gibt den Jungen ihr Leben lang als ihren eigenen aus.
Da sie keine Bleibe hat, zieht sie mit dem Kind durch das Land, wohl wissend, dass sie eigentlich die Pflicht hat, den Jungen bei den letzten lebenden Verwandten des Jungen abzuliefern. Durch einen Zufall rettet Ashok unterwegs einem nordindischen Prinzen das Leben und wird als Dank mit Sita zusammen im Palast des Maharajas angestellt, wo er lange Zeit zumindest materiell ein gutes Leben führt. Wohl fühlt er sich spätestens dann nicht mehr, als er feststellt, dass man dem Prinzen nach dem Leben trachtet und es im Palast von Intrigen nur so wimmelt. Als er schließlich herausfindet, dass man auch ihm selbst das Leben nehmen will, flieht er mit Sita in einer Nacht- und Nebelaktion. Dabei muss er auch seine engsten Freunde, unter anderem die wenige Jahre jüngere Prinzessin Anjuli, zurück lassen.
Die Helfer des Maharajas nehmen die Verfolgung auf. Als Sita unterwegs stirbt, muss sich Ash alleine durchschlagen und findet schließlich mit Hilfe alter Dokumente das Regiment seines Onkels, wo er aufgenommen wird. Um ihn in Sicherheit zu bringen, schickt ihn der Onkel nach England, wo er an einer Militärschule ausgebildet wird.
Die Ausbildung bereitet ihm große Schwierigkeiten, da er sich eigentlich nicht als Engländer, sondern als Inder fühlt und die Besetzung des Landes als eine große Ungerechtigkeit empfindet, an der er nun selbst beteiligt wird. Wieder in Indien zurück, wird er von der britischen Armee als wertvoller Mitarbeiter eingesetzt, da er die Sprache der Einheimischen fließend spricht und er mit entsprechender Kleidung nach wie vor als Inder durchgeht.
Einer seiner ersten Aufträge lautet, zwei Prinzessinen zu ihrer Hochzeitsfeier durch das Land zu begleiten. Beide Mädchen sind einem alten grausamen Herrscher versprochen, der im südlichen Indien lebt und dessen erste Frau gestorben ist. Als Ash den Hochzeitszug bestehend aus mehreren tausend Wagen, Pferden und Menschen, in Empfang nimmt, fällt ihm nichts Besonderes auf; erst zu einem späteren Zeitpunkt merkt er, dass es sich bei den Prinzessinnen um seine Kindheitsfreundin Anjuli und deren Schwester Shushila handelt.
Auf dem langen Wege von Indiens Norden zu dem verhassten Herrscher im Süden entspinnt sich eine Liebesbeziehung zwischen Ash und Anjuli, die er auf keinen Fall verlieren möchte. Dennoch bleibt es ihm nicht erspart, an der Hochzeit Anjulis und ihrer Schwester mit dem alten Mann, der dem Niveau der Mädchen in keinster Weise entspricht, teilzunehmen.
Er kehrt frustriert wieder zu seiner Einheit zurück, wo er diverse Aufträge erledigt. Durch Zufall erreicht
ihn einige Jahre später die Nachricht, dass besagter Herrscher, dem die Prinzessinnen angeheiratet wurden, im Sterben liegt. Damit verfällt er in Panik, herrscht doch in ländlichen Gebieten Indiens noch ein furchtbarer Brauch: Beim Tod eines Mannes wird nicht nur dessen Leichnam auf einem Scheiterhaufen verbrannt, wie es die hinduistische Religion vorgibt, sondern ihm wird seine Witwe mit auf den Weg gegeben, die dann lebend mit ihm verbrannt wird. Ash weiß, dass die englische Regierung diese so genannten Witwenverbrennungen offiziell verboten hat, doch welchen Einfluss haben englische Gesetze auf Regionen, in die sich kein englischer Soldat je verirrt hat und wo die Menschen noch ihren eigenen Traditionen unterliegen?
Es beginnt ein Wettlauf um das Leben der Mädchen, in dem er seine geliebte Anjuli retten, für ihre Schwester aber nicht mehr tun kann als sie auf dem Scheiterhaufen vor dem Verbrennen aus sicherer Entfernung zu erschießen, um ihr die Schmerzen zu ersparen. Ihm gelingt die Flucht mit Anjuli; auf dem Rückweg, auf dem er viele seiner getreuen Gefolgsleute verliert, heiratet er sie.
An seinem Ziel angekommen, bringt er Anjuli bei einer Verwandten seines besten Freundes unter. Er selbst muss bald darauf hin als Kundschafter seinen Dienst im benachbarten Afghanistan tun, wo sich ein Krieg zwischen der Bevölkerung und den Russen anbahnt, in den die Engländer versuchen zu intervenieren. Als der Krieg tatsächlich ausbricht, müssen die Engländer herbe Verluste hinnehmen. Nach Ende der Unruhen kehrt Ash zurück zu seiner Anjuli. Allerdings zieht der beendete afghanische Krieg noch seine Kreise und Ash spürt, dass seine Freunde – unter anderem die Familie, die Anjuli beherbergt hat – in Lebensgefahr schweben, wenn er länger bleibt. Also machen sich Anjuli und er ein weiteres Mal auf, um ihr Glück zu suchen.
An dieser Stelle endet das Buch und wir erfahren nicht, ob es den beiden schließlich gelingt, sesshaft zu werden und eine Familie zu gründen.
***Meinung***
Zunächst einmal muss ich mich für die ellenlange Inhaltsangabe entschuldigen. Das Buch hat 1.150 Seiten und glaubt mir, dies war schon die kürzeste Zusammenfassung, die überhaupt möglich war. Jeder Abschnitt, den ich beschrieben habe, fasst in Wirklichkeit ein paar hundert Seiten Geschichte zusammen.
Vor dem Buch hatte ich anfangs insofern großen Respekt, als dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass das Buch wirklich auf fast 1.200 Seiten ein durchweg Spannung beibehalten kann. Ich habe nichts gegen dicke Bücher, so lange sie spannend sind, aber viele weisen dann doch bestimmte Längen auf, die ich bei „Palast der Winde“ auch befürchtet habe.
Die Geschichte ist jedoch größtenteils so spannend geschrieben, dass ich am Ende sogar dazu über ging, diesen dicken Wälzer überall mit mir herumzuschleppen, um weiter lesen zu können. Sehr spannend war für mich das Kapitel des Hochzeitszuges und einige hundert Seiten weiter das der Witwenverbrennung bzw. die geglückte Rettung. Dies ist zweifellos der Höhepunkt der Geschichte. Da das Buch mehr als ein purer Liebesroman zwischen Ash und Anjuli ist, bringt die Autorin sehr viel Abenteuer mit hinein und es gibt Szenen, die einem das Herz schneller schlagen lassen.
Durch das ganze Buch hindurch vermittelt die Autorin viel Wissen über die englische Kolonialzeit in Indien sowie über indische Gebräuche. Ganz besonders widmet sie sich dabei dem Thema Witwenverbrennung, welches wieder einmal zeigt, wozu Menschen fähig sind. Am Ende schildert die Autorin in einem Nachwort die Punkte an der Geschichte, die tatsächlich wahren Gegebenheiten entsprechen. Dabei war ich erstaunt, wie viele Fakten die Autorin in diese Geschichte mit eingebracht hat.
Selbst Dinge, die sich mit der englischen Armee befassen, schildert die Autorin interessant, was ich mir vorher so auch nicht vorstellen konnte, da mich das Thema ansonsten eigentlich weniger interessiert. Weiterhin haucht sie jeder ihrer Figuren Leben ein und versieht sie mit einem individuellen Charakter, der sehr fein herausgearbeitet ist. Ash z.B. ist ein kleiner Rebell, der immer wieder mit seinen Vorgesetzten in Konflikt gerät, da er nie vergessen kann, die indische Seite der Medaille mit zu berücksichtigen. Anjuli ist sehr traditionsbewusst, so dass sie sich auch nicht gegen die Heirat mit dem alten Herrscher zur Wehr setzt. Proteste seitens der Mädchen wäre ohnehin zwecklos gewesen, so dass sie ihr Schicksal akzeptiert. Anders ist jedoch ihre Schwester Shushila, die ein verwöhntes, hysterisches Persönchen ist und sich an Anjuli klammert wie ein Kleinkind an seine Mutter. Ähnlich scharfe Charakterzüge erhalten auch die anderen Beteiligten des Romans.
Wer genau gelesen hat, wird feststellen, dass ich das Buch „zum größten Teil“ spannend fand. Jeden Morgen erzählte ich triumphierend meiner Kollegen, dass ich noch immer keine langweilige Stelle entdeckt hatte. Dies sollte so bleiben bis zu der Stelle, an der Ash Shushila erschossen und Anjuli gerettet hat. Mir hätte es besser gefallen, wenn das Buch an dieser Stelle Schluss gemacht hätte. Warum Ash dann noch über 200 Seiten lang nach Afghanistan geschickt werden muss, ist mir nicht nachvollziehbar, da es mit der gesamten restlichen Geschichte wenig zu tun hat. Bis ins kleinste Detail werden irgend welche Kampfeshandlungen beschrieben, die mich wenig interessierten und ich gestehe, um die Seite 850 herum begann ich dann doch, hier und da mal eine Seite halbherzig zu überfliegen und zu überblättern. Bewusst las ich dann an der Stelle weiter, wo Ash aus Afghanistan zurück zu Anjuli kommt. Die einzige Auswirkung, die der afghanische Krieg auf das frisch vermählte Paar hat, ist, dass sie wiederum fliehen müssen und man als Leser noch nicht einmal weiß, ob sie je glücklich zusammen sein werden. Ansonsten machen die letzten Seiten des Buches keinen Sinn. Bei mir muss es nicht unbedingt immer ein Happy End geben, aber ich gebe zu, sogar ein schlimmes Ende (z.B. der Tod einer der beiden) hätte mir mehr gebracht als dieses offene Ende, das mich nach 1.150 Seiten und mehreren Wochen Lesezeit noch immer im Unklaren lässt. Daher fühlte ich mich ein wenig betrogen.
Ein weiterer Negativpunkt sind die seltsamen Zufälle, die Ash widerfahren. Der erste große Zufall passiert, als der heimatlose Ash mit seiner Pflegemutter einfach so am Palast des Maharajas aufgenommen wird. Zwar hat er dem Prinzen das Leben gerettet, aber wie realistisch ist es, dass er mit seiner Pflegemutter deshalb gleich einen Teil des Palastes bewohnen darf, wenn auch in einer Angestelltenposition? Später wird er rein zufällig für die Begleitung des Hochzeitszuges eingeteilt, an der Anjuli teilnimmt. Zufälligerweise erfährt er dann später von einem Bekannten, dass Anjulis und Shushilas Mann im Sterben liegt. Und ob es sehr realistisch ist, dass er zumindest eines der Mädchen – zuuufällig seine große Liebe und nicht etwa die Schwester – retten kann, sei dahin gestellt. Ich denke, der Hintergrund dieser ganzen Zufälle ist, dass die Autorin verschiedene historische Tatsachen in der Person Ashs bündelt. Wie an anderer Stelle erwähnt, nennt die Autorin im Anhang, welche historischen Tatsachen dem Buch zugrunde liegen. So gab es in der Tat mal einen Hochzeitszug, der von einem Engländer begleitet wurde, auch hat mal ein Ausländer eine junge Frau vor einer Witwenverbrennung gerettet. Dies waren jedoch völlig verschiedene Personen, die auch zeitlich in keinem Zusammenhang stehen. Da Ash die zentrale Figur der Geschichte ist, bedarf es hier und da kleiner Korrekturen wie eben auch diese Zufälle, damit die Geschichte einen eigenen Verlauf erhält. Dadurch wird Ash zu einem klassischen Romanhelden, dem zwar nicht immer alles gelingt, der im Großen und Ganzen jedoch ganz gut durchs Leben kommt. Auf die Länge des Buches von über 1.000 Seiten gerechnet schaden diese kleinen Ungereimtheiten jedoch nicht.
***Die Autorin***
Mary Margaret Kaye wurde 1908 im indischen Simla geboren, wo sie auch aufwuchs. Seit mehreren Generationen lebte ihre Familie in Indien, wo sie bei indischen Herrschern diente. Ihr späterer Mann war General bei der britischen Armee. Mit ihm lebte sie an verschiedenen Orten Indiens, je nachdem, wo er gerade stationiert war. In späteren Jahren zog sie nach England, wo sie im Jahre 2004 starb. „Palast der Winde“ ist eines ihrer bedeutendsten Werke, das mit Ben Cross und Omar Sharif verfilmt wurde. Derzeit gibt es in England eine Musicalversion dieses Weltepos, das den englischen Originaltitel „The Far Pavillinos“ trägt und am 24. März 2005 Weltpremiere hatte.
***Fazit***
Fest steht, dass ich beim Lesen des Buches sehr viel gelernt habe. Ich hatte vorher etwas, das ich vielleicht als allernötigstes Basiswissen über Indien bezeichnen würde. Dies konnte ich jetzt weiter ausbauen. Sei es über geographische Gegebenheiten, alte Traditionen, religiöse Fakten oder auch ganz einfach die Hintergründe der englischen Kolonialisierung – über all dies bin ich jetzt besser im Bilde.
Interessant fand ich auch die Beleuchtung der Kolonialzeit als solche; da Ash sowohl die englische als auch die indische Seite bestens kennt, werden in dem Buch auch immer wieder beide Aspekte aufgezeigt. An vielen Stellen taucht die Frage auf, mit welchem Recht Ausländer – in diesem Fall Engländer – in ein Land einmarschieren und es unter dem Deckmantel der Zivilisation besetzt halten. Dass daran etwas unrecht sein könnte, bedenken sie nicht, da die damaligen Kolonialherren so sehr von sich und ihren Gepflogenheiten überzeugt sind, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, andere Menschen könnten diese weniger toll finden. Abgesehen von einem weltlichen Herrschaftsanspruch begründeten die Kolonialherren dies u.a. durch die Religion. Da das Christentum eine missionierende Religion ist und von seinem Absolutheitsanspruch überzeugt, galten Andersgläubige als die Doofies, die es eben nicht anders kannten, sich aber gefälligst freuen und dankbar sollten, wenn man ihnen das Heil brachte. Dies gilt natürlich nicht nur für die Engländer, sondern für die europäischen Kolonialherren an sich.
Obwohl die Autorin sehr kritisch mit den Engländern umgeht, werden auch durchaus positive Dinge genannt. Denken wir nur an die Witwenverbrennungen, die unter der englischen Herrschaft abgeschafft wurde. Wir erleben hautnah mit, wie verzweifelt Ash versucht, über die englischen Verwaltungsbüros die Prinzessinnen vor der Verbrennung zu retten. Und wie auch Ash bedauert der Leser automatisch, dass die Engländer in diesem Fall jedoch nichts ausrichten können. Generell jedoch überwiegt die kritische Haltung.
Das Buch bekommt in seiner Endwertung vier Sterne und eine Empfehlung. Einen Stern büßt es für das Ende ein; die vermeintlichen Zufälle sind für mich kein Grund, einen weiteren Stern abzuziehen, da sie der Spannung des Buches keinen Abbruch taten.
***Daten zum Buch***
Wer sich nun nach meinem Bericht ein Bild über die Geschichte machen konnte und nun Interesse an dem Buch hat, kann es im gängigen Buchhandel sowie natürlich auch bei Ebay kaufen. Im Fischer-Verlag gibt es das Buch regulär für 9,00 Euro (ISBN 3596281199) oder als limitierte Sonderausgabe für 7,00 Euro (ISBN 3596508215). Meine Ausgabe ist die der Bild Bestseller Bibliothek aus dem Weltbildverlag für 4,99 Euro als Hardcover. Viel Buch für wenig Geld – da kann man nicht meckern.
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susanne2002, 24.08.2005
liebe dicke Buumlcher!!Jetzt habe ich leider schon das Ende gelesen -
Koumloumlntest Du nicht naumlchstes Mal eine Warnung dazu schreiben,wie ab jetzt nicht mehr weiterlesen...LG Susanne
frankensteins, 27.06.2007
super Bericht,w ie lange hast du für den gebraucht lg
EICC, 11.04.2006
sehr schoener und guter bericht. lg eva
Das Buch "Palast der Winde", ist wohl Das längste, es umfasst mehr als 1000 Seiten, welches ich bis jetzt gelesen habe.
Und doch bin ich so froh darüber, dass ich es in einem längst vergessenen Bücherschrank gefunden habe.
Die Geschichten über die Liebe und den Krieg treffen wir mitlerweile überall an, und doch ist diese als eine einzigartige zu bezeichnen, da es M. M. Kaye geschafft hat die überwältigende Liebe des jungen Ash zu der indischen Prinzessin Anjuli in die Kulisse der blutigen Kolonialkriege zwischen den Indern und den Briten einzubetten, dass nicht nur eine großartige Liebesgeschichte entstanden ist, sondern es vielmehr zu einer gelungenen Vermischung von Abenteuer, Kriegsepos und der Liebe gekommen ist, welche die Lebensgeschichte des britischen Offiziers Ashton Hilary Akhbar Pelham-Martyn darstellt.
Die Geschichte handelt in Indien Ende des 19.Jahrhunderts, wo der junge Ashton Pelham-Martyn im Norden des Landes unter dem Namen Ashok, als Hindu getarnt, durch die Hilfe seiner "Ziehmutter" Sita aufwächst und sich durch schwere Schicksalsschläge lange alleine durchkämpfen muss, auf der Suche nach einer neuen Heimat.
Ash verliert in dem gesamten Buch nie seine Verbundenheit zu seinem Geburtsland, obwohl er später der britischen Kolonialmacht als Kundschafter treu ergeben seien muss und von seinen Verwandten nie richtig akzeptiert werden kann.
Die Liebe seines Lebens, welche von Anfang an unter keinem guten Stern zu stehen scheint, findet er letztendlich in Anjuli-Bai, einer Prinzessin, welche jedoch schon dem Rana von Bithor versprochen ist, die Ash aber schon länger kennt, als es ihm anfänglich bewusst ist und es doch erst erkennt, als es schon fast zu spät ist.
Die Liebe lenkt und leitet Ash immer und überall, in allem was er noch vor sich hat und doch hält er an seinen Idealen fest, wider allen Umständen.
Genau dieser Punkt ist es für mich, welcher das Buch so interessant, spannend und sogleich auch abwechslungsreich macht. Natürlich kann ich nicht abstreiten, dass die Liebe von Ash zu Anjuli im Vordergrund steht, und doch ist es so sehr mit dem historischen Hintergrund von Indien verbunden, dass es keine typische Liebesgeschichte ist, sondern ein packender historischer Roman.
ein Testbericht von margy2008-04-19 00:40:10vom 19.04.2008Empfehlung: ja
Vorteile: siehe bericht...Nachteile/Kritik: siehe bericht
Unter einem hellblau strahlenden Himmelszelt erstreckt sich ein Gebirge mit grünen Hängen. Häuser mit spitzen schwarzen Dächern, die sich zu beiden Seiten nach hinten und vorne wölben, und die Front, wie auf Säulen gebaut, laden mit vielen kleinen Fenstern und ihrer braunroten Farbe dazu ein, in die Welt Indiens einzutauchen. Der untere Teil des Buchumschlages ist rostrot.
Der Roman "Palast der Winde" erschien als Sonderausgabe für 6 ? im Fischer Verlag in Frankfurt im März 2003. Unter der ISBN-Nr.: 3-596-50623-1 ist das Buch im Handel erhältlich. Die Erstausgabe erschien 1978.
Der Wälzer umfasst 943 Seiten.
Ashton Hilary Akbar Pelham-Martyn wurde in einem Zeltlager unweit eines Passes im Himalaja geboren und kurz darauf in einem zusammenlegbaren Wassersack aus Segeltuch getauft. Sein erster Schrei wetteiferte kühn mit dem Gebrüll eines Leoparden, der sich etwas weiter unten am Hang befinden mußte, und sein erster Atemzug füllte die Lungen mit der eisigen Luft, die von den hohen Gipfeln blies und den Dunst der Ölfunzel, den Geruch nach Blut und Schweiß und den durchdringenden Gestank der Tragtiere mit dem frischen Duft von Schnee und aromatischen Kiefernnadeln mischte.
Als der eisige Windstoß den nachlässig verschnürten Zelteingang aufriß und die Flamme der verrußten Ölfunzel heftig zu flackern begann, hörte Isobel das lebenslustige Krähen ihres Sohnes und sagte matt: Wie ein Siebenmonatskind schreit er eigentlich nicht, oder? Ich muß mich wohl... muß mich wohl verrechnet haben..."
M. M. Kaye wurde in Simla, einer in 2150 Meter Höhe gelegenen indischen Stadt im Vorhimalaya, geboren. Ihre Familie ist seit Generationen fest mit dem Land verwurzelt: Großvater, Vater, Bruder und Ehemann dienten indischen Herrschern. Die Autorin verbrachte den größten Teil ihrer Kindheit in Indien, lebte später mit ihrem Mann, einem General der englischen Armee, unter anderem in Quetta, Dehra Dun und Rajputana und verbrachte mehrere Jahre auf einem Hausboot in Kaschmir. Heute lebt sie als Schriftstellerin in Sussex, Südengland.
Ash wird in Indien geboren. Sein Vater ist ein Forscher, durchreist viele Gegenden dieser Welt. Er ist gerade einmal 4 Jahre alt, als seine englischen Eltern bei einem Unfall tödlich verunglücken. Sita, eine Inderin, nimmt ihn zu sich und gibt ihn als ihren Sohn aus. Indien ist seine Heimat geworden, er kennt hier alles: die Menschen, die Religion, Sitten und Gebräuche, das gesamte Leben. Ash ist eigentlich ein Engländer, von Geburt her, fühlt sich aber als Inder. In der englischen Kolonialmacht wird er zu einem Offizier ausgebildet und lernt auf seinen vielen Reisen Anjuli, eine indische Prinzessin kennen.
In sehr lebendigen Worten erzählt Mary Margret Kaye ihre Geschichte, die um Indien rankt. Sehr detailliert befasst sich die Autorin mit vielen Einzelheiten, um uns die Zeit der Kolonialmacht näherzubringen. In den ersten Zeilen bereits tauchte ich ab in die Welt Indiens mit den faszinierenden Beschreibungen. Sehr spannend und fesselnd, mitreißend und in den Bann ziehend, ist die Liebesgeschichte am Schauplatz Indien aufgeschrieben. Wirklich schillernd und farbenfroh sind Landschaften und Personen, Handlungen, Regungen und Gefühle skizziert. Mit ihren Worten beschwört Frau Haye Bilder herauf, die sich vor dem geistigen Auge des Lesers bilden und ihn auf eine interessante Reise einer Zeit vor 150 Jahren schicken. Alles wirkt atemberaubend und sehr wirklichkeitsgetreu, so hätte es die Personen wirklich gegeben. Die Ausdrucksweise ist eher altmodisch, dem Stil der Zeit angepasst. Die Autorin beschreibt mit einer Energie und Kraft, teils aus Fantasie, teils aus guten Recherchen. Der Roman ist wie ein Sog oder ein Strudel, der fesselt und mitreißt.
Sehr bewundernswert fand ich die Beschreibungen der Landschaft, die so ausführlich dargelegt werden, dass man sich jeden Eindruck vorstellen kann. Ich war in der Lage, Düfte zu erkennen und auszumachen, habe alles vor mir sehen können. Auch den Hauptfiguren widmete sich die Schriftstellerin hingebungsvoll, zeichnet sie so fein, dass ich sie mir vorstellen und im Charakter, in Gefühlungen und Gedanken ausmachen konnte. Was mir weniger gut gefiel, war die zu detaillierte Beschreibung des Krieges, was wiederum sehr langatmig wurde. Ansonsten geht es in dem Roman um die faszinierende, wenn auch kompliziert gestaltete Liebesgeschichte der beiden Hauptdarsteller dieses Romans. Der Rahmen dazu bildete Indien als der Schauplatz der Ereignisse, was in der Kulisse super beschrieben war. Auf der einen Seite ist die Geschichte der Romanze, der Beziehung, der Freundschaft und Liebe traurig, aber auch schön. Bei den einzelnen Szenen konnte ich mit Ash und Anjuli mitfühlen und mitleiden oder mich freuen. Die Eindrücke der Natur sind fantastisch und faszinierend beschrieben, so dass ich mir jede Pflanze, jeden Baum, jede Blüte vorstellen konnte. Über die Zeit des 19. Jahrhunderts erhielt ich sehr viele Eindrücke, hatte Geschichte in interessanter Form mit sehr vielen Hintergrundinformationen. So war das gesamte Werk, trotz vieler, stellenweise zu vieler Details und Einzelheiten sehr berührend und die geschichtlichen Fakten sind belegt. Die Zeit Indiens während der Kolonialmachten ist fabelhaft erzählt und dargestellt, sehr bewegend und ich erfuhr Wissenswertes über den Sepoy-Aufstand und über das Massaker in Kabul. Mit sehr viel Gefühl ist die Liebesgeschichte aufgeschrieben und auch die Bräuche Indiens. Frau Haye widmet sich den Hindus, Moslems, Afghanen, Indern und Engländern, beschreibt sie genauer, so dass jeder, der dieses Buch liest, die Menschen mit ihrer Religion und den verschiedenen Auffassungen der Religion besser verstehen lernt. Politik und Kämpfe spricht Mary Margret Haye an. Einfühlsam, wunderbar und faszinierend zugleich verbindet der Stoff dieses Buches Liebe, Politik und Spannung. Es ist überuas aufschlussreich und eine perfekte Mischung aus Liebesroman, Kriegserzählung und Geschichte. Indien mit seiner Kultur und Religion ist hier ein wichtiger Faktor, der uns nähergebracht wird. Die Autorin erzählt über den englischen Kolonialkrieg mit den eindrucksvollen Persönlichkeiten. Ich finde den Roman trotz langatmiger Mängel sehr eindrucksvoll und werde ihn nochmals lesen.
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