ein Testbericht von Volker1112007-06-22 19:49:47vom 22.06.2007Empfehlung:Vorteile: Spannung, meisterhaft erzählt...Nachteile/Kritik: kein eindeutiges Genre, falsche Erwartungen
Beim Lesen auf Dooyoo erinnerte ich mich, vor Jahren schon einmal einen Bericht zu diesem Buch geschrieben zu haben, selbst gelesen in der amerikanischen Originalfassung.
Endlich fand ich ihn. Doch im Jahre 2000 sollten es nur kurze Meinungen sein. Zwar erweiterte ich den Bericht später, doch passt diese Update Form nicht so gut fürs Einstellen auf Dooyoo oder auf YOPI. Daher schreibe ich jetzt eine Mischung aus August 2000, 2001 und 2007. Ich hoffe, dieses Experiment gelingt und gefällt.
Das Mädchen (The Girl Who Loved Tom Gordon) Stephen King
Einleitung und Hintergründe im Roman
Der amerikanische Titel passt besser, doch kann wohl keine wirklich gute Übersetzung gefunden werden.
Durch eine Meinung bei Ciao zur dt. Fassung wurde ich nochmals auf das Buch aufmerksam, dabei lag die amerikanische Originalausgabe schon längere Zeit zu Hause. In kürzester Zeit las ich den spannenden Kurzroman durch und schrieb dann die erste Fassung meines Buchberichtes.
Einige Leserkritiken an den Werken Stephen Kings, speziell dieses Buches, brachten mich danach dazu, die zuvor etwas kurz geratene Buchbesprechung zu ergänzen.
Wer nur den Horroreffekt und die drastischen Szenen bei Stephen King sucht und schätzt, übersieht nämlich völlig, dass Stephen King in seinen Werken meistens ein oder auch mehrere aktuelle, sozialkritische Probleme aufgreift. Im Roman Das Mädchen sind es die Folgen der Trennung von Eltern auf die Psyche ihrer Kinder.
Die Kinder lernen und glauben zunächst auch, dass gute Taten belohnt und schlechte bestraft werden. Auch heute noch arbeiten manche Erziehungsmodelle nach diesem Glaubensvorbild. Doch nun wird den Kindern in der Geschichte der Vater genommen, sie fühlen sich psychologisch völlig verständlich bestraft, und das in vielfacher Weise. Dies können und wollen sie einfach nicht verstehen.
Inhaltsanriss
Wieso diese verhängte (von wem eigentlich?) Strafe für Fehler, die nicht sie, sondern die Erwachsenen (wenn überhaupt) begangen haben? Die Kinder fühlen sich betrogen.
Während die Mutter auf einer Wanderung sich mit den Vorwürfen des Sohnes auseinandersetzt, kommt die Tochter, die genug von den ständigen lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Sohn hat, vom Wege ab, ohne dass die im Streitgespräch vertiefte Mutter und ihr Sohn es bemerken.
Tief im Wald verirrt muss sie versuchen mit den Gefahren des Waldes als mit ihren seelischen Belastungen fertig zu werden.
Doch damit soll es bereits genug mit dem Inhaltsanriss sein.
Wertung
Einfach brillant wie es Stephen King gelingt, den Überlebenskampf eines fast 10jährigen Mädchens, verirrt in den Wäldern New Englands, aus dessen kindlicher Sicht, zu schildern.
Eine ganz entscheidende Rolle in der möglichen Rettung und Selbstfindung des Mädchens spielt ihr sportliches Baseball-Idol Tom "Flash" Gordon. Daher ist die manchen zu breit angelegte Darstellung des Baseballsports durchaus für die Handlung wichtig, wenngleich von uns Nichtamerikanern nicht so gut nach empfindbar.
Ob in diesem gnadenlosen, erschreckenden Überlebenskampf das Übersinnliche wirklich existiert, eingreift, wie es desöfteren zu sein scheint, bleibt trotzdem völlig offen. Die Übergänge vom Fantastischen zum Realen sind, wie so häufig bei Stephen King, völlig fließend.
Die Erkenntnis und das Leitmotiv "The world had teeth and it could bite you with them anytime it wanted" des Mädchens Trishas und seiner Bereitschaft, sich darauf einzustellen, steht quasi als Leitspruch dem Selbstmitleid "don´t know why we have to pay for what you guys did wrong" ihres Bruders gegenüber, das zwar berechtigt sein mag, aber im Daseinskampf nicht weiterhilft.
Mit seiner Einstellung gelingt es dem Mädchen, SEIN wichtigstes Spiel zu gewinnen.
Die glaubwürdige Schilderung
intensivster Gefühle und Erfahrungen ließen mich bis zum Ende dieses Kurzromans für das Mädchen mitzittern.
Die Ausgangssituation, die Trennung der Eltern, die Rückkehr des geliebten Vaters, wird durch den "Sieg" des Mädchens ebenfalls wieder geklärt.
Wer eine äußerst spannende Lektüre auf hohem Niveau sucht, sollte sich dieses Buch kaufen. Wer jedoch reine Horrorszenen zum Nervenkitzel erleben möchte, der wird eher enttäuscht sein. Ohne eigenes Mit- und Nachempfinden kann der Roman beim Leser nicht die gewünschte Wirkung erzielen.
Persönlich schätze ich aber diesen Roman höher ein als manchen von Stepehen Kings Horrorthrillern.
Empfehlen kann man daher diesen Roman durchaus auch Lesern, die ansonsten vor den drastischen Gewaltbeschreibungen Stephen Kings zurückschaudern.
...
swissflyer, 02.12.2007
-The world had teeth and it could bite you with them anytime it wanted- Das ist doch eigentlich von Langoliers, wenn mich nicht alles täuscht. Deine Art über dieses Buch zu schreiben hat mich echt überzeugt. Klasse!
Animagus17, 19.05.2008
Danke das du mich tapfer nennst, es sagen viele ich soll offener sein, ich find nicht NUR Feinde, die mich ausnutzen sondern auch Freunde!! Toller Testbericht von Dir
dohe1958, 26.03.2008
Eigentlich mag ich King nicht, aber dieses Buch könnte mich interessieren, LG Doris P.S. Meine Bilder sind mit Handy gemacht und werden nicht besser
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Wenn er solche Bücher schreibt, setzt der King die Krone ab
ein Testbericht von Gemeinwesen2006-02-17 00:00:50vom 17.02.2006Empfehlung: ja
Vorteile: siehe Text...Nachteile/Kritik: siehe Text
Stephen King zum Betrachtungsgegenstand literaturwissenschaftlicher Überlegungen zu machen ist ein müßiges Unterfangen - hat doch der "King of Horror" höchstselbst seine Werke von jeher stets als das "literarische Pendant zu einem Hamburger" bezeichnet. Diese Selbsteinschätzung ist gewiss nicht frei von Koketterie, befand doch ein Rezensent anlässlich der Übersetzungen der ersten Romane von Stephen ins Deutsche einst, Stephen King schreibe, "wie Hitchcock zu seiner besten Zeit filmte."
Der Reiz, den die Kingschen Geschichten für eine große Leserschaft besitzen, ist freilich stets weniger in den Handlungssträngen zu suchen, die selten mit überraschenden Wendungen aufwarten - vom Motiv des Spukhauses in "The Shining" bis zum Pakt mit dem Teufel in "Needful Things" bietet das Ouevre der Nr. 1 unter den Verfassern von Schauergeschichten ein umfassendes Repertoire literarischer Motive, die allesamt nicht unbedingt neu sind; und so lassen sich auch die "Plots" der Kingschen Romane in aller Regel in wenigen Sätzen zusammenfassen.
Zur meist unterhaltsamen und damit im weiteren Sinne auch lesenswerten Lektüre wurden die Romane Kings durch die realistische sprachliche Ausgestaltung der Figuren und die treffende Schilderung des amerikanischen Alltags. Bezeichnenderweise stehen im Mittelpunkt der Kingschen Bücher meist Kinder oder Heranwachsende - und deren glaubhafte Charakterisierung macht seine Romanfiguren zur idealen Projektionsfläche gerade für jugendliche Leser: Trivialliteratur mögen Kings Romane sein - eine gute Gelegenheit, sein Englisch aufzufrischen oder auch zu lernen, bieten sie zweifelsohne.
"The Girl who Loved Tom Gordon" indessen zählt zu den wenig inspirierten Büchern Kings, bei deren Lektüre auch der routinierte, sehr "unmittelbare" Erzählstil nicht über die Längen der Handlung und Defizite in der Schilderung seiner Figuren hinwegzutrösten vermag - und beides gibt es in "The Girl" reichlich.
Dabei böte, so möchte man meinen, allein das Motiv "kleines Mädchen verirrt sich im Wald" durchaus die Gelegenheit dazu, auf mehr als nur 264 Seiten ein spannendes Garn zu spinnen - hat nicht unlängst das überaus erfolgreiche "Blair Witch Project" einmal mehr bewiesen, wie viel Potenzial tatsächlich auch in diesem erzählerischen Archetypus noch auszuloten ist?
Hinzu kommt, dass Kings Protagonistin Patricia ("Trish") wenig glaubwürdig geraten ist - was, zugegeben, auch daran liegen mag, dass die eingangs erwähnten Defizite in der Schilderung seiner Heldin ob der allenfalls mäßig spannenden Handlung möglicherweise deutlicher zu Tage treten, als dies in anderen Romanen des Autors der Fall sein mag.
Insgesamt vermittelt der Roman den Eindruck, Stephen King sei mit "The Girl who Loved Tom Gordon" lediglich der vertraglich geregelten Forderung seines Verlegers nach einem neuen Buch nachgekommen - und das eher lustlos: In wenig origineller Weise reiht King Versatzstück um Versatzstück aneinander - und all' die "things that go bump in the night", die seine besseren Romane zu "page turners" gemacht haben, verpuffen in seinem neuesten Buch leider zur reinen Effekthascherei.
Das Ende der Handlung, das unentschlossen zwischen einem "explained mystery" und einer übernatürlichen Erklärung oszilliert, beschließt einen Stephen King-Roman, der weit davon entfernt ist, zu den besseren, sprich: unterhaltsameren des Herrn King zu gehören.
Die eingehendere Auseinandersetzung mit den im Roman ein ums andere Mal angedeuteten religiösen Fragestellungen hätte dazu beitragen können, "The Girl who Loved Tom Gordon" zu einem spannenderen Buch zu machen als das, das vorliegt - allerdings liegt der Verdacht nahe, dass der Grund für die Einbeziehung dieser Fragen in den inneren Monolog vielleicht eher in einer "near death"-Erfahrunug zu suchen ist, die King 1999 hatte.
Stephen King sei mit den Worten des unverwechselbaren Mr. Spock "Live long and prosper" gewünscht - sollte dazu gehören, dass Stephen King sich in Zukunft
anderen literarischen Sujets widmet oder seiner Familie, dann sei ihm das von Herzen gegönnt.
King-"Novizen" sei stattdessen zum Einstieg das makabre "Pet Sematary", die schwarze Komödie "Needful Things" oder "The Stand" empfohlen, das unter King-Fans in besonders hohem Ansehen steht - allesamt bieten sie im Freibad spannendere Unterhaltung als "The Girl".
ps: In jedem Falle ist jedoch den Originalfassungen gegenüber den traditionell schlecht übersetzten deutschen Ausgaben der King-Romane der Vorzug zu geben - Übersetzungen, in denen Redewendungen wie "to bark up the wrong tree" Wort für Wort ins Deutsche übertragen werden und die hierdurch eine ebenso Staunen erregende wie komplette Ignoranz dafür beweisen, dass es sich bei Fällen wie dem genannnten um "idioms" mit übertragener Bedeutung handelt - für die es sehr wohl treffende Entsprechung(en) im Deutschen gibt (im namentlichen Fall "auf dem Holzweg sein"/"auf dem falschen Dampfer sein") ... nein, dashat auch der schlechteste Roman nicht verdient: Transferleistung nicht erbracht - ungenügend - setzen!...
Engel679, 16.02.2006
die deutschen Bücher kann man kaum lesen, sie weichen doch alle sehr von den Originalfassungen ab, genau wie dieses, schon allein beim Titel... toller Bericht...
sindimindi, 16.02.2006
Ich bin zuwenig S.K.-Kenner um hier mitreden zu können...-
RS
hjid55, 31.12.2006
sh wünsch dir eine schöne Silvesterfete. lg Sarah
1-2 von 2 Testberichten über Stephen King: The Girl Who Loved Tom Gordon
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