ein Testbericht von khaybar2004-11-30 20:25:02vom 30.11.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Filmmusik, Farbenpracht, Amir Khan und Indien...Nachteile/Kritik: Polemik und Übertreibung, Lauflänge
Meine treuen Leser werden wissen, daß ich mir gerne und oft indische Filme anschaue. Über die Filmindustrie in Indien, die sich mit Recht Bollywood nennt, muß ich wohl nicht mehr viel erzählen, denn dies habe ich in meinen vorherigen Berichten über Indien getan. Fakt ist, daß kein Land der Welt (Amerika eingeschlossen) so viele Filme im Jahr produziert wie Indien. Klar, daß die Qualität dieser Filme nicht die beste ist, aber manchmal gelingt ihnen ein wirklich guter Film. Meiner Meinung nach gehört Lagaan in diese Kategorie. Doch bevor ich zum Inhalt komme, was bedeutet „Lagaan“ eigentlich? In den asiatischen Ländern wie Indien, Pakistan, Sri Lanka… und auch in Afghanistan gibt es in dörflichen Gegenden einen Brauch oder besser gesagt ein System, das die Ausbeutung der Bauern geradezu in den Himmel schreit. Es gibt einen Großgrundbesitzer, der sein Land an andere verpachtet. Dafür müssen die Bauern von ihrer Ernte einen Teil (Eine Art Steuer) an diesen Großgrundbesitzer abführen. Somit bleibt den Bauern hiernach gerade noch soviel, daß sie bis zum nächsten Jahr nicht verhungern müssen. Diese „Getreidesteuer“ wurden in Indien im 19. Jahrhundert dann dank den Briten noch weiter erhöh. Soviel zu dem Begriff „Lagaan“!
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Story
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Zum Ende des 19. Jahrhundert sind die Engländer eigentlich überall auf der Welt und träumen von weiteren Kolonien und Eroberungen. Indien 1893, die Engländer besetzen das Land und benehmen sich so wie Engländer sich halt immer benehmen: Herrisch, gnadenlos und expandierfreudig. Das Dorf Champaner ist ziemlich mitgenommen, da der Regen im letzten Jahr ausgeblieben ist. Verschärfend hinzu kommt, daß die „Sahibs“ (die Briten) mit dem sadistischen Captain Andrew Russell (Paul Blackthorne ) als Vetreter, den Lagaan erhöht haben. Sie müssen nun die doppelte Menge Getreide an die Herrenrasse abführen. Da das Leben in Indien die Briten ungemein langweilt, verbringen die den lieben langen Tag mit Kricketspielen. Als Captain Russell bemerkt, daß Bhuvan (Aamir Khan), ein Anwohner des Dorfes, das Spiel beobachtet, schlägt er ihm eine Wette vor: ein Kricketspiel zwischen der englischen Mannschaft und den Dorfbewohnern. Sollten sie gewinnen, so solle ihnen die Getreidesteuer für drei Jahre erlassen werden. Sollten sie jedoch verlieren, so müssen sie die dreifache Menge abführen.
Im eigenen, aber besetzten Land also sollen die Dorfbewohner das Spiel der Besatzer spielen und am besten auch gegen sie gewinnen. Obwohl Bhuvan keine Ahnung von dem Spiel hat und er auch nicht der Dorfvorsteher ist, geht er die Wette ein. Klar daß die die anderen im Dorf fast durchdrehen und ihn am liebsten auf den Mond schießen würden. Bhuvan hat gegen jede Menge Widerstand zu kämpfen. Anfänglich hat keinen außer der ihn anhimmelnden Gaury (Gracy Singh) auf seiner Seite, aber er baut das Team nach und nach auf, ungeachtet der Religion- oder Kastenzugehörigkeit. Bhuvan gelingt sogar den Krüppel, einen Unberührbaren, in sein Team aufzunehmen. Dies geschieht nach dem Prinzip, daß jeder Mensch seine Stärken und Schwächen hat, die auszunutzen gilt. Als das Team nach sehr vielen Schwierigkeiten steht, sie kennen ja nicht mal die Regeln de Spiels, so bekommt Bhuvan Hilfe von unerwarteter Seite: Russels Schwester Elizabeth
(Rachel Shelly). Sie erklärt ihm das Spiel und steht Bhuvan als Beraterin zur Seite, denn sie findet es nicht fair, wie ihr Bruder das Spiel gewinnen will. Natürlich verleibt sich Elizabeth in Bhuvan und natürlich ist es nicht so einfach aus menschen, die nichts außer „auf dem Felde arbeiten“ kennen, gute oder gar perfekte Kricketspieler zu machen. ….
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Meinung
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Kommen wir zuerst zur Handlung:
Leider ist die Idee zwar nett, aber für mich wenig glaubwürdig, denn
1. die Militäreinheiten der Engländer hatten zu der Epoche keine Zeit „STÄNDIG“ Kricket zu spielen.
2. sie hätten nie jemandem so eine Wette vorgeschlagen.
3. kein Bauer, der nur ein wenig bei Trost ist, würde so eine Wette annehmen.
4. kein Dorf hätte es geschafft eine durchtrainierte, im Kricketspiel sehr gute Militäreinheit zu besiegen.
Aber ok dachte ich mir, wieso sollte ein Bollywoodfilm realistisch sein? Der nächste Punkt: 90 Prozent der indischen Filme sind nach dem gleichen Prinzip aufgebaut:
1. Eine Welt
2. eine Schwierigkeit
3. die Erkenntnis, daß es diese Schwierigkeit gibt
4. die Suche nach der Lösung
5. und zuletzt die Lösung selbst
Natürlich gibt es in indischen Filmen jede Menge Herzschmerz, theatralische Kämpfe, Gesang und Gehüpfe, eben halt alles, was irgendwie für die Handlung selbst total belanglos, aber beim Publikum sehr beliebt ist. Lagaan macht hier keine Ausnahme. Aber auch das ist sehr gelungen, denn das Ungesagte oder Unsagbare wird in die Musik eingebaut und somit zur Aussprache gebracht. Für mich sehr positiv war, daß es fast keine Kämpfe gab, die praktisch in jedem indischen Film vorkommen. Nein in der Beziehung ist der Film ganz „realistisch“…
Abgesehen davon ist der Film natürlich ein Vertreter der Genre „der blöden Kolonialmacht England haben wir es aber gezeigt“. Doch Lagaan ist hier eher eine Ausnahme, denn die meisten indischen Filme über die Befreiung Indiens sind sehr blutig und voller Heldentum. Aber es fließt kaum Blut, sondern der Aufstand der „kleinen“ Leute findet auf dem Spielfeld statt. In einer Beziehung mögen sie recht haben, denn Indien und Pakistan (das sich aus Indien heraus gebildet hat), sind seit Jahren an der Spitze der Kricketweltrangliste. Die Bilder sind gewaltig, die Musik von A.R. Rahman grandios, Kameraführung konventionell aber genau richtig, und man darf nicht vergessen: Lagaan wurde 2001 für Oscar als Bester ausländische Film nominiert und hat „Prix du public Locarno“ (Publikums-preis in Lacarno) 2001 gewonnen. Zwar scheint der Film mit 220 Minuten zu lang zu sein, aber es wirkt nie langatmig oder gar langweilig. Der Zuschauer lernt die Regeln des Spiels (auch für mich lehrreich) kennen, die Spannung des Spiels, das ja über mehrere Tage geht läßt zu keiner Zeit nach,
- Darsteller:
Der Hauptdarsteller und Produzent Aamir Khan als Bhuvan ist in Indien ein Superstar, der mittlerweile auch selber Filme produziert. Er hat das sympathische Aussehen eines Lausbuben, dem man eigentlich nicht böse werden kann. Er beherrscht sein Handwerk und ist überzeugend von Anfang bis zum Ende. Gracy Singh als Gauri, die in Bhuvan verliebt ist, sieht man immer öfter kleine Nebenrollen in indischen Filmen spielen. Sie ist zwar nicht überragend, aber auch sie überzeugt in ihrer Rolle als den Bhuvan anheimelnde Henne. Die wunderschöne (mein Geschmack) Rachel Shelly als Elizabeth kenne wir hierzulande als ewige Werbewoman. Kennt Ihr die Werbung von Alfa Romeo mit den Vierlingen? Das ist Rachel Shelly, wenn man auf diese Frau aufmerksam geworden ist, dann fällt sie einem ständig auf. Sie ist einfach süß und gut in ihrer Rolle. Überhaupt sind alle Schauspieler zu jeder Zeit souverän und professionell.
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Fazit
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Der Film verdient auf jeden Fall fünf Sterne. Die Handlung ist zwar bißchen unglaubwürdig, obwohl am Anfang des Films behauptet wird, die Ereignisse wären nicht fiktiv! Aber sonst gibt es gar nichts zu meckern. Musik (A. R. Rahman), Kameraführung (Anil Metha) und die Darsteller sind einfach spitze. Ich habe die indische Original-DVD gesehen, da ich keine Untertitel oder Zusatzsprachen brauchte. Aber ich weiß, daß die DVD in Deutschland offiziell vertrieben wird. Da sind die Sprachen Hindi & English und deutsche & französische Untertitel dabei. Nur daß diee DVDs meist erheblich teurer sind, weil sie an alle möglichen Stellen Gebühren abführen müssen, altes deutsches Problem... Alles in Allem ist Lagaan ein Film zum Dahinschmelzen und Nachdenken. Also Leute, schaut ihn Euch an!
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Die Inder von Cleveland
ein Testbericht von Tut_Ench_Amun2010-03-01 21:07:56vom 01.03.2010Empfehlung: ja
Vorteile: - Unterhaltsam
- Weniger Kitsch als befürchtet
- Bild und Tonqualität
- Gute Synchro...Nachteile/Kritik: - Nicht Jedermanns Sache
- Längen
- DVD-Ausstattung zu mager für eine SE
Die Filmindustrie Indiens befindet sich seit Mitte der Neunziger stetig im Aufwind. Die oft quitschbunt präsentierte Mischung aus kitschig-seichten Stories gepaart mit viel Schmalz und Musical- bzw. Tanz-Einlagen hat mittlerweile hat sogar ein eigenes Genre mit treuen (meist weiblichen) Fans - auch im Westen. 2001, noch vor der großen "Bollywood"-Welle, machte ein Vertreter dessen durch eine OSCAR ® Nominierung und 144 weitere Filmpreise international auf sich aufmerksam: "Lagaan - Es war einmal in Indien". Auf DVD erschien er erstmals 2003 im Vertrieb der Tristar/Columbia - allerdings nur mit Hindi-Tonspur. Seit Oktober 2009 wird dieser erfolgreiche Streifen - einer der größten Bollywood-Wegbereiter innerhalb des Mainstreams - auch als deutsch synchronisierte 2 DVD Special Edition vom Label Rapid Eye Movies im Schmuckschuber inklusive Poster angeboten.
Zur Story
Es ist das Jahr 1893. Die britische Kolonialmacht bedient sich skrupelloser Methoden, um die Versorgung der Truppen aufrecht und das indische Volk klein zu halten. Man treibt bei den örtlichen Radjas eine Zwangsabgabe (indisch: "Lagaan") in Form eines Anteils der Felderträge ein, der wiederum den Bauern abgepresst wird. Man verspricht den Radjas dafür jeweils militärischen Beistand gegenüber den jeweiligen Nachbar-Fürstentümern. Die stehen aber ebenfalls allesamt vollkommen unter der Knute des Empire und können sich nicht mucken, selbst wenn sie wollten. Das System ist also durchaus vergleichbar mit den heutigen Schutzgelderpressungen der Mafia - und es funktioniert bestens. Jedenfalls für die Besatzer.
Bis in der zentralindischen Provinz Champaner der Regen ausbleibt und die Ernten immer karger werden. Die Bauern haben grad einmal genug, um soeben über die Runden zu kommen. Immerhin wurde die Abgabe daraufhin gekürzt, dieses Mal wollen die Briten aber wieder ihren Anteil. Der Radja verweist auf die Dürre und bittet um erneute Stundung. Der selbstherrliche Leiter des Militärpostens Captain Russell gefällt das Spiel mit der Notlage und er versucht es mit einer Nötigung. Als der Radja sich dagegen als resistent erweist, wird der Lagaan auf das Doppelte erhöht. Das ruft die Bauern aus den umliegenden Dörfern auf den Plan, welche um eine Audienz bei ihrem Fürsten ersuchen, um ihm ihre prekäre Lage noch einmal eindringlich zu schildern. Darunter auch der trotzköpfige und eigenwillige Bhuvan.
Der geriet kürzlich mit Russell schon einmal aneinander. Nun provoziert dieser ihn soweit, dass er - im Namen aller Dorfgemeinschaften des Destrikts - in einen irren Deal einwilligt. Besiegt eine Auswahl der Bauern ein britisches Team beim Cricket, wird der Lagaan für drei Jahre in der gesamten Provinz ausgesetzt - wenn nicht ist der dreifache Satz der verhassten Zwangsabgabe per sofort fällig. Für die arme, ohnehin schon arg dürregeschädigte Landbevölkerung akut Existenz bedrohend. Zudem sind die Dörfler mit den Regeln nicht vertraut, wiewohl es mit "Gilli-Danda" ein recht ähnliches Spiel in Indien gibt. Es nutzt alles nichts. Bhuvan muss 11 Spieler zusammentrommeln und innerhalb von 30 Tagen auf das Match ihres Lebens vorbereiten. Unerwartete Hilfe erfahren die Inder von Russells Schwester, die mit den menschenverachtenden Methoden ihres Bruders alles andere als einverstanden ist.
Eindrücke
Offenbar hat Aamir Khan mit seinen Engagements bei vorherigen Filmen des Genres so viel Cash auf die Seite legen können, dass sich
ihm hier der Luxus eröffnete nicht nur der Produzent dieses Fast-4-Stunden-Marathons zu sein, sondern sich selbst auch gleich als Hauptdarsteller zu casten. Selbstredend hatte er sowohl bei Story und Drehbuch von Ashutosh Gowariker (den er zudem prompt in den Regiestuhl setzte), als auch beim Rest des Ensembles das letzte Wort. Seine Wahl war in jeder Hinsicht gut und die Inszenierung gelang außerordentlich stimmig wie stimmungsvoll. Khan gilt spätestens seit diesen Tagen endgültig als einer der größten Megastars Indiens. "Lagaan" war und ist ein Aushängeschild für Bollywood und schafft es sogar Nicht-Bollyschewisten so zu unterhalten, dass man sich nicht in Grausen vom Bildschirm abwendet und aufgrund einer typisch zuckersüßen Geschichte Hirn-Karies oder ähnlich tückische Gesundheitsgefährdungen fürchten muss.
Der Plot von "Lagaan" orientiert sich in weiten Teilen an der seligen Achtzigerjahre-Komödie "Die Indianer von Cleveland" - nur dass die "Indians" hier wirklich Inder sind und nicht aus Cleveland stammen. Selbst die Nähe zur Thematik Baseball/Cricket passt ins Bild. Natürlich sollte man sich schon mental darauf vorbereiten, dass in einer Bollywoodproduktion so manche Konstanten quasi als unumstößliche Naturgesetze fest verankert sind: Linearer und oft ziemlich überzogen-realitätsferner Handlungsablauf, stereotype Figuren in umso farbenprächtigeren Kostümen und viel (hier: folkloristischer) Tanz sowie ebensolcher Gesang. Ach ja. Pathos wird meist auch mit der ganz großen Suppenkelle kredenzt und mit einer Portion Kitsch verfeinert. Dass das übliche Strickmuster nach wenigen Ups, dafür aber tiefer Downs, fast automatisch ein Happy End nach einem großen Showdown beinhaltet, dürfte niemanden ernsthaft verwundern.
Das biblische David-gegen-Goliath-Prinzip funktioniert somit nachweislich auch ganz prächtig in anderen Kulturkreisen. Bei aller Vorhersehbarkeit überzeugt "Lagaan" allerdings mit einer gelungenen Mischung aus historischem Fakt mit fiktiver Heldengeschichte und durch die fleißige Arbeit vor sowie hinter der Kamera. Die hochnäsigen Briten wurden recht treffend portraitiert, die mittellosen Dorfbewohner jedoch erscheinen optisch alle viel zu gepflegt und haben trotz bedrohlicher Ertragslage noch genug Zeit für Müßiggang: Bhuvan stellt den lieben langen Tag seiner Geliebten Gauri nach (und seine gut trainierten Brustmuskeln zur Schau) und ärgert den verhassten, britischen Captain bei der Jagd wie weiland Robin Hood den Sheriff von Nottingham. Der lupenreine Gutmensch rebelliert zudem - moralisch einwandfrei - noch gegen das ungerechte Kastensystem indem er sich bei seiner Mannschaftsaufstellung demonstrativ darüber hinweg setzt.
Tanz und Gesang steht bei der Landbevölkerung wohl auch ganz hoch im Kurs. Dabei muss man festhalten, dass diese Massentanzszenen sowohl sauber choreographiert sind, als auch die Lieder selbst melodiös-schmissig klingen. Im Vergleich zu anderen Bollywoodstreifen ist ihre Zahl zudem vergleichsweise gering. Die (sinnigen) Texte dazu kann man sich übrigens via Untertitelmenü einblenden lassen - sie passen durchaus zur Handlung und sind gar nicht einmal so kitschig, wie man vielleicht vermuten mag. Das Gleiche gilt für die Dialoge. Klar, "Lagaan" ist pathetisch und über weite Strecken mehr als over the top, die Zeilen, welche Ashutosh Gowariker seinen Figuren in den Mund legt, überschreiten die Schmerzgrenze für Schmalz im Gehörgang aber nie ernsthaft. Apropos ernst: Comical relief ist ebenfalls Pflicht-Stilelement in Bollywood. Was nicht heißt, dass dies unbedingt auch immer dem westlichen Verständnis von gelungenem Humor entspricht.
DVDs und Bonusmaterial
Bild und Ton sind exzellent. Die schiere Lauflänge von über dreieinhalb Stunden macht es nötig den Hauptfilm auf zwei Medien zu verteilen, daher relativiert sich das mit der "2-Disk Special Edition" etwas. Bonusmaterial ist nicht sonderlich viel enthalten und beschränkt sich hauptsächlich auf eine Reihe Deleted Scenes, welche vollkommen zurecht dem Cuttter zum Opfer fielen - sie hätten den ohnehin schon langen Film nur noch weiter unnötig aufgebläht. Der Rest ist Promo-Krimskrams, den niemand wirklich braucht. Das beigelegte (Mini-)Poster ist allenfalls für Fans ein kleines Bonbon. Ein Audiokommentar wäre sinnvoller und wünschenswerter gewesen.
Als angenehm ist die Kapitelisierung der DVDs, bei der die Songs als solche gekennzeichnet sind, hervorzuheben. Wehrmutstropfen sind die Untertitel, will man die Songtexte mitlesen, muss man die Untertitel generell anschalten, was zuweilen nervt, da es ablenkt. Auf der anderen Seite kompensieren wenig anglophone Naturen damit auch eine weitere Besonderheit: Die Briten sprechen tatsächlich konsequent untereinander Englisch und Hindi nur mit den Indern - man hat passenderweise nur die Dialoge von Hindi ins Deutsche übersetzt und die Engländer im O-Ton belassen. Das trägt viel zur authentischen Atmosphäre des einander Nichtverstehens bei.
Fazit
Vorurteilsfrei betrachtet hat der Film die damalige Nominierung und seine gewonnenen Preise verdient. Handwerklich ist ihm nichts anzulasten und unterhaltsam ist der zeitlose Plot mit realhistorischem Hintergrund allemal umgesetzt - wenn auch stellenweise einen Tacken zu langatmig. Der Titelzusatz "Es war einmal…" ist Programm. Sieht man "Lagaan" nämlich als ein Märchen, stößt man sich gar nicht mehr so sehr daran, dass alles eine Spur zu überzeichnet ist. Bollywood eben. Und: Musical-Einlagen können durchaus ihren Reiz haben, anderenfalls hätten beispielsweise "Mary Poppins", "Blues Brothers" & Co. auch nie so erfolgreich werden können. Die neue 2009er DVD-Ausgabe ist zwar etwas mager an Bonusmaterial und verdient die Bezeichnung "Special Edition" in diesem Punkt nicht, öffnet aber diesen Meilenstein, (auch) dank ausgezeichneter Synchronisation, endlich für ein breiteres Publikum, welches bislang - trotz des guten Leumunds - nicht Willens war, sich auf eine Film in Hindi/OmU einzulassen.
Die DVD-Daten auf einen Blick:
OT: "Lagaan - Once upon a time in India"
Indien 2001
Genre: Bollywood / Drama
Laufzeit: ca. 214 Min.
2 DVD Special Edition, FSK: 12
EAN: 8717418229351
Label: Rapid Eye Movies, Oktober 2009