Night on Earth Video

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Testberichte Night on Earth

 (DVD) Episodenfilm
4.9 von 5
Platz 1 in der Kategorie "Episodenfilme".
Bewertung: Kundenbewertung 4,90 / 5,00 4.9 von 5
Meinungen:
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Night on Earth Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 4,90 / 5,00 4.9 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (4/4).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • Tragisch und komisch, bewegend und realitätsnah, unglaublich gute Schauspieler
  • Der Film
Nachteile/Kritik
  • DVD-Austattung und Preis
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Realjackass

Nacht auf Erden, Licht & Schatten im Herzen

ein Testbericht von 2006-07-17 18:38:39 vom 17.07.2006
Empfehlung: ja
Vorteile: Tragisch und komisch, bewegend und realitätsnah, unglaublich gute Schauspieler...
Nachteile/Kritik: -
Da ich mich in letzter Zeit beinahe exklusiv um den Horrorfilm gekümmert habe, möchte ich in nächster Zeit noch einige Reviews über Filme aus anderen Genres beimischen. Ein perfektes Exemplar hierfür ist "Night on Earth", den ich mir mit hohen Erwartungen gekauft habe, nachdem ich ausschließlich exzellente Kritiken darüber gelesen hatte. Letzten Endes wurde ich dann auch nicht enttäuscht.

"Night on Earth" lässt sich in das Genre des Dramas einordnen und behandelt in einer Spielzeit von knapp 2 Stunden 5 kurze Filme über das selbe Thema. Regisseur Jim Jarmusch lässt uns für jeweils 20-30 Minuten Platz in fünf unterschiedlichen Taxis nehmen. Fünf Taxis, fünf verschiedene Fahrer und deren Fahrgäste, fünf große Metropolen der Welt: Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass den ganzen Film hindurch Nacht herrscht. Dies ist der Ausgangspunkt für allerlei interessante Dialoge, Lebensweisheiten und menschliche Dramen...




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+STORY+
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Los Angeles:

Die 18 jährige Corky (Winona Ryder) verdient sich ihr Geld in der "Stadt der Engel" als Taxifahrerin. Die kaugummikauende, kettenrauchende und ihre Basecaps steht verkehrt herum tragende junge Frau ist glücklich mit dem was sie tut und hofft irgendwann einmal auf einen Job als Mechanikerin. Gerade erst hat sie noch zwei Rockstars an den Flughafen gefahren, da steigt auch schon der nächste Fahrgast zu ihr ins Taxi: Die Casting-Agentin Victoria (Gena Rowlands). Diese erzählt Corky während der Fahrt nach Beverly Hills von ihrem Problem, dass sie schnellstmöglich ein Talent für einen neuen, großen Spielfilm benötigt aber einfach nicht fündig wird. Während sich die Frauen so beiläufig unterhalten, mustert Victoria die junge Taxifahrerin sehr genau und eröffnet ihr nach der Fahrt die Möglichkeit, das lange gesuchte Talent zu werden. Corky lehnt ohne lange zu überlegen ab. Ihr ist der Wunsch, irgendwann einmal Mechanikerin zu werden und einen aufrichtigen Mann kennen zu lernen wichtiger als Ruhm und Reichtum.

New York:

Verzweifelt versucht Yo-Yo (Giancarlo Esposito) ein Taxi anzuhalten, das ihn um diese Uhrzeit noch nach Brooklyn bringt, doch selbst das auffällige schwenken mit einem Geldbündel bringt ihm nicht den erwünschten Erfolg. Yo-Yo will gerade aufgeben, da kommt vor ihm ein Taxi zum Stehen, dessen Fahrer sich mit gebrochenem Englisch gerne dazu bereit erklärt, den Mann zu transportieren. Der Taxifahrer stellt sich als Helmut Grokenberger (Armin Mueller-Stahl) vor und ist noch nicht lange in diesem Beruf tätig, was man seiner unsicheren, holprigen Fahrweise auch deutlich anmerkt. Zwar ist das Taxi mit Automatik ausgestattet, doch Helmut bringt das Fahrzeug kaum 5 Meter weit. Yo-Yo kann sich das nicht lange ansehen und schlägt Helmut vor, selbst nach Brooklyn zu fahren, dafür würde er dann auch bezahlen. Zögernd willigt der Ostdeutsche Taxifahrer ein. Obwohl Helmut kaum mehr als 10 Wörter Englisch spricht, verstehen sich die beiden Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, auf Anhieb. Der New Yorker mit dem überraschend großen Herz und der Ex-Clown aus der DDR unterhalten sich über derartige Dinge wie ihre beinahe identischen Pelzmützen und ihre Vornamen und bringen dadurch fast schon so etwas wie Wärme in das Taxi, das sich seinen Weg durch die kalten Armutsgegenden New York's bahnt.

Paris:

Ein von der Elfenbeinküste stammender Taxifahrer (Isaach De Bankolé), der gerade zwei Landsmänner auf dem Rücksitz hat, hatte alles andere als einen tollen Tag. Zu allem Überfluss machen sich seine beiden Passagiere auch noch über ihn lustig, was er sich jedoch nicht lange bieten lässt. In einer abgeschiedenen Straße wirft er die angetrunkenen Männer hinaus, nur um sich im nächsten Moment darüber zu ärgern, dass er vergessen hat, sie zuvor bezahlen zu lassen. Kurz darauf steigt eine blinde, junge Frau (Béatrice Dalle) ins Taxi, woraufhin sich schon bald ein hitziges Gespräch entwickelt, das nicht selten von aggressiven Untertöten und Vorurteilen begleitet wird.

Rom:

Ein lautstarker und überaus geschwätziger Taxifahrer (Roberto Benigni) lenkt seinen Wagen geschickt durch die Engen Gaßen Rom's. Die Zeit vertreibt er sich mit allerlei Witzchen oder sexuellen Anspielungen über den Taxifunk, bis er schließlich den Auftrag erhält, einen Priester (Paolo Bonacelli) aufzugabeln. Dieser wartet an einem Brunnen auf den Taxifahrer und muss sich erst noch dessen Späße gefallen lassen, bevor er in's Taxi einsteigen darf. Während der anschließenden Fahrt berichtet der Taxifahrer dem Priester von seinen Jugendsünden und davon, dass er seine ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Kürbis und einem Schaf hatte. Dass der Priester derweil einen schweren Herzanfall hat und aufgrund der rasanten Fahrweise des Taxifahrer's nicht dazu kommt, seine Pillen zu schlucken, bemerkt dieser gar nicht, sondern steigert sich immer mehr in seine schmutzigen Erzählungen.

Helsinki:

Vor der Kulisse des winterlich-romantischen Helsinki nimmt der Taxifahrer Mika (Matti Pellonpää) drei sturzbetrunkene Fahrgäste mit, einer von ihnen ist sogar schon total weggetreten. Seine beiden Freunde berichten Mika von der Misere, in der ihr Kumpel gerade steckt. Zuerst hat er seinen Job verloren, anschließend hat ihm jemand sein Auto demoliert und zu guter letzt hat er noch erfahren, dass seine minderjährige Tochter schwanger ist und wurde von seiner Frau vor die Tür gesetzt. Mika hört den Erzählungen seelenruhig zu und quittiert sie damit, dass alles schlimmer sein könnte. Die beiden Betrunkenen glauben ihm das natürlich nicht, woraufhin Mika die todtraurige Geschichte erzählt, die kürzlich seiner Frau und ihm wiederfahren ist.




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+DATEN ZUM FILM+
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Originaltitel: Night on Earth
Herstellungsland: USA, Deutschland, Japan, Frankreich, UK
Erscheinungsjahr: 1991
Laufzeit: 122:42 Min.
Freigabe: FSK 16
Indiziert: Nein

Regie: Jim Jarmusch
Buch: Jim Jarmusch
Produzent: Jim Jarmusch
Kamera: Frederick Elmes
Schnitt: Jay Rabinowitz
Originalmusik: Kathleen Brennan, Tom Waits

Darsteller:
Gena Rowlands.....Victoria
Winona Ryder.....Corky
Armin Mueller-Stahl.....Helmut Grokenberger
Giancarlo Esposito.....YoYo
Rosie Perez.....Angela
Isaach De Bankolé.....Taxifahrer (Paris)
Béatrice Dalle.....Blinde Frau
Roberto Benigni.....Taxifahrer (Rom)
Paolo Bonacelli.....Priester
Matti Pellonpää.....Mika
uvm.




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+BEZUGSMÖGLICHKEITEN+
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In Deutschland sind insgesamt vier DVDs von "Night on Earth" erhältlich, die allesamt von Kinowelt vertrieben werden. Besonders ans Herz legen möchte ich euch dabei die sogenannte Jim Jarmusch-Collection, in der sich neben "Night on Earth" noch die Filme "Permanent Vacation", "Stranger than paradise", "Down by Law", "Mystery Train", "Dead Man", "Year of the horse", "Ghost Dog: Der Weg des Samurai" und "Coffee and Cigarettes" befinden.




+++++++
+KRITIK+
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Dass Independentregisseur Jim Jarmusch noch nie für ein überaus breites Publikum gefilmt hat, ist hinreichend bekannt. Auch "Night on Earth" konnte bislang noch nicht zu Weltruhm gelangen, doch dafür hat sich der Streifen schon längst seinen Platz im Herzen vieler Fans gesichert und zählt nicht umsonst zu Jarmusch's besten Werken. Das Drehbuch hierzu schrieb der Gute in nur acht Tagen und die eigentliche Intention war es nie, einen Streifen des Geldes wegen zu drehen. Dies ist sehr beachtlich, Jarmusch dreht immer nur Filme, die ihm auch selbst gefallen.

"Night on Earth" fällt auf den ersten Blick durch seine liebevolle, harmonische Aufmachung auf, hinter der man die Liebe fürs Detail des Regisseurs richtig spürt. Wenn gleich zu Beginn die melancholische Musik eines Tom Waits ertönt und das Bild dazu langsam auf eine Erdkugel heranzoomt, dann erzeugt das eine ganz eigene Stimmung. In der nächsten Einstellung richtet sich die Kamera auf fünf nebeneinander hängende Uhren, eine für jede Stadt, in der eine der Handlungsstränge spielt. Desweiteren, und das hat mir besonders gefallen, ist jede Episode in ihrer landespezifischen Sprache gedreht, für ein besseres Verständnis muss man also auf Untertitel zurückgreifen. So erzeugt Jarmusch fünf jeweils grundverschiedene Atmosphären, die jedoch alle eines gemeinsam haben: Sie verbinden jeweils zwei Menschen in einem kleinen Taxi, die sich hier manchmal näher kommen, manchmal streiten, manchmal voneinander lernen oder sich einfach nur Nähe schenken.

Es ist schwer, "Night in Earth" so zu erklären, dass die Faszination dieses Filmes transportiert wird, man muss ihn sich selbst ansehen. So viel sei aber gesagt: Wer kultige Dialoge à la Tarantino erwartet, dürfte mit diesem Werk nicht glücklich werden, es geht hier eine ganze Spur tiefgründiger zur Sache. Da bei vielen Betrachtern deshalb schnell Langeweile aufkommen könnte, ist es wichtig, im Vorraus zu wissen, mit was man es hier zu tun hat. "Night on Earth" ist das beste Beispiel für einen Film mit einem Minimum an Geschehen und einem Maximum an hervorgerufenen Gefühlen beim Zuschauer, sofern sich dieser darauf einlassen kann. Dieser Film lebt von seinen kleinen Höhepunkten, Momente voller Tragik und Komik, die die 120 Minuten permanent durchziehen. Während man in der einen Sekunde noch eine Gänsehaut bekommt, wenn man Helmut's Lebensweisheit lauschen darf: "I'm a clown. Money is not important for me, I need it, but it is not important" kann man sich in der nächsten Szene kaum halten, wenn der römische Taxifahrer von seinen sexistischen Erlebnissen erzählt und sich so sehr hineinsteigert, dass er gar nicht bemerkt, wie sein Fahrgast auf dem Rücksitz stirbt.

"Night on Earth" lebt einzig und allein von seinen Charakteren und so ist es natürlich nicht verwunderlich, dass Jarmusch eine ausnahmslos traumhafte Darstellerriege auf die Beine zauberte. Von Armin Mueller-Stahl, über Winona Ryder, bis hin zu Roberto Benigni gibt es nur ein passendes Wort, das dargebotene Schauspiel in Worte zu fassen - Perfekt!! Egal ob nun Taxifahrer oder Fahrgast, ein jeder bringt seine Rolle genau auf den Punkt und agiert symphatisch und glaubhaft.




++++++
+FAZIT+
++++++

&qu ot;Night on Earth" ist eine zweistündige Taxifahrt durch fünf große Metropolen dieser Welt bei Nacht. Ein optisches Erlebnis, ein Zeugnis von Tragik, menschlichen Werten, zerissenen Charakteren, traurigen Schicksalen und Hoffnungen. Die hier zu Worte gebrachten Dialogen sprechen ehrlich aus dem Leben und wirken in keinster Weise gekünstelt oder unecht. Die Tatsache, dass Jarmusch tatsächlich in den entsprechenden Städten filmte und alle seine Darsteller die dortige Sprache sprechen ließ, verleiht dem Ganzen zudem noch einen sehr realen Grundton und die traurige Musik von Tom Waits sorgt für den richtigen Grad an Melancholie. Da die Schauspieler zudem noch jede einzelne Rolle genial rüberbringen, vergebe ich letztendlich perfekte

10 von 10 Punkten und eine unbedingte Empfehlung!

Mfg
Realjackass
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
ChiChi
ChiChi, 17.07.2006
Musst du mir nicht erklären, einmal Jarmusch immer Jarmusch :
SuicideToday
SuicideToday, 18.07.2006
sehr hilfreichman liest sich
hundeliebe02
hundeliebe02, 17.07.2006
Liebe Grüße Edith und Claus
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wildheart

Brennpunkte

ein Testbericht von 2004-02-23 18:52:08 vom 23.02.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: Der Film...
Nachteile/Kritik: DVD-Austattung und Preis
„There's a blue eyed girl with a red bow tie
and a string of pearls with one good eye
in a rainy town the chimney smoke will curl
no one likes clowns on the other side of the world
and the children know she'll never let me go.“ (1)



Nacht. Jeder der von Jim Jarmusch aufgesuchten Orte bietet uns eine spezifische, wie man so schön sagt: landesübliche Atmosphäre. Heimat zentriert sich in den fünf Episoden dieses Nachtfilms in fünf Taxen, ber nur flüchtig. Sie sind kurzzeitiger Treffpunkt ganz verschiedener Menschen – vor dem Steuer und auf dem Rücksitz. Und doch verbindet alle eine Tragikomik des Geschehens auf engstem Raum. Das Taxi wird zum Brennpunkt unausgesprochener, wenn auch angesprochener menschlicher Konflikte. Fremde treffen aufeinander, mehr oder weniger zufällig. Als sie auseinander gehen, hat sich etwas verändert. Aber hat sich auch für sie etwas verändert?

Die Casting-Agentin Victoria (Gena Rowlands), blond gebleicht, im schicken schwarz-weißen Allerweltskostüm, stets im Stress, am Handy hängend, am Verhandeln, trifft auf die lässige, Kaugummi kauende oder rauchende, gar nicht „schick“, dafür aber interessant aussehende Taxifahrerin Corky (Winona Ryder). Das Wort „Shit“ bringt die beiden Frauen auf dem Flugplatz von Los Angeles zusammen. Die Fahrt geht nach Beverly Hills. Und was die Klischee-Dame nie erwartet hätte, trifft ein: Corky lehnt ihr Angebot, zum Film zu gehen, rundweg ab. Corky hat ein sehr konkretes, handhabbares, nahes und realisierbares Ziel. Sie will Automechanikerin werden. Das Verbrauchte, Einsame, Benutzte konterkariert Jarmusch mit dem Lebensnahen, Lebendigen, Aufmerksamen, Frischn.


„There's a one legged priest that tangos with the farmers wife
Beauty and the beast is taking her own life
and a tear on a letter back home turns into a lake of your own
and a crow turns into a girl on the other side of the world
and she tastes like the sea and she's waiting for me
in the spring the weeds will show that he brought back the only rose
and he gave it to his girl on the other side of the world.
And I drink champagne from your thin blue veins.“ (1)



Auch in New York sind die Straßen des nachts verlassen. YoYo (Giancarlo Esposito) sucht verzweifelt ein Taxi. Keines hält. Und als einer der Fahrer stoppt und hört, YoYo wolle nach Brooklyn, sucht er das Weite. Bis ein stotternd herannahendes Taxi hält und YoYo am Ziel seiner Träume – jedenfalls für heute Nacht – zu sein scheint. Am Steuer sitzt Helmut (Armin Müller-Stahl), der kaum englisch spricht, geschweige denn Autofahren kann – obwohl das Taxi mit Automatik ausgestattet ist. YoYo glaubt seinen Augen nicht zu trauen und kurzerhand lässt er sich von Helmut das Steuer übergeben, schaltet den Taxometer ein – was Helmut ebenfalls vergessen hatte. Beide tragen Mützen mit Ohrenschützern, streiten darüber, welche moderner sei und machen sich gegenseitig über ihre Vornamen lustig. Das heißt, sie kommen sich näher – der schwarze Brooklyn-Typ mit Herz und Helmut, der Ex-Clown aus der DDR. Und last but not least Angela (Rosie Perez), YoYos Schwägerin, die sich offenbar rumtreibt, kaum mehr Worte spricht, sprich: flucht als „fuck you“ und die YoYo ins Taxi zerrt. Aus dem Zusammentreffen dieser drei Personen gewinnt die Episode an Komik, die kaum zu übertreffen ist. Die Schwächen der einzelnen verschmelzen zu einer völlig neuen Mischung, an deren „Siedepunkt“ so etwas wie Zuneigung und Freundschaft stehen könnte. Die Lebensumstände allerdings treiben die drei wieder auseinander.

Der französische aus der Elfenbeinküste stammende Taxifahrer (Isaach de Bankolé) schmeißt in den Straßen von Paris zwei „Landsleute“, die sich über ihn lustig machen kurzerhand hinaus. Allerdings ärgert er sich, vor Wut über die beiden Diplomaten nicht abkassiert zu haben. Eine blinde junge Frau (Béatrice Dalle), denkt er, wird ihm keine Schwierigkeiten machen. Die allerdings weiß genau, was sie will. Sie erregt das intensive Interesse des Mannes vor ihr am Steuer. Immer wieder schaut er in den Rückspiegel, fragt sie, manchmal leicht aggressiv, z.B. ob es nicht ein großer Nachteil sei, blind zu sein. Die Blinde bietet ihm Paroli. „Sie können doch nicht Autofahren“, kontert sie mit: „Sie etwa?“. Wie wahr, erweist sich am Schluss der Episode.

Der geschwätzige römische Taxifahrer (Roberto Benigni) rast durch die Straßen der ewigen Stadt, und aus Langeweile macht er seine Witze. Eine große dunkle Sonnenbrille ziert sein Gesicht. Auch die trägt er eher aus Langeweile, vielleicht um den Nervenkitzel der Fahrt im Dunkeln etwas zu steigern. Den Taxifunk quittiert er mit sexuellen Anspielungen. Dann erhält er den Auftrag, einen Priester abzuholen, der an einem Brunnen wartet. Auch den muss er verulken. Kaum eingestiegen, verhöhnt er ihn mit seinen Jugendsünden, dass er seinen ersten Sex mit einem Kürbis und einem Schaf gehabt habe; nun erhoffe er von ihm, den er ständig Bischof tituliert, Vergebung. Auf den Priester selbst, der schwer herzkrank ist und schließlich mit dem Tod ringt, achtet er nicht.

Dieses groteske Wechselbad zwischen unachtsamem, vom Komischen ins Hämische, ins fast schon Verachtende wechselnden Spott hier und dem Todeskampf des schweigenden Priesters dort lässt schon bald den Wunsch aufkommen, der Priester solle leben und der Taxifahrer möge für immer den Mund schließen.

In der letzten Episode nimmt Mika, Taxifahrer im winterlichen Helsinki (Matti Pellonpää), drei betrunkene Fahrgäste auf. Während einer der drei völlig weggetreten ist, erzählen die anderen beiden Mika, ihr Kumpel habe seine Arbeit verloren, sein neues Auto sei von einem Unbekannten zu Schrott gefahren worden, seine minderjährige Tochter sei schwanger und seine Frau wolle ihn verlassen. Mika reagiert mit den Worten: „Es könnte schlimmer sein“, und meint damit seine eigene Situation und die seiner Frau. Beide haben ihr neu geborenes Mädchen nach drei Wochen verloren. Frühgeburt. Die beiden Fahrgäste hören zu, sind betroffen, ihnen stehen Tränen in den Augen. Sie versuchen Mika zu trösten.


„She visits his grave wearing her mother's shawl
should I shave or end it all.
There's an old sailor song that the children know
as their fingers curl around the other side of the world
on a bone white mare lost in Kathleen's hair
in the spring the weeds will show that he brought back the only rose
and he gave it to his girl on the other side of the world.“ (1)



Jarmusch gelingt es, durch wenige, meist aus dem Stand fotografierte Bilder die unterschiedliche Atmosphäre der fünf Städte einzufangen, in denen es Menschen, die im Taxi zusammen kommen, nur zeitweise und mehr oder weniger bruchstückhaft gelingt, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Helmut wird durch YoYo einen Moment lang begeistert von einer Stadt wie New York, doch als YoYo und Angela ausgestiegen sind, scheint er alles wieder vergessen zu haben. Der Pariser Taxifahrer ist neugierig auf die blinde Frau in seinem Wagen, aber er kann diese Neugierde nicht befriedigen, weil er sich selbst dabei im Weg steht, die falschen Fragen stellt und die Antworten nicht begreift. Der römische Kollege hat überhaupt kein Gespür für seinen Fahrgast. Der Casting-Agentin in Los Angeles erscheint es wie fast wie ein Alptraum, dass die Taxifahrerin ihr Angebot ablehnt. Und der finnische Taxifahrer stellt seine eigene missliche persönliche Situation wertend über die eines seiner Fahrgäste. Das Verständnis bleibt wenn überhaupt vage, flüchtig, wenn auch YoYo in New York ein Mensch ist, der ein großes Herz zu haben scheint.

Das Taxi wird an fünf Orten der Welt für einige Minuten zu einem Leuchtpunkt, obwohl man nicht weiß, woher die Figuren kommen und wohin sie gehen werden, wenn sie das Taxi verlassen. Es bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen, die Geschichten weiter zu erzählen, darüber zu phantasieren, was vorher war und nachher sein wird. Was treibt beispielsweise die blinde Frau des nachts auf die Straße und an eine einsame Stelle irgendwo an der Seine? Ist sie über irgend etwas oder irgend jemand wütend? Was wird der betrunkene Fahrgast in Helsinki mit seinen kleinen und größeren Problemen anfangen, als Mika ihn vor seiner Wohnung absetzt? Wie werden Mika und seine Frau mit dem Tod ihrer kleinen Tochter fertig? Wird der Tod des Priesters das Lebens des geschwätzigen römischen Taxifahrers verändern? Jarmusch lässt seine Figuren wieder allein und uns allein mit diesen Fragen.

„Night on Earth“ regt dazu an, Geschichten weiter zu denken. Denn Jarmusch lässt diese Fragen bewusst offen. Ihn interessiert die Situation in der Enge von fünf Taxis – irgendwo.


D V D

Sprachen: Englisch (Dolby Digital 2.0 Surround, Dolby Digital 5.0)
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9
Dolby, Surround Sound, AC-3, PAL
Die deutsche DVD (bei amazon € 19,99, bei cdhaus.de € 16,99) enthält außer langweiligen Starinfos und dem Trailer keinerlei Zusatzmaterial. Auch die englische DVD-Ausgabe des Films ist nicht besser bestückt und kostet gnadenlose € 29,99 bei amazon und € 24,99 bei cdhaus.de – eine glatte Unverschämtheit! Den niedrigsten Preis fand ich bei emunio.de: € 12,99. Wenigstens sind Bild- und Tonqualität mehr als akzeptabel.

Wertung Film: 9,5 von 10 Punkten.
Wertung DVD: 5 von 10 Punkten.
Wertung insgesamt: 8 von 10 Punkten.

(1) Musik von Tom Waits für „Night on Earth“.

Night on Earth
(Night on Earth)
USA 1991, 129 Minuten
Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch
Musik: Tom Waits, Kathleen Brennan
Director of Photography: Frederick Elmes
Schnitt: Jay Rabinowitz
Produktionsdesign:
Hauptdarsteller: Los Angeles: Gena Rowlands (Victoria Snelling), Winona Ryder (Corky); New York: Armin Müller-Stahl (Helmut Grokenberger), Giancarlo Esposito (YoYo), Rosie Perez (Angela); Paris: Isaach de Bankolé (Taxifahrer), Béatrice Dalle (blinder Fahrgast), Pascal N’Zonzi (Fahrgast), Emile Abossolo M’bo (Fahrgast); Rom: Roberto Benigni (Taxifahrer), Paolo Bonacelli (Priester); Helsinki: Matti Pellonpää (Mika, Taxifahrer), Kari Väänänen (Fahrgast), Sakari Kuosmanen (Fahrgast), Tomi Salmela (Fahrgast)

Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0102536

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (3 von 4 Punkten):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1992/05/755225.html


© Ulrich Behrens 2004
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 3,00 / 5,00 3
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
XXLALF
XXLALF, 04.01.2012
wie immer ein top-bericht, bw und ganz liebe grüße
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Sentenza

I'm a taxi!

ein Testbericht von 2003-01-30 16:47:39 vom 30.01.2003
Empfehlung: ja
Jim Jarmusch: „Ich bin kein wirklicher Regisseur. Meine Filme verdeutlichen kleine Details des Lebens. Keine großen Ereignisse.“
Das Zitat sagt eigentlich schon alles über den Film „Night On Earth“ aus. Doch so einfach gestrickt wie dieses Zitat ist der Film nicht. Er ist anders. Völlig anders.

Der etwas andere Regisseur

Jim Jarmusch, geboren 1953, ist einer der kreativsten Regisseure der Welt. Seine „Independent-Filme“ haben vieles gemeinsam. Sie unterscheiden sich von den normalen „Hollywood-Filmen“. Beispiele: 1. Jarmusch hat „Night On Earth“ in acht Tagen geschrieben. 2. Er hat den Film nicht gemacht, weil er Geld brauchte. Nein. Er wollte durch die Welt reisen und mit seinen Freunden (Benigni, Waits) zusammen sein. 3. Seine Budgets sind immer niedrig. Mehr als 10 Millionen Dollar würde Jarmusch nie für einen Film ausgeben.
Dieser Mann ist wirklich ein Phänomen.

Generelles zu „Night On Earth“

Night On Earth. Nacht auf der Welt. Keine gewöhnliche Nacht. Es ist die Nacht der Taxifahrer. Genauer gesagt, die Nacht der fünf Taxifahrer. Ihre Namen: Winona Ryder, Armin Müller-Stahl, Isaach de Bankolé, Roberto Benigni und Matti Pallonpää.
Orte: Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki.
Die Taxifahrten geschehen zur gleichen Zeit; es gibt aber keine Verbindung zwischen ihnen. Es sind fünf Episoden, die als Gemeinsamkeit nur die folgenden Fakten besitzen:
· Die etwas düstere Musik von Tom Waits
· Bevor das Taxi gezeigt wird, erhält der Zuschauer einen flüchtigen Blick in die Stadt
· Offener Anfang, offenes Ende
· Beweggründe der einzelnen Personen werden nicht klar

Der Film existiert nur in einer Fassung. Die ersten beiden Episoden sind auf englisch. Ab Paris gibt es englischen Untertitel. (Ich kenne nur diese Fassung. Falls es auch andere Versionen gibt, schreibt es mir)


Los Angeles

Corky (Winona Ryder) ist Kettenraucherin, trägt eine Baseball-Kappe und arbeitet als Mechanikerin. Ihr Fahrgast ist eine Upperclass-Frau, die junge, aufstrebende Frauen castet. Es gefällt ihr, wie sich die primitive Corky durchs Leben schlägt. Deshalb bietet sie Corky an, ins Filmgeschäft einzusteigen. Sie sieht großes Starpotenzial in ihr. Aber Corky ist wohl die einzige Frau in LA, die einen Job als Mechanikerin dem Filmgeschäft vorzieht. Ein keil schlägt sich zwischen den beiden. Und schon ist die Fahrt zu Ende.

New York

Yo-Yo ist verzweifelt auf der Suche nach einem Taxi. Viele rauschen an ihm vorbei. Yo-Yo will nach Brooklyn. Doch einige Taxifahrer möchten dort ganz und gar nicht hin. Jetzt kommt Helmut ins Spiel. Mit einer etwas ungewöhnlichen Fahrweise (er ist wohl noch an Trabbis gewöhnt), fährt er auf Yo-Yo zu. Helmut hat einen englischen Wortschatz von ca. zehn Wörtern, aber er ist einfach nur glücklich, dass er einen Fahrgast bekommen hat.
Nach einer Weile hat Yo-Yo keinen Bock mehr auf Helmuts Fahrweise und bietet ihm an, selbst zu fahren. Helmut ist zuerst etwas skeptisch, aber nach kurzer Dauer, wechseln die beiden die Plätze. Auf dem Weg nach Brooklyn erzählt Helmut Yo-Yo von seinem Leben und zeigt ihm seine Fähigkeiten als Clown. Yo-Yo bekommt dabei mehrere Lachkrämpfe (Siehe Zitate).
Kurz darauf sieht Yo-Yo seine Verwandte Angela auf der Straße entlang stolzieren. Er möchte sie mitnehmen, doch sie ist gar nicht begeistert von der Idee. Ab jetzt entstehen einige heftige und vulgäre Dialoge zwischen den beiden. Doch Helmut schockt das keineswegs. Er antwortet immer wieder: „She is nice, she is beautiful“.
Am Reiseziel angekommen, muss sich Helmut von seinen beiden einzigen Freunden verabschieden. Er versucht anschließend aus der Stadt herauszukommen. Ob er das schafft? Man weiß es nicht, da der Film hier endet. Man wird es nie erfahren.

Die besten Zitate: 1. Yo-Yo: Do you drive to Brooklyn?
Helmut: Yes, yes, I’m a taxi, I’m a taxi, come in Sir.
2. Yo-Yo: What’s your name, Helmet???
Helmut: Ja, Helmut
Yo-Yo: But a Helmet is in English something you wear on the head. Oh
man. That’s like you call your child lampshade. Hey lampshade!
Don’t come late at home.
3. Helmut: Ach money is, money is not important to me. I need it but it is
Not important.

Paris

Ein Taxifahrer von der Ivory Coast (Elfenbeinküste) fährt mit rasantem Tempo durch die Straßen von Paris. Zwei angetrunkene Geschäftsleute sitzen auf der Rückbank. Die beiden machen sich, wegen seiner Fahrweise und Hautfarbe über den „Ivoirian“ lustig. An dieser Stelle hat der aber die Schnauze voll und setzt sie auf die Straße.
Dieser Taxifahrer ist jemand, der wenig redet und sich eigentlich nicht mit seinen Fahrgästen beschäftigt. Doch das Blatt wendet sich bei seinem nächsten Fahrgast. Es ist eine blinde Frau. Er zeigt sich sehr interessiert gegenüber ihres Handicaps und stellt viele Fragen. Doch die Blinde erteilt ihm eine Lehrstunde in Sachen Schlagfertigkeit. Sie hat immer die passende Antwort parat. Nachdem sich der Ivoirian noch zu Beginn für etwas besseres gehalten hat, holt sie ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Nach der Fahrt zeigt er Mitleid und berechnet ihr weniger Geld. Die Blinde aber ist nicht „von gestern“ und gibt ihm den exakten Betrag. Der Ivoirian stutzt und fährt weg. Die kamers bleibt nun frontal auf der Blinden. Im Hintergrund erkennt man nun, wie der Taxifahrer einen Crash mit einem anderen Auto verursacht.

Besondere Momente:
1. Die blinde Frau dem Ivoirian, dass sie ihre Liebhaber zwar nicht sieht, aber das sie sie riecht und fühlt. Sie könne ihn auf ca. einen km riechen. Der Ivoirian ist völlig verdutzt und erwidert, dass ihr Freund dann aber ganz schön stinken muss.
2. Die Frau ist am Reiseziel angekommen. Sie steigt aus und geht den Kanal entlang. Dabei ruft der Taxifahrer ihr noch hinterher, dass sie aufpassen solle. Sie erwidert, er solle auf sich aufpassen. Dann fährt er mit quietschenden Reifen los und baut den Crash. Das anschließende Wortgefecht:
Der schuldlose Autofahrer (übersetzt): Was soll das ? Sind sie blind? Wir sind hier nicht in Afrika.
Der Übeltäter: Sie sind ein Rassist!
Der schuldlose Autofahrer: Ich bin kein Rassist, ich habe nur gesagt, dass Schwarze nicht Auto fahren können.

Rom

Schwarzer Humor ist in Rom gefragt. Taxifahrer Gino (Roberto Benigni) heizt zunächst mit Sonnenbrille durch die engen Gassen von Rom. Dabei führt er wüste Monologe und gerät öfters falsch in Einbahnstraßen.
Sein Fahrgast ist ein Pfarrer. Der macht ich erst mal darauf aufmerksam, dass er eine Sonnenbrille trägt. Gino nimmt sie ab und freut sich, dass er endlich wieder besser sehen kann.
Gino will die Gunst der Stunde nutzen, um zu sündigen. Er berichtet dem Pfarrer über seine zahlreichen Affären. Er erzählt ihm, dass er zu Beginn seiner Jugend, einen Drang spürte, den er ausleben musste. Deshalb trieb er es als 13-jähriger mit Gemüse. Später dann mit Ziegen und der Freundin seines Bruders. Während der eingehenden Erzählung, achtet er nicht wirklich auf seinen Fahrgast. Dieser nämlich hat schon etwas länger keine Luft mehr bekommen und ist tot. Gino versucht kühlen Kopf zu bewaren. Er sieht schon die Schlagzeile vor seinen Augen: TAXI DRIVER KILLS BISHOP.
Er hält sofort an einer Parkbank, wo er den Pfarrer nach großer Kraftanstrengung platziert. Er setzt ihm noch die Brille auf und fährt davon. Das Bild bleibt auf dem Pfarrer. Ende

Witzige Situationen (überstezt):
1. Benigni fährt mit Sonnenbrille durch die Straßen von Rom: „Ich kann gar nichts sehen. Die sollten hier mal Straßenlaternen aufstellen.“
2. Der Pfarrer weist ihn darauf hin, dass im Auto nicht geraucht werden darf, da das auf einem Schild stehen würde. Benigni: „Ach ja, das dämliche Schild.“ Dabei öffnet er das Fenster, schmeißt das Schild auf die Straße und rauchst weiter.
3. Beningi schleppt den toten Pfarrer auf eine Parkbank. Er schließt seine Augen und will zurück zum Auto gehen. Doch die Augen lassen sich nicht schließen, denn nach kurzer Zeit gehen sie wieder auf. Er hat die Faxen dicke und setzt ihm seine Sonnebrille auf.

Helsinki

Nachdem in Rom herzhaft gelacht wurde, muss man sich in Helsinki ruhigeren Tönen widmen. Was will man auch von Finnen erwarten.
Mika ist Taxifahrer in Helsinki. Seine Fahrgäste sind drei betrunkene Männer. Einer ist gar nicht mehr ansprechbar. Sein Name ist Aki. Während der Fahrt erzählen die beiden anderen Mika, weshalb Aki heute den schlimmsten Tag seines Lebens hatte: Sein neues Auto wurde geklaut, er wurde gefeuert und seine Frau hat ihn verlassen. Doch Mika kann diese Tragödie überbieten. Die beiden sind völlig baff.
Ende: Aki wird vor seiner Haustür abgesetzt. Er weiß nicht, was mit ihm los ist bzw. wo er ist und setzt sich auf den Boden. Zwei Nachbarn gehen an ihm vorbei (es ist ca. 5 Uhr morgens) und sagen völlig normal „Guten Tag“ zu ihm.

Anmerkungen
Die LA – Episode und die Helsinki – Episode möchte ich an dieser Stelle verbinden. Sie haben nämlich einiges gemeinsam. In beiden „Kurzfilmen“ werden nicht greifbare „Witze“ gebracht. Die Episode im „Ganzen“ ist witzig. Folgende Faktoren sind dafür ausschlaggebend: Die Charaktere und die Stimmung. Beispiel LA: Corky raucht eine Zigarette nach der anderen. Beispiel Helsinki: Es gibt traurige Anlässe und die beiden noch ansprechbaren Betrunkenen streiten sich über vergleichsweise lächerliche Situationen.

Tom Waits

Der Film lebt zu 50% von der Atmosphäre, die durch die Musik erheblich unterstützt wird. Doch wer hat diesen unglaublich guten Soundtrack erst möglich gemacht? Es war Thomas Alan Waits, besser bekannt als Tom Waits. Was? Ihr kennt ihn nicht? Ok, ich kenn ihn auch nicht, aber einige Daten und Fakten habe ich in Erfahrung gebracht:
Tom Waits ist 1949 in Kalifornien geboren, demnach ist er vier Jahre älter als Jim Jarmusch. Schon früh hat Waits damit begonnen, Guitarre und Klavier zu spielen. Mit 22 Jahren hat er seinen ersten Plattenvertrag bei „Asylum Records“ unterschrieben. Mit 29 Jahren gab er sein Schauspieldebüt in dem Film „Paradise Alley“ . 1980 arbeitet er mit Francis Ford Coppola zusammen an dem Soundtrack zu „One From The Heart“. Sechs Jahre später arbeitete er das erste mal mit Jim Jarmusch in dem film „Dawn by Law“ zusammen.
1991 produziert er mit seiner Frau Kathleen Brennan den Soundtrack zu „Night On Earth“.
Sein bisher letztes Highlight hatte er 1996. Dort komponierte er den Soundtrack zu „Dead Man Walking“.

Fazit

„Night On Earth“ ist eine mitfühlende Komödie über missglückt Beziehungen. Es gibt Hindernisse, die dazu führen, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht erfolgversprechend sind: Zeit, Sprache, Rasse, Sex und Geld.
Die Filmidee ist grandios. Jarmusch übergeht die traditionellen Richtlinien. Dafür favorisiert er die „Stimmung“ und den „Stillstand“. Das sind ganz klar Kennzeichen für Jarmuschs Filme. Außerdem macht er ja auch nur Filme, die er persönlich auch gut findet. Dabei setzt er auf eine kleine Handlung, spärliche Dialoge und auf „keinen wirklichen Schluss“. Es ist wie das leben an sich.; es gibt keinen wirklichen Schluss. Das führt auch dazu , dass viele Fragen am Ende jeder Episode auftreten: Wird Armin Müller-Stahl es schaffen, aus Brooklyn hinauszufinden? Wohin geht der Weg der Blinden? Wer ist überhaupt die Blinde? Wir erfahren wenig über die Charaktere und ihre Beweggründe. Man hat den Wunsch, dies alles zu erfahren. Aber man kann sich das Ende (leider) nur selbst vorstellen.
Herausragendes: Benignis Monolog: Jarmusch ist mit diesem Monolog über Sex mit Schafen usw. etwas ganz großes gelungen. Durch die Redegewandtheit von Roberto Beningi wird es zum absoluten „Brüller“.

Bekannte Filme von Jim Jarmusch:
Stranger than paradies (1984)
Dawn by Law (1986)
Mystery Train (1989)
Dead man (1995)
GhostDog (1999)
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
andy77

Die Lichter der Großstädte

ein Testbericht von 2002-12-01 18:32:01 vom 01.12.2002
Empfehlung: ja
Inhalt:
Fünf Episoden, jede eine Momentaufnahme, im Taxi, mitten in der Nacht, in fünf unterschiedlichen Städten dieser Welt. In Los Angeles am Flughafen steigt eine Casting Agentin in das Taxi der eigenwilligen, kettenrauchenden Corky. In New York muss der Fahrgast feststellen, dass sein Fahrer, ein pensionierter ostdeutscher Clown, weniger Ahnung vom Autofahren hat, als er selbst. In Paris nimmt ein Taxi Fahrer von der Elfenbeinküste ein wütendes blindes Mädchen mit und diskutiert mit ihr über Sex. In Rom möchte der Taxifahrer von seinem Fahrgast, seines Zeichens Priester, die Beichte abgenommen bekommen. In Helsinki entscheidet sich zwischen dem Taxifahrer und seinen drei betrunkenen Fahrgästen, wer die tragischste Lebensgeschichte zu erzählen hat...

Kritik:
Jim Jarmusch ist mit "Night on Earth" ein kleiner, stimmungsvoller Film gelungen, der das gesamte Gefühlspektrum der Menschen nicht nur in einer Nacht, auch in nur einem Film, darzustellen vermag. Er bedient sich dabei einer Berufsgruppe, die weis Gott genug schräge Geschichten zu erzählen vermag, den Taxifahrern. Sie bilden die Grundlage für fünf einfühlsame kleine Geschichten. Geschichten voller Wärme, Leidenschaft und Melancholie...

Ein kleiner Film also, der es schafft den Zuschauer auf eine Gefühlsachterbahn zu begleiten, die ihresgleichen sucht, aber nie unglaubwürdig daherkommt. Die Geschichten spiegeln alle das Temperament der jeweiligen Städte und derern Bewohner wieder und die Musik von Tom Waits hält diese Atmosphäre über volle zwei Stunden aufrecht.

Die Strassen sind leer in der Nacht, egal in welcher Stadt sich das Taxi fortbewegt. Die Figuren scheinen abgeschnitten von der Welt, obwohl sie doch, ihre Geschichten deuten es jedenfalls an, mitten in dieser stecken müssten. Jim Jarmusch interessiert sich nur für den kurzen Moment des Erzählens, für die Momente, in denen Winona Ryder, Armin Müller-Stahl, Beatrice Dalle, Roberto Begnini und Matti Pellonpää durch die Strassen zu schweben scheinen und man die Stimmung einfach nur festhalten möchte. Der Augenblick ist das Maß aller Dinge und sollte dies auch viel öfter sein...

Natürlich wird nicht jeder diesen Film lieben, denn es gibt kaum ein Handlung zu erzählen. Im Gegenteil alles passierte in der Vergangenheit und man erfährt es durch Personen, die unmittelbar an jeder Geschichte beteiligt waren, oder zumindest scheinen.

Wer sich die Mühe macht genau hinzuschauen und sich auf das Licht, die Strassen und Menschen einer der Großstädte einlassen möchte, wird keinen besseren Film finden, als diesen. Für Fans von Jim Jarmusch und Tom Waits ist "Night on Earth" natürlich Pflicht!

Als Extras finden sich noch Starinfos, sowie der Trailer auf der DVD.

Erscheinungsdatum: 24.09.2002
FSK: 16 Jahre
Länge: 123 min
Land: USA 1991
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Winona Ryder; Gena Rowlands; Giancarlo Esposito; Armin Müller-Stahl; Rosie Perez; Beatrice Dalle; Roberto Benigni; Matti Pellonpää
Musik: Tom Waits
Audio: Dolby Digital
Sprachen: English
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1:1,78 (16:9 anamorph)
...
Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
1-4 von 4 Testberichten über Night on Earth
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