ein Testbericht von Tuffi21062006-05-01 18:03:25vom 01.05.2006Empfehlung: ja
Vorteile: Sachliche Beschreibung
sehr gut verständlich
etliche Hilfsangebote und Anlaufstellen...Nachteile/Kritik: Nichts
Heute mal was etwas ernsteres von mir. Wollte euch mal dieses Buch hier vorstellen, ein meiner Meinung nach gut gelungenes und einfach verständliches Werk. Bei mir wurde mal der Verdacht auf eine Borderline-Störung geäußert. Leider wurde die anschließende Therapie nicht bewilligt, eine wirkliche Diagnose also nie gestellt. Nun fragte ich mich aber natürlich: Was soll denn eine Borderline-Störung überhaupt sein? Und so stieß ich auf dieses Buch.
Fakten:
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Titel: Leben mit einer Borderlinestörung: Ein Ratgeber für Betroffene und ihre Partner
Autoren: Dr. phil. Dr. med. Günter Niklewski und
Dr. phil. Rose Riecke-Niklewski
ISBN: 3-8304-3111-2
erschienen im Trias- Verlag
Das Buch:
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Also, den Inhalt des Buches hier darzustellen würde den Rahmen deutlich sprengen, daher eine wirklich kurze Zusammenfassung:
Es gibt 7 Kapitel die wie folgt eingeteilt sind:
1. Annäherung an eine schwierige seelische Störung
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Hier wird erst einmal erklärt, was eine Borderline-Störung ist. Hierzu wird ein Text aus der Perspektive eines Betroffenen angeführt. Im Anschluß werden häufige Irrtümer über die Borderline-Störung berichtigt. Darauf aufbauend wird nun die Frage behandelt, was denn eine solche Störung ist. Klar wird hier herausgestellt, das es nicht die EINE Störung gibt, sondern das es viele verschiedene Äußerungen gibt. Einige werden hier vorgestellt. Außerdem werden hier breit alle Diagnosekriterien dargestellt und wirklich gut verständlich erläutert
Anhand von Fallbeispielen wird versucht die innere Welt eines Borderliners zu beschreiben. Es folgen Ansätze der Ursachenforschung und zum Schluss wird die Frage nach dem Verlauf der Krankheit geklärt.
2. Ursachen und Entstehung - biologische, psychische und soziale Einflüsse
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Wie der titel schon sagt geht es hier um die Ursachen. Da noch nicht sehr viel über Borderline bekannt ist, werden hier einige mögliche Ursachen genannt, die aber teilweise in Kombination auftreten müssen. Vorgestellt werden eben soziale Aspekte, Traumate, die persönlichkeitsentwicklung, Veranlagung und Hirnstoffwechselstörungen. Anschließend wird das Gesamtbild an dem anerkannten Modell geschildert.
Borderline geht oft mit Selbstverletzendem Verhalten (SSV) einher, ABER: NICHT JEDER DER SICH SELBST VERLETZT IST AUCH EIN BORDERLINER!!!
Diese Zusammenhänge werden erläutert, SSV als eigene Krankheit dargestellt, die Funktion erläutert, Therapiemöglichkeiten und Anlaufstellen genannt. Und natürlich wird hier auf die verschiedenen Arten des SSV eingegangen. Speziell behandelt werden hier: Sucht, Essstörungen, Suizidalität und Suizid.
4. Die Behandlungsmöglichkeiten der Borderline-Störung
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Im wesentlichen geht es hier um verschiedene Therapiemodelle:
medikamentös
Psychothera pie
das DBT
die TFP
und DBT und TFP im Vergleich
bitte habt Verständnis, dass ich das nicht alles erklären kann, das wär viel zu lang, aber Leute die das Buch kaufen wollen, wissen worum es dabei geht oder wollen sich wirklich informieren, was das Buch viel besser kann als ich an dieser Stelle.
5. Die Borderline-Störung in der Familie
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Ein sehr wichtiges Kapitel. Hier geht es um den alltäglichen Umgang mit dieser Störung. Es werden Hilfen für den Alltag vorgestellt, Anlaufstellen genannnt und Anregungen zu einer Familientherapie gegeben.
Im Anschluss wird noch die Frage geklärt, ob es sich um eine Entwicklungsstörung oder um eine Persönlichkeitsstörung geht, wenn es im Kindesalter auftritt. Hier wird angeführt, wie sich diese Störung hier äußert und welche Hilfe man den Kindern geben kann.
6. Borderline-Beziehungen - ein besonderes
Problem
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Hier wird beschrieben, wie Borderliner ihre Beziehungen gestalten, wie sie mit SSV und Suizidalität die Belastbarkeit der Beziehung prüfen.
In einem Unterkapitel wird dann aufgezeigt, wie es doch funktionieren kann. Dabei wird niemals außer Acht gelassen, dass es immer eine enorme Belastung ist.
7. Informationen
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Zuerst gibt es ein eigenes Kapitel über Borderline im Internet. Hier werden die Möglichkeiten der Information, aber auch die damit verbundenen Gefahren dargestellt. Im Anschluss gibt es noch einige Inet Adressen wo man sich weiter informieren kann.
Zum Schluss kommt noch eine Adressliste mit Therapiemöglichkeiten, wobei diese nach den verschiedenen Therapiearten sortiert ist.
Zur Sprache gibt es nicht so viel zu sagen. Man kann nur bestätigen, dass dieses Buch für jedermann leicht verständlich ist. Fachchinesisch hat in diesem Buch keinen Platz, es sei denn es geht nicht anders. Aber dann wird alles anhand von Fallbeispielen erklärt. Texte aus der Sicht von Betroffenen erleichter das Verständnis zusätzlich.
Mein Fazit:
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Als ich dieses Buch durch hatte war ich erstmal etwas verwirrt. Es ist nicht leicht sich da zurechtzufinden, denn es ist einfach noch zu wenig über diese Störung bekannt. Es gibt sooo viele verschiedene Krankheitsbilder für die gleiche Störung. Dieses Buch vermag einem aber ein gutes und fundiertes Basiswissen zu verschaffen. Schön finde ich die vielen Stellen, an denen Anlaufstellen genannt werden. Für Mediziner sicherlich nicht die richtige Lektüre, aber wie der Autor verspricht für betroffene, Bekannte von Betroffenen und einfach Interessierte absolut empfehlenswert.
Vielleicht lag es auch an meier persönlichen Betroffenheit, aber ich fand dieses Buch einfach zu lesen. Ich habe dieses Buch durchgelesen wie einen Roman. Nicht einmal habe ich es weggelegt, weil ich dachte ich komm heut nimmer mit, wie es bei medizinischen Büchern häufig der Fall ist.
Vielen lieben Dank für´s Lesen, Bewerten und Kommentieren
PaterBrown, 30.11.2007
...ich kenne jemand mit so einem Problem, und das ist doch sehr tragisch. Die Frau wurde jetzt gekündigt, zwar offiziell NICHT wegen Borderline, aber inoffiziell wahrscheinlich DOCH...
blackangel63, 01.05.2006
.. quot quot... quot quot..
. 039o039 . 039o039 .
- ,,-,, - ,,-,,-...LG Anja :-
super Bericht über eine schlimme Krankheit.
Flute, 01.05.2006
Hast du dich mal in diversen Borderline-Foren umgeschaut?
Die können oft sehr hilfreich sein und kosten nichts.
Bin übrigens auch einer und therapieresistent.
LG. Dunja
„Das Schlimmste ist, dass ich eigentlich nicht weiß, wer oder was ich bin. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, bin ich einfach überfordert. Ich habe in den letzten Wochen mein Gefühl für mich verloren. Ich habe Angst vor jedem Tag, die größte Angst hab ich vor mir selbst, dass ich wieder auf dumme Gedanken komme, dass die Hexe in mir wieder die Oberhand gewinnt, die Hexe, die alles kaputt macht. Wenn die Hexe auf die Bühne tritt, bin ich nicht zu bremsen. Ich kann dann so gemein sein, ich mache dann alle fertig und danach bin ich fertig. Dann kommt die Angst.“
_(Zitat, S. 17)_
Dr. phil. Dr. med. Günter Nikleswki veröffentlichte gemeinsam mit Dr. phil. Rose Riece-Niklewski das 175 Seiten umfassende Sachbuch
===Leben mit einer Borderline-Störung: Ein Ratgeber für Betroffene und ihre Partner===
welches in mehrere Kapitel untergliedert ist. Entgegen der fast schon abschreckend klingenden Doktortitel der Verfasser oder gar dem etwas krud-gestalteten Klappentext ist das Gesamtwerk in einer einfach verständlichen Sprache gefasst; darüber hinaus wird an jedem Kapitelabschluss das vorangegangene noch einmal in deren Kernaussage zusammengefasst.
Inhaltlich befasst sich das Werk mit den nachfolgenden Überthemen:
~ Annäherung an eine schwierige seelische Störung
~ Ursachen und Entstehung – biologische, psychische und soziale Einflüsse
~ Turbulenzen, Risiken und Krisen – selbstschädigendes Verhalten
~ Die Behandlungsmöglichkeiten der Borderline-Störung
~ Die Borderline-Störung in der Familie
~ Borderline-Beziehungen – ein besonderes Problem
~ Informationen
welche jeweils in mehrere Unterkapitel eingeteilt wurden.
Besonders hervorzuheben in diesem Zusammenhang, dass oftmals Betroffene oder Menschen aus deren direkten Umfeld (Familie, Partner, Freunde) selbst zu Wort kommen, ihr Empfinden so schildern, wie sie diesem ausgeliefert sind. Ohne Zensur, ohne Beschönigung, und damit eindringlich-verständlich.
Oftmals wirken selbst jene Abhandlungen, die explizit für Laien geschrieben wurde, derartig nüchtern und statisch, dass man zwar alles geschriebene fasziniert-interessiert aufnimmt, gleichso jedoch kaum etwas wirklich hängen bleibt. _„Leben mit einer Borderline-Störung“_ hingegen ist anschaulicherer Natur; überdies kommen die Autoren in manchen Kapiteln auf bereits genanntes zurück, um das grobe Bild zu verdeutlichen. Trotz dieser Wiederholungen hat der Leser nie das Gefühl, sich zu langweilen oder gar genervt zu sein. Ganz im Gegenteil; je öfter die Autoren auf das ein oder andere zurückgreifen, desto intensiver erweist sich der vermittelte „aha-Effekt“, kann sich der Leser ein besseres Bild machen.
Egal, wie viel oder wenig man bereits von der Borderline-Persönlichkeitsstörung gehört haben mag; mit diesem Buch findet sich meiner Ansicht nach jeder zu recht, so dass es sich nicht nur an Betroffene zwecks Selbstreflektion, sondern ebenso (oder gar vorrangig) für deren Angehörige eignet. Mehr noch: es ist definitiv zu empfehlen; eben weil „Leben mit einer Borderline-Störung“ nicht zu langatmig, dafür aber umso intensiver darstellt, was mitunter in den Betroffenen vor sich geht.
Ebenso intensive Aufmerksamkeit widmen die Verfasser den gängigen Vorurteilen; klären über diverse Klischees oder gar Unterstellungen auf. Der Versuch, die Borderline-Erkrankung in zwei Klassifikationssysteme zu unterteilen, wirkt in diesem Zusammenhang somit etwas widersprüchlich; eben weil wenige Seiten zuvor geäußert wurde, dass kaum ein Krankheitsbild dem anderen gleicht.
Interessant dürfte vor allem die Passage „Borderline-Beziehungen“ sein; Freunde oder familiäre Angehörige sind
dem Krankheitsbild kaum so intensiv ausgeliefert wie der entsprechende Partner, eben weil dortig ein völlig anderer Abstand gegeben ist. Die Frage nach zwischenmenschlichen Beziehungen, bzw. der Problematik, mit denen Betroffene wie auch die jeweiligen Partner sich auseinandersetzen müssen, nimmt einen eindringlichen Platz in der Lektüre ein, schrecken allerdings womöglich den ein oder anderen vor solch einer Beziehung ab:
„Vor allem besonders enge, intime partnerschaftliche Beziehungen bedeuten eine Belastungsprobe, die nicht selten ihre Fähigkeit zur Nähe-Distanz-Regulierung überfordert. Einerseits brauchen sie Nähe, enorme Nähe, um ihre eigene innere Leere und das Fehlen einer eigenen stabilen Identität durch einen anderen „Ganz-nahe-Stehenden“ auszugleichen. Aus diesem Grund wird die Nähe auch sehr schnell zur sexuellen Nähe, auch auf die Gefahr eines bösen Erwachens hin. Andererseits ist es gerade diese Nähe, die Angst macht, die Borderliner letztlich gar nicht aushalten können, denn aufgrund ihrer lebensgeschichtlichen Erfahrungen bedeutet Nähe oft Selbstaufgabe und Unterwerfung. (…) Plötzlich wird die Nähe in einer partnerschaftlichen Beziehung zu dicht. Es bleibt nur die Flucht: Borderliner müssen dann ausweichen, sind ohne Grund für einige Tage verschwunden, treten ohne Erklärung alleine eine Reise an. Sie fühlen sich durch Annäherung durhf den Partner und dessen Fragen oder Bitten um Erklärung bedrängt und unterträglich unter Druck gesetzt. Es kann in solchen Situationen zu Wutausbrüchen und impulsiven Handeln wie auch zu selbstverletzenden Handlungen kommen.“
_(Zitat, S. 151)_
Besonders hervorzuheben an dieser Stelle, dass die Autoren dem Leser keinesfalls derartig den Mut nehmen, wie es beispielsweise Peter Röhrs Werk streckenweise zelebrierte. Die Doktoren Niklewski beschönigen sicherlich nichts, mögen sogar vereinzelt etwas über-dramatisierend wirken; schlagen jedoch stetig den Bogen gen dem Wissen: nichts ist ausweglos.
Die ultimative Lösung sucht man – natürlich – vergeblich; stattdessen bietet die Lektüre diverse Ansätze zur Hilfestellung, nennt nicht zuletzt ein paar Therapie-Angebote und verzichtet vor allem auf den patzigen „Nächster Halt: Heilanstalt“ - Ton, die andere Ratgeber mitunter involvieren.
Der Umstand, dass nicht immer eine Therapie sinnvoll sein muss, kommt ebenfalls zur Sprache ~ ein Aspekt, den man sicherlich in wenigen Sachbüchern zu diesem Thema finden wird.
Erfreulich vor allem ebenso, dass an keiner Stelle der Eindruck entsteht, man müsste im Umgang mit Borderlinern lediglich ein entsprechendes Kapitel aufschlagen und wüsste somit ad hoc, wie mit welcher Situationen umzugehen ist. In dem Buch „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ fällt der Satz: „niemand hat gesagt, dass es leicht wird“ ~ eine Aussage, die sich hier zwischen den Zeilen wiederfinden lässt.
===Summa summarum=== fehlt innerhalb _„Leben mit einer Borderline-Störung“_ weder die berühmt-berüchtigte „Checkliste“ zwecks Diagnose noch diverse eingeflochtene Fallbeispiele; ferner besticht das Gesamtwerk durch die immer wieder aufgegriffenen Eckpfeiler, die somit langsam aber beständig das Verständnis des Lesers manifestieren.
Es liegt auf der Hand, dass sich das Buch kaum ohne Unterbrechung lesen lässt, vieles muss der ein oder andere sicherlich erst einmal sacken lassen und wird demzufolge etwas länger mit der Lektüre beschäftigt sein. Insgesamt betrachtet bietet _„Leben mit einer Borderline-Störung“_ durchaus alles Wesentliche, was es über jene Erkrankung der Seele zu wissen gibt; kommt hierbei völlig ohne mannigfaltige Fußnoten aus und wirkt nur selten fachspezifische Ausdrücke, die nahezu verwirrend sein könnten.
Die Titulierung _„Ein Ratgeber für Betroffene und ihre Partner“_ würde ich unterstreichen; tatsächlich finden beide „Seiten“ sich selbst innerhalb des Buches, respektive anhand diverser authentischer (!) Fallbeispiele, durchaus wieder und können das Ganze somit mit etwas Abstand betrachten, nachfühlen oder gar diverse a-ha Effekte durchleben.
Obschon ich persönlich bereits mehrere themenspezifische Sach- oder auch Erfahrungsbücher gelesen habe, empfand ich jenes als durchaus aufschlussreiche abrundende Bereicherung und würde überdies genau dieses Buch jedem Interessierten / (Mit-)Betroffenen uneingeschränkt empfehlen.
Vergessen darf man allerdings auch bei diesem Exemplar nicht, dass nichts in der Welt wirklich für jeden gültig sein kann; darf jedoch getrost vergleichbare Werke im Regel stehen lassen.
...
1-2 von 2 Testberichten über Günter Niklewski: Leben mit einer Borderline-Störung. Ein Ratgeber für Betroffene und ihre Partner
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