George Orwell, Mein Katalonien - Einer der ehrlichsten Kriegsberichte, die ich je gelesen habe
ein Testbericht von maxilop2006-04-01 12:53:07vom 01.04.2006Empfehlung: ja
Vorteile: klar verständlich, präzise und ehrlich geschrieben, ohne jede Parteilichkeit...Nachteile/Kritik: mehr "Tagebuch" als wissenschaftliche Analyse
Die meisten Leute kennen von George Orwell (richtiger Name: Eric Blair) ja nur 1984 und Animal Farm. Es ist aber durchaus lohnenswert, sich auch mal seine anderen Werke anzusehen, bzw. sie zu lesen. Am besten fängt man (wie auch ich...;-)) mit "Mein Katalonien (Original Titel: "Hommage to Catalonia") an. Je nach Sprachkenntnissen kann man es auf englisch oder deutsch lesen.
George Orwell beschreibt in diesem Werk seine persönlichen Erfahrungen im spanischen Bürgerkrieg. Er schloss sich einer Miliz der Anarchosyndikalisten an und bekam alles wortwörtlich an vorderster Front zu sehen. Durchaus fesselnd schildert er den gesamten Kriegsablauf, wie auch den Streit im Lager der Linken und Republikaner, welcher ja mit einer der Gründe für die Niederöage im Bürgerkrieg war. Mit absoluter journalistischer Genauigkeit und ohne jede Ausschmückung beschreibt er die menschlichen Seiten des Unmenschlichen genauso wie die schrecklichen Seiten des Krieges. Sprachlich ist das Buch einfach und verständlich gehalten, was nicht Orwells Formulierungsfähigkeit diskreditieren soll. Er gab sich vielmehr die Mühe klar und präzise die Wahrheit wiederzugeben.
Ich habe schon viele Berichte über den spanischen Bürgerkrieg gelesen, keiner ist mir jedoch so aussagekräftig erschienen wie dieser hier. Natürlich gibt es wissenschaftlichere Werke, doch keines vermag auf Orwells Art die Dinge so genau und verständlich zu erklären. Mit Orwell als Erzähler wird alles lebendig und lebensnah. Er nimmt dem Ereignis Krieg das unatürliche, das filmhafte. Er berichtet nicht von unbegangenen Heldentaten, sondern stellt das Alltägliche in den Vordergrund. Er erzählt zum Beispiel, dass an einigen Frontabschnitten Hunger und Läuse schwerer zu ertragen waren als der Gegner und man den Gegner zum Desertieren bringen wollte, indem man Parolen wie "Ah, dieser Buttertoast schmeckt aber gut...!" auf die andere Seite brüllte.
Dies alles zeigt nur immer wieder, dass George Orwell eben wirklich dabei war und somit einen überaus ehrlichen Augenzeugenbericht zusammengestellt hat.
Ich kann dieses Buch nur jedem Orwellfan und geschichtsinteressiertem Menschen, der sich eben nicht immer nur mit dem Standard-Geschichtsunnterrichtswissen zufrieden gibt, wärmstens empfehlen. Desweiteren kann ich auch seine anderen eher unbekannten Bücher ("Down and out in Paris", "Shooting an Elephant",...) nur jedem empfehlen.
willibald-1, 03.05.2006
Du schreibst knapp und konzentriert - sehr schön. - Ich habe von Orwell überhaupt noch nichts gelesen, auch Animal Farm und 1984 kenne ich nur vom Hörensagen. Aber Du hast mich neugierig gemacht.
sindimindi, 01.04.2006
Ein sehr guter Tipp! - danke Dir dafür! - Blair hätte wohl auch ein begnadeter Chronist und Historiker werden können.
LG, Roland
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George Orwells Erlebnisse als Freiwilliger im spanischen Bürgerkrieg
ein Testbericht von ullatab2010-11-24 23:28:48vom 24.11.2010Empfehlung: ja
Vorteile: Guter Schreibstil, viele historische Informationen...Nachteile/Kritik: Mir fällt echt nichts ein!
Dieses Buch ist eines der weniger bekannten des, wie wenige wissen, in einer indischen Kolonie geborenen Schriftstellers "George Orwell". Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern von George Orwell handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine fiktive Geschichte, sondern um einen Erfahrungsbericht.
In dem Buch, welches in den Jahren 1936 und 1937 spielt, erzählt der Autor von seinen Erlebnissen im "Spanischen Bürgerkrieg", welcher in Spanien von 1936 - 1939 herrschte.
Auslöser des Krieges war ein von dem Faschisten Franco durchgeführter Militärputsch, gegen welchen sich viele Spanier wehrten und die sogenannte "Frente Popular" (Volksfront) gründeten um den Faschisten nicht das Feld überlassem zu müssen. Die Seite der national-konservativ eingestellten Militärfanatiker unter Franco wird als "Frente Nacional" (Nationalfront) bezeichnet.
Unter den Linken in Europa sorgte, der Militärputsch für große Aufregung und man befürchtete, dass sich der Faschismus in ganz Europa ausbreiten könnte, wie es ja auch unter anderen Bedingungen später geschah.
Deshalb entschlossen sich viele junge Leute aus ganz Europa sich der sogenannten "Internationalen Brigade", einem Freiwilligenbund zur Unterstützung der Linken in Spanien, anzuschliessen.
So tat es auch George Orwell, der ursprünglich als Journalist nach Spanien reiste und sich dann aber doch der "POUM" (einer linken Partei in Spanien, die aktiv gegen das entstehende Militärregime einsetzte) um akitv am Krieg gegen die Faschisten teilzunehmen. Seinen Bericht verfasste er parallel dazu, wie eine Art Tagebucheintrag.
Seine Erzählungen sind sehr realistisch. Er berichtet sowohl von den Kleinigkeiten des Alltags der Freiheitskämpfer als auch von großen Entwicklungen des Krieges. Anfangs noch voller Humor und Idealismus berichtet George Orwell von seiner Ankunft in einem Soldatenlager und den dort herrschenden Zuständen. Er berichtet, dass es dort sehr chaotisch zuging, ihm jedoch der trotz des Kriegszustandes sehr menschliche Umgang der Leute miteinander beeindruckt hat.
So versuchten die Soldaten eine Kriegsführung ohne allzu strenge Hierarchien druchzuführen, was dazu führte, dass Soldaten ihrem (ich nenne ihn mangel eines besseren Wortes) Befehlshaber ständig widersprachen oder den Dienst verweigerten, was George Orwell ziemlich zu amüsieren aber auch zu beeindrucken schien.
Die Disziplinlosigkeit der Soldaten wurde von ihrem Willen um die Freiheit der Bevölkerung des Landes zu kämpfen wieder ausgeglichen. Alle Soldaten der Frente Popular waren der Armee schliesslich freiwillig beigetreten.
Was laut Orwell jedoch nicht durch unbändigen Willen auszugleichen gewesen war, war die mangelnde Ausbildung der Soldaten der Frente Poular und ihre teilweise Jahrzehnte alte Kampfausrüstung mit der sie der gut ausgebildeten und gut ausgerüsteten Armee der Frente Nacional gegenübertreten sollten. Die Frente Popular hatte, da sie die Bevölkerung nicht hungern lassen wollte, darauf verzichtet die Nahrungsproduktion in ihren Gebieten auf Waffenproduktion umzustellen, was ihnen einen entscheidenen Nachteil einbrachte, da der Kriegsfanatiker Franco nicht so nett zu seiner Bevölkerung gewesen war.
Sehr bewegend und aufschlussreich sind Orwells Erzählungen von den Momenten in denen er selber an der Front gewesen ist. Was ich hier besonders interessant fand ist die Tatsache, dass Orwell berichtet, dass die Soldaten (vermutlich auf beiden Seiten) kaum mehr über die Kriegsgründe nachdachten, sondern nur noch das Überleben im Vordergrund stand. Die Leute wollten nicht Kämpfen. Im Gegenteil: Am liebsten hätten sie sich mit ihren Feinden (zumindest
mit den Soldaten im nicht weit entfernten Schützengraben) verbrüdert und wären nach Hause gefahren.
Nachdem George Orwell von der Realität des Krieges schon ernüchtert genug gewesen ist musste er im Jahr 1937 dann auch noch mit ansehen, wie stalinistische Kommunisten, die anarchistisch-komministischen Abhänger der Frente Popular attackierten und deren Stützpunkte einnahmen, obwohl diese sich stets zum Wohle der Bevölkerung verhalten hatten.
Nachdem die linke Seite nun in der Hand der Stalinisten war, deren Ideale Orwell nicht teilen konnte und der Kreig sowieso so schien als sei er nicht mehr zu gewinnen, kehrte George Orwell im Jahre 1937 ernüchtert in seine Heimat England zurück. Das Buch "Mein Katalonien" verfasste er ein Jahr später.
Der Krieg endete übrigens im Jahr 1939 mit dem Sieg der Faschisten und führte zu einer bis in die 1970er andauernden Militärdiktatur in Spanien, welche zu starker Unterdrückung führte und zahlreichen Tote forderte.
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