Jetzt möchte ich einmal über eines der Bücher berichten, das ich als Kind gelesen habe, und noch heute sehr gerne lese: Die letzten Kinder von Schewenborn.
Doch erst einmal einige Informationen zum Autor:
Gudrun Pausewang wurde 1928 in Wichtlstadt/Böhmen geboren. Dort besuchte sie das Gymnasium und flüchtete 1945 in den Westen. 1948 machte sie in Deutschland ihr Abitur und studierte dann Pädagogik. Von 1951-55 arbeitete sie in Deutschland als Lehrerin. 1956 ging sie nach Südamerika und unterrichtete an deutschen Schulen in Chile, Venezuela und Kolumbien. Von dort aus unternahm sie viele Reisen durch Südamerika und Asien. 1972 kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitet seit dem an einer Grundschule in Hessen.
Heute wohnt sie in Schlitz bei Fulda.
Gudrun Pausewang hat viele Jugend- und Erwachsenenbücher geschrieben. "Und da kommt Emilio", "Kunibert und Kilewamba" und "Die Not der Familie Calderon" schrieb sie nach ihrem Südamerikaaufenthalt. Ebenfalls schrieb sie "Hinterm Haus der Wassermann" (1972) und "Auf einem langen Weg" (1978).
Ihr Buch "Die Wolke" (1987), das viele Auszeichnungen bekam, handelt von einem ähnlichen Thema, wie "Die letzten Kinder von Schewenborn", das sie ebenfalls 1987 schrieb.
1. Inhalt :
Das Buch handelt von einem Jungen namens Roland, der mit seinen Eltern und seinen zwei Schwestern auf dem Weg zu den Großeltern nach Schewenborn von einer Atombombenexplosion überrascht wird. In Schewenborn erfährt die Familie, daß die Großeltern zum Einkaufen nach Fulda gefahren sind, was den sicheren Tod bedeutet, weil dort die Bombe explodierte. Also zieht die Familie in das Haus der Großeltern ein. Da der Ort völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist, geht nichts mehr seinen normalen Weg, und nach kurzer Zeit treten die ersten Kranken und Toten auf. Die radioaktiven Strahlen verursachen Leukämie, und durch die katastrophalen hygienischen Zustände brechen Seuchen aus. Auch Rolands Schwestern Judith und Kerstin sterben.
Roland hält sich fast den ganzen Tag im Krankenhaus auf, um dort zu helfen. Eines Tages verspricht er dort einer sterbenden Frau, sich um ihre beiden Kinder zu kümmern.
Die Kinder, Silke (6) und Jens (3), werden auch von der Familie aufgenommen, doch Silke stirbt kurz danach an Typhus.
Auf Drängen der Mutter, die inzwischen schwanger ist,beschließt die Familie, nach Frankfurt, ihrer Heimatstadt, zurückzuwandern. Sie besitzen dort eine Eigentumswohnung. Nach einer langen und schwierigen Wanderung erreichen sie Frankfurt. Doch Frankfurt existiert nicht mehr... Und wie es weitergeht, selber lesen!!!
2. Beobachtungen zum Text
Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit, unter der Vorstellung, daß über Deutschland Atombomben gefallen sind. Sie spielt in Schewenborn, einer Kleinstadt bei Fulda. In Wirklichkeit heißt sie Schlitz und ist der Heimatort der Autorin.
Die Geschichte ist in chronologischer Erzählweise und in der Vergangenheit geschrieben. Roland, die Hauptperson, erzählt in der Ichform. Das letzte Kapitel ist im Präsens geschrieben. Dort berichtet der Erzähler, wie das Leben in Schewenborn 4 Jahre nach der Katastrophe aussieht.
Das Buch ist in Umgangssprache geschrieben und enthält keine schwierigen Fremdwörter.
Das Buch ist sehr empfehlenswert, weil es interessant geschrieben ist und zeigt, wie das Leben im Elend sein kann. Auch ist sehr gut beschrieben, wie gleichgültig viele Leute sind. Ihnen ist egal, ob einer, hundert oder mehrere Tausend aus
dem Ort sterben, solange nicht sie oder ihre Angehörigen dabei sind.
...
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...sieht so unsere Zukunft aus???
ein Testbericht von tammy2005-10-25 16:02:20vom 25.10.2005Empfehlung: ja
Vorteile: sehr schockierende geschichte, sehr wirklichkeitsnah...Nachteile/Kritik: ...
Als ich letztens mal einen Schrank ausgemistet habe, fielen mir Jugendbücher in die Hand, unter anderem
Die letzten Kinder von Schewenborn
Oder… sieht so unsere Zukunft aus???
Von Gudrun Pausewang
Die Autorin wurde 1928 geboren, war Lehrerin in Südamerika, sie lebte dann in Hessen und unterrichtete an einer Grundschule.
Neben Kinder und Jungendbüchern veröffentlichte sie auch Romane, viele ihrer Bücher wurden mit Preisen ausgezeichnet.
Dieses Buch mussten wir in den 80er Jahren in der Schule lesen, als Filme wie „The Day after“ aus aktuellem Anlass liefen.
Es ist ein Jugendbuch RTB aus dem Verlag Ravensburger, es hat die ISBN 3-473-38975-7 und kostete damals 5,80 DM und hat 125 Seiten.
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde
Aber nach Jahrmillionen war der Mensch endlich klug genug. Er sprach: Wer redet hier von Gott? Ich nehme meine Zukunft selbst in die Hand. Er nahm sie, und es begannen die letzten sieben Tage der Erde.
Am Morgen des ersten Tages beschloss der Mensch, frei zu sein und gut, schön und glücklich. Nicht mehr Ebenbild eines Gottes, sondern ein Mensch. Und weil er etwas glauben musste, glaubte er an die Freiheit und an das Glück, an die Börse und an den Fortschritt, an die Planung und an seine Sicherheit. Denn zu seiner Sicherheit hatte er den Grund zu seinen Füßen gefüllt mit Raketen und Atomsprengköpfen.
Am zweiten tag der letzten zeit starben die Fische in den Industriegewässern, die Vögel am Pulver aus der chemischen Fabrik, das den Raupen bestimmt war, die Feldhasen an den Bleiwolken von der Straße, die Schoßhunde an der schönen roten Farbe in der Wust, die Heringe im Öl auf dem Meer und an dem Müll auf dem Grunde des Ozeans. Denn der Müll war aktiv.
Am dritten Tage verdorrte das Gras auf den Feldern und das Laub auf den Bäumen, das Moos in den Felsen und die Blumen in den Gärten. Denn der Mensch machte das Wetter selbst und verteilte den Regen nach genauem Plan. Es war nur ein kleiner Fehler in dem Rechner, der den regen verteilte. Als sie den Fehler fanden, lagen die Lastkähne auf dem trockenen Grund des schönen Rheins.
Am vierten tage gingen drei von vier Milliarden Menschen zugrunde. Die einen an den Krankheiten, die der Mensch gezüchtet hatte, denn einer hatte vergessen, die Behälter zu schließen, die für den nächsten krieg bereitstanden. Und ihre Medikamente halfen nichts. Die hatten zu lange schon wirken müssen in Hautcremes und Schweinelendchen. Die anderen starben an Hunger, weil etliche von ihnen den Schlüssel zu den Getreidesilos versteckt hatten. Und sie fluchten Gott, der ihnen doch das Glück schuldig war. Es war doch der liebe Gott!
Am fünften tage drückten die letzten Menschen den roten Knopf, denn sie fühlten sich bedroht. Feier hüllte den Erdball ein, die Berge brannten, die Meere verdampften, und die Betonskelette in den Städten standen schwarz und rauchten. Und die Engel im Himmel sahen, wie der blaue Planet rot wurde, dann schmutzig braun und schließlich aschgrau. Und sie unterbrachen ihren Gesang für zehn Minuten.
Am sechsten Tage ging das Licht aus. Staub und Asche verhüllten die Sonne, den
Mond und die Sterne. Und die letzte Küchenschabe, die in einem Raketenbunker überlebt hatte, ging zugrunde an der übermäßigen Wärme, die ihr gar nicht gut bekam.
Am siebten Tage war Ruhe. Endlich. Die Erde war wüst und leer, und es war finster über den Rissen und Spalten, die in der trockenen Erdrinde aufgesprungen waren. Und der Geister des Menschen irrlichterte als Totengespenst über dem Chaos. Tief unten, in der Hölle, aber erzählte man sich spannende Geschichten von dem Menschen, der seine Zukunft in die Hand nahm, und das Gelächter dröhnte hinauf bis zu den Chören der Engel.
Mit diesem Gedicht von JÖRG ZINK beginnt dieses Buch.
In dem Buch geht es um eine Familie, Vater Mutter, 3 Kinder (Kerstin, Judith und Roland, im Alter von 4, 12 und 15 Jahren), die mit dem Auto auf dem Weg zu den Eltern der Mutter sind, nach Schewenborn. Die Familie ist bester Laune, man singt und freut sich auf den bevorstehenden Urlaub. Die Familie kommt aus Bonames, einem Ort in der Nähe von Frankfurt.
Die politische Situation in Deutschland hatte sich in den letzten Wochen ziemlich zugespitzt, aber keiner glaubte daran, das jemand wirklich den berühmten „roten Knopf“ drücken würden. Und wenn, dann wäre man ja darauf vorbereitet und könnte sich noch irgendwohin in Sicherheit bringen.
Aber jemand drückte den Knopf und niemand war darauf vorbereitet, es traf die Menschen plötzlich und unerwartet, niemand konnte sich in Sicherheit bringen.
Atombomben fallen, während die Familie durch einen Wald fährt, trotzdem fühlen und sehen sie, was passiert ist. Das grelle Licht, die Hitze, der Sturm, der Wagen wird hin und her gerüttelt, alle im Auto haben Panik und schreien, ein zweiter Sturm erfasst den Wagen, Bäumen knicken um wie Streichhölzer und dann ist alles vorbei. Man hört noch Feuerwehrsirenen und dann herrscht Ruhe.
Nachdem man mit dem Auto nicht mehr weiterkommt, macht sich die Familie zu Fuß auf den Weg zum Haus der Großeltern. Die Koffer nehmen sie mit, aus Angst, das sie gestohlen werden. Man trifft auf Verletzte, kümmert sich aber nicht um sie, will sich nicht einspannen lassen, nur schnell in Sicherheit. In der Stadt herrscht Panik, viele Häuser brennen, der Kirchturm ist weg und die Familie ist froh, als sie das Haus der Großeltern erreicht. Die sind nicht zu Hause, sondern wollten nach Fulda einkaufen.
Die Familie geht in die Wohnung der Eltern und dort arten sie, machen sich Sorgen und glauben, das sie das Schlimmste überstanden haben. Das ist leider der größte Irrtum, denn das Schlimmste besteht allen noch bevor…
Hungersnot, Krankheiten, Rattenplagen und viele, viele Tote!!!
In diesem Buch wird schonungslos beschrieben, was Menschen alles tun, um an was zu Essen zu kommen, wie egoistisch die Menschen wieder werden, niemand will teilen, man lebt auf kleinstem Raum zusammen, ohne Strom, ohne warmes Wasser. Wenn ein Verwundeter oder Kranker kommt und bettelt, gibt man demjenigen nichts, aus Angst, man selber oder die Kinder könnten verhungern. Niemand will mehr anderen helfen. Man erschlägt sich gegenseitig bei Plünderungen, für eine Wurst, eine Packung Nägel oder für ein paar Kartoffeln.
Dieses Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, ich frage mich, wozu ich in so einer Situation fähig wäre, könnte auch ich plündern und morden?? Würde auch ich zu einem Egoisten werden?? Wie weit würde man gehen, um nicht zu verhungern??
Dieses Buch sollte einen auch aufrütteln, was das Thema Frieden betrifft, aber wie soll man sich wirklich für den Frieden einsetzen, was kann jeder von uns dafür tun??
Ein sehr aufwühlendes Buch, das teilweise schockiert und sehr nachdenklich macht!!!
Dieses Buch wurde unter anderem mit dem Züricher Kinderbuchpreis, dem Buxtehudener Bullen, dem Preis für Leseratten und mit dem Gustav Heinemann Friedenspreis ausgezeichnet.
Ich danke fürs Lesen, Kommentieren und Bewerten,
liebe Grüße an alle
tammy
antjeeule, 26.10.2005
Das habe ich schon beim Nachbarn gelesen. Hier wie dort: Gudrun Pausewang trifft den Nerv beim Leser, ob es nun Kinder, jugendliche oder Erwachsene sind. Das Thema geht alle gleichermaßen an. LG, Antje
redwomen, 25.10.2005
Hey, lach das Buch kenne ich auch von meinem Elternhaus noch. -hoffe deiner Kleinen geht es schon besser ???- Sei lieb gegrüßt Maria
ein Testbericht von Celos2005-07-01 13:35:49vom 01.07.2005Empfehlung: ja
Ich selber wurde erst durch die Schule auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Das Buch ist ab 12 Jahren und wird oft in der Schule als Lektüre eingesetzt, was mir eine Bibliothekarin bestätigte.
Das Buch von Grudun Pausewang thematisiert die Folgen atomarer Explosionen anhand der Veränderung der Umwelt, des gesellschaftlichen und sozialen Lebens.
Beschrieben wird dies am Beispiel einer gewöhnlichen fünfköpfigen Familie, deren Alltag von Tag der Explosion an von Überlebenskampf, Todesangst und leid geprägt wird. Die bisherigen Worte, Verhaltensweisen und Persönlichkeitsstrukzuren, zu deren Ende nur Vater und Sohn noch am Leben
sind, massive Veränderungen.
Gerade das es eine gewöhnliche Familie ist macht das Buch so realitätstreu. Das Buch beschreibt genau wie sehr der Mensch von seinem Überlebensdrang geprägt ist. Und wie sehr die politik einem im Nacken sitzt.
Meiner Meinung nach versucht Gudrun Pausewang durch dieses Buch, den Menschen mittzuteilen, das es sich lohnt hinter einer Sache zu stehen und sie zu verteidigen. Dazu nutzt ebenso noch das Nachwort, welches Ebenso einen wichtigen teil des Buches mitträgt. Und da der Ort in dem die geschichte Spielt nicht erfunden ist, drängt sich die tatsache, das die Situation des Buch realität werden könnte. Im kurzen Nachwort beschreibt die Autorin wie sie nach abschluss des Buches ein Waldgelände nähe ihres Wohnortes beschützte. Es sollte ein riesiger amerikanischer truppenübungsplatz werden.
Gans besonders interessant ist das Schöpfungsgedicht am anfang des Buches von J. Zink. J. Zink beschreibt wie am ersten Tag Gitt die Welt erschuf und am siebten tag die Erde 'stirbt'. Man könnte hierbei den Biblischen text mit dem zitat von Zink vergleichen.
Das Ebenbild:
Zink: Nicht mehr Ebenbild, sondern Mensch. Mensch beschloss frei, gut, schön und glücklich zu sein. 1 Tag
Bibel: Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild. 6 tag
Fische:
Zink: Die Fische starben in den Industriegewässern. 2 Tag
Bibel: Gott schuf große Seegetüme und regenden lebendige Wesen. 5 Tag
Vögel:
Zink: Die Vögel starben am Pulver aus der chemischen Fabrik, das den Raupen bestimmt war. 2 Tag
Bibel: Gott schuf Vögel am Himmelsgewölbe die über die erde fliegen. 5 Tag
Pflanzen:
Zink: Alle Pflanzen verdorrten. 3 Tag
Bibel: Gott schuf grünes, Samen tragende Pflanzen nach ihrer Art und Bäume, die Früchte bringen. 3 tag
Berge und Meer:
Zink: Die Berge brannten und die Meere verdampften. 5 Tag
Bibel: Gott nannte das trockene Wasser erde, welches an einem Ort unterhalb des Himmels gesammelt wurde. Das zusammenflossene Wasser nannte er Meer. 3 Tag
Sonne und Licht:
Zink: Das Licht ging aus. Staub und Asche hüllten die Sonne, den Mond und die Sterne. 6 Tag
Bibel: Gott schuf die großen Leuchten und dazu die Sterne. Er setzte sie als leuchten über die Erde an das Gewölbe des Himmels. 4 Tag
Sprachliche Besonderheiten:
Ist die auffällige Wortwahl durch zeitferne Formulierungen und die ungewöhnliche Satzbildung.
Die häufige Wiederholung derselben Satzart.
Die Gemeinsamkeiten beider texte hierbei (Gedicht von Zink und biblische Erstehungsgeschichte):
Es wird in chronologischer Reigenfolge erzählt.
Der zeitraum umfasst sieben Tage
Die einzelnen tage werden unterschiedliche lang geschrieben.
es gibt inhaltliche Überschneidungen. z.B. die Erschaffung bzw. Zerstörung von pflanzen, Tieren, Meer, Fischen.
Nun zur sprachlichen Auffälligkeiten zum Text von Zink.
Variirende Wortwahl im Gegensatz zur Vorlage.
Der Text ist eine direkte Fragestellung und er steigert sich stets. Der Untergang der Welt rückt somit mit jedem Tag näher.
Ebenso könnte man sich jedoch fragen ob es wirklich so ein Buch ist, das man Kindern ab 12 jahren empfehlen würde. Selbstverständlich ist das den Kindern individuell anzupassen, aber.. ist jedes 12 Jährige Kind auch wirklich reif für eine solche Geschichte?
Dies zeigt die Reaktion von Klassenkameradinnen meiner Klasse (fachschule für Sozialpädagogik oberstufe) das dort einige so von dem stoff zugetan waren, das sie regelrecht fanatisch wurden.
1-3 von 3 Testberichten über Gudrun Pausewang: Die letzten Kinder von Schewenborn
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