Evelyn Sanders: Pellkartoffeln und Popcorn
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Testberichte Evelyn Sanders: Pellkartoffeln und Popcorn

 (Taschenbuch)
4.8 von 5
Platz 88 in der Kategorie "Belletristik Romane & Erzählungen - P, Q".
Bewertung: Kundenbewertung 4,80 / 5,00 4.8 von 5
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Evelyn Sanders: Pellkartoffeln und Popcorn Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Bewertung
Kundenbewertung 4,80 / 5,00 4.8 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (3/3).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
  • Inhalt, Schreibstil, Spannung, Unterhaltungswert und Humor (das will bei DER Thematik doch was heißen!)
  • Ein ernstes Thema mal ganz anders
Nachteile/Kritik
  • gar nichts
  • -???-
durchdacht

Ziviler Kriegsalltag und Leben nach dem Krieg

ein Testbericht von 2009-08-23 14:30:46 vom 23.08.2009
Empfehlung: ja
Vorteile: Inhalt, Schreibstil, Spannung, Unterhaltungswert und Humor (das will bei DER Thematik doch was heißen!) ...
Nachteile/Kritik: gar nichts
Nachdem ich schon einmal eine Rezension über ein Kriegsbuch hier eingestellt habe, möchte ich Euch heute ein Buch vorstellen, welches sich neben der Kriegszeit auch mit den schwierigen Verhältnissen der Nachkriegszeit befasst. Jenes ist keineswegs eine erfundene Geschichte, sondern die Autorin schildert hier ihre eigenen biografischen Erlebnisse. Und zwar so, dass es zugleich unterhaltsam und spannend wie ein Roman ist. Aber lest selbst.

"Ein Lebenslauf - überwiegend bei Bewerbungen erforderlich - beginnt meist folgerndermaßen: Ich wurde am soundsovielten als Tochter des... sowie seiner Ehefrau (folgt Name) in... (folgt Ort) geboren. Prominente Mitbürger, die es aus eigener Kraft zu etwas gebracht haben, sind oft das vierte oder fünfte Kinde eines ehrbaren Handwerkers, Schauspieler meist das schwarze Schaf der Familie, weil einen unbürgerlichen Beruf ausübend, und Popstars kommen, wenn man ihren Biografien glauben darf, samt und sonders aus den Slums.
Bei mir trifft nichts von alledem zu. Als ich im Mai 1934 geboren wurde, war die Wirtschaftskrise schon längst vorbei und der nächste Krieg noch nicht in Sicht. Es herrschten also so genannte geordnete Verhältnisse."

So beginnt das Buch von Evelyn Sanders, in dem sie von ihren Kindheitserinnerungen zur Kriegszeit sowie den ersten Jahren nach dem Krieg erzählt.
In Berlin-Zehlendorf wächst sie auf, erlebt im zweiten Weltkrieg die Fliegeralarme und Lebensmittelknappheiten und alle Schwierigkeiten, die sich im täglichen Alltag des Krieges so ergeben. Als der Krieg in den Jahren vor seinem Ende seinen schrecklichen Höhepunkt erreicht, wird sie wie viele andere Kinder aufs Land geschickt, damit sie dort zur Schule gehen kann. Zusätzlich zu der Trennung von der Familie kommt noch hinzu, dass die Lebensbedingungen auf dem Land v.A. zu jener Zeit für ein Stadtkind, auch wenn die Pflegeeltern sich noch so freundlich bemühen, schon sehr gewöhnungsbedürftig sind. Nur kurz ist sie beim BDM (wegen ihres Alters kam sie zum Glück erst sehr spät überhaupt hinein - sich entziehen konnte man sich dem übrigens nicht wirklich), denn eines Tages taucht ihre Mutter auf und holt sie über Umwege und mit vielen Tricks (damals brauchte man ja für alles Genehmigungen - auch für den Transport - und alles wurde sehr streng registriert und kontrolliert) zurück in ein Berlin, das kaum mehr wiederzuerkennen ist. Seltsamerweise blieb Zehlendorf von den Bombenangriffen verschont - die häufigen Strom- und U-Bahn-Ausfälle etc. bekommen jedoch auch dessen Bewohner genauso zu spüren wie alle anderen.
Nach Ende des Krieges wird es natürlich nicht von einem Tag auf den anderen besser. Der Wiederaufbau nimmt sehr viel Kraft in Anspruch. Aus Mangel an frischen Lebensmitteln wird sehr viel mit Aromen zugesetzt und statt echten Kaffee gibt es nur Kaffee-Ersatz. Am Anfang des Monats stehen sie ab 08.00 Uhr in meterlangen Schlangen vor den Lebensmittelläden, bei denen sie eingetragen sind, und hoffen, dass sie für ihre Lebensmittelkarten, wenn sie an der Reihe sind, auch das bekommen werden, was draufsteht (und nicht wieder mal nur Ersatz). Der Schwarzmarkt und der Tauschhandel blühen als einziger "Wirtschaftszweig". Die Schulen nehmen ihren Betrieb wieder auf, so gut es eben geht (anfangs muss man auf bereits pensionierte Lehrer zurückgreifen, um überhaupt Lehrkräfte zu haben), jedoch erstmal in kleineren Räumlichkeiten, ohne Lehrbücher und mit mangelndem Schulmaterial (kaum Papier), häufig - wie immer - auch ohne Strom und im Winter mit verkürztem Stundenplan, weil es sich in der eisigen Kälte eben nicht gut lernt oder lehrt. Wer als Erwachsene Glück hat, verdient sich als Housemaid in einem von Amerikanern besetzten Haus etwas dazu, obwohl das Geld praktisch keinen Wert hat (oft tauscht man in Naturalien)...
Später wird es - wenn auch mit erheblichen logistischen Schwierigkeiten - wieder möglich, in den Urlaub ans Meer zu fahren. Zumindest, wenn man über die entsprechenden Beziehungen verfügt. Dann kommen die ersten Kriegsgefangenen zurück, und einige ziehen in eine weniger ruinierte Stadt im Westen, so lange der Umzug noch bezahlbar ist...

Fazit / Meinung:
Sehr interessant, (wo möglich) mit viel Witz und mit Charme, erzählt die Autorin völlig klischeefrei, aber auch ohne Beschönigungen, ihre Geschichte. Obwohl diese locker und aus der manchmal etwas naiven Perspektive des Kindes, das sie damals war, geschrieben ist, und somit jeglicher Melancholie entbehrt (nicht zu viele Jammereien, die an den Verhältnissen gar nichts geändert hätten), spürt man doch recht deutlich die bedrückende Stimmung der Situation, in der sich diese Menschen in jener Epoche befanden.
Das schwierige Thema wurde hier auf angemessene Weise angepackt und ist so volksnah und unkompliziert, dass Menschen jeden Bildungsstandes sich dazu angeregt fühlen können, dieses Buch zu lesen. Es liest sich leicht und ist daher auch für Menschen geeignet, die davor zurückschrecken, ellenlange und trockene Geschichtsbücher zu lesen.

Diese Rezension erschien bereits Ende 2007 in meinem Blog und ist durch meinen Namen in dessen Impressum als mein eigenes geistiges Eigentum erkennbar.
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Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
hard_candy
hard_candy, 23.08.2009
Gelungener Bericht. Freue mich über Gegenlesungen liebe Grüße
sigrid9979
sigrid9979, 23.08.2009
SH -- Würde mich sehr freuen über deine Gegenlesungen .Lg Sigi
Yvettte
Yvettte, 28.08.2009
Danke für den Tipp ! Hab ich gleich notiert ! LG Yvette
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minimilka

Das Kind kommt zu Tante Lotte

ein Testbericht von 2006-09-06 10:09:41 vom 06.09.2006
Empfehlung: ja
Vorteile: Ein ernstes Thema mal ganz anders...
Nachteile/Kritik: -???-
Fakten zum Buch
******************


Titel: Pellkartoffeln und Popcorn
Autorin: Evelyn Sanders
Verlag: Knaur
Seiten: 415

Die Originalausgabe ist in den 80er Jahren erschienen

z.Zt. lieferbare Ausgaben laut Buchandel.de:

ISBN 3-426-62111-8 Taschenbuch für 7,95 Euro





Evelyn Sanders
***************


Die Berlinerin Evelyn Sanders verfasste bereits als Kind Theaterstücke, die sie zusammen mit Nachbarskindern aufführte. Die Leidenschaft fürs Schreiben bewahrte sie sich über die Schulzeit und begann ihre Karriere bei einer Zeitung.

Doch früh entschied sie sich für eine große Familie und gab deshalb ihre Tätigkeit als Journalistin auf. Nach ihrer Heirat und vielen Jahren Kindererziehung wird sie quasi aus Versehen zur Schriftstellerin: Als sie zum Geburtstag ihres ältesten Sohnes ein Fotoalbum zusammenstellte, das sie nur mit einigen kleinen Texten versehen wollte, entstand ihr erster Roman "Mit Fünfen ist man kinderreich". Seitdem ist sie der Schriftstellerei treu geblieben und kann mit jedem ihrer Romane einen großen Erfolg für sich verbuchen.

Evelyn Sanders ist verheiratet, hat fünf Kinder und lebt als freie Schriftstellerin in der Nähe von Heilbronn. [Der Text über die Autorin ist komplett kopiert von www.randomhouse.de]



Weitere Bücher von Evelyn Sanders
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Mit Fünfen ist man kinderreich
Radau im Reihenhaus
Alle Jahre wieder ... der gleiche Stress!
Bitte Einzelzimmer mit Bad
Eigentlich wollt' ich Blumen kaufen
Geht das denn schon wieder los...
Das hätt' ich vorher wissen müssen
Hotel Mama vorübergehend geschlossen
Hühnerbus und Stoppelhopser
Jeans und große Klappe


(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist auch nicht chronologisch sortiert)



Klappentext:
*************

Ka nn man ein heiteres Buch über eine ganz und gar nicht heitere Zeit schreiben? Man kann! Evelyn Sanders erzählt von Kriegs- und Nachkriegszeit in Berlin aus der Sicht eines Kindes, für das Geburtstag bei Kartoffelkuchen und Kinderlandverschickung nach Ostpreußen der ganz normale Alltag waren. Und danach? Mathe-Aufgaben bei Kerzenlicht, Christbaumklau im Grunewald, Chewinggum und Backfisch-Party bei Musik von Glenn Miller…



Inhalt:
******

In dem vorliegenden Buch "Pellkartoffeln und Popcorn" erzählt uns die kleine Evelyn von ihrer Kindheit in Berlin während des zweiten Weltkrieges. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der Teil eins "Das Kind kommt zu Tante Lotte" handelt in der Zeit vom Ausbruch bis zum Ende des Krieges und der Teil zwei "Jrieß is alle, nehm'se Maismehl." Handelt von der Nachkriegszeit. Der Handlungszeitrum des Buches lässt sich in etwa auf die Jahre zwischen 1939 und 1947 festlegen.

**Teil 1 - Das Kind kommt zu Tante Lotte:

Im ersten Teil erzählt uns Evelyn von ihrer Familie, ihren Freunden und Nachbarn. Evelyn und ihre Eltern wohnten zusammen mit der Oma im Berliner Viertel "Onkel Tom´s Hütte". Sie wurde hauptsächlich von ihrer Oma großgezogen und vor allem "erzogen", da ihre Eltern den ganzen Tag arbeiteten. Evelyn hatte es mit ihrer Omi nicht ganz leicht, da sie in mancher Hinsicht doch sehr pingelig war, aber ansonsten verlief das Zusammenleben recht friedlich und harmonisch. Keiner von ihnen hätte jemals gedacht, dass es wieder einen Krieg geben würde, bis er dann doch da war. Es mussten in den Kellern der Häuser Notunterkünfte eingerichtet werden und die Hausvorsteherin übte mit ihren Mitbewohnern das Verhalten während eines Fliegerangriffes. Als der Krieg immer heftiger wurde, begannen die Zeiten der Kindertransporte, d.h. alle Kinder mussten raus aus Berlin und in sichere Gegenden gebracht werden. So kam Evelyn erst nach Harteck (Landkreis Goldap) und dann wieder zurück nach Berlin, dann nach Tschechien und wieder zurück nach Berlin. Die letzen Tage des Krieges hatte sie dann, wie viele, im Keller des Hauses in Berlin verbracht. Evelyn, ihre Familie und die Nachbarn hatten Glück, den "Onkel Tom´s Hütte", das Viertel in dem sie wohnten, wurde vom Krieg kaum getroffen.


**Teil 2 -

Als der Krieg vorbei war, kamen zuerst die Russen nach Berlin und belagerten natürlich auch Evelyns Viertel. Das Leben mit den Russen verlief ganz gut und da die Menschen im Krieg fast alles verloren hatten, blühte der damals übliche und rege Tauschhandel richtig auf. Als die Russen abzogen, kamen die Ami's in Evelyns Viertel und endlich gab es auch wieder Gas und Strom und die ersten Züge fuhren wieder. Allerdings wurden Gas und Strom genauso streng rationiert wie das Essen und somit musste Evelyns Familie sparen was das Zeug hielt und trotzdem wurde ihnen öfters zur Strafe wegen des zu hohen Verbrauchs einfach mal für ein paar Tage der Gashahn komplett zugedreht. Evelyns Mama war übrigens regelmäßig auf dem Schwarzmarkt und tauscht was das Zeug hielt um ihrer Familie das Leben etwas zu erleichtern mit zusätzlichen Essensvorräten. Dadurch kam sie auch öfters für eine Nacht in den Knast, aber auch das war zu dieser Zeit ganz normal.

Was genau Evelyn während des 2. Weltkriegs und danach so alles erlebt hat: LEST SELBST! ;)



Textauszug, S. 62
*******************

Der erste richtige Fliegeralarm begann in den späten Abendstunden. Bisher hatten wir nur scheinbare Luftangriffe erlebt, denn dank deutscher Gründlichkeit wurde auch das zügige, aber dennoch disziplinierte Verlassen der Wohnungen und Aufsuchen der Schutzräume ein halbes Dutzend Mal durchexerziert.
Als aber gegen 21 Uhr völlig unerwartet die Sirenen heulten, war von Disziplin und Ordnung nichts mehr zu spüren. Omi ergriff nicht etwa ihren vorbereiteten Koffer mit Ausweispapieren, Lebensmittelkarten und Garderobe, sie klemmte sich vielmehr die große Kristallvase unter den Arm und suchte ihre Brille im Küchenherd. Plötzlich fiel ihr ein, dass ich ja schon im Bett lag. "Steh schnell auf Kind, wir haben Fliegeralarm" "Schon wieder" "Diesmal habe ich doch nicht davon gewusst, sonst hätte ich dich ja gar nicht erst ins Bett geschickt. Nun beeil dich wir können doch den ersten richtigen Alarm nicht versäumen" Dann lege sie mir statt des immer wieder empfohlenen Trainingsanzugs das karierte Sonntagskleid zum Anziehen heraus, kontrollierte, ob auch alle Wasserhähne geschlossen waren und sperrte statt des Hauptgashahnes die gesamte Stromzufuhr ab. Endlich drückte sie mir, die ich das alles sehr aufregend fand, meinen Teddy und ein Glas eingemachte Pflaumen in die Hand und gemeinsam zogen wir in den Keller.



Meine Meinung
****************


Ich habe mir das Buch auf Grund eines Erfahrungsberichtes, den ich hier gelesen habe, gekauft und habe es nicht bereut! Auch wenn es anhand der Inhaltsangabe etwas düster wirkt, ist das Buch eigentlich genau das Gegenteil. Die Geschichte handelt zwar von einer düsteren Zeit, den Erlebnissen während des zweiten Weltkrieges, aber das Buch ist sehr amüsant und unterhaltsam geschrieben. Ich habe während meiner Schulzeit gerne und viele Bücher über den 2. Weltkrieg gelesen und die meisten waren von KZ-Überlebenden oder Flüchtlingen. Irgendwann hatte ich das Thema dann mal satt und auch wenn es zur deutschen Geschichte dazugehört, wollte ich dann doch lieber andere Dinge lesen. Dieses Buch ist so ganz anders und hat meine Leidenschaft für Geschichte wieder geweckt. Evelyn erzählt wie sie als Deutsches Kind den Krieg erlebt hat und das ganze ist durchaus humorvoll geschildert. Meine Oma, die etwa im gleichen Alter ist wie Frau Sanders, hat mir auch schon viele Geschichten aus ihrer Kindheit erzählt und auch sie erzählt die Anekdoten gerne mit einem schmunzeln im Gesicht. Ich weiß nicht ob es einfach daran liegt, dass Kinder im Alter von etwa 10-12 Jahren den Krieg damals nicht so schlimm empfanden, weil sie keine anderen Zeit kannten oder ob es an der inzwischen vergangen Zeit liegt um der schlimmen Vergangenheit mit einem Augenzwinkern begegnen zu können. Sicher ist: Die Autorin erzählt mit sehr viel Humor und Ironie von ihrer Kindheit, egal ob von Armut, Kinderlandverschickung, Nahrungsmittelproblemen oder Diebstählen und ich musste sehr oft beim Lesen schmunzeln. Ich finde das Buch sehr unterhaltsam und auch wenn es recht dick ist, merkt man beim Lesen gar nicht wie man nur so über die Seiten und Kapitel wegfliegt und schwups ist das Buch leider schon zu Ende gelesen. Ein ernstes Thema: mal ganz anders!



Fazit:
*******


"Pellkart offeln und Popcorn" war mein erstes Buch der Autorin und ganz sicher nicht das letzte!
Das Buch bekommt von mir 5 Sterne und eine Kaufempfehlung :)


Für Ciao und Yopi
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Produktbewertung:Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
willibald-1
willibald-1, 06.09.2006
Habe schon viel von Sanders gelesen - dieses kenne ich noch nicht.
EICC
EICC, 08.09.2006
und weiter so............lg eva
hundeliebe02
hundeliebe02, 06.09.2006
Liebe Grüße Edith und Claus
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patsam

Pellkartoffeln, Popcorn und eine kleine Evelyn Sanders

ein Testbericht von 2006-02-16 18:21:18 vom 16.02.2006
Empfehlung: ja
Die letzten Tage hatte ich viel Zeit zum Lesen – seit kurzem wieder bin ich auf der Evelyn Sanders Welle. Also stöberte ich bei ebay rum um noch günstige Bücher dieser Autorin zu ergattern – und was soll ich sagen, bald habe ich alle Bücher zusammen und für mich ist wirklich jedes Buch ein Lesevergnügen.

Diesmal möchte ich über das Buch ,,Pellkartoffeln und Popcorn“ etwas schreiben.

Über das Buch bzw der Inhalt:

In diesem Buch berichtet Sanders über die Jahre 1939 bis 1947 – also die Kriegsjahre. Natürlich aus der Sicht eines Kindes, denn selbst wurde sie ja 1934 geboren. Sanders lebte mit ihren Eltern in Berlin im so genannten ,,Onkel-Toms-Hütte“ Viertel. Bauten mit viel grün rundherum – anfangs mit wenigen Mitbewohnern, die sich aber schön langsam vermehrten. Sie fand dort auch Freunde, aber wurde hauptsächlich von ihrer Oma erzogen, denn die Eltern waren den ganzen Tag arbeiten, auch abends kam es schon einmal vor, dass sie ihre Eltern nicht mehr zu Gesicht bekam.
Oma war etwas strenger, so musste klein Evelyn immer alles so machen wie es Oma gerade bestimme. Auch die verhasste riesen Schlaufe die sie als Kind tragen musste war ihr ein Gräuel, aber Oma sah es so vor. Kamen Omas Freundinnen zu Besuch, wurde tagelang vorher schon vorbereitet, sämtliche Fenster geputzt, Vorhänge gewaschen und klein Evelyn musste dann jedes Mal die selbstgedichteten Gedichte ihrer Oma vortragen.
Aber im Großen und Ganzen hatte die Sanders Familie inkl Oma ein gutes Leben. Es mangelte nicht am Essen, gab immer reine Kleidung zum Anziehen und als dann alle über den Krieg zu sprechen begannen, dachte niemand daran, dass dieser auch wirklich kommen würde – doch dieser kam.
Anfangs ging es allen noch gut, aber die Umstellung auf Essenskarten, Zuckerkarten etc war vor allem für die Oma schlimm. Als dann auch Stadtteile von Berlin bombardiert wurden, entschlossen sich Evelyns Mama und Oma die Kleine in Sicherheit zu bringen – nur wohin? Es wurden Kindertransporte zusammen gestellt wo die Kinder dann in halbwegs sichere Gebiete gebracht wurden. Da Evelyn nicht zur Tante Lotti wollte, entschieden sich Oma und Mama sie in ein kleines Örtchen vor Goldap zu bringen.
Dort war Evelyn dann eine längere Zeit mit ihrer besten Freundin Christa. Sie lernte gewisse Feldarbeiten, konnte sich mit diesen jedoch absolut nicht anfreunden. Natürlich besuchten die Berliner Stadtkinder auch die Schule, dort wurde das Klassenzimmer unterteilt – die Landkinder auf eine Seite, die Berliner auf die andere Seite.
Doch das Landleben tat ihr gut – bis ihre Mama wieder vor der Tür stand. Die Russen kämen, also wolle sie Evelyn praktisch ,,entführen“ ohne Reisegenehmigung und mit Hilfe von netten Leuten schaffte sie es auch. So kam Evelyn wieder zurück nach Berlin. Es gab natürlich den Schwarzhandel, denn niemand konnte mit den normalen Karten ein halbwegs angenehmes Leben führen. Evelyns Mama hatte auch ihren ,,eigenen“ Händler. So wurde die Aussteuer von Evelyn, Damastbettwäsche und Küchensilber, ziemlich rasch in Kerzen, Waschmittel, Zucker, Mehl und dergleichen umgewandelt. Sehr zur Freude von klein Evelyn, die von der Bettwäsche sowieso nicht viel hielt.
Evelyns Mama kam ab und an auch ins Gefängnis, alleine schon wenn man die Ausgehsperre um einige Minuten übertrat oder als sie auf dem Nach Hause Weg vom Schwarzmarkt erwischt wurde und natürlich nicht belegen konnte womit sie das viele Mehl, Zucker etc gekauft hatte. Doch Evelyns Mama sagte dann ,, Wer nicht einmal im Gefängnis saß, hat auch keine reine Weste“ (Zitat aus Buch). Oma war natürlich jedes Mal entrüstet, aber der Schwarzhandel blühte trotzdem weiter.
Evelyns Papa war natürlich im Krieg – Evelyns Mama arbeitete eine zeitlang in Nizza, kam zurück, ging nach Wien wieder in der Filmbranche zu arbeiten und kam wieder zurück. Mittlerweile lebten die Hausbewohner fast nur im Keller, denn es gab ja ständig Fliegeralarm. Und dann marschierten die Russen ein – die ersten Russen die zu Evelyns Haus kamen waren ganz nett. Es blühte der Tauschhandel zwischen den Hausbewohnern und den Russen und nach den Russen kamen die Amis. Als die Amis da waren, suchte sich Evelyns Mama eine Stelle als Hausmädchen und hatte Glück zu einer Amerikanerin zu kommen, die genauso wenig vom Haushalt verstand als sie selbst. Also genossen Sanders Familie die vielen Mitbringsel die Evelyns Mama ständig von der Amerikanerin bekam. Evelyn musste auch vorgestellt werden, also holte die Amerikanerin eines Tages die kleine Evelyn bei der so genannten ,,Grenze“ ab, setzte ihr die besten Speisen vor, verwöhnte sie mit Coca – Cola – doch dieses schmeckt doch wie Mottenpulver meinte Evelyn.
Mit den Amis kam auch Strom und Gas wieder – jedoch stand jedem Kopf nur eine gewisse Kilowatt Anzahl zu, die peinlichst genau notiert wurde. Oder war der Strom für die Bezirke unterteilt, bei Evelyn gab es dann z.B von 10-13 Uhr Strom und von 20 – 22 Uhr – aber auch hier nur eine gewisse Kilowatt Anzahl. So machten es sich die Bewohner zur Tagesordnung über das Essen zu diskutieren. Was braucht wielange und wie viel Strom wird dabei verbraucht!?
Der Krieg war schon vorbei und nun begann langsam der Aufbau….Evelyn hatte Glück in den Kriegsjahren immer gut untergekommen zu sein und ihre ,,Siedlung“ wo sie daheim war, wurde von den Bomben nicht einmal getroffen.
Nur wie Evelyn das Buch beendet, ob ihr Papa nach Kriegsende nach Hause kam, wie es mit ihrer Oma, Mama und den Freunden weiterging….selbst nachlesen!

Leseprobe von Seite 91:

Zur Heuernte gab es immer ein paar Schulfreie Tage, und obwohl uns Berlinern der Ernteeinsatz freigestellt wurde, erklärten wir uns natürlich alle zur Mithilfe bereit! So´n bisschen Geharke würden wir ja wohl noch schaffen.
….Onkel Willhelms große Wiesen lagen ziemlich weit draußen, und wenn wir nicht einen sechstündigen Fußmarsch in Kauf nehmen wollten, mussten wir schon um sechs Uhr früh auf dem Hof sein, damit wir auf dem Leiterwagen mitfahren konnten. ,,Schöne Ferien“ , maulte Christa, als wir noch reichlich verschlafen durch das Dorf trotteten. Bei Onkel Willhelm herrschte reges Treiben. Da liefen sogar ein paar Hitlerjungen herum, die wir gar nicht kannten. ,,Die sind zum Ernteeinsatz abkommandiert“, erklärte Tante Mathilde, ,,das sind genau solche Stadtfratzen wie ihr. Können eine Kuh nicht von einem Pferd unterscheiden.“
Das grenzte nun aber fast an eine Beleidigung! Dabei wusste ich sogar schon, wie ein Stier aussieht! Allerdings erst, seitdem ich auf so ein Vieh gedeutet und Onkel Willhelm gefragt hatte, wie viel Milch denn dieses Tier tatsächlich gäbe.

Meinung:

Ich lese zwar nie Bücher über den Krieg, weil sie einen traurig stimmen, doch dieses Buch, wo Sanders mit Kindesworten erzählt, ist teilweise auch zum Lächeln, denn auch als Kind hat sie schon einen eigenen Humor und dieser kommt in diesem Buch auch wirklich gut rüber. Viele Geschehnisse brachten mich dazu den Kopf zu schütteln und schon auf der nächsten Seite musste ich mich über die Oma ärgern oder ich lächelte wieder über lustige Zitate, denn der Berliner Dialekt darf auch in diesem Buch nicht fehlen.
Wenn man Sanders Bücher kennt in denen sie über ihre Familie, die eigenen Kinder schreibt wird anfangs vielleicht etwas enttäuscht sein wenn man nicht wieder über ihr witziges und oft turbolentes Familienleben lesen kann/darf, aber nach einigen Seiten hatte ich mich bei diesem Buch schon eingelesen und es dauerte nur 4,5 Abende und ich hatte es durch.
Ein wirkliches Lesevergnügen das diesmal auch etwas zum Nachdenken anregt.

Von mir gibt es dafür eine Kaufempfehlung!!

Daten zum Buch:

Heyne Verlag
ISBN:3-453-03319-1
Seitenanzahl 350
Preis steht am Taschenbuchcover DM 12,90/ÖS 95 – da ich keinen Währungsumrechner zur Hand habe, kann ich jetzt auch nicht genau sagen was es in Euro ausmacht, habe aber bei AuM Versand nachgeschaut und die Sanders Bücher alle im Schnitt um die 9 Euro gefunden.
Oder man stöbert wie ich bei ebay und hat auch noch Glück.

Vielen Dank fürs lesen

Patsam für ciao und yopi
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Produktbewertung:Kundenbewertung 4,00 / 5,00 4
Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
Ibizagirl1977
Ibizagirl1977, 21.02.2006
klasee bericht, das ist so ziemlich das einzige buch von E.Sanders das noch nicht in meinem Besitz ist liebe grüße sonja
Zuckermaus29
Zuckermaus29, 14.05.2006
quotshquot von mir für Dich :o Viele Grüße Jeanny
WreckRin
WreckRin, 14.02.2006
guter Bericht, würde mich auch über Gegenlesungen freuen
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