Man könnte sagen, dass ich als echter Berliner nur Bürgerbräu oder Schultheiß trinken darf.
Persönlich finde ich beide Pils-Sorten eher gewöhnungsbedürftig. Jeder der schon mal ein Berliner Schultheiß in Händen gehalten hat, weiß genau wovon ich rede.
Ich habe mich zwar selbst vor Ort kundig machen wollen, extra einen halben Tag geopfert, leider hatten die Jungs aber gerade Weihnachts-Ferien, Typisch.
Aber alles sah so aus, als würde die Sache noch vor Ort laufen. Frisch getünchte Fassaden, eine schmucke Schankwirtschaft und frisch gewaschene Brauereilastwagen.*g*
Der Geschmack ist sehr herb. Vor allem der erste Eondruck hat es wirklich in sich, wirkt fast schon bitter.
Der Mittelteil ist relativ neutral bis langweilig.
Der Abgang dann wieder lang (fast zu lang) anhaltend herb. Aber alle diese Aromapunkte sind nicht sehr dauerhaft und standhaft.
Über allem schwebt eine leichte (bis mäßige) Wässrigkeit und Lauheit. Das Bier hätte eine Portion mehr Feinschliff gut vertragen. So tritt dieses Flaschenbier irgendwo auf der Stelle. Die Kohlensäure ist ganz passabel, wenn auch nicht so recht in der Lage, dem Pils wahre Cremigkeit zu verleihen. Auch verwirkt es sich bald. Die Frische ist früh dahin. Genauso hält es sich mit der Süffigkeit.
Zu anfangs passabel. Mit zunehmender Spieldauer flauer.
Ja, Das ist vielleicht die Eigenschaft, die am meisten hervorsticht: Je länger es steht, desto wässriger wird es. Macht die kräftige Herbe am Anfang noch Hoffnung auf ein wirkliches Premium-Pils, so wird man vom Rest der Aromakurve etwas bis ziemlich im Stich gelassen.
Danach dachte ich mir, kann die Dosen-Variante nicht viel schlimmer sein, aber weit gefehlt, ich habe die Dose am Tresen stehen lassen und habe auf der Stelle kehrt gemacht, denn was zuviel ist, ist zu viel
FAZIT
=====
Prädikat: Dies' Bier aus der Dose geht voll in die Hose.*g*
ein Testbericht von Wagnerianer19792011-11-23 20:17:04vom 23.11.2011Empfehlung: ja
Vorteile: Süffig, relativ mild...Nachteile/Kritik: Im überregionalen Vergleich Durchschnitt
Die Biermarke "Schultheiss" wird seit 1842 in Berlin gebraut und ist neben "Berliner Pilsner" und "Berliner Kindl" wohl das am häufigsten in der Hauptstadt anzutreffende lokale Bier. Ende des 19. Jahrhunderts war Schultheiss sogar mal die größte Bierbrauerei Deutschlands und erreichte erstmals 1905 einen jährlichen Ausstoß von mehr als einer Million Hektolitern. Während der deutschen Teilung erreichte Schultheiss in Westberlin den Status als Marktführer mit einem Marktanteil von mehr als zwei Drittel. Im Jahr 2006 wurden die Berliner-Schultheiss-Brauerei und die Berliner Kindl Brauerei zur Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei GmbH zusammengeschlossen; damit gehört die Marke Schultheiss heute zur Radeberger Gruppe, die wiederum Teil der Oetker Gruppe ist.
Das "Schultheiss" Pilsner ist normal in einer 0,5 Liter Longneck-Flasche, einer kleinen 0,33 Liter-Flasche oder auch in Dosen zu erhalten. In Sachen optischer Aufmachung präsentiert sich das Schulheiss eher traditionell; das goldene Etikett wird geziert von der rot eingerahmten Zeichnung eines "Schultheissen" (also ein mittelalterlicher bzw. vormoderner Richter, Schuldeintreiber oder allgemein Stadtbeamter). Auch der Schriftzug unterstützt den altertümlichen Eindruck.
Beim Eingießen schäumt das Pils schnell auf, allerdings verabschiedet sich die Blume auch ziemlich rasch wieder. Der Kohlensäuregehalt ist insgesamt mäßig. Von der Farbe her erscheint Schultheiss in einem ungewöhnlich und auffällig hellen Gelbton. Was man immer auch an dem Aroma aussetzen kann, Schultheiss ist in jedem Falle überaus süffig. Für ein Pils bewegt es sich geschmacklich eher auf der milden Seite; die Hopfenherbe kommt nur leicht, aber doch deutlich vernehmbar zur Geltung (leider wurde beim Brauvorgang aber nur Hopfenextrakt verwendet). Daneben vermeine ich auch so etwas wie eine leichte Honignote zu vernehmen. Mit 5,0 Prozent ist der Alkoholgehalt im durchschnittlichen Bereich. Auf’s Ganze gesehen würde ich den geschmacklichen Eindruck als ausgewogen bezeichnen.
Sicherlich, Schultheiss Pilsner ist nicht das beste Bier auf dem Markt, und im überregionalen Vergleich ist es eher als Durchschnitt einzustufen. Im geschmacklich speziellen Berliner Kontext muss ich aber sagen, dass für mich von den Berliner Bieren "Schultheiss" zu den besseren gehört.