Mal ganz ehrlich… ich habe dieses Buch eigentlich nur gekauft, weil ich den Umschlag so toll fand. Ein kunstvoll holzgeschnitztes Bücherregal, voll gestopft mit jeder Menge Bücher. Antike Einzelstücke in wertvollen Ledereinbänden, dazwischen ein paar neue, moderne, und noch einige viel gelesene zerfledderte Stücke.
Der verkörperte Inbegriff aller Bildung dieser Welt.
Ein Traum für jeden Bücherfreund.
Dieses Prachtexemplar musste ich haben!
Aber dann lag das gute Buch einige Monate lang ein wenig hilflos im Haus rum, denn lesen wollte ich es eigentlich gar nicht. „Bildung - Alles, was man wissen muss“, dieses MUSS hat mich wirklich gestört. Ich muss gar nichts. Und außerdem, was eine Frechheit, mir auf 697 Seiten all das mitteilen zu wollen, was dann meine Bildung ausmachen soll. Unerhört! Wozu habe ich jahrelang studiert! Fast schon schämte ich mich, es überhaupt gekauft zu haben und wollte es verschwinden lassen. Aber Bücher wirft man nun mal nicht weg und verschenken konnte ich es nun wirklich nicht.
Doch dann geschah das Unglaubliche. Das Buch landete irgendwie und irgendwann im Gästeklo. Da hatte wohl jemand ein kleines Magen-Darm Problem und hat sich einfach einen schön dicken Schmöker geschnappt, um die sich die Zeit auf dem stillen Örtchen damit zu vertreiben. Denn die Zeit war reif. Hier nun konnte das Buch endlich seine ganze Nützlichkeit und seinen enorm großen Unterhaltungswert voll entfalten.
Nachdem nun plötzlich der gesamte Haushalt für größere Geschäfte nur mehr das Gästeklo benutzte und ich schon von vielen unserer zahlreichen Gäste überaus positive Kommentare über die Klolektüre erhalten hatte, musste ich mich wohl oder übel auch an das Buch heranwagen – schon allein aus dem Grund, um an den Tischgesprächen in unserem Haus teilnehmen zu können.
Und siehe da – ich liebe dieses Buch!
Natürlich findet man in dem Buch nicht das gesamte Wissen dieser Welt. Das wäre ja vollkommen idiotisch. Und das war sicher auch nicht die Absicht des Autors. Es handelt sich eher um Wissenshappen, die dann, bei Interesse, Anstoß geben, sich „weiter zu bilden“.
Dieser Mann macht uns neugierig. Denn plötzlich wollen wir WISSEN. Und wir wollen immer mehr davon!
Das geht eigentlich schon aus dem Inhaltsverzeichnis ganz klar hervor:
Erster Teil: Wissen
Einleitung über den Zustand der Schulen und des Bildungssystems, die man ohne weiteres überspringen kann.
Schon war meine Neugier geweckt – man staune, der Autor verlangt von uns nicht, jedes seiner wertvollen Worte aufmerksam zu studieren, um nachher als gebildet zu gelten. Toll!
Also überspringe ich und sehe was dann kommt:
1) Die Geschichte Europas
2) Die europäische Literatur
3) Die Geschichte der Kunst
4) Die Geschichte der Musik
5) Grosse Philosophen, Ideologien, Theorien und wissenschaftliche Weltbilder
6) Zur Geschichte der Geschlechterdebatte
Ich bin natürlich sofort zur europäischen Literatur gesprungen. Hier gibt es einen (kurzen) Überblick zu den verschiedenen Richtungen und den großen Autoren.
Informativ aber keineswegs langweilig!
Ganz klasse aber finde ich aber, dass am Ende des Kapitels einige (dem Autor zufolge) wichtige Klassiker genannt und beschrieben werden – da bin ich auf viele gute Bücher gestoßen, die ich sonst vielleicht nie gelesen hätte und über die ich dann auf viele weitere Werke gelangt bin.
Irgendwann habe ich mich dann auch an Teile der Kapitel über Geschichte
und Kunst herangewagt und ich war außerordentlich überrascht wie klar und verständlich und vor allem sehr unterhaltsam Dietrich Schwanitz den Stoff, den ich in der Schule als trocken und öde empfand, rüberbringt. Das macht echt Spaß zu lesen – teilweise fast wie ein Krimi!
Zweiter Teil: Können
Einleitung über die Regeln, nach denen man unter Gebildeten kommuniziert; ein Kapitel, das man auf keinen Fall überspringen sollte.
Hmmmm?!
Also er sagt ja nicht, dass ich es lesen MUSS, der gute Schwanitz, den ich inzwischen sowieso sehr sympathisch finde, er sagt, ich SOLLTE es nicht überspringen.
Der feine kleine Unterschied.
1) Das Haus der Sprache
2) Die Welt des Buches und der Schrift
3) Länderkunde für die Frau und den Mann von Welt
4) Intelligenz, Begabung und Kreativität
5) Was man nicht wissen sollte
6) Das reflexive Wissen
Natürlich will ich ganz zuerst wissen, was ich nicht wissen sollte. Oh herrje, vielleicht weiß ich ja was und sollte das gar nicht! Hilfe!
Nun teilt Schwanitz aus: Talk-Shows, Boulevard Presse, europäische Königshäuser, VIP Gossip, Sport… dafür hat er nicht viel übrig. Dennoch, Schwanitz hat auch für unsere kulturellen Schwächen großes Verständnis. Er fordert uns nicht etwa auf, sofort unser Gala Abonnement zu kündigen, nicht mehr fern zu sehen oder dem Fußball abzuschwören, nein, er gibt uns einfach nur den gut gemeinten Rat mit DIESEM Wissen (das ja auch eins ist) nicht zu sehr hausieren zu gehen, oder zumindest nur in „ausgewählten“ Kreisen.
Weiter im Inhaltsverzeichnis:
- Zeittafel (zum schnellen Nachschlagen, sehr geeignet bei den verpönten Quiz-Shows)
- Bücher, die die Welt verändert haben
- Bücher zum Weiterlesen
- Chronologie der Kulturgeschichte
- Namenregister
- Über die, die zur Entstehung dieses Buches beigetragen haben
- Nachwort
Hier wird nun ganz klar. Schwanitz hatte nie vor, alles Wissen dieser Welt in einen Band zu konzentrieren! Bücher zum Weiterlesen – das sagt eigentlich schon alles.
Das ist kein Buch, das man vom Anfang bis zum Ende liest. Dieses Buch benutzt man, immer wieder. Man schlägt einfach wahllos eine Seite auf und fängt an zu lesen. Man liest dieses Buch nicht, um nachher „gebildet“ zu sein, man liest es weil es Spaß macht!
Wirklich - Ich liebe dieses Buch!
Zum Autor:
Dietrich Schwanitz, geboren 1940, stammt aus dem Ruhrgebiet und wuchs bei mennoitischen Bergbauern in der Schweiz auf. Er studierte Anglistik, Geschichte und Philosophie in Münster, London, Philadelphia und Freiburg. Von 1978 bis 1997 lehrte er als Professor für Englische Literatur an der Universität Hamburg. Mit seinen Universitätsromanen „Der Campus“ (1995) und „der Zirkel“ (1998) erreichte der Chefkritiker der deutschen Hochschulpolitik ein Millionenpublikum.
(Quelle: Klappentext)
PS: da will man doch sofort das nächste Lexikon aufschlagen und nachsehen was wohl diese „mennoitischen Bergbauern aus der Schweiz“ sind, oder?
Und noch mal für alle - Ich liebe dieses Buch!
AKTUALISIERUNG:
Ich weiß jetzt auch etwas über Mennoiten!
Der Name "Mennoniten" (anfangs auch "Menisten", aber nicht "Mennoiten") leitet sich ab von Menno Simons. Dieser war bis 1536 katholischer Priester und schloss sich dann den sogenannten Täufern an. Menno Simons hat erreicht, dass die Täuferbewegung, die auch von den Kirchen der Reformation schwere Verfolgungen zu erleiden hatte, bestehen blieb und unter dem Namen "Mennoniten" die erste Freikirche bildete.
697 Seiten
Goldmann Verlag (Februar 2002)
ISBN-10: 3442151473
ISBN-13: 978-3442151479
Preis: neu bei Amazon.de 14 Euro
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sindimindi, 28.03.2007
Das nenn039 ich jetzt aber mal einen wirklich guten Tipp! - - unterhaltsam ist die quotBildungslektürequot anscheinend allemal, auch wenn man bei Jauch wohl genau das wissen sollte, was eigentlich völlig unwichtig ist...g RS
paigematthews, 05.03.2007
Toll... Neugierig, wie ich bin, werde ich jetzt mal nachschauen, was es mit den quotmennonitischen Bergbauern in der Schweizquot auf sich hat. Leider hab ich Dein Buch nicht. :- LG Paige
Lucia007, 20.03.2007
Mein Freund hat das auch und bisher fand ich es auch immer albern, aber nach Deinem Bericht lese ich es vielleicht doch mal!
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Ein durchaus Interessantes Buch
ein Testbericht von marioh12005-10-19 06:37:20vom 19.10.2005Empfehlung: ja
Beginnen möchte ich mit den Worten von R. Herzog unsers ehemaligen Bundespräsidenten.
"Wissen ist heute die wichtigste Ressource in unserem rohstoffarmen Land. Wissen können wir aber nur durch Bildung erschliéßen. Es geht darum, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und allen ein breiteres Grundwissen zu vermitteln."
Die "Pisa-Studie" hat es gezeigt, in Sachen Bildung haben wir deutschen Nachholebedarf.
Deshalb ist diese Buch so aktuell wie noch nie.
Bevor ich dieses Buch kaufte hatte ich so meine Zweifel, ob es hält was es verspricht.
"BILDUNG-Alles was man wissen muss"
Kann man auf 540 Seiten alles vermitteln was man wissen muss? Sicherlich nicht. Ohne entsprechender Allgemeinbildung und schulischer Bildung wird man an diesem Buch keine Freude haben.
Aber der Autor schafft es durch die Konzentration des Wesentlichen und die logische Gliederung seiner Ausführungen eine Unmenge an Informationen dem Leser zu vermitteln.
Es wird hier kein fachchinesisch gepredigt sonder nur Fakten dargelegt.
Das Buch gliedert sich in zwei Teile.
Erster Teil: WISSEN
nach kurzer Einführung werden folgende Themen
behandelt:
A: Die Geschichte Europas
B: Die europäische Literatur
c: Die Geschichte der Kunst
D: Die Geschichte der Musik
E: Große Philosophen, Ideologien, Theorien wissenschaftliche Weltbilder
F: Zur Geschichte der Geschlechterdebatte
Zweiter Teil: KÖNNEN
A: Das Haus der Sprache
B: Die Welt des Buches und der Schrift
c: Länderkunde für die Frau und den Mann von Welt
D: Intelligenz, Begabung und Kreativität
E: Was man nicht wissen sollte
F: Das refelxive Wissen
Weiterhin sind in diesem Buch zu finden:
- Zeittafeln
- Übersicht über Bücher die die Welt verändert haben
- Bücher zum weiterlesen
- Chronologie der Kulturgeschichte
- Namensregister
- Über die, die zur Entstehung dieses Buches beigetragen haben
MEIN FAZIT: Für die 15 EUR die das Buch kostet bekommt man jede Mange Bildung vermittelt. Selbst, wenn man schon glaubt viel zu wissen, ist der Blickwinkel der Betrachtung wichtig. Dieser Blick wurde bei mir geschärft, da ich doch jetzt mehr Zusammenhänge verstehe aus vorher.
Von daher die Höchstpunktzahl für dieses Buch.