Susan Sloan: Schuldlos schuldig Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Bewertung 4.0 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (6/6).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
gut zu lesen, ergreifend
spannende Lektüre
Nachteile/Kritik
keine klassische Spannung eines Krimis
wenig
Eine verspätete Rache. ..
ein Testbericht von micha20062009-07-14 19:24:33vom 14.07.2009Empfehlung: ja
Vorteile: gut zu lesen, ergreifend...Nachteile/Kritik: keine klassische Spannung eines Krimis
Nun möchte ich ein weiteres Urlaubsbuch vorstellen. Dieses Buch habe ich als Geschenk erhalten, mit dem Hinweis dass es sehr gut sein sollte. Um mich von diesem zu überzeugen, nahm ich dieses Buch mit in den Urlaub.
Wen man dieses Taschenbuch neu kauft, bezahlt man 6 Euro.
Die Autorin:
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Viel konnte ich leider nicht über die Autorin nicht herausfinden können. Sie lebt in den USA und dieser Roman ist ihr Erstlingswerk.
Rückentext:
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Die hübsche Karen Kern blickt voller Zuversicht in die Zukunft. Sie wird ihren Collegefreund heiraten, Kinder haben und glücklich werden. Doch dann lässt sie sich nach einer Party von dem charmanten Jurastudenten Bob nach Hause begleiten. Alle sehen, wie sie das Fest gemeinsam verlassen. Keiner sieht, wie er sie vergewaltigt…
Dreißig Jahre lang bleibt ihre Beziehung zu Männern gestört. Bis Karen Kern das tut, wozu die meisten Opfer nie in der Lage sind: Sie rechnet mit dem Mann ab, der ihr Leben zerstört hat.
Leseprobe:
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„Die Polizei weiß alles“, erinnert Karen sie. „Ich habe es ihnen erzählt. Sie werden Bob aufspüren und verhaften, und er wird dafür büßen.“
„Dein Vater wird sich darum kümmern“, sagte Beverly sanft. „Wir werden es nicht zulassen, dass man dich in einen ekelhaften Gerichtssaal schleppt und irgendwelche Schmierfinken deinen Namen durch die Zeitungen zerren.“
„Aber ich werde aussagen müssen“, entgegnete Karen. „Ich will es. Ich will, dass er verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wird.“
„Das kommt nicht in Frage“, verkündete ihre Mutter. „Du wirst nichts mehr mit di eser scheußlichen Sache zu tun haben. Wir werden ab jetzt allen, die sich erkundigen, sagen, dass du … dass du … einen Unfall hattest.“
Kurzzusammenfassung:
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Karen ist jung und hat viele Träume. Doch dann wird sie nach einer Party schon dem charmanten Bob in Park vergewaltigt und misshandelt. Aber zu einer Anklage oder gar Verurteilung dieser Tat kommt es nicht, denn alle zwingen sie zum schweigen. Den wenigen denen sie von dieser Tät erzählt halten sie selbst für schuldig und wollen damit nichts zu tun haben. Auch ihr Verlobter verlässt sie deswegen.
Jahrelang kapselt sie sich deswegen ab und hat auch Probleme mit dem Umgang mit Männern und Sex und ist auch nicht mehr in der Lage eine richtige Beziehung ein zugehen. Erst nach vielen Jahren findet sie eine Person der sie vertraut und beginnt ein normales Leben und es scheint als hätte sie die Tat von damals schon fast vergessen. Was sie allerdings nicht ahnt, ihr Vergewaltiger kommt aus einer Hochrangigen Familie und er macht dies immer wieder und keiner hindert ihn. Doch dann bekommt sie ihre Chance und dann plant sie ihre Rache.
Meinung:
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Das Buch ist erzählerisch geschrieben, aus der Sicht eines Beobachters. Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Die Geschichte selbst ist unterhaltsam geschrieben, aber wer einen Krimi oder Thriller mit viel Spannung und dergleichen erwartet, wird hier vielleicht enttäuscht. Denn hier liest man nichts von Tot und Mord oder von exakter Kriminalarbeit. Nein, hier wird das Leben eines Vergewaltigungsopfer beschrieben, bis zu dem Moment X als sie den Tag der Vergeltung sieht.
Das Buch ist
nach meiner Meinung eher für Frauen geschrieben, da alles rund um das Thema Vergewaltigung auch heute noch, grundsätzlich mehr ein Frauenthema ist (sorry liebe Männer). Und die meisten können sich daher vielleicht, so hoffe ich, annährend vorstellen, was diese Frau durchmacht. Das Thema "Verschweigen einer solchen Tat" ist auch heute noch, leider, immer noch Realität. Denn viele Frauen trauen sich nicht dies zur Anzeige zu bringen, um entweder nicht nochmals alles durch zu erleben oder vor Angst, dass man ihr die Schuld daran gibt. Und dies hat auch die Autorin sehr treffend beschrieben und umschrieben, dass Leid der Vergewaltigend. Und auch auf den Vergewaltiger geht sie ein. Wie man mit Geld viele Probleme löst oder gar aus der Welt schaffen kann. Das Ende ist zwar sehr vorhersehbar, aber was ich interessant fand, mit welcher Raffinesse es geplant wurde und es dadurch für die Hauptperson dann doch ein kleines Happy-End gibt.
Fazit:
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Dieses Buch ist durchaus lesbar, aber entspricht meiner Meinung nicht einem klassischen Thriller oder Krimi. Der Gedanke wie man eine Vergewaltigung seelisch überwindet oder akzeptiert, um das beste daraus zu machen und dann für seine Rache zu sorgen hat grundsätzlich was für sich.
Für die geringe Spannung ziehe ich allerdings einen Stern ab und das Buch erhält natürlich und trotz allem eine Kauf- und Leseempfehlung.
Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen,
eure Micha
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Vor einer Weile kam ich durch eine Empfehlung auf eine Autorin, die mich tendenziell überzeugen konnte. Mittlerweile habe ich ein drittes Buch von ihr in kürzester Zeit durchgelesen [das eigentlich ein Versehens – Kauf war], welches mich abermals begeistern konnte. Dabei handelt es sich um:
Schuldlos schuldig – Susan Sloan
… Bezugsquelle & Preis …
Gekauft habe ich das Taschenbuch bei ebay.
Dort habe ich 1,00 € bezahlt. Neu kostet der Roman 8,95 €.
… Eckdaten …
Titel: Schuldlos schuldig
Originaltitel: Guilt by association
Autorin: Susan Sloan
Übersetzung: Angela Stein
Verlag: Knaur
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Drama [?]
Seitenanzahl: 656 Seiten
… Die Autorin …
Susan R. Sloan ist in New York geboren und aufgewachsen. Sie arbeitet als Staatsanwältin und kam erst recht spät zum Schreiben. Sie lebt heute im Nordwesten der Vereinigten Staaten im Staat Washington, wo sie eine Farm für mißhandelte Tiere eröffnet hat.
Quelle: www.krimi-couch.de
… Schuldlos schuldig …
Die junge Karen Kern will eigentlich nur ein wenig Spaß haben auf der Party ihrer Freundin. Als sie vom jungen und attraktiven Bob angesprochen wird, hat sie auch nichts weiter im Sinn als eine unverfängliche Unterhaltung. Bob versteht dies jedoch falsch – er vergewaltigt Karen auf dem Weg nach Hause, schlägt sie zusammen und lässt sie im Gebüsch liegen, wo sie am nächsten Tag gefunden wird. Als Karen der Polizei und ihren Eltern von den Geschehnissen erzählt, raten die ihr, das Ganze zu vergessen. Denn immerhin schreibt man das Jahr 1962 und wenn eine Frau nachts allein mit einem Mann unterwegs ist, ist sie selbst schuld, wenn sie vergewaltigt wird. Außerdem würde ihr ohnehin niemand glauben, denn die von ihr beschuldigte Person stammt aus gutem Hause und studiert in Havard.
Im Laufe ihres Lebens glaubt Karen selbst, dass sie schuld ist an dem, was ihr widerfahren ist. Aus diesem Grunde bleibt ihre Beziehung zu Männern stets unterkühlt und distanziert. Trotz ihres traumatischen Erlebnisses schafft die junge Frau es allerdings, sich ein erfolgreiches Leben aufzubauen. Eines Tages jedoch, 30 Jahre nach ihrem furchtbaren Erlebnis, steht sie ihrem Alptraum gegenüber – denn der ist mittlerweile ein angesehener Politiker. Karen beschließt, ein für alle mal mit ihrem Peiniger abzurechnen…
… Eindrücke …
Der Plot an sich ist ja bei weitem nicht neu: junge Frau wird vergewaltigt und hat mit diesem nie verarbeiteten Erlebnis ihr Leben lang Probleme. Klingt aufs erste Lesen vielleicht erstmal recht langweilig und eventuell auch nach einmal zu oft ausgeschlachtet. Dennoch kann man vorweg nehmen, dass Susan Sloan mit „Schuldlos schuldig“ einen tadellosen Roman hingelegt hat, der den eigentlich recht simplen Plot nicht ausschlachtet, sondern ein insgesamt stimmiges Leseerlebnis geschaffen hat. Dieser Eindruck entwickelt sich allerdings erst im Verlauf des Romans.
Obwohl Susan Sloan auf sämtliche Effekthascherei verzichtet hat, dürfte dem Leser die Szene der Vergewaltigung wohl auf den Magen schlagen. Denn dieser Passage wohnt eine Kaltblütigkeit inne, die authentischer wohl kaum sein könnte und allein schon deswegen bedrohlich sowie glaubhaft wirkt. Überzeugen kann die Autorin auch direkt nach diesem Szenario, indem sie nicht der Versuchung erlegen ist, die Protagonistin seitenlang nichts tuend leiden zu lassen. Im Gegenteil – Susan Sloan verwendet so gut wie keine Substanz
darauf, zu beleuchten, wie es der Hauptfigur direkt nach ihrem schrecklichen Erlebnis geht. Sie blendet sofort um auf das Leben ihrer Figur zwei Jahre später um. Dies hat den interessanten und Spannung steigernden Effekt, dass das geschundene Seelenleben über einen längeren Zeitraum dargestellt wird und dadurch viel glaubhafter wirkt. In genau diesem Stil hält sich dann übrigens der gesamte Roman. „Schuldlos schuldig“ erstreckt sich in seiner Handlung über einen Zeitraum von 30 Jahren und stellt im Prinzip so etwas wie ein fiktives Portrait dar. Auf diese Weise wird das Erlebnis der jungen Karen viel plastischer. Denn es ist stets präsent, selbst, wenn man den Eindruck hat, es sei überwunden. Zwar wird die Vergewaltigung im Hauptteil des Romans nie vordergründig thematisiert, dennoch schwebt vor allem die damit verbundene seelische Verwundung der Hauptfigur stets im Hintergrund. Allein dadurch erzeugt die Autorin eine unglaublich dichte und glaubhafte Atmosphäre.
Ebenfalls ein interessanter Aspekt ist die Tatsache, dass Susan Sloan es schafft, die Kultur und das Lebensgefühl dreier Jahrzehnte auf den Leser zu transportieren. Der Roman beginnt zu Beginn der Sechziger und die verklemmte Sichtweise auf die Frau im Allgemeinen ist hier ein großes Thema. Gegen Ende des Jahrzehnts wird die Hippiebewegung umrissen mit allem, was dazu gehört: Drogen, freie Liebe und der andauernde Protest gegen den Vietnamkrieg. Dabei kommt die Autorin zwar nicht ganz umhin, auch in Klischees zu verfallen. Aber die verzeiht man ihr. Denn sie hält jene Klischees im Rahmen und bedient nicht vollständig den subjektiven Eindruck, den man von dieser Zeit haben mag. Auch die folgenden Jahrzehnte werden von Susan Sloan wie fast nebenbei umrissen. Man erhält stets den Hauch jener vergangenen Zeiten sowie einen Funken des damaligen Lebensstils. Im Fokus stehen aber stets die Hauptfigur sowie ihre Freunde, von denen sie im Verlauf des Plots immer mehr hinzu gewinnt.
Wie gewohnt, ist Susan Sloans Stil auch in „Schuldlos schuldig“ sehr simpel und leicht zu lesen. Allerdings mag er durchaus etwas weniger trivial erscheinen als in beispielsweise „Denn alle Sicherheit ist trügerisch“, in dem besonders die Dialoge streckenweise etwas ungeschickt gewirkt haben. Dem ist hier nicht mehr so. Sicherlich ist der hier dargebotene Stil keine Meisterleistung in Sachen Ausdruck und Stil. Dennoch liest sich der Roman angenehm und sehr flüssig.
Überzeugen kann vor allem, dass der Plot eine unheimliche Tiefe entwickelt und dies, obwohl er aus auktorialer Sichtweise geschrieben ist. Im Nachhinein wird man aber wohl feststellen, dass eine Ich – Perspektive nicht wirklich gepasst hätte. Allein schon deshalb, weil einige wenige Kapitel sich mit dem parallelen Werdegang von Robert Willmont, Bob, befassen. Dieser ist übrigens trotz einigem an politischen Fachgesimpel recht interessant gestaltet. Vor allem bietet er ein fast ebenso detailgenaues Portrait seiner Person, wie der Hauptfigur des Romans, Karen Kern. Interessant ist übrigens, dass man innerhalb der Passagen rund um Robert Willmont einen Hauch Kritik an Politik und deren ausführender Organe meint herauslesen zu können. Diese ist sehr sachte verpackt, aber dennoch so merklich, dass man unwillkürlich darüber nachdenkt. Insgesamt ist also in Sachen Stil festzuhalten, dass Susan Sloan sich treu bleibt in ihren Romanen. Denn wer schon die anderen Bücher von ihr rein stilistisch mochte, der wird auch „Schuldlos schuldig“ verschlingen.
Wie bereits weiter oben erwähnt, handelt es sich beim vorliegenden Roman um eine Art Portrait über 30 Jahre des Lebens einer Frau. Dementsprechend erwartet man wohl unwillkürlich eine merkliche Weiterentwickelung jener Hauptfigur innerhalb des Romans. Die kann man hier sehr genau beobachten, sodass man sie fast als Paradebeispiel innerhalb des trivialeren Genres bezeichnen könnte. Es gibt wohl nur selten Figuren, die sich auf rund 650 Seiten derart weiterentwickeln, dabei neue Facetten zeigen, aber dem Leser dabei insgesamt nie fremd werden. Karen Kern ist eine solche Figur. Dabei übertreibt Susan Sloan es aber auch nicht. Sie ist nicht der Versuchung erlegen, aus der Karen der frühen Sechziger Jahre, die sich selbst die Schuld an ihrer Vergewaltigung gibt, eine toughe Feministin der Neunziger zu machen, die plötzlich doch die Wahrheit ans Licht bringen will. Die Veränderung ihrer Person kommt eher leise und stetig daher. So erscheint einem die Karen Kern, die man am Ende des Romans betrachtet genauso glaubhaft wie die, die man zu Beginn kennen gelernt hat. Karen Kern ist sicher nicht unbedingt die Protagonistin im Genre, die die meisten Ecken und Kanten aufzuweisen hat. Dennoch wirkt sie auf den Leser sympathisch und vor allem vorstellbar. Sie könnte jeder sein. Dabei ist es auch nicht störend, dass sie aus gut situiertem Hause stammt.
Ähnlich gut vorstellbar, wenn auch deutlich weniger sympathisch, dürfte wohl Robert Willmont sein, zu Beginn nur als Bob bekannt. Robert ist vermutlich der Inbegriff eines Scheusals, das der Ansicht ist, jede Frau habe ihm auf jegliche Weise zu Diensten zu sein. Ist sie es nicht, nimmt er sich, was er will. Roberts Niedertracht geht allerdings deutlich über bloße Gewalt hinsichtlich seiner unbändigen körperlichen Lust hinaus. Er betrügt seine Ehefrau, ist wirklich hinter jedem Rock her und scheut sich nicht vor wahrem Verbrechen, um seine Fehltritte zu vertuschen und in der Öffentlichkeit als der saubere Senator dar zustehen. Obwohl diese Darstellung ganz sicher nicht übertrieben ist, dürfte sie dem Leser wohl dennoch das eine oder andere Mal die Sprache verschlagen.
Ebenso gut gelungen sind übrigens auch die Randfiguren in diesem Roman, von denen es tatsächlich so einige gibt. Erstaunlicherweise kann man sie alle recht leicht auseinander halten, was ja durchaus nicht selbstredend ist bei einem größeren Figurenensemble. Hinzu kommt, dass sie alle recht gut vorstellbar sind, obwohl Susan Sloan keine extra Mühe auf ihre Einführung verwendet.
Alles in allem handelt es sich bei „Schuldlos schuldig“ wieder einmal um einen typischen Susan Sloan – Roman, der eigentlich in allen Belangen überzeugen kann. Aus diesem Grunde kann man ihn wohl auch mit Fug und Recht als gelungene Unterhaltung bezeichnen, die eigentlich so ziemlich alles richtig macht. Trotzdem hat sich in die rund 650 Seiten schon durchaus die eine oder andere Länge eingeschlichen. Aufgrund der tollen Erzählweise und der Tatsache, dass es sich hierbei um ein fiktives Portrait handelt, das zudem auch noch einen Zeitraum von drei Jahrzehnten abdeckt, kann man der Autorin dies sicher verzeihen. Einzig wirklich störend sind die Druckfehler, von denen es im Roman so manche gibt. Auch stimmt der Nachname der Hauptfigur auf dem Klappentext nicht. Aber für diese beiden Schnitzer kann man der Autorin wahrlich keine Schuld geben. Es gibt an dieser Stelle also vier Sterne sowie eine dringende Empfehlung.
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ein Testbericht von vampire-lady2005-05-26 21:47:25vom 26.05.2005Empfehlung: ja
Auf das Buch „Schuldlos schuldig“ von Susan Sloan bin ich eher aus Langeweile gestoßen. Ich surfte bei buchticket.de so von links nach rechts und von oben nach unten, und blieb einfach dabei hängen. Das Buch ist bei Amazon in verschiedenen Ausgaben erhältlich, ich habe es mittlerweile weitergetauscht. Ich glaube meine Version war aber von Heyne, hatte über 650 Seiten und hinten war noch ein DM-Preis drauf.
Zunächst schien es mir laut Klappentext ein Krimi zu sein, nach 50 Seiten musste ich aber stirnrunzelnd feststellen, daß dem nicht so ist. Ich hatte
da ein Buch in der Hand, das sich wirklich ganz gut lesen lässt, mir selbst vom Genre aber eher fremd ist. Etwas vergleichbares ist mir bisher nicht untergekommen.
Karen, eine junge Frau von 20 Jahren, wird 1962 von einer Partybekanntschaft vergewaltigt und fast tot geprügelt. Der Vergewaltiger Robert kommt aber ungeschoren davon, da er ein reiches Harvardjüngelchen ist, an dem sich die Staatsanwaltschaft nicht vergreifen will. Derweil verbringt Karen monatelang im Krankenhaus, um dann vor den Trümmern ihre Zukunftspläne zu stehen. Ihre Familie vertuscht den Vorfall als Unfall und gibt Karen die Schuld dafür. Selbst eine Therapie darf sie nicht machen. Auch ihr Verlobter wendet sich von ihr ab. 30 Jahre später haben sich die Zeiten geändert, Karen ist eine starke Frau geworden und ihr tut sich eine Chance auf, um doch noch Rache zu nehmen.
Das Buch deckt dabei die volle Zeitspanne von 30 Jahren ab. In szenenhafter Weise werden markante Ereignisse im Leben von Karen und Robert dargestellt, die zeigen, wie die beiden Charaktere sich über den Zeitraum entwickeln. Karen wird nie ein wirklich entspanntes Verhältnis zu einem Mann aufbauen können. Auch ihr Traum von einer eigenen Familie erfüllt sich aus diesem Grunde nicht – hinzu kommt, daß sie keine eigenen Kinder mehr bekommen kann. Stattdessen gerät sie über in Hippiekommune, aus der in den 80er Jahren eine erfolgreiche Künstlergruppe hervorgeht. Karen leitet die Galerie der Truppe und heiratet schließlich doch: einen Architekten mit drei Töchtern. Mit ihm geht sie nach San Francisco.
Dort lebte der sonst charismatische Robert schon seit eh und je. Zunächst arbeitet er als Anwalt und heiratet ein typisches High-Society-Mädel, das er bald in die Tablettensucht treibt. Nebenbei hurt er fröhlich herum. Eine schwangere Geliebte begeht scheinbar Selbstmord und auch anderen Frauen macht er das Leben zur Hölle. Trotzdem wird er Senator und kandidiert als Präsident für die USA. In diesem Zusammenhang erfährt der Leser sozusagen am Rande, wie so ein Politiker von einem persönlichen Stab an Beratern aufgebaut und vermarktet wird. Dabei liegt er gut im Rennen, bis eines Tages Karen vor ihm steht, die sich eigentlich nicht für Politik interessiert und mehr zufällig von seiner Kandidatur erfahren hat. Er erkennt sie nicht einmal und besorgt sich einen Job in seinem Wahlkampfbüro.
Leider hat die szenenhafte Darstellungsweise der Autorin den Nachteil, daß der Leser einige Dinge, die er vielleicht gern noch erfahren bzw. detaillierter beschrieben hätte, eben nicht erfährt. Ich habe eindeutig ein Problem, die Beziehung von Karen und ihrem Ehemann Ted in den Verlauf der Geschichte einzubringen.
Die Idee der Geschichte ist nicht neu, für mich aber immer wieder interessant, seit ich „der Graf von Monte Christo“ gelesen habe. Gut fand ich, wie die Autorin die gesellschaftliche Entwicklung von den frühen 60er Jahren bis zur Mitte der 90er dargestellt hat, auch wenn das ein oder andere Klischee (Hippie, Yuppie....) dafür herhalten muß. Ganz witzig finde ich den Moment, wo die ehemaligen Hippies feststellen, daß sie mit ihrer Kunst plötzlich so erfolgreich sind, daß sie längst zum „Establishment“ gehören und aus dieser Nummer auch nicht mehr herauskommen. Der Anfang des Buches und vor allem die ersten Monate von Karens (körperlicher) Genesungsweg waren für meinen Geschmack etwas langwierig erzählt – dies war aber wahrscheinlich nötig, um darzustellen, daß nicht allein Robert, sondern auch die Eltern und der Verlobte dazu beitrugen, das Mädchen kaputt zu machen.
Was der Autorin nicht wirklich gelingt, ist mir am Ende zu vermitteln, wie Karen auf einmal nach San Francisco gelangte. Die Vergewaltigung und ihr ganzes weiteres Leben spielte sich in New York ab. Auch ihr Mann Tad schien mit der Ostküste verwurzelt zu sein – erst während ihrer Ehe packt die beiden die Reiselust und so gelangen sie zufällig in Roberts Dunstkreis.
Ab dem Zeitpunkt an dem Karen beschließt zurückzuschlagen, mutiert sie zur Randfigur. Die Autorin rückt sie ins Abseits und nutzt eher die Perspektive der ermittelnden Staatsanwältin, um zunächst nicht zu verraten, was wirklich passiert ist. Ist Karen erneut ein Opfer geworden? Wie konnte sie so dämlich sein? Oder hat sie etwa......??? Der Leser weiß also zum ersten Mal nicht das, was Karen weiß, sondern muß sozusagen mitermitteln – auch wenn die Ahnung natürlich nahe liegt.
Währenddessen geht es Robert an den Kragen. Die Polizei ermittelt gegen ihn, und er verstrickt sich in seinen eigenen Lügen. Es ist nahezu amüsant zu erleben, wie er vollständig demontiert wird, dabei sogar unbewusst mithilft, und erst im letzten Absatz die Ironie der Entwicklung begreift.
Karen hat ihn mit seinen eigenen Waffen geschlagen.
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ein Testbericht von GAWOnline19832004-04-01 19:15:13vom 01.04.2004Empfehlung: ja
I. Allgemeines
Ich habe mal wieder auf meine Mum gehört – bisher hatte sie ja zumindest ein glückliches Händchen, was historische Romane anging. Eines Tages kam sie mit diesem Buch heim, verschlang es und drücke es ein paar Tage später mir in die Hand, damit ich es lesen sollte. Die Inhaltsangabe klang ganz interessant, so dass ich mich bald darauf ans Werk machte ;-)
Ich werde euch erst eine Kurzbeschreibung des Inhalts liefern und in dem darauf folgenden Punkt näher auf die Charaktere und ausführlicher auf die Geschichte selbst eingehen.
II. Kurzinhalt
Ihr Lebenstraum
zerbricht von einem auf den anderen Tag. Karin Kern war fest entschlossen, ihre Collegeliebe zu heiraten und sich eine Familie aufzubauen. Nach einer Party wird sie vergewaltigt und nichts ist mehr wie es war.
III. Inhalt
Ihr Leben könnte perfekt sein – Karen Kern glaubte ihre große Liebe gefunden zu haben, möchte Peter heiraten und Kinder bekommen. Doch dieser Traum wird nach einem Partyabend bei ihrer besten Freundin Jill jäh zerstört. Auf der Party lernte sie einen Jurastudenten namens Bob kennen, der sie später brutal zusammengeschlägt und vergewaltigt. Erst am Morgen wird sie total unterkühlt durch Zufall im Central Park von einem Passanten gefunden, der sofort den Notarzt verständigt. Leo und Beverly Kern, Karens Eltern, können es nicht fassen.
Noch Wochen später befindet sich Karin im Krankenhaus, um sich von ihren vielen schweren Verletzungen zu erholen – geplatzte Lippe, der Kiefer wurde verdrahtet, Blutergüsse, gebrochenes Nasenbein, zerquetschter Kehlkopf, gebrochene Rippen, durchbohrter Lungenflügel, gebrochener Arm, gerissene Milz und zu guter letzt kann Karen keine Kinder mehr bekommen. Die Verlobung mit Peter wird schließlich gelöst, zu groß ist 1962 noch das Schamgefühl, um über dieses grauenvolle Ereignis zu reden. Ihre Eltern stehen auch nicht wirklich zu ihr, sondern tun das ganze als Unfall ab. Schließlich kannte Karen den Täter und ist ja sogar freiwillig mit Bob in den Park gegangen. Sie soll ruhig bei der Version mit dem Unfall mit Fahrerflucht bleiben, denn sonst würden die Leute sie in Zukunft meiden.
Karen steht nun vor den Scherben ihres Lebens. Bob wird auch nicht verurteilt werden – was die Konsequenz aus der Heimlichtuerei ist. Dadurch kommt Karen nicht von ihren Schuldgefühlen soll und redet sich auch ein, sie hätte alles herbeigeführt. Das sexy Kleid, sie ist mit ihm gegangen… So leidet Karen noch Jahre später unter dem grausamen Ereignis in ihrer Jugend.
Das Buch wird schließlich Anfang der 80er fortgesetzt. Karen lernt den Witwer Ted kennen. Er war mit ihrer besten Freundin verheiratet, die an Krebs starb. Nun muss er seine drei kleinen Mädchen alleine aufziehen. Karen versteht sich sofort sehr gut in die Familie, einen Knacks bekommt das ganze, als Ted ihr einen Heiratsantrag macht. Doch Karen willigt nach langem Überlegen ein; sie hat allerdings starke Probleme mit der sexuellen Seite ihrer Ehe – auch Ted vertraute sie sich nicht an.
Einen Zeitsprung später befinden wir uns Anfang der 90er Jahre und der Präsidentschaftswahlkamp läuft – auf der Kandidatenliste: Robert Willmont. Und dieser ist kein anderer als der Bob von damals. Karen kann es nicht glauben, als sie ihn im Fernsehen sieht und wieder diese Stimme hört. Endlich entschließt sich Karen, einer Freundin alles zu erzählen, die ihr auch Glauben schenkt. Selbst Ted hört ihr geduldig zu und ist sofort bereit ihr zu helfen – natürlich entgegen ihrer Erwartungen, da sie selbst schon mit ihrer Ehe abschloss. Und in Karen reift nun ein Plan; ein Plan, wie sie sich nach all den Jahren an Bob rächen kann, weil er ihr so viel von ihrem Leben genommen hat…
IV. Meine Meinung
Ich habe das Buch bereits vor einiger Zeit gelesen, aber doch hält die Wirkung, welche davon ausgeht, immer noch an. Es ist eben ein Buch, das man so schnell nicht vergessen wird. Interessant ist zunächst zu sehen, wie vor über vierzig Jahren mit dem Thema Vergewaltigung umgegangen wurde. Aber es ist zugleich auch schockierend, wie Karens Eltern darauf pochen, das ganze Ereignis unter Verschluss zu halten. Überhaupt erzeugten bei mir die Reaktionen Unverständnis und Wut – und Mitleid mit Karen, die alleine da stand und mit den Dämonen fertig werden musste. Während demzufolge eher eine Antisympathie gegenüber den früheren Charakteren vorherrscht, schließt man Karen sofort ins Herz.
Ihre Figur ist sehr sehr gut geschildert, so dass sie im Kopf während des Lesens lebendig wird. Man fühlt mit ihr und wünsch sich für sie immer und immer wieder Gerechtigkeit und für sie den Mut zu kämpfen und die Kraft, mit dem Geschehenen fertig zu werden. Aber es wird nicht nur auf die Tränendrüse gedrückt, sondern mit ehrlichen brutalen Worten die Lage einer jungen verzweifelten Frau geschildert. Für manche mag die Detailfreudigkeit am Anfang und auch später die Behandlung bzw. die Aufzählung der Verletzungen zu viel sein – auch ich musste ein um das andere Mal schlucken. Doch ich finde gerade dies macht die Ehrlichkeit solch eines Buches aus. Hätte die Vergewaltigung nur auf einer halben Seite stattgefunden, so wäre man ja wieder beim Thema: Verschweigen. So gerade wird der Leser damit konfrontiert!
Zu den Zeitsprüngen in dem Buch (1962 – Anfang der 80er – Anfang der 90er) kann man stehen wie man will. Es ist natürlich nicht möglich, auf diese Seitenzahl die Schilderung von vierzig Jahren unterzubringen. Schade ist allerdings, dass kurz nach der Hochzeit mit Ted mal wieder ein Sprung erfolgt. Gern hätte man doch etwas mehr über die erste wahre Beziehung nach dem schrecklichen Ereignis erfahren; schließlich war Ted der einzige Mann, dem Karen wirklich je vertraute. Prinzipiell hat Sloan aber trotz allem die spannendsten Aspekte herausgepickt. Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, da es die Autorin versteht, ihre Leser zu fesseln. Das Buch entwickelte sich als wahrer Page-Turner. Ich habe gesehen, dass vor kurzem ein neues Buch von Susan Sloan veröffentlicht wurde. Ich bin fest entschlossen, mich einmal danach umzuschauen, da mir der Stil von ihr sehr gut gefiel.
Alles in allem gibt es von mir fünf Sterne für dieses packende Buch, was auch Mut machen soll, nicht zu schweigen, sondern gegen die Täter vorzugehen!
V. Das Buch
"Schuldlos schuldig" erschien erstmals in gebundener Form im Jahr 1996 in Deutschland bei Heyne (Erstveröffentlichung der Taschenbuchausgabe im April 2000). Das Buch umfasst 656 Seiten und ist unter der ISBN 3-426-60313-6 ist für 8,90 Euro im Handel erhältlich. Unter dem Originaltitel „Guilt by Association" erschien das Buch 1995 bei Warner Books in New York. Übersetzt ins Deutsche wurde der Roman von Angela Stein.
Im Moment ist eine Sonderausgabe unter der ISBN 3-426-62511-3 für 6,00 Euro erhältlich.
VI. Die Autorin
Die Autorin wurde in New York geboren und wuchs dort auch auf. Sie arbeitet als Staatsanwältin und lebt heute im Nordwesten der USA.
VII. Mehr von Susan Sloan
1. Schuldlos schuldig
2. Denn alle Sicherheit ist trügerisch
3. Mein Wille geschehe
(copyright by Laura Thoma, laurathoma @ ciao & yopi)
...
ein Testbericht von dottigross_juliaa2003-01-17 19:45:37vom 17.01.2003Empfehlung: ja
Schuldlos schuldig
*Schuldlos schuldig* von Susan Sloan wurde mir bei Ciao empfohlen. Ich ersteigerte es mir kostengünstig bei eBay, wobei der eigentliche Kaufpreis 8.90 EUR beträgt. Ich besitze die Sonderausgabe von 2000, das 656 Seiten hat und im Knaur-Verlag (ISBN 3-426-61800-1) erschienen ist. Das Layout des Umschlages (Ausgabe 2000) ist einfach, aber effektiv gestaltet. Knall-Pink leuchtet einem die Titelseite entgegen. So fällt einem auch der Buchrücken sicherlich in jedem Buchregal sofort auf. Wer Interesse an dem Buch hat: Bei Amazon wird die 1996er Ausgabe unter der ISBN 3-426-60313-6 angeboten.
Inhalt
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Karen Kern ist
eine junge Frau als sie 1962 auf einer Party den charmanten Havard-Studenten Bob kennenlernt. Sie ist von ihm, den eine steile Karriere als Anwalt erwartet, sehr angetan. Aber mehr ein ein netter, harmloser Flirt kommt für Karen nicht in Frage. Sie ist in festen Händen und mit ihrem Freund Peter so gut wie verlobt. Als die Party zu Ende geht, bietet Bob der hübschen, jungen Frau sein Geleit an und überredet sie, eine Abkürzung durch den Stadtpark zu nehmen. Es kommt, wie es kommen musste. Bob hat Karens Offenheit und ihr angeblich gewagtes Outfit falsch verstanden und macht sie massiv an. Als sie sich zur Wehr setzt, fackelt der brutale Mann nicht lange und schlägt sie nieder. Er vergewaltigt sie mehrmals und verprügelt sie.
Mehr tot als lebendig wird sie gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Sie überlebt und hofft, dass der Täter bestraft wird. Doch schnell wird sie auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Sie lebt im konservativen Amerika der 60er Jahre. Ihre Eltern sind angesehene Bürger und scheuen das Aufsehen, dass die Vergewaltigung machen könnte. Ein angesehener Havard-Student, der ihre Tochter vergewaltigt haben soll? Nein, so etwas gibt es nicht. Ihre Tochter wird ihn schon zu seiner Tat animiert haben...
Karen beginnt zu zweifeln. Im Laufe der Zeit redet sie sich selbst ein, dass sie Schuld an diesem *Unfall* hat. Ein Unfall, nichts anderes war es, so wird ihr eingeredet. Ein schrecklicher Unfall, den mal am besten vergessen soll, wenn es nach ihren Eltern geht. Ihr Freund Peter verlässt sie, als er erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann und so nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand, das geprägt ist von Albträumen und Bindungsängsten.
29 Jahre später hat sie ihr Leben im Griff. Inzwischen verheiratet und Stiefmutter dreier wundervoller Kinder interessiert sie sich nur wenig fürs politischen Geschehen. Als sie beiläufig die Nachrichten im Fernsehen verfolgt, hört sie eine Stimme, die ihr bekannt vorkommt. Sie mustert das Gesicht des Präsidenten-Kandidaten und erstarrt. Diese Augen kennt sie. Diese Gesten. Diese Stimme. Es ist der Mann, der sie vor fast 30 Jahren im Stadtpark von New York so grausam zugerichtet hat...
Mehr möchte ich euch nicht verraten, schließlich sollt ihr auch noch etwas von der Story haben, falls ihr den Roman in die Finger kriegen solltet.
Aufbau/Schreibstil
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Ein angenehmer Schreibstil mit klaren und verständlichen Sätzen. Keine komplizierten Wörter, keine Fachbegriffe stören den Aufbau der Geschichte. Karen wird auf ihrem Lebensweg begleitet. Die Antikriegshaltung der Peace-Generation, leichte Drogen, der Wandel von Kommune und Wohngemeinschaft zum Penthouse eines Hightech-Hochhauses. Ein wenig amerikanische Lebensgeschichte wird dem Leser in diesem Roman vorgestellt, was mir sehr gut gefallen hat. Ich war nicht nur von der eigentlichen Story gefesselt, sondern auch von den Lebensbeschreibungen drumrum. Karen durchlebt dieses Amerika der 60er, 70er und 80er Jahre und bleibt trotzdem eine Randfigur. Sie wird vom Autor eher als Beobachterin dargestellt, die objektiv das Weltgeschehen beobachtet. So wird dem Leser keine Meinung aufgedrängt, sondern der Autor stellt ihm frei, seine eigenen Ansichten zu entwickeln.
Dem Autor ist es besonders gut gelungen, Themen, die dem Leser fremd sind, näher zu bringen. So erklärt er innerhalb der eigentlichen Geschichte das Wahlsystem, den Aufbau der amerikanischen Senatsbezirke, die politischen Intrigen und Machenschaften von Politikern und Werbestrategen sowie den Einfluss der Medien auf die amerikanischen Wahlergebnisse. Dabei zwingt er den Leser aber nicht zu einer Meinung, sondern lässt ihm offen, ob er die dubiosen Machenschaften glaubt oder nicht.
Die Hauptstory, die sich einerseits mit Karen beschäftigt, andererseits aber auch das Leben Bobbys nicht aus den Augen lässt, ist fesselnd geschrieben. Ich kämpfte mich oftmals nachts von Kapitel zu Kapitel vor, bis ich schließlich doch aufgeben musste und mit brennenden Augen einschlief. Viele Freunde begleiten sie Karen auf dem Weg, die der Autor genau beschreibt. Trotzdem lenken sie von der Geschichte nicht ab - im Gegenteil, sie untermalen sie. Die einzelnen Figuren sind anschaulich beschrieben und auch wenn ich mir nicht immer gleich den Namen der Person merken konnte, verlor ich beim Lesen nie den Überblick.
Karen stellt das Gute der Menscheit dar. Sie ist die Hauptperson in diesem Roman und das Opfer, die Gedemütigte. Das Böse wird natürlich durch Bob dargestellt, der Vergewaltiger, der Egoist, der Sexbesessene, der korrupte Senator. Karens Freunde sind natürlich die Hilfsbereiten, die Unterstützenden, die Haltgebenden. Bob’s Freunde und Kollegen sind die Skrupelosen, die Selbstbewussten, aber auch die Hinters-Licht-Geführten und Ahnunglosen, die Bobs *wahres Ich* nicht sehen oder sehen wollen. Wenn man das so liest, glaubt man, es handelt sich um einen kitschigen Unterhaltungsroman. Unterhaltung ja, Kitsch nein. Durch die genauen Beschreibungen des *Drumherums* wird dieses Buch zu einem interessantem und lesenswerten Unterhaltungsroman. Absolut empfehlenswert!
Fazit
++++
Eigentlich habe ich das Fazit schon vorne weg genommen. Ein absolut empfehlenswertes Buch, dass spannend und unterhaltsam geschrieben ist. Ich wollte es meist nicht mehr aus der Hand legen und freute mich schon auf die nächste Lesestunde. Eignet sich sowohl als Alltags-, Abend- und Urlaubslektüre. Da man auch leicht in die Geschichte zurück findet, kann man jederzeit unterbrechen und evtl. eine längere Lesepause einlegen. Aber ich glaube, dass schafft keiner, weil man gespannt ist, wie es mit Karen Kern weitergeht. Frauenroman? Mmmh? Ja, überwiegend handelt es sich hierbei um ein Buch für Frauen, da es sich schließlich mit der vergewaltigten und geschundenen Frau auseinander setzt. Doch auch Männer, die nicht nur Kriminal- und Science-Fiction-Romane lesen, sind von der Geschichte und das schon erwähne *Drumherum* sicherlich sehr angetan.
Vier Sterne für dieses Buch, wobei ich den einen Stern nicht abziehe, weil es etwas auszusetzen gibt, sondern weil ich eine gewisse Abstufung machen muss. Da für *Jesus Video* kein 5+ geben konnte, und dieses Buch noch immer mein absolutes Highlight ist, gebe ich für alle sehr guten Bücher *nur* vier Sterne.
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ein Testbericht von catmother2003-01-13 11:02:26vom 13.01.2003Empfehlung: ja
Das Buch habe ich seltsamerweise von einem Freund, also einem Mann bekommen, der es mir wirklich empfahl. Kaum zu glauben, denn das würde ich als einen Roman bezeichnen, den vom Thema her eher Frauen lesen.
** Die Geschichte **
Karen Kern ist jung und unbedarft. Sie studiert an der Cornell Universität und träumt davon, ihren Abschluß in Englisch zu machen, dann ihren Freund Peter zu heiraten und Kinder zu bekommen. Zwar ist für ihre dominante und dünkelhafte Mutter niemand gut genug, aber man hat sich inzwischen auch mit einem angehenden Ingenieur abgefunden.
Silvester 1962 feiert Karen bei ihrer Freundin Jill und lernt dort den charmanten Jurastudenten Bob kennen. Sie denkt nicht im Traum an etwas Unanständiges, als Bob ihr anbietet, sie nach der Party nach Hause zu bringen. Im Park fällt er dann plötzlich über sie her, wütend, weil sie ihn angemacht hat und jetzt die Zickige spielt.
Er vergewaltigt und prügelt sie fast zu Tode. Halb erfroren wird sie am nächsten Morgen vom Hund einer Spaziergängerin gefunden. Selbst der Polizist, der sie eingeliefert hat und der Notarzt, auf dessen Tisch sie landet, haben so etwas noch nie gesehen.
Als sie wieder sprechen kann, nennt sie der Polizei den Namen ihres Vergewaltigers. Aber der Staatsanwalt zweifelt an der Möglichkeit, dem Jungen etwas beweisen zu können nach dem Motto: eine Frau die vergewaltigt wurde, hat in der Regel selbst schuld durch animierendes Verhalten, unzüchtige Kleidung usw. und erst recht, wenn sie den Mann kennt. Zudem ist Karens Mutter darauf bedacht, dass die Familie nicht in die Schlagzeilen kommt. Das Verbrechen wird kurzerhand zum ”Unfall” erklärt und totgeschwiegen.
Drei Jahre später hat sich Karen endlich so weit aus ihrem Loch gewagt, dass sie nach New York gezogen ist und wieder arbeitet. Die Beziehung zu ihrem Verlobten Peter ist zerbrochen, nachdem sie ihm Wahrheit über ihren „Unfall“ erzählte. Sie lernt durch ihre Arbeit Freunde kennen, die sie trotz aller psychischen Probleme in ihre Gemeinschaft integrieren. Im Laufe der Jahre wird sie eine erfolgreiche Frau, die sogar einem Mann wieder Zutritt zu ihrem Leben gewährt.
Und eines Tages begegnet sie ihrem Vergewaltiger...
** Meine Meinung **
Nach den ersten 20 Seiten, die ja eher eine Einleitung sind, habe ich das Buch regelrecht verschlungen. Ein Schicksal, das Leben, Leid und die Wiederauferstehung einer gebrochenen Seele so nachvollziehbar, dramatisch und dabei doch spannend darzustellen ist das wirkliche Verdienst dieser Autorin, die ich mir auf jeden Fall merken werde.
Es ist viel über dieses Buch gesprochen, auch (und das Urteil kann nur von einem Mann stammen) als Schund bezeichnet worden. Aber ich finde es nach wie vor eine absolut ermutigende Geschichte für Frauen. Sicher ist die Methode, mit der sich Karen Kern an ihrem Peiniger rächt, nicht typisch und sicher nicht jedermanns Geschmack. Und doch glaube ich, dass Rache an sich in solch einem Fall das beste Heilmittel ist.
Die Geschichte selbst liest sich ungeheuer flüssig. Die Spannung macht in der Mitte des Romans mal einen Knick, als es vordergründig darum geht, wie die Hauptgestalt wieder ins Leben zurückfindet. Doch zum Ende hin, daß im Übrigen mit einem recht überraschenden Schluß aufwartet, wächst die Ungeduld wieder, so daß man als Leser einfach nicht aufhören kann.
Sprachlich gesehen liegt diese Mischung aus Thriller und Psychogramm im erfrischend normalen Bereich – keine Schachtelsätze, keine komplizierten Konstrukte.
Alles in allem ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Es ist vielleicht nicht unbedingt was für Männer, da die hier nicht so besonders wegkommen, aber die Ausnahme bestätigt ja bekanntlich die Regel.