Adalbert Stifter: Brigitta Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Bewertung 5.0 von 5
von 100% aller Autoren empfohlen (2/2).
Bewertungsverteilung:
Vorteile
anfängliche Verwirrung durch die zeitlich verschobenen Kapitel erweist sich als Spannungssteigerung; unterschiedliche Menschen; Erzählungen durch den Freund - neue Perspektive; Darstellung der Kultivierung und Emotionen; Spannung; Wende; Zauber; Sprache;
wunderschöne Liebesgeschichte, gelb und billig :) schnell gelesen
Nachteile/Kritik
Erzählungen des Freundes anfangs etwas kalt;
meiner Meinung nach nichts, aber siehe Ende des Berichts
Adalbert Stifter: Brigitta (Taschenbuch) am günstigsten bei:
ein Testbericht von dani___2005-05-08 21:01:02vom 08.05.2005Empfehlung: ja
Vorteile: anfängliche Verwirrung durch die zeitlich verschobenen Kapitel erweist sich als Spannungssteigerung; unterschiedliche Menschen; Erzählungen durch den Freund - neue Perspektive; Darstellung der Kultivierung und Emotionen; Spannung; Wende; Zauber; Sprache;...Nachteile/Kritik: Erzählungen des Freundes anfangs etwas kalt;
Brigitta ist ein introvertiertes Wesen, welches isoliert aufwächst. Ihre Eltern verschmähen sie seit frühester Kindheit, weil ihr Äußeres nicht den Erwartungen entspricht und auch von allen anderen Mitmenschen wird sie eher gemieden, als herbeigewünscht. Brigitta ist sich dessen bewusst, kämpft sich alleine durch das Leben, bis sie Murai kennen und lieben lernt. Er kommt vom Land, lebte auch immer fern von aller Gesellschaft, ist aber gewitzt und durchaus attraktiv, wodurch er begehrenswert bei vielen Mädchen wird.
Brigitta ist schüchtern, weiß überhaupt nicht, wie sie mit den Versuchen, ihre Liebe zu gewinnen, umgehen soll, weil sie solche Gefühle noch nie vorher gekannt hat. Doch schließlich lässt sie sich fallen und die beiden werden zu einem Paar. Brigitta ist glücklich, sie hat alles, wovon sie vorher nicht zu träumen wagte - Murai liegt ihr zu Füßen, weil sie anders und nicht so naiv wie alle anderen Mädchen in ihrem Alter ist und einfach alles scheint perfekt.
Sie bringt schließlich einen Sohn, Gustav, zur Welt, was gleichzeitig ein Umsturz für das Leben der beiden bedeutet. Sie sehen sich nicht mehr als Liebespaar, sondern nur noch als sorgende Eltern, die ihrer Arbeit gewissenhaft nachgehen. Die Lust ist verschwunden, die Liebe zwischen den beiden scheint jedoch noch zu bestehen.
Als Murai dann jedoch die junge und wilde Gabriele beim Reiten sieht und kennenlernt, wird er schwach und verrät damit seine Frau Brigitta. Diese merkt sofort, dass er sie betrogen hat und da er seinen Schwur von damals nicht mehr halten kann, will sie die Scheidung. Er schwor ihr, ihr nur die höchste Liebe zukommen zu lassen, weil sie keine andere fordern könne.
Dies ist die eigentliche Handlung des Buches, wobei ein Freund von Murai die Geschichte erzählt. Er wird von ihm zu seinem Wohnsitz, Uwar, eingeladen und erfährt nach und nach die oben geschilderte Geschichte der beiden.
Denn der damalige Murai hat sich nun als Stephan direkt neben dem Wohnsitz von Brigitta niedergelassen, sie in einer Stunde, in dem sie dem Tod näher als dem Leben war, gepflegt und somit ihre Freundschaft gewonnen, die sie durch einen Schwur festigten - sie wollten niemals mehr die Liebe zwischen sich eingehen, aus Angst wieder so verletzt zu werden, wie vor Jahren, bevor Murai/Stephan von ihr wegging.
Als Freund von Stephan wird er nun in viele Geschichten eingeweiht und so langsam offenbart sich eine Handlung, die man zuvor nicht erahnen hätte können, verschlüsselt bis zu Letzt.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Meinung ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Unterteilt ist das Buch in vier Kapitel: 1.Steppenwanderung, 2.Steppenhaus, 3.Steppenvergangenheit und 4.Steppengegenwart. Die vier Kapitel stehen jeweils für den Stand der Erzählung: in ersterem Teil handelt es vom Erzähler (vom Freund von Stephan) selbst, der nach Ungarn reist und dabei die Natur genießt. Schließlich kommt er an einem Grundstück vorbei, von dessen Besitzern er sich zu Stephans Anwesen bringen lässt. Der zweite Teil bringt Einblick in das tägliche Leben auf dem Gut, welches der Freund erfährt. Er kann mit den Pferden reiten, die Anlage besichtigen,
die Natur genießen - einfach alles. Dritter Teil handelt von der Vergangenheit, die Brigitta und Stephan verbinden - ihre Geschichte. Dass er sie mit Gabriele betrogen hat und sie sich scheiden ließen und Brigitta auf ihr jetziges Gut zog. Murai dagegen machte sich auf die Reise nach der Unendlichkeit, er wollte hinaus in die weite Welt und nachdenken. Dort wurde ihm bewusst, dass er einzig und allein zu Brigitta gehört und kam zurück - auf das Anwesen neben ihr. Die Steppengegenwart dient dazu, die Geschichte aufzulösen und zu enthüllen, was es zu verstecken gibt.
Diese Unterteilung ist allerdings sehr verwirrend, denn der Freund reist an und man erfährt plötzlich etwas über die Vergangenheit - anfangs blickt man vielleicht nicht sogleich durch und versteht das Konzept des Buches. Doch nach und nach wird aufgelöst, wer gemeint ist und was genau passiert ist. Die letzte Unterteilung dient schließlich zur Auflösung des Ganzen, welche dem Buch ein mehr oder weniger positives Ende gibt.
Es bleibt jedoch auch immer unbekannt, wer dieser Freund genau ist. Es wird lediglich erwähnt, dass er Stephan während seiner Reisen kennengelernt und ihn daraufhin einmal eingeladen hatte. Seine Herkunft wird auch genannt, sein Name oder genauere Auskünfte sucht man allerdings vergeblich. Es ist nur offensichtlich, dass die beiden Männer sich gut verstehen, denn Stephan vertraut seinem Freund mit der Zeit sehr viel an. Diese Freundschaft strahlt auf den Leser eine unglaubliche Wärme aus, denn vor dieser Schilderung wurde das Buch immer durch frostige und sehr äußerliche Darstellungen bestimmt. Dieser Art der Verbindung stellt somit etwas Neues dar.
Die Kultivierung der Landgüter stellt für Adalbert Stifter auch eine große Rolle dar. Die ganze Natur, die sich jeweils Brigitta und Stephan dort aufgebaut haben, müssen sie auch hegen und pflegen, um sie erhalten zu können. Vergleichspunkt dazu kann zum Beispiel die Pflege einer Beziehung sein, um diese zu erhalten. Pflegt man beides nicht, nimmt es für selbstverständlich hin und kümmert sich nicht um sie, so kann sie jämmerlich eingehen und auch vergehen. Diesen Punkt mussten die beiden bereits deutlich spüren und können ihn auf andere Art und Weise, jetzt eben in Form der Natur, wieder aufarbeiten. Das ist natürlich nur eine Art der Interpretation der Kultivation - hiervon wird es sehr viele geben.
Die Erzählungen über die Kultivation sind aber nicht dahingegen zu detailreich, dass sie ein Laie nicht verstehen würde. Wird einmal etwas darüber erzählt, so handelt es sich um eine logische Erklärung der natürlichen Begebenheiten. Desweiteren sind auch oft nur viele Beschreibungen der Natur vorhanden, die man auch ohne Hintergrundwissen umsetzen kann.
Die Art und Weise, wie Adalbert Stifter auch mit dem Leser spielt, ist faszinierend. Angefangen mit einer eher unscheinbaren Persönlichkeit, die dann plötzlich die persönlichst höchste Steigerung erfährt und aus dieser Höhe ziemlich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt wird. Anfangs wirklich lieblos erzählt, was wahrscheinlich durch den Einfluss der Erzählungen des Freundes so wirkt, steigert sich die Geschichte zu einer Handlung voller Verzweiflung, Liebe und Hass. Keiner weiß, was als nächstes kommt, Hauptsache ist, dass man fertig wird, egal wie. Brigitta tut das auf eine völlig unkomplizierte und konservative Art und Weise: sie legt sich ein Gut zu, Maroshely, lebt dort mit ihrem Sohn, Gustav, abgeschieden und geht ihren eigenen Verpflichtungen nach. Sie wird wieder zu dem, was sie auch schon als Kind war: unscheinbar und vom Äußeren eher maskulin, was man an den Erzählungen über ihre Kleidung festmachen kann, die darauf hinweisen, dass es zu dieser Zeitung eher selten war, eine Frau in Hosen zu sehen.
"Dieser aber war nichts anderes als ein Weib, etwa vierzig Jahre alt, welches, sonderbar genug, die weiten landesmäßigen Beinkleider anhatte und auch wie ein Mann zu Pferde saß."
Desweiteren versteht es Stifter auch, den Leser zappeln zu lassen. Man ist natürlich immer interessiert daran, wie es zu dieser Situation gekommen ist, damit rückt Stifter aber nur langsam heraus. Nicht, dass sich die Erzählung langatmig hinziehen würde, nein, jedoch schafft es der Autor, die Spannung sehr gut aufzubauen, sodass das kleine Büchlein ziemlich schnell als "gelesen" gelten könnte. Plötzlich unterbricht er die eigentlichen Erzählungen und fängt mit der Beschreibung der Natur an, die gewissermaßen interessant ist, aber jedoch kaum zum eigentlichen Handlungsverlauf beiträgt, lediglich zur Intention.
Letztendlich beinhaltet die Geschichte auch eine große Wende am Ende der Lektüre, die zwar nicht verraten wird, allerdings staunt man hier nicht schlecht. Hier wurde nicht gekünstelt und dennoch eine so fantastische und ungestelzte Story geschrieben, die fesselt. Als Leser hätte man mehrere Möglichkeiten, zwischen den Zeilen herauszulesen, wie es enden könnte, jedoch ist das alles so subtil gehalten, dass man das auch erst am Ende wirklich durchschauen kann.
Wie man sich vorstellen kann, ist ein Buch dieses Alters nicht sonderlich gefüllt mit Witz und Humor, jedoch strahlt es eine ganz gewisse Stimmung aus, die ein Buch unseres heutigen Zeitalters wohl kaum herstellen könnte. So viel Geborgenheit, Wehmut und geteilte Herzen auf einmal, dazu auch noch die Verbindung mit der Freundschaft zwischen Stephan und diesem Mann machen "Brigitta" zu einem unvergesslichen Werk.
Eine Geschichte, die so bezaubernd und unglaublich ist, wie das Leben selbst. Vor allem der Schwur, den sich die beiden am Anfang ihrer neuen Freundschaft gaben, ist ein Zeichen dieses Zaubers. Sie meines es ernst miteinander, gehen vorsichtig miteinander um und wollen dieses feine Gerüst der innigsten Liebe überhaupt auf keinen Fall zerstören. Die Stimmung überträgt sich sofort auf den Leser, man merkt, wieviel Herz in diese Beziehung gesteckt wird. Und das Beste ist, die Schilderungen gegen Ende des Buches werden immer intensiver und als Leser kann man sich direkt hineinversetzen als säße man mit im Raum - nicht zu Letzt wegen des Freundes, der die Geschichte immer noch erzählt und der anfangs dafür verantwortlich war, dass es so kalt wirkte. Wahrscheinlich aber auch wieder einer der Absichten Stifters, die Handlung von Böse nach Gut zu leiten, um das Letztendliche als das Beste aussehen zu lassen.
Das Lesen wird zudem positiv unterstützt durch die einfachen Satzkonstruktionen und wenigen Ausdrücken, die man nicht kennt. Zudem ist es ein Prosatext mit einer guten Portion an Dialogen, die das Ganze nicht zu trocken, aber auch nicht zu schwammig erscheinen lassen. Man erhält einen guten Einblick in die Geschichte, es wird aber auch gut durch die Dialoge dargestellt, was die Personen fühlen und denken.
Insgesamt ein mehr als lesenswertes Buch, was leider viel zu wenig Anklang genießen durfte.
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Autor ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Adalbert Stifter wird am 23. Oktober 1805 in Oberplan (heute Horni Planá), Südböhmen, als Sohn einer Leinenweber - und Flachshändlerfamilie geboren.
1818 - 1826 besuchte er das Gymnasium am Benediktinerstift Kremsmünster. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften, später auch Mathematik und Naturwissenschaften in Wien. Er wurde danach als Hauslehrer aktiv.
Seiner Leidenschaft als Maler und Schriftsteller ging er ab 1840 nach, als er Erzählungen in Almanachen und Zeitschriften veröffentlichte, die 1844 in überarbeiteter Form unter dem Titel "Studien" im Verlag Gustav Heckenast in Budapest erschienen.
Im Revolutionsjahr 1848 siedelte er nach Linz über, ab 1850 war er Landesschulinspektor für die Volksschulen in Oberösterreich. 1853 erscheint die Erzählungssammlung "Bunte Steine", 1857 der Bildungsroman "Der Nachsommer", 1865 - 1867 der historische Roman "Witiko".
Ab 1863/64 litt er zunehmend an einer Krankheit, vermutlich Leberzirrhose, der Stifter schließlich am 28. Januar 1868 nach einem Schnitt mit dem Rasiermesser im Hals erliegt.
[entnommen und leicht umgearbeitet von: http://www.stifter-haus.at/stifter.php]
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Fazit ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
"Brigitta" von Adalbert Stifter ist ein sehr gutes Buch, was eine fast schon hilflose Liebe in anderer Weise neu entflammen lässt. Der Weg bis dorthin ist hart und er wird auch für den Leser steinig, denn er muss sich durch den Urwald an verschiedensten Erzählungen durchfinden, um schließlich zum Ziel zu finden. Die Sprache jedoch ist einfach, auch Erklärungen sind leicht zu verstehen.
Der Preis ist zudem auch unschlagbar, für so wenig Geld bekommt man selten so viel Unterhaltung, was "Brigitta" eindeutig bieten kann.
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Schönheit liegt im Auge des Betrachters
ein Testbericht von Fantomiss2006-06-30 19:11:53vom 30.06.2006Empfehlung: ja
Vorteile: wunderschöne Liebesgeschichte, gelb und billig :) schnell gelesen...Nachteile/Kritik: meiner Meinung nach nichts, aber siehe Ende des Berichts
Ich möchte mich hier einer Novelle widmen, die mir sehr am Herzen liegt: "Brigitta" von Adalbert Stifter.
Erstmals erschienen ist Brigitta 1844, in überarbeiteter Form dann 1847 im vierten Band der "Studien" von Adalbert Stifter. Vor mir liegt das gute gelbe Reclam-Heft zum Preis von 2 €. Dazu muss man ja sagen: Ich liebe Reclam :) Die gelben und auch grünen, blauen, roten und orangenen Heftchen sind einfach eine wunderbare Möglichkeit, günstig an allerlei Texte zu kommen. Und wenn ich mir mein Bücherregal so anschaue, macht sich die gelbe Reihe gar nicht so schlecht :)
Nun aber zu Brigitta:
-------Inhalt-------
Die Titelheldin Brigitta ist bereits als Kind benachteiligt. Ihre äußere Gestalt wird als wenig schön, eher dunkel und mit wilden Augen beschrieben, und selbst ihre Mutter ist von dem Mädchen wenig angetan, so dass Brigitta selten wirkliche Elternliebe erfährt. Die Mutter widmet sich viel lieber den hübschen älteren Schwestern. So zieht sich Brigitta mehr und mehr in sich selbst zurück und nimmt am gesellschaftlichen Leben kaum mehr teil. Lieber ist sie allein in ihrem Zimmer und liest die Bücher ihres Vaters. Ein ziemlich eigentümliches Mädchen ist sie, der nicht viel an schönen Kleidern liegt. Ihr Lieblingskleid, ein schlichtes schwarzes, hat sie selbst genäht, dazu einen passenden Kopfschmuck, worüber andere sich öfter lustig machen. Doch Brigitta kümmert das nicht.
Als Brigitta herangewachsen ist, trifft ein gutaussehender junge Mann in der Stadt ein. Jener Stephan Murai ist auf dem Land aufgezogen worden, und er ist, so würde man heute sagen, ein echter Frauenschwarm, und jedes heiratsfähige Mädchen hat es auf ihn abgesehen. Umso größer ist die Verwunderung, dass er sich offensichtlich nur für eine interessiert: Brigitta. Das Mädchen kann mit dieser Zuneigung zunächst überhaupt nicht umgehen, nach und nach kann Stephan aber ihr Vertrauen gewinnen und schließlich heiratet das ungleiche Paar und Brigitta bringt einen Sohn zur Welt.
Stephan ist auf Dauer jedoch mit dem zurückgezogenen Leben seiner Frau nicht zufrieden und unternimmt immer öfter Ausritte. Auf einem soclehn Ausflug trifft er zufällig auf die hübsche Gabriele, Tochter eines benachbarten Gutsbesitzers (Stephan und Brigitta sind mit ihrem Sohn zwischenzeitlich aufs Land gezogen). Diese Bekanntschaft zieht sich ganz harmlos hin, die beiden unternehmen Wettrennen zu Pferd, kommen sich aber körperlich nicht nahe. Bis eines Tages Stephan nicht mehr an sich halten kann und Gabriele küsst. Er ist sofort erschrocken von seinem Verhalten (das waren ja auch andere Zeiten! :)) und flieht, ohne sie noch einmal anzusehen.
Damit ist die Beziehung von Stephan und Brigitta jedoch zuende. Brigitta kann mit diesem Vertrauensbruch einfach nicht umgehen und ist tief verletzt. Sie verlangt die Scheidung. Nach der Trennung zieht sie sich mit ihrem Sohn auf ein Gut in Ungarn zurück, das ihrer Familie gehört während Stephan ruhelos durch die Welt zieht und nicht nur einmal darüber nachdenkt, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Dies ist aber eigentlich die Vorgeschichte, gleichzeitig aber auch der Kern der Novelle, von dem der Leser jedoch erst im dritten von vier Kapitel erfährt.
Die Novelle beginnt damit, dass ein Ich-Erzähler, der sich auf Wanderschaft befindet, das Angebot eines Freundes
wahrnimmt, einige Zeit auf seinem Gut in der ungarischen Puszta zu verbringen. Am frühen Abend gelangt der Erzähler, nach einer langen Wanderung durch die staubige trockene Ebene, zu einem herrlichen Gut, wo er nach dem Weg zu seinem Ziel fragt. Eine rüstige, nicht unbedingt hübsche Frau weist daraufhin einen ihrer Arbeiter an, ihn ein Stück zu begleiten und leiht ihm ein Pferd. Am späten Abend gelangt der Erzähler so auf das benachbarte Gut seines Freundes, den er nur als Major bezeichnet. Er wird freundlich von den Angestellten empfangen und erhält sogleich ein Zimmer, seinen Freund wird er am nächsten Morgen treffen. Das Wiedersehen ist herzlich, und der Major bietet ihm an, ihm seine Ländereien zu zeigen, wo der Erzähler allerlei Nützliches über die Art des Landbaues erfährt und auch darüber, dass sich einige Güter zu einer Art Interessengemeischaft zusammengeschlossen haben, deren Vorbild jene Frau ist, die der Erzähler zu Beginn getroffen hat.
Er verbringt Monate auf dem Gut des Majors und lernt bald auch die Nachbarin und ihren hübschen Sohn näher kennen. Diese Frau und den Major verbindet offenbar eine tiefe Freundschaft, man könnte es sogar Liebe nennen, doch bleibt die Beziehung stets platonisch. Diese Nachbarin ist natürlich Brigitta. In einem Rückblich berichtet der Erzähler also über jene Frau, wie ich es eingangs beschrieben habe, ohne jedoch die Quelle seines Wissens zu nennen, denn, so sagt er: "Wie ich zu so tief gehender Kenntnis der Zustände, die hier geschildert werden, gelangen konnte, wird sich aus meinen Verhältnissen zu dem Major und zu Brigitta ergeben, und am Ende dieser Geschichte selbst klar werden, ohne dass ich nötig hätte, vor der Zeit zu enthüllen, was ich auch nicht vor der Zeit, sondern durch die natürliche Entwicklung der Dinge erfuhr." (Zitiert aus Brigitta)
Der Leser ahnt es bereits: Der Major ist niemand anderes als Stephan Murai, der nach Jahren der Wanderung auf sein Gut in Ungarn zurückgekehrt ist (das zufällig das Nachbargut zu Brigittas Hof Marosheli ist. Auf den ersten Blick scheint dieser "Zufall" abstrus, doch man erfährt, dass Stephan sehr wohl gewusst hat, dass diese beiden Güter benachbart sind, und sein Auftauchen dort war also keineswegs ein Zufall.)
Ob er und Brigitta wieder zueinander finden oder ob es bei einer Freundschaft auf Lebenszeit bleibt oder ob soagr eine Katastrophe geschieht möchte ich aber an dieser Stelle nicht verraten...
Mich hat Brigitta wirklich sehr positiv überrascht. Ich bin in einem Uniseminar über Novellen des 19. Jahrhunderts drauf gestossen und war wirklich hin und weg. Natürlich wirkt die Sprache für heutige Verhältnisse etwas altertümlich, schließlich handelt es sich aber auch um eine Geschichte aus der Zeit der Romantik. Dennoch habe ich so viele aktuelle Bezüge darin entdecken können. Und ich glaube, viele können ein bißchen von Brigitta in sich selbst entdecken. Ich habe auch eine große Sympathie zu der Titelheldin entwickelt und habe regelrecht mit ihr gelitten. Letztenendes vermittelt "Brigitta" eine einfache aber große Botschaft: Schönheit liegt im Auge des Betrachters, denn für Stephan war Brigitta stets eine wunderschöne und geheimnisvolle Frau. Oder, um es mit einem Zitat zu sagen: "Nicht die Schönheit entscheidet, wen wir lieben, sondern die Liebe entscheidet, wen wir schön finden." (Viktor de Kowa)
Dazu eine kleine Leseprobe:
"Es liegt im menschlichen Geschlechte das wundervolle Ding der Schönheit. Wir alle sind gezogen von der Süßigkeit der Erscheinung, und können nicht immer sagen, wo das Holde liegt. Es ist im Weltall, es ist in einem Auge, dann ist es wieder nicht in Zügen, die nach jeder Regel der Verständigen gebildet sind. Oft wird die Schönheit nicht gesehen, weil sie in der Wüste ist, oder weil das rechte Auge nicht gekommen ist - oft wird sie angebetet und vergöttert, und ist nicht da: aber fehlen darf sie nirgends, wo ein Herz in Inbrunst und Entzücken schlägt, oder wo zwei Seelen aneinander glühen; denn sonst steht das Herz stille, und die Liebe der Seelen ist tot. Aus welchem Boden aber diese Blume bricht, ist in tausend Fällen tausendmal anders; wenn sie aber da ist, darf man ihr jede Stelle des Keimes nehmen, und sie bricht doch an einer anderen hervor, wo man es gar nicht geahnet hatte. Es ist nur dem Menschen eigen, und adelt nur den Menschen, dass er vor ihr kniet - und alles, was sich in dem Leben lohnt und preiset, gießt sie allein in das zitternde beseligte Herz. Es ist traurig für einen, der sie nicht hat, oder nicht kennt oder an dem sie kein fremdes Auge finden kann. Selbst das Herz der Mutter wendet sich von dem Kinde ab, wenn sie dies nicht mehr, ob auch nur einen einziegn Schimmer dieses Strahles an ihm zu entdecken vermag."
"Brigitta" ist wohl keine Lektüre für Jedermann, und es gibt sicher viele, die daran keine Gefallen finden werden. Zum einen kann das an der Sprache und dem Stil liegen, zum anderen finden sich teilweise sehr lange und ausführliche Landschaftsbeschreibungen, die den einen oder anderen langweilen. Dabei nimmt gerade die Landschaft eine Art Sonderfunktion ein, denn sie ist angefüllt mit Metaphern und Symbolen (wie das wohl bei Stifter generell der Fall ist) und die Literaturwissenschaft hat sich damit auch ausgiebig beschäftigt. Ich persönlich finde die Landschaftsbeschreibungen auch einfach sehr schön, und manchmal erscheint die ungarische Puszta regelrecht vor dem geistigen Auge, denn Stifter beschreibt sie so bildlich und wortgewaltig, und das, obwohl er selbst die Puszta nie wirklich gesehen hat.
Wer sich weder von Schreibstil noch von den langen Beschreibungen abschrecken lässt, wird mit einer wunderschönen und etwas ungewöhnlichen Liebesgeschichte belohnt... daher eine klare Empfehlung.
Zudem hat die Geschichte grade mal knapp 62 Seiten, hinten findet man auch noch ein paar Anmerkungen (vor allem Begriffserklärungen) von Ulrich Dittmann, die nach Seitenzahl und Zeile angegeben sind.
Ich hoffe, ich habe nichts vergessen... bei Unklarheiten etc. einfach melden.
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