ein Testbericht von catmother2005-12-28 10:20:41vom 28.12.2005Empfehlung: ja
Vorteile: dramatisch, spannend, beeindruckende Umsetzung des Buches, grandiose Aufnahmen...Nachteile/Kritik: Bergsteigerfilme sind nicht jedermanns Sache
Heute gibt es gleich wieder einen Filmtip von mir für ein wirklich beeindruckendes Dokudrama, das am heutigen Abend erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wird. Es ist um 23 Uhr auf der ARD zu sehen.
Ich kann mich dunkel erinnern, daß ich - wohl im Jahr des Kinostarts - über diesen Film gehört hatte und auch noch dachte, nun ja, so neu ist das Thema ja dann doch nicht. Nun gehe ich mal davon aus, daß der Film es nicht lange in unseren Kinos ausgehalten hat, denn hier hat bisher noch niemand darüber berichtet und ich habe auch kein Bild davon in meinem Kopf.
Nun bekam ich durch Zufall beim Zappen genau diese Bilder von Schnee, Eis und zwei Bergsteigern vor die Augen und war dann doch etwas gefesselt.
Also will ich euch darüber berichten.
** Die Geschichte **
1985 begeben sich die zwei befreundeten jungen Briten, der 25jährige Joe Simpson und der 21jährige Simon Yates, in einen entlegenen Winkel Perus. Die beiden sehr ehrgeizigen Bergsteiger haben sie sich vorgenommen, über die jungfräuliche Westwand einen berüchtigten Sechstausenders zu bezwingen - den 6356 Meter hohen„Siula Grande“.
Beide waren schon viel in den Alpen gewandert, aber auch andere Bergsteiger interessieren sich auch sie vor allem für Extreme, neue unentdeckte Wände, neue Routen. Diese Wand war die letzte große Felswand in dem Gebirge, wo noch niemand geklettert war - eine große Herausforderung.
Sie schlagen ihr Basislager in einem abgelegenen Tal, zwei Tagesmärsche von der Straße, ungefähr 5 Meilen von der Wand entfernt auf. Ein dritter junger Mann namens Richard Hawkins soll sich um das Basislager und um die Ausrüstung kümmern, während die beiden im Berg sind.
Dann machen sich Joe und Simon auf den Weg, im sogenannten Alpin-Stil die Westwand zu bezwingen. Alpin-Stil bedeutet, daß man Proviant und Kleidung im Rucksack hat und versucht, vom Lager aus den Berg in einem Anlauf zu bezwingen. Es ist, so sagt man, der Stil der Puristen. Man schlägt keine Seile ein, hat keine Lager mit Nahrung, zu denen man im Notfall zurückkehren kann.
Wenn man schwer verletzt ist, muß man mit dem Tod rechnen, denn es gibt keine Rettung.
Bei so einer Tour geht man eine Seilschaft mit dem Partner ein, man muß sich auf dessen Geschicklichkeit und Kraft verlassen können.
Nach dem ersten Tag sind sie mit ihrer Leistung zufrieden und zuversichtlich, daß sie es schaffen können. Bei diesen Höhen muß man sehr viel trinken, 4-5 Liter Flüssigkeit sind notwendig, um nicht zu dehydrieren. Dazu muß man viel Schnee schmelzen, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Leider ist es aber genau das, was die beiden wegen des begrenzten Vorrats an Propangas nicht in ausreichender Menge taten.
Der zweite Tag beschert ihnen einen Schneesturm, der Lawinen von Pulverschnee verursacht und das letzte Stück der Wand zu einem 60-70 m langen Alptraum werden läßt. Das Klettern ist sehr schwierig bei Pulverschnee, und sie brauchen für die Strecke von wenigen Hundert Metern 5 bis 6 Stunden. Sie klettern bis in die Dunkelheit und bleiben über Nacht in einer Schneehöhle.
Am dritten Tag liegt vor ihnen eine Felsformation
aus Überhängen, Verwerfungen, Wächten und Rinnen aus Pulverschnee. Sie wissen, daß sie diesen Weg nicht mehr hinunter können, daß sie geradewegs in eine Falle laufen.
Am Nachmittag des dritten Tages erreichen sie tatsächlich den Gipfel.
Doch nun kommt der Abstieg, der weitaus schwierigere Teil des Unternehmens. Sie wollen auf einem abschüssigen Kamm nach unten gehen, um sich dort schließlich abzuseilen. Doch der Kamm erweist sich als Wächte und bricht immer wieder weg. Kurz nach Beginn des Abstiegs haben sie die Orientierung verloren, dabei haben sie gerade mal 500 m geschafft. Abends geht auch noch das Propangas aus.
Am vierten Tag sind sie sich sicher, daß sie den Abstieg schaffen werden. Sie kommen an eine vertikale Wand, die Joe hinunter klettern muß, indem er sich mit den beiden Eisbeilen in die Wand hängt. Doch er stürzt ab. Als er unten ankommt, hat er furchtbare Scherzen in Knie und Oberschenkel. Was er zu dem Zeitpunkt nicht weiß: durch den Aufprall hat sich sein Schienbein durch das Kniegelenk hochgetrieben und den Oberschenkel-Knochen gespalten. Er redet sich zunächst ein, daß das Bein nicht gebrochen ist, denn er weiß, daß das sonst sein Ende ist. Doch beim nächsten Auftreten hört er den Rest des Knochens brechen.
Als Simon bei ihm ankommt und an die Konsequenzen denkt, denkt er kurz daran, daß er, wenn Joe jetzt noch einmal stürzen würde, einfach verschwinden und damit überleben könnte.
Dann beschließt er, Joe mit Hilfe eines 90 m langen Seils, geknüpft aus ihren beiden 45 m Seilen, Stück für Stück abzuseilen. Bei der Mitte muß Joe immer Stand haben und das Seil entlasten, damit Simon den Knoten durch die Öse bekommt.
Dann hängt Joe über einem Abgrund, 25 m über einer Gletscherspalte, und er kann das Seil nicht mehr entlasten. Beide können sich nicht hören und sehen, keiner weiß, wo der andere steht oder hängt.
Es wird Nacht. Die Kuhle, in der Simon sitzt, schmilzt und er rutscht immer weiter ab. Joe gelingt es nicht, an dem Seil wieder hinaufzuklettern, weil seine Finger gefroren sind. Beide wissen, daß sie auf diese Weise sterben werden.
Am Ende trennt Simon das Seil durch.
** Darsteller **
Es gibt hier drei echte Darsteller und drei Schauspieler, denn die Besteigung wird nicht noch einmal von den beiden Bergsteigern durchgeführt.
Joe Simpson studierte Englisch und Philosophie, ehe er sich voll und ganz auf das Bergsteigen konzentrierte und durch Erstbesteigungen und seine gefährlichen Expeditionen zu einer lebenden Legende wurde.
Nicht mal nach seinem Beinahe-Tod am Siula Grande hörte er mit dem Extremsport auf. Drei weitere Kletterunfälle später ist er heute passionierter Fallschirmspringer und Greenpeace-Aktivist.
Sein Buch „Sturz ins Leere“ (1988) wurde in 14 Sprachen übersetzt und weltweit über 500.000 Mal verkauft.
Er wird gespielt von Brendan Mackey, einem britischen Darsteller, der mir allerdings unbekannt ist.
Simon Yates studierte Biochemie, ehe er Bergsteiger wurde. Wie Simpson hörte er nach der Tragödie in Peru damit nicht auf und kletterte noch viele Jahre in den entlegensten Gebieten der ganzen Welt.
Auch er veröffentlichte zwei Bücher.
Er wird gespielt von Nicholas Aaron, der unter anderem schon einmal als Bergsteiger in “Killing Me Softly“ und auch in „Band of Brothers“ zu sehen war.
** Filmkritik **
Der Film basiert auf dem gleichnamigen, internationalen Bestseller von Joe Simpson, in dem er offen über die Ereignisse in den Anden spricht und quasi Simon entlastet. Deshalb hat er das Buch auch seinem Freund und Mitbesteiger Simon gewidmet.
Ursprünglich wurden die Rechte von Hollywood gekauft. Da es aber scheinbar unmöglich schien, einen mehrtägigen inneren Monolog zu verfilmen, gab man die Rechte wieder frei. Gottseidank, denn dann wäre vermutlich ein zweiter „Cliffhanger“ daraus geworden.
Regisseur und Oscarpreisträger Kevin McDonald und Produzent John Smithson fanden eine nicht alltägliche, dafür sehr anschauliche Möglichkeit der filmischen Umsetzung: die Kombination von Realismus und Dokumentation. Während die beiden echten Bergsteiger Joe Simpson und Simon Yates, inzwischen 20 Jahre älter, vor der Kamera mit Blick auf den Zuschauer die wahre Geschichte jeweils aus ihrer Sicht und Perspektive, oftmals abwechselnd. So kann man sich als Zuschauer aber auch sehr gut in die Situation einfühlen, versteht besser die Handlungen und Entscheidungen. Vor allem die Tatsache, daß die beiden so sachlich, fast unemotional über die Geschehnisse sprechen, macht ihre grausige Lage dort oben an dem Berg irgendwie noch unfassbarer.
Dazwischen können wir, gespielt von Schauspielern und Stuntmen, die nachgestellte Geschichte der Besteigung und der anschließenden Tragödie des Abstiegs verfolgen, und das extrem realistisch. (Diese Kletterszenen wurden übrigens in den französischen Alpen gedreht.) So wird der Film zu einer Art filmischem Tagebuch.
Das Dokudrama wurde damals weltweit zu einem Riesen Erfolg und verdrängte in England sogar Michael Moore’s „Bowling for Columbine“ als besten Dokumentarfilm aller Zeiten.
Schon einmal war der Bruch des Tabus unter Bergsteigerkameraden Gegenstand bzw. Handlungsdetail eines Films. In „Vertical Limit“ schnitt der Vater des Helden das Seil durch, an dem sein Sohn hing und rettete durch seinen eigenen Tod dessen Leben.
Hierin ist das Dokudrama noch extremer, und schon das Buch entfachte damals eine unglaubliche Diskussion. Darf ein Bergsteiger einen anderen abschneiden oder zurücklassen, um sein oder beider Leben zu retten? Die Geschichte dieser Tragödie gibt Simon Yates zwar Recht, denn nur seine Entscheidung hat es ermöglicht, daß beide Freunde überlebten. Ich muß gestehen, ich weiß darauf keine Antwort. Ich weiß nicht, was ich in der gleichen Situation getan hätte oder tun würde. Vermutlich kann man sowas auch garnicht im Voraus planen oder entscheiden - man muß das dann von einem Augenblick auf den anderen mit sich ausfechten. Und ich kann nur hoffen und beten, daß ich nie vor so eine Entscheidung gestellt werde.
Ich muß zugeben, ich hatte für diesen Sport nie was übrig und auch nicht für die Leute, die sich in vollem Bewußtsein diesem Risiko aussetzen. Ich habe noch nie verstanden, was es bringen soll, auf einen Berg zu kraxeln und sich Zehen und Finger und Ohren abfrieren zu lassen. Wie sagt Joe selbst: „Normalerweise führen wir ein Leben ohne Risiko, aber bewußt kalkulierte Risiken bringen Abwechslung in die Eintönigkeit, ein Gefühl von Freiheit.“ Nun ja, wenn sie genau das brauchen um den Kick zu kriegen, dann brauchen sie sich auch nicht zu wundern, wenn sie in dem Risiko umkommen.
Beide wußten ja auch um die Gefahren dieser Unternehmung, weil es bisher noch niemand über diese Wand geschafft hat, und es zeugt von gewisser Arroganz, zu sagen: „Riskieren wir’s! Wir sind besser als die anderen.“
Aber auch die Spannung kommt natürlich nicht zu kurz: spätestens nach dem Absturz von Joe strebt die auf einen Höhepunkt zu, denn obwohl wir ja durch die Beteiligung beider Bergsteiger wissen, daß sie beide überlebt haben, ist es angesichts der Ereignisse für uns höchst spannend, wie sie es aus dieser Hölle heraus geschafft haben könnten.
„Sturz ins Leere“ wurde als bester britischer Film mit dem BAFTA ausgezeichnet.
** Meine Meinung **
Diese Mischung aus Dokumentarfilm und Spielfilm überzeugt nicht nur durch eine unglaublich dramatische Story und eine interessante filmische Umsetzung der Vorlage, sondern neben den technischen Aspekten des Bergsteigens auch durch grandiose Landschaftsaufnahmen, die an Originalschauplätzen unter Expeditionsbedingungen gedreht wurden, viel Dramatik und Spannung sowie atmosphärische Dichte.
Es ist eine Chronik, was der Mensch in Extremsituationen leisten und auch erleiden kann.
Auch wenn ich persönlich den Bergsteiger-Enthusiasmus nicht nachvollziehen kann, muß ich doch gestehen, daß der Film ein wirklich sehenswertes Bergdrama ist, das auch mich als Nichtalpinisten bewegt hat.
Und zum Schluß will ich euch noch die folgenden Worte von Joe ans Herz legen: „Man muß Entscheidungen fällen, man muß immer Entscheidungen fällen, auch wenn sie manchmal falsch sein sollten. Wenn man sich nicht mehr entscheidet, dann ist man erledigt.“
** Die DVD **
Sprachen:
Deutsch 5.1 Dolby Digital
Englisch 5.1 Dolby Digital, 5.1 dts
Untertitel: Deutsch (ausblendbar)
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
DVD-Extras
Return to Siula Grande
What Happened Next
Interviews
Trailer
** Daten **
Großbritannien 2003
Genre: Dokudrama
Originaltitel: Touching the Void
Regie Kevin Macdonald
FSK 12
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Packendes Bergsteigerdrama mit vielen Extras
ein Testbericht von mima0072012-01-08 20:12:00vom 08.01.2012Empfehlung: ja
Vorteile: spannend, kenntnisreich, grandiose Landschaftsaufnahmen, Bonusmaterial, sehr guter Sound, sehr gutes Bild...Nachteile/Kritik: Hauptfilm nicht synchronisiert
Die Bergsteiger Joe und Simon sind gerade beim Abstieg von einem Sechstausender in Peru, als Joe stürzt. Sein Knie ist zerschmttert – ein Todesurteil in den Anden. Simon seilt ihn unter extremen Bedingungen ab, bis Joe über eine Klippe stürzt und darunter hilflos hängen bleibt. Sein Gewicht droht Simon in den Abgrund zu reißen, so dass sich Simon zum Äzßersten entschließt: Er kappt das Seil. Für beide beginnt ein Albtraum…
Das Dokudrama folgt dem Buch „Sturz ins Leere – Überlebenskampf in den Anden“ von Joe Simpson, das ein Weltbestseller wurde.
Filminfos
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O-Titel: Touching the Void (GB 2004)
Dt. Vertrieb: Kinowelt
FSK: ab 12
Länge: ca. 102 Min.
Regisseur: Kevin Macdonald
Drehbuch: basierend auf dem gleichnamigen Buch von Joe Simpson
Musik: Alex Heffes, Bevan Smith
Darsteller: Brendan Mackey, Nicholas Aaron u.a.
Handlung
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Joe Simpson und Simon Yates sind zwei junge britische Bergsteiger, die sich eine besondere Herausforderung ausgewählt haben, um ihre Grenzen auszutesten: die noch nie erstiegene Westwand des peruanischen Sechstausenders Siula Grande. Eine Kleinexpedition bringt sie an den Fuß des Gletschers, wo ihr neuer Bekannter Richard Hawkins auf ihre Rückkehr von der Tour warten will. Er wird sieben Tage warten müssen. Eingeplant sind höchstens drei.
Der Aufstieg klappt wider Erwarten hervorragend, weil auch das Wetter mitspielt. Es ist ein Triumph, auf dem Gipfel zu stehen. Doch auf dem Abstieg, der einer anderen Route folgt, schlägt das Wetter um. Sie verirren sich im Nebel. Bis sich Joe das Knie bricht – in den Anden, fern jeden Krankenhauses, ein Todesurteil. Doch wenigstens findet ihn Simon im Nebel. Sie sind aneinander geseilt.
Doch als Joe über eine verborgene Klippe stürzt und im Nichts hängt, droht sein Gewicht auch Simon in den kilometertiefen Abgrund zu reißen. Simon schafft sich eine Mulde und hält Joe, den er nicht sehen kann, zwei Stunden lang fest. Doch dann verlassen ihn die Kräfte und die Mulde beginnt nachzugeben. Er weiß auch nicht, ob Joe überhaupt noch lebt. Simon hat bereits erste Erfrierungen erlitten und droht an Unterkühlung zu sterben, ebenso wie Joe. Er entscheidet den aussichtslosen Kampf in höchster Not, indem er ein eisernes Tabu der Bergsteiger bricht: Er kappt das Seil, um sich zu retten.
Während sich Simon stundenlang hinab ins Tal kämpft, beginnt für Joe der Überlebenskampf erst: Er stürzt in eine Gletscherspalte. Doch ein schmaler Sims fängt seinen Sturz ins Nichts ab. Von hier kann Joe trotz seines gebrochenen Knies beginnen, sich wieder nach oben zu arbeiten. Eine tagelanger Kampf beginnt…
Mein Eindruck
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Da Joe Simpson ja das Buch geschrieben hat, wissen wir, dass er diesen Kampf gewonnen haben muss. Aber unter welchen Strapazen und Opfer, das erfahren wir nur, indem wir den Film anschauen oder das Buch lesen. Der Weg zurück zum Lager kostet ihn nicht weniger als vier Tage!
Das Dokudrama ist kein Spielfilm, und will es auch gar nicht sein. Denn es gibt ein entscheidendes Hindernis bei der Dramatisierung: Die Hälfte des Geschehens spielt sich nur in Joes Kopf ab. Recht wenig spektakulär für einen Tom-Cruise-Thriller. Deshalb greift das Dokudrama auf die direkten Aussagen der drei Beteiligten zurück. Insbesondere die Stimme Joes erhält so nicht nur mehr
Authentizität – sie wird auch sehr eindringlich, wenn er von seinen Wahnvorstellungen und irrsinnigen Einfällen erzählt. Er leidet unter Unterkühlung und Entwässerung, sein Hirn ist kurz davor, komplett abzuschalten. Da fällt ihm ein Song von Boney M. ein: „Brown Girl in the Ring“. Er mag Boney M. nicht mal. Dennoch wiederholt sich der Refrain tausende Mal, bis Joe endlich in die Reichweite von fließendem Wasser gelangt. Hier endlich kann er seinen Durst stillen.
Dramatisch wird dann auch sein Kampf über den Gletscher, durch die Felsen der Seiten- und Endmoräne. Nur ganz am Schluss hört ihn jemand: Es ist Simon, der nicht glaubt, einen Geist zu hören, sondern Joe selbst. Man hatte Joe bereits abgeschrieben.
Der zentrale Grund, warum diese Geschichte überhaupt erzählt werden MUSSTE, ist Simons umstrittene Entscheidung, das Seil zu kappen und Joe aufzugeben. Die traditionellen Bergsteiger in der Community lehnen diese Handlung strikt ab. Als Joe in England dies mitbekam, wollte er den Namen Simons wieder reinwaschen - durch das Buch. Denn Joe bringt volles Verständnis für Simons Handeln auf. Dass sich jeder einzelne am Filmprojekt Beteiligte mit dieser ethischen Frage auseinandersetzen musste, belegen die vier Interviews auf der zweiten Disc. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, sich die 2-Disc-DVD zuzulegen.
Die DVD
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Technische Infos
Bildformate: 1,85:1 (anamorph)
Tonformate: D in DD 5.1, Englisch in DD 5.1 und DTS
Sprachen: D, Englisch
Untertitel: D
Extras:
- Trailer
- „Return to Siula Grande“-Doku
- Interviews
- What happened next
Mein Eindruck: die DVD
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Bild und Ton und dieser DVD sind ausgezeichnet, außer in den Dokus der 2. Disc und in den vielen Statement-Einblendungen. Die beste Qualität ist eindeutig in den Spielszenen zu finden. Merkwürdig ist jedoch, dass man den herausragenden DTS-Standard nur im englischen Original geboten bekommt – meist ist es genau anders herum: DTS gibt es dann in der deutschen Version.
Die Untertitel gibt es nur in Deutsch, weil der Originalton durchgehend auf Englisch vorliegt. Im Film wurde nicht synchronisiert, nur in den Dokus. Dort ist dann auch Oliver Rohrbeck als bekannter Synchronsprecher zu vernehmen.
Diese Doku zeigt die Rückkehr der Hauptakteure zum Siula Grande 17 Jahre später, also um das Jahr 2002 herum. Jim Simpson, der sein Tagebuch gefunden und ein Buch geschrieben hat, erzählt, wie er diese Rückkehr erlebt: mit Zittern und Zagen, die ihn im früheren Basislager überkommen. Er hat Albträume. Auch Simon Yates ist dabei, ebenfalls als Berater, sowie Richard Hawkins, den man in Japan ausfindig gemacht hat. Alle drei liefern persönliche Statements und schildern, wie sie die anstrengenden Dreharbeiten erlebten.
2) What happened next (ca. 9:40 min)
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J oe und Richard erzählen, wie es nach Joes Rückkehr ins Basislager weiterging: ein wahrer Horrortrip. Erst der Abstieg ins nächste Dorf auf dem Rückkehr eines störrischen Mulis – mit gebrochenem Bein eine Tortur. Weil die Terroristen vom „Leuchtenden Pfad“ (der Terminus „Sendero Luminoso“ wird nicht erklärt) mit Angriff drohen, wird Joe nicht behandelt. Ein betrunkener Taxifahrer fährt ihn also nach Lima. Doch auch dort wird er nicht behandelt: Die Ärzte trauen seiner Krankenkasse nicht wollen Bares sehen. Schließlich England: Seine Eltern hassen Simon, denn sie haben bislang nur Lügen über seine Tat gehört. Also muss Joe das Buch schreiben, um alles zu erklären. Das Bildmaterial besteht aus Fotos und Interviewszenen.
3) Vier Interviews
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a) John Smithson, der Produzent (8:37 min)
Der Produzent begründet seinen Entschluss, den Film machen zu wollen: Es ist eine universell gültige Geschichte, die nicht nur Bergsteiger berührt. Wie oben erwähnt, zwang der umfangreiche innere Monolog dazu, die Form des Dokudramas zu wählen. Er selbst hatte Furcht vor den Bergen und wurde durch die Dreharbeiten dort oben von seiner Höhenangst geheilt. Sein Film wurde weltweit der erfolgreichste Dokufilm überhaupt, noch vor Moores „Bowling for Columbine“.
b) Brendan Mackey, der Darsteller des Joe Simpson
Hatte keine Ahnung vom Bergsteigen, wollte die Rolle aber aus Neugier haben und weil sich ihm eine große Chance bot. Die Dreharbeiten waren sehr gefährlich, die Vorbereitung aber minimal. Äußert Vertständnis für Simons Entscheidung.
c) Brian Hall, der beratende und sichernde Bergführer (8:08 min)
Hatte für den Schutz und die Sicherheit von Schauspielern, Crew und Ausrüstung zu sorgen. Wählte Dreohorte und –zeiten sowie Kleidung, Proviant etc. Simulierte den Sturz mit Cuthbertson. Zeigt Verständnis für Simons Wahl: Man müsse den Kontext sehen.
d) David Cuthbertson, Bergführer, Double und Stuntman für Joe Simpson (5:33 min)
War wie Hall für die Security zuständig, als man ihn bat, Joe zu doubeln. Er hatte Angts vor der Sturz-Szene, und tatsächlich erwies sie sich als recht riskant. Sie musste wiederholt werden, aber alles ging gut.
4) Trailer
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Zeigt die Höhepunkte des Films.
Unterm Strich
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Der Film selbst besticht durch einen nie zuvor gesehenen Realismus, den nicht einmal die Verfilmung von Jon Krakauers Everest-Drama „In eisige Höhen“ zu erreichen vermochte. Zweitens ist der größte Teil des Films an Dramatik und Tragik kaum zu übertreffen. Drittens beeindruckten mich die grandiosen Landschaftsaufnahmen, die sowohl in Peru als auch in den Alpen gedreht wurden.
Und viertens bietet der Film jede Menge Stoff für Diskussionen über ethisches Handelns in Notsituationen: Würde man selbst einen Hilfebedürftigen wirklich im Stich lassen, um sich selbst zu retten? Der einzige Bergsteigerfilm, den ich kenne, der noch packender ist, ist das deutsche Drama „Nordwand“, das an Tragik kaum zu überbieten ist. Hier gibt es auch einen „Joe“, aber er schneidet sein Seil selbst durch – um seine Retter nicht in Lebensgefahr zu bringen.
Die DVD
Die Silberscheibe beitet nicht nur hervorragenden Sound (DTS im Original), sondern auch eine ganze Disc (ca. 66 min) voller Hintergrundinformationen zur Tour von 1985 und zur Verfilmung anno 2002. Dass hier die Bildqualität nicht immer optimal ist, liegt an den Aufnahmegeräten: In der Kälte versagten die meisten Kameras. Aber der Eindruck wird erhärtet, dass nicht nur die Tour lebensgefährlich war, sondern auch die Dreharbeiten. Die Schwächen, die die DVD vielleicht aufweist, habe ich oben aufgezeigt. Dafür gibt es Punktabzug.
ein Testbericht von fsdrummer2006-02-21 19:43:25vom 21.02.2006Empfehlung: ja
Vorteile: Plädoyer gegen das Unmögliche...Nachteile/Kritik: nichts
ich bin selbst Bergsteiger und hab diese dvd meinem Vater zu Weihnachten geschenkt und sie ist bombastisch.
Story:
Basierend auf einer wahren Geschichte!!
Die Bergsteiger Joe und Simon sind gerate beim Abstieg vom 6.356 meter hohen Siula grande in Peru, als plötzlich Joe stürzt!
Sein Knie wird zerschmettert, was in diesem Höhen einem Todesurteil gleichkommt. Sein partner Simon seilt ihn nun unter extremsten bedingungen ab, den starkes Schnegestöber macht sicht und Kommunikation unmöglich. Dann stürtzt Joe beim abseilen über eine verborgene Klippe und bleibt hilflos in der Luft hängen, wodurch Simon langsam durch das
Gewicht von Joe den Abhang herunter gezogen wird. Ohne zu wissen, in welcher Situation sich Joe befindet, trifft Simon eine folgenschwere Entscheidung um sein eigens leben zu retten. Er bricht ein Bergsteiger Tabu und schneidet das sei durch....!!!!!(dafür musste er noch Jahre später sich beschimpfungen anhören)
Für beide begint nun ein Albtraum. Simon, der seinen Freund tot glaubt und glaubt ihn auf den gewissen zu haben, kämpgt sich zurück ins basislager, währen Joe in die Gletscherspalte stürzt und nun dem psychischen und physichen unmöglichen gegnüber steht....
"Erst in der Nähe des Todes spürst du, wie lebendig du bist!"
Film:
der Film ist eine Mischung aus richtigen Film und Dokumentation. daurch wird sehr stark vermittelt, das es sich um eine wahre Begebenheit handelt, und man fühlt sich als Zuschauer noch verbundener mit Simon und Joe,
seghr beeindruckend ist die leistung von Joe, welcher das unmögliche versucht möglich zu machen.
Nachgestellte Filmszenen, atemberaubende schöne Landschaftsaufnahmen der Original Schauplätze und Interviews mit den Bergsteigern, erzeugen ein absolut packendes Filmerlebniss, welches nicht nur für Bergsteiger geeignet ist.
ich empfehle den Film wirklich jeden, den erzeigt wozu Menschen in Notsituationen fähig sind, und über sich hinaus wachsen.
ich hoffe ich konnte euch helfen und ich hoffe ihr alleholt euch diese DVD, den es lohnt sich wirklich.
ein Testbericht von minemucke2004-12-27 19:38:25vom 27.12.2004Empfehlung: ja
Vorteile: packend und mitreißend, dramatisch und spannend...Nachteile/Kritik: -
Mutiert nun langsam zum Lieblingsfilm nachdem ich die DVD zu Weihnachten bekommen habe. Der Film spielt in einem abgelegenen Teil der Anden. Joe Simpson stürzt bei der gefährlichen Erstdurchsteigung der Westwand des Siula Grande und bricht sich sein Bein nicht einmal sein Partner Simon Yates kann ihm auf kurz oder lang helfen. Und schließlich muss dieser das Seil durchschneiden und somit beginnt ein Kampf um Leben und Tod in der eisigen Hölle. In eisige Höhen ist eine Liebesgeschicht dagegen´, in der Dramatik kaum zu übertreffen!
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ein Testbericht von Amidalah2004-06-11 13:07:49vom 11.06.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Darstellung, Bildeinstellungen...Nachteile/Kritik: nichts
Mein letzter Kinobesuch führte mich in das Dokudrama “Sturz ins Leere”. Der Film handelt von den beiden britischen Bergsteigern Joe Simpson und Simon Yates zu denen ich später noch einige Worte verlieren werde. Es wird die Erstbegehung der Beiden an der Westwand des 6356 Meter hohen Siula Grande in den peruanischen Anden in Form einer Dokumentation gezeigt.
Inhalt:
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Joe Simpson und sein Freund Simon Yates machten sich 1985 auf, die Westwand des Siula Grande als erste Menschen zu besteigen. Das Basiscamp am Fuße des Berges hütete Richard ein flüchtiger Bekannter
der beiden. Joe und Simon starteten ihrer Tour und erreichen auch ohne größere Zwischenfälle schließlich völlig entkräftet und erschöpft nach 3 Tagen den Gipfel. Die beiden beginnen danach den Abstieg der bis zum Sturz von Joe problemlos verlaufen ist. Joe hat sich bei seinem Sturz das Schienbein und das Kniegelenk zerschmettert was für Bergsteiger in der Höhe und bei diesen widrigen Umständen tödlich ist. Eine Rettungsaktion scheint aussichtslos und so bleibt den beiden nur eine waghalsige Abseilmöglichkeit. Simon seilt seinen Partner unter schwersten Bedienungen an dem 90 m langen Seil ab. Doch nach einiger Zeit hängt der verletzte Joe plötzlich unter einer verborgenen Klippe in der Luft und kann das Seil nicht mehr entlasten. Somit hängen beide fest. Simon der seinen verletzen Partner abgeseilt hat kann nicht weiter nach unten klettern da das Seil nicht durch Joe entlastet wurde und sitzt somit am steilen Abhang an dem er kaum Halt hat fest. Die beiden haben keinerlei Möglichkeit miteinander zu kommunizieren da in dem Schneegestöber kein Wort zu verstehen ist. Simon der von der Last seines Freundes immer weiter den steilen Abhang hinuntergezogen wird trifft eine folgenschwere Entscheidung und kappt das Verbindungsseil an dem Joe hängt. Simon glaubt seinen Freund tod und schafft es schließlich sich ins Basislager wo Richard wartet zu retten. Dort angekommen verbrennen beide nach einem Tag symbolisch die Sachen von Joe.
Joe jedoch ist in eine Gletscherspalte gefallen und wie durch ein Wunder noch am Leben. Jedoch hat er auch aufgrund seines gebrochenen Schienbein keine Möglichkeit an der steilen Wand wieder hoch zu klettern. Ohne Nahrungsmittel und einer schwächer werdenden Lampe verharrt er einige Zeit an Ort und Stelle und verliert kurzzeitig die Nerven ehe er sich wieder besinnen kann. Er sieht nur eine Möglichkeit um seine aussichtslose Lage vielleicht zu verbessern und seilt sich tiefer in die dunkle Gletscherspalte ab. Am Grund der Gletscherspalte sieht er einen grellen Lichtstrahl dem er entgegenrobbt und ein Stück weiter oben kann er eine Öffnung erkennen. Schon soweit gekommen mobilisiert er seine letzen Kräfte und klettert mit größter Anstrengung der Öffnung entgegen und kann sich so aus der Gletscherspalte befreien. Völlig erschöpft und regungslos liegt er nun im Schnee und ist sichtlich erleichtert der Dunkelheit entkommen zu sein. Joe kann sich aufgrund seiner schweren Verletzung nur langsam vorwärts bewegen und er setzt sich kleine 20-Minuten-Ziele, das soll heißen das er versucht ein sichtbar entferntes Ziel innerhalb von 20 Minuten zu erreichen. Völlig ausgetrocknet isst der Schnee und trinkt am Fuße des Berges aus einer verschmutzen Pfütze. Allmählich kommt er kriechend voran und nähert sich langsam dem Basiscamp in der Hoffnung dort Richard und Simon vorzufinden. Kurz vor dem Camp verlassen ihn seine Kräfte.
Allein in der Dunkelheit liegend schreit er verzweifelt nach seinem Freund Simon.
Daten zum Film
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Der Originaltitel der Dokumentation lautet “Touching the Void” und wurde 2003 in Großbritannien produziert.
FSK ab 12 Jahre
Länge 106 Minuten
Regie: Kevin Macdonald
Produzent: John Smithson
Kamera: Mike Eley
Website: www.sturzinsleere.de
Dort sind alle Daten zum Film sowie Bilder zu finden
Darsteller:
Brendan Mackey als Joe Simpson
Mackey wurde in Belfast (Irland) geboren und lebt heute in London.
Er spielt u.a. in “Oranges are Blue”, “H3”, “Boxed”
Nicholas Aaron als Simon Yates
Aaron spielte u.a. in “Samuel Caine”, “Killing me softly”
Der Film bzw. die Dokumentation basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Joe Simpson “Sturz ins Leere - Überlebenskampf in den Anden”.
Oscargewinner Kevin Macdonald, zuständig für Regie, inszenierte den Bestseller als filmisches Tagebuch. Die Szenen in den Anden wurde nachgespielt während Joe Simspon und Simon Yates im Studio ihre Geschichte erzählen.
DIE BERGSTEIGER
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SIMON YATES ist 1963 in Leicestershire geboren und studierte Biochemie bevor er zu einem der bekanntesten Bergsteiger wurde. Yates kletterte auch nach den Geschehnissen in Peru in den entlegensten Gebieten der Welt. Er bereiste mehrmals Pakistan und macht dort die Erstbegehung des “Leyla Peak” (6300m) und des “Nemeka” (6400m) in Hushe. Das sind nur zwei der vielen 6000 Meter hohen Gipfel die er bestiegen hat.
Er hat 1997 ein Buch “Against the Wall” veröffentlicht und erhielt hierfür einen Award für Bergliteratur. Yates ist verheiratet und lebt heute in Cubria und hat sich auf Abenteuerreisen spezialisiert und hält Lesungen.
JOE SIMPSON ist 1961 in Malaya geboren und lebt in Sheffield (Großbritannien). Er studierte Englisch und Philosophie bevor er sich vollständig auf Alpinismus konzentrierte. Auch er unternahm Erstbesteigungen u.a. in den peruanischen Anden und im pakistanischen Karakoraml. Auch er ließ sich von den Erfahrungen am Siula Grande nicht vom Klettern abbringen und unternahm nach 2 Jahren und sechs Operationen weiter Touren u.a. im Himalaja. Heute ist er Fallschirmspringer und Greenpeace-Aktivist.
Sein Buch “Sturz ins Leere” erschien 1988 und gewann ebenfalls einen Award für Bergliteratur. Diesem Buch folgten weiter u.a. auch eine Autobiografie.
Meine Eindrücke
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Ich bin von dieser Dokumentation wahrlich beeindruckt. Nicht nur deshalb weil die Handlung auf wahren Begebenheiten basiert sondern weil sie einfach packend und ergreifend erzählt wird und vor allem Wahnsinns Bilder liefert. Allein schon wegen der Bilder war der Gang ins Kino berechtigt. Wenn man sieht wie erschwerlich der Aufstieg ist und die beindruckenden Bilder von Joe in der Gletscherspalte. Die ganze Dramatik wird dem Zuschauer rüber gebracht. Also ein Lob an den “Kamera-Chef” Mike Eley. Auch die Erzählungen und Einblendungen der beiden Bergsteiger lassen die Geschichte authentisch wirken. Der Film ist real und ohne Aufmachung a la Hollywood. Keinerlei Action oder Spannung sondern einfach eine Schilderung der Erlebnisse. Allein schon als Simon das Seil kappte - was ja unter Bergsteigern ein absolutes Tabu ist - wurde auf großartige Aufmachung verzichtet.
Ich muss gestehen dass ich vorher noch nie von Joe Simpson und Simon Yates gehört hatte und das obwohl beide lebende Legenden der Bergseiger sind. Aus diesem Grunde habe ich mich über beide mal ein klein wenig schlau gemacht. Beide haben einen sehr interessanten Werdegang wobei ich mich vor allem über Joe Simpson erkundigt habe, der aufgrund seiner schwerwiegenden Verletzung mehrmals operiert werden musste.
Zu den Schauspielern Brendan Mackey als Joe und Nicholas Aaron als Simon kann ich nicht viel sagen. Die beiden sind mir gänzlich unbekannt, genauso wie die Filme in denen sie bisher mitwirkten. Da auf große Schauspielerische Leistung bei dieser Dokumentation nicht viel Wert gelegt wurde kann ich die Arbeit der beiden nur insoweit beurteilen das sie die Tatsachen bzw. Geschehnisse gut nachgestellt haben.
Ich konnte bei der Dokumentation für mich selbst keine neuen Erkenntnisse oder Ratschläge erfahren - so nach dem Motto “Gib niemals auf” - “es gibt immer einen Ausweg” usw. aber ich bin voller Ehrfurcht und habe größten Respekt vor der psychischen wie auch physischen Leistung der beiden. Allein schon bei der Entscheidung das Seil zu kappen und somit meinen Partner der mir 100% vertraut in den fast sicheren Tod zu schicken - ich weiß nicht wie ich mich entschieden hätte. Simon Yates wurde deswegen auch von vielen Bergsteigern mit Vorwürfen überhäuft die jedoch sein Freund Joe Simpson nachhaltig zu wiederlegen versuchte. Er war auch in kleinster Weise sauer oder enttäuscht das sein Partner das Seil durchtrennte. Joe der bei dieser Bergtour 1985 mehrmals in einer ausweglosen Situation gewesen ist hat sich nie ganz aufgegeben und sich nicht selbst überlassen sondern stets gehandelt mit der Hoffnung etwas an seiner misslichen Lage zum Guten ändern zu können. Das wurde so unspektakulär ohne großes Heldentum und ohne Action und Spannung gezeigt was für mich eine glaubhafte Dokumentation ausmacht.
Fazit:
*****
Ich denke das sich die Fans vom Bergsteiger-Actionfilm “Vertical Limit” hier langweilen werden. Ich allerdings fand die Doku im Kino richtig klasse vor allem weil die Eindrücke und Bilder auf der großen Leinwand eine ganz andere Wirkung entfalten können als auf dem heimischen Fernsehgerät. Ich bin kein Extrembergsteiger aber das muss man für diese Doku echt nicht sein. Man erfährt hier ziemlich viel über Bergsteiger, wie sie sich in einer Ausweglosen Situation fühlen, über die Wertigkeit von Freundschaft, Durchhaltevermögen, Willen, Ängste und vor allem die nochdazukommende eisige Kälte.
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