ein Testbericht von Corni2003-07-27 21:24:21vom 27.07.2003Empfehlung: ja
Vorteile: phantastische Blüten wie im Süden...Nachteile/Kritik: man braucht ein sonniges Plätzchen
Heute möchte ich Euch eine Kletterpflanze vorstellen, deren Anblick mich in einem meiner ersten Italienurlaube in Imperia an der Blumenriviera faszinierte. Neben Bougainvilleen und Wysterien beindruckten mich diese imposanten, meist knallig orange-rot blühenden üppigen Kletterpflanzen. Oft stand ich nur davor oder darunter und staunte. Die gleiche üppige Pracht und ausgedehnten Bewuchs dieser herrlichen Kletterpflanzen fand ich in Kroatien – neben Passionsblumen aller couleur – ein phantastischer Anblick. Ausnahmsweise unternahm ich keinen Versuch, Stecklinge mitzunehmen, da ich überzeugt war, dass sie in unseren Breiten nicht gedeihen.
Wie erstaunt war ich, als ich die Pflanze kurz darauf in einem Gartenversandkatalog entdeckte und wenig später auch im örtlichen Baumarkt.
Normalerweise gehört die Pflanze an eine Mauer, Hauswand, Laube oder Pergola – auf jeden Fall aber nach draußen in den Garten. Da sie geschützt stehen möchte, ich ihr das aber nicht so recht bieten kann, beschloss ich, einen Versuch in einem großen Kübel auf dem Balkon zu wagen. Nachdem das auch hervorragend gelungen ist, möchte ich Euch einige Infos und meine Erfahrungen mit meiner Trompetenpflanze mitteilen.
TROMPETENBLUME (CAMPSIS RADICANS)
«•»«•»«•»«•»«•»«•»
FAMILIE & HERKUNFT
«•»«•»«•»&la quo;•»«•»«•»
Famili e: Bignoniaceae (Bignoniengewächse/Trompetenbaumgewächse)
Für alle, die mehr über diese Pflanzenfamilie wissen, möchten ein Link: http://www.sabiatravel.ch/flora/bignoniaceae.html
Herkunft: Nordamerika
Noch ein paar Links zu hübschen Fotos der Trompetenblume:
http://www.flora-toskana.de/Pflan zensortiment/campsis.htm
http://classes.hortla.ws u.edu/hort231/List02/Campsis.html
http://www.cas. vanderbilt.edu/perl/bioview.pl?genspec=cara2&actio n=View
«•»«•»«•&r aquo;«•»«•»«•»
DIE PFLANZE
«•»«•»«•»&la quo;•»«•»«•»
ist ein fleißiger Kletterstrauch mit reichem und sehr schönem, saftig grünen gefiederten Laub, das auch im nichtblühenden Zustand eine attraktiven Anblick bietet.
Die Pflanze ist ein Selbstklimmer mit Haftwurzeln, die denen des Efeus ähnlich sind. Im Internet fand ich allerdings verschiedene Hinweise darauf, dass sie zwar Haftwurzeln ausbildet, aber lieber ein Rankgerüst haben und schlingen möchte. So recht konnte ich das gar nicht glauben, da ich ja die kletternden, klimmenden und wuchernden Pflanzen im Süden gesehen hatte.
Ich habe meine Trompetenblume selber entscheiden lassen: rechts von ihrem Kübel befindet sich ein Rankgerüst, vor ihr eine Südwand. Nach einem kurzen Versuch das Rankgerüst zu erobern, entschied sie sich für die Hauswand und erklomm rasch die ersten 1,5 Meter. Mit ihren Haftwurzeln hält sie sich sehr solide fest.
Allerdings habe ich keine Erfahrungen mit Hybriden – diese könnten unter Umständen zögerlicher Haftwurzeln bilden und ein Rankgitter benötigen.
Auch wenn die Pflanze dann sehr schwer geworden ist, muss man stützend helfen.
Sie kann übrigens sehr alt werden, 50 - 60 Jahre sind keine Seltenheit...
Die Pflanze ist sehr fleißig – eine Kletterhöhe von 5 – 10 Metern ist für sie kein Problem. Im Kübel wird sie sicherlich Höhen von 2 – 3 Metern erreichen. Die hellbraunen Triebe werden schnell kräftig – eine intakte Hauswand ist unbedingt Voraussetzung, wenn man sie daran hochklettern lassen möchte. Sie sucht sich ihren Weg und ist von ihrem Ziel nur schwer abzubringen! Mit einem Rankgerüst lässt sie sich vielleicht am ehesten in die gewünschten Bahnen lenken.
«•»«•»«•& raquo;«•»«•»«•» ;
DIE BLÜTEN
«•»«•»«•&raq uo;«•»«•»«•»
sind trompeten- und trichterförmig, 5 – 8 cm lang und erscheinen büschelig und in reicher Fülle, was die Attraktivität der Pflanze sehr erhöht. Über die verschiedenen Blütenfarben erfahrt Ihr mehr bei den Sorten. Die Blüte beginnt im Juli und hält ununterbrochen bis zum Herbst an.
«•»«•»«•&raqu o;«•»«•»«•»
D IE SORTEN
«•»«•»«•&raq uo;«•»«•»«•»
sind mit gelben und orangenen Blütenfarben erhältlich. Meine Trompetenblume ist eine
„gewöhnliche“ Campsis radicans mit kräftigen rot-orangefarbenen Blüten; sie ist die klassische Variante, ist robust und hat mir am besten gefallen. Die gelb blühende Sorte Campsis radicans ´Flava´ beeindruckte mich von der Farbe her nicht so, zumindest sollte man sie vielleicht nicht unmittelbar neben der kräftigen orangenen klettern lassen. Attraktiv ist Campsis x taglibuana ´Madame Galen´, eine Hybride, die außen orange und innen scharlachrot blüht und "Yellow Trompete" (gelb).
«•»«•»«•& raquo;«•»«•»«•» ;
DIE PFLEGE
«•»«•»«•&raq uo;«•»«•»«•»
1. DIE ERDE
sollte nährstoffreich und locker sein (gerne lehmig-humos). Sie wächst auch in Gegenden mit kalkhaltigen Böden. Wichtig ist, dass sie gut Wasser aufnehmen kann, da die Trompetenblume ein Flachwurzler ist.
Auf meinem Balkon steht sie in guter Blumenerde in einem großen breiten Kübel. Im Frühjahr tausche ich Erde aus bzw. fülle nach, um die Wurzeln nicht zu beschädigen.
2. DIE DÜNGUNG
ist auf dem Balkon natürlich unerlässlich, ich nehme einen ganz normalen handelsüblichen Dünger für Blühpflanzen etwa aller 1-2 Wochen.
3. DER STANDORT
sollte unbedingt warm und sonnig sein. Allerdings legt die Trompetenblume Wert darauf – genau wie die Clematis – einen beschatteten Fuß zu haben. Im Garten ist das kaum ein Problem, man kann Bodendecker oder kleine Stauden (meine Clematis beschatten Bergenien) pflanzen. Natürlich kann man auch einfach mulchen. Auf dem Balkon nehme ich (nichtrankende) Kapuzinerkresse, die hat reiches Blattmaterial.
Die Trompetenblume möchte nicht der Zugluft ausgesetzt sein, an einem windigen Eckchen gedeiht sie nicht richtig.
Im Winter (die Trompetenblume verliert im Herbst ihr Laub) ist ein Frostschutz (Flachwurzler!) unerlässlich, es sei denn, man wohnt in einer Gegend mit sehr mildem Klima. Man muss sich aber nur um das gute Abdecken der Wurzeln (z. B. mit Laub und Reisig) bemühen, die Pflanze selbst braucht nicht eingepackt werden. Das würde mit den Jahren ja auch immer komplizierter werden und irgendwann müsstet Ihr Christo bemühen (Projekt: wrapped campsis) *feix*
4. DAS GIEßEN
darf man nicht vergessen! Wasser braucht sie reichlich, sowohl im Garten als auch auf dem Balkon. Ich habe beobachtet, dass ein Indikator für Wassermangel trockene gerollte Ränder an den gefiederten Blättern sind. Da ist es höchste Zeit zu gießen – die Blattmasse ist durstig.
5. DER SCHNITT
ist unerlässlich, denn die Trompetenblume blüht immer am einjährigen Holz. Im zeitigen Frühjahr, auf jeden Fall vor dem Austrieb, schneidet man die vorjährigen Triebe auf 3 – 4 Augen zurück (ähnlich dem Wein). Nur so verzweigt sich die Pflanze fleißig und blüht reichlich.
Im ersten Jahr fror meine Trompetenblume – damals 1,5 m hoch geklettert – auf etwa 50 cm zurück. Sie trieb fleißig wieder aus, so, als hätte ich sie selbst zurückgeschnitten. In unseren Breiten frieren immer einige Triebe zurück, was das Schneiden in höheren Regionen der Pflanze vielleicht nicht unbedingt erforderlich macht – für alle, die nicht gern auf hohe Leitern klettern....
6. DIE ANZUCHT
gelingt am besten mit halbreifen Stecklingen im August; wer es probieren möchte, kann unter http://www.pflanzen.onlinehome.de/pflege/vvermehr. htm bei vegetativer Vermehrung schauen. Ich habe selbst damit noch keine Erfahrungen gesammelt, da ich meine Pflanze regulär gekauft habe ;-)
7. DIE SCHÄDLINGE
hatten an meiner Trompetenblume noch keine Chance – auch im Internet habe ich nichts dazu gefunden.
«•»«•»« •»«•»«•»«•&raq uo;
Angebote & Preise:
«•»«•»«•»&la quo;•»«•»«•»
habe ich im Internet gesucht; unter dem Suchbegriff „Campsis Preise“ habe ich im Google Angebote zwischen 8 € und 80 € (und sogar über 100 €!!) gefunden. Da die Pflanzen fix wachsen, muss man allerdings keinen Riesencontainer kaufen – so meine Meinung - und kommt dann preislich doch noch recht günstig.
Samenangebote habe ich um 3 € entdeckt, selbst habe ich aber noch keine Anzucht aus Samen probiert.
«•»«•»« •»«•»«•»«•&raq uo;
FAZIT
«•»«•»«• »«•»«•»«•&raqu o;
Die Trompetenblume ist eine unkomplizierte Kletterpflanze, die erfüllbare Wünsche hat und dann schnell große Flächen begrünen kann. Die Blütenpracht ist üppig und reich, vor allem über einen längeren Zeitraum, von Juli bis September/Oktober, hat man viel Freude an der Pflanze.
Um mediterranes Flair zu erzeugen, kann man sie (nach meine Erfahrungen) unkompliziert auf dem Balkon als Kletterer ziehen, muss dann allerdings aufpassen, dass sie nicht unkontrolliert in Regionen gerät, wo sie gar nicht hin soll.
Durch ihre dichten und schönen Blätter kann man sie auch prima als Sichtschutz verwenden.
ZULETZT NOCH EIN TIPP:
Die Chinesische Klettertrompete (Campsis grandiflora) hat großglockige Blüten von mandarinroter Farbe – ein lohnenswerter Blick auf eine japanische Seite (Schriftsatz müsst ihr NICHT downloaden). Dort auch mal auf die (für uns nicht lesbaren) Links klicken. http://had0.big.ous.ac.jp/~hada/plantsdic/angiospe rma/
dicotyledoneae/sympetalae/bignoniaceae/nouze nkazura/nouzenkazura.htm
¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Amazon.de
Niedrige Preise, Riesen-Auswahl und kostenlose Lieferung ab nur 20 EUR
Wenn die Flamme nicht zündet
ein Testbericht von theConsultant2003-08-29 21:31:07vom 29.08.2003Empfehlung: ja
Vorteile: Blüht wunderschön...Nachteile/Kritik: aber nicht bei mir
Jetzt sollten sie eigentlich wieder blühen, die Trompetenblumen. Wenn ich dieser Tage vom Balkon meiner Wohnung in Skopje auf den kleinen Hof runterschaue, dann stehlen die auffallend flammroten großen Blütentrauben dort selbst dem großen Granatapfelstrauch die Schau. Aber zuhause?
Lange hatte ich gezögert, ob ich diese exotisch anmutenden Kletterpflanzen auch in meinen Garten im Osnabrücker Land pflanzen sollte. Die Trompetenblume (Campsis spec.) gehört zu den Bignoniengewächsen (1) und hat keine europäischen Verwandten. Aber eine ihrer Urformen, Campsis radicans, ist über weite Teile der USA verbreitet, bis hoch zur Kanadischen Grenze, und gilt dort, wie unsere heimische Waldrebe, als beinahe lästige Schlingpflanze. Winterhärte sollte also gegeben sein, bei den in Deutschland angebotenen Gartenformen ja wohl erst recht.
Irgendwann konnte ich der Versuchung nicht mehr wiederstehen, und kaufte im „Gartencenter Münsterland“ zwei jeweils etwa 80 cm hohe Schlingpflänzchen. Ein Stöckchen stützte sie, notwendiger Weise, denn beide Pflanzen hatten, trotz ihres jugendlichen Alters, große, schwere Blütentrauben. Die eine im typischen Orangerot, die andere in einem tiefen Kadmiumgelb.
Wärme mochten sie, soviel konnte ich der einschlägigen Literatur entnehmen. Wo ist es in meinem Garten am wärmsten? An der großen, nach Westen gewandten Giebelwand. Mit dunklen Klinkersteinen verkleidet, heizt die sich nachmittags so richtig auf. Dort pflanzte ich die beiden Neuen hin und harrte der Dinge.
Zunächst mal kam ein Frühling mit bösen Spätfrösten, der meine Kletterpflanzen arg reduzierte: mehrere große Clematis, Efeu und sogar ein Geißblatt (C. tangutica) starben. Meine Trompetenblumen, obwohl damals noch recht jung, zeigten dagegen kaum Frostschäden.
Sie begannen zu wachsen. Nach oben, wie es sich für anständige Kletterpflanzen gehört. Ähnlich wie Efeu bilden sie dafür Haftwurzeln, mit denen sie sich am Mauerwerk festkleben wollen. Und ähnlich wie bei Kletterhortensien gelingt ihnen das nicht so recht. Ein paar starke Windstöße, und die ganze Chose fällt wieder herab. Da muss man dann mit Nägeln nachhelfen (oder besser mit Schraubhaken, denn die Ranken verholzen und können dick und schwer werden). Teilweise binde ich sie auch nur mit Pflanzendraht an den „Wilden Wein“ fest, der die selbe Wand begrünt (bzw. im Herbst berötet).
Bei der „gelben“ Trompetenblume, die grasgrüne Blätter hat, mache ich das selber. Der „roten“ Sorte, deren Blätter größer sind und ein dunkleres Grün zeigen, fühle ich mich nicht mehr gewachsen. Ich bin nämlich nicht schwindelfrei, da müssen meine Töchter dann 5 Meter hoch auf die Leiter steigen.
Warum ich die Farben in Anführungsstriche setze? Nun, beide Pflanzen haben bei mir bislang keinerlei Anzeichen auch nur zur Knospenbildung gezeigt. Sie beigeistern lediglich durch üppiges Blattwerk, das entfernt an Eschen erinnert. Ich schätze mal, die mangelnde Blühwilligkeit liegt daran, dass besagte Westwand erst ab ca. 14 Uhr Sonne bekommt. Dann zwar bis zum Sonnenuntergang, aber irgendwie reicht das wohl nicht aus. Vielleicht muss ich aber auch nur noch ein paar Jahre warten, bei meinem Blauregen wurde meine Geduld ja auch belohnt. Obwohl: warum blühten die Jungpflanzen, als ich sie im Gartencenter kaufte?
--------
(1) Alle Bignonien haben große, trompetenförmige Blüten, die in Büscheln angeordnet sind. Weitere bekannte Bignonienvertreter sind der Catalpabaum aus China (als Solitärbaum bei uns in größeren
Parks beliebt) und die (ursprünglich aus Südamerika stammenden) Jacarandabäume, deretwegen bestimmte Leute ins Afrikanische Hochland fahren, wenn sie ihrer Magnolien zuhause überdrüssig sind.
...