...wenn doch auch in anderen Teilen der Welt gute Filme gedreht werden, ohne jeden Action-Schnickschnack und Special Effects. Der leichtfüßige Episodenfilm Italienisch für Anfänger aus Dänemark ist dafür ein sehr gutes Beispiel.
Story:
Alles dreht sich um sechs Singles, die alle im gleichen Vorort von Kopenhagen leben. Ein junger, verwitweter Pastor. Eine introvertierte Friseuse, die sich um ihre totkranke Mutter kümmern muss. Eine ungeschickte Backwaren-Verkäuferin, die unter ihrem lieblosen Vater leidet. Ein unzufriedener Restaurant-Manager. Ein einsamer Hotelportier. Und eine junge italienische Kellnerin.
Alle sind bisher vom Leben nicht sehr verwöhnt worden. Doch dann kreuzen sich die Wege der sechs einsamen Träumer und Romantiker in einem Italienischkurs.
Langsam und schrittweise verlassen sie ihre ausgetretenen Pfade, finden zu sich selbst und zueinander...
Darsteller:
Anders W. Berthelsen
Anette Stövelbaek
Peter Gantzler
Ann Eleonora Jörgensen
Buch / Regie:
Lone Scherfig
Meinung:
"Italienisch für Anfänger" ist ein besonderer Film, der nicht nach Schema-F gedreht wurde. Ohne großes Budget oder besonderen Aufwand wurde eine tiefgründige Perle der Filmwelt geschaffen.
Schon die Darsteller wirken sorgfältig ausgewählt, sind sympatisch und können sehr gut mit "normalen" Menschen von nebenan verglichen werden. Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank weg hervorragend.
Mit viel Sorgfalt beleuchtet der Film alle großen und kleinen Probleme der einzelnen Charaktere. Vieles kann man gut nachempfinden oder kennt man von sich selbst.
Genauso langsam und sorgfältig wird der Weg der Figuren zueinander dargestellt.
Da der Film praktisch keinen Soundtrack hat, lebt er umso mehr von seinen Darstellern und vom Drehbuch. Vor allem letzteres ist hier sehr gelungen. Der Film bringt einem zum Lachen, hat aber genauso auch seine traurigen, rührseligen, ironischen oder gar makabren Momente. Und dies alles ohne jemals langweilig zu werden oder in Kitsch abzugleiten. Man fühlt mit den Figuren mit, hofft für sie, lacht mit ihnen, lächelt über sie und freut sich letztendlich über das Happy End.
Der Film zeigt, dass letztendlich doch alles gut wird und die Liebe siegt.
Fazit:
Ein schöner, spannender, süßer Film für alle, die etwas Aufmunterung für einen grauen Herbsttag brauchen. Unbedingt sehenswert!
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Dogma für Fortgeschrittene
ein Testbericht von suppengirl2002-05-14 19:38:40vom 14.05.2002Empfehlung: ja
"Italienisch für Anfänger" gehört zu der Art Episoden-Filme, die ich mir besonders gerne ansehe. In bester Robert-Altman-Manier betrachtet Regisseurin Lone Scherfig den Alltag sechs junger Dänen (um genau zu sein, es sind auch ein Finne und eine Italienerin dabei) und verknüpft die Einzelepisoden kunstvoll miteinander.
Story
*****
"Story" ist ein Begriff, der sich auf "Italienisch für Anfänger" nur sehr schlecht beziehen lässt, denn so etwas wie einen klaren Handlungsstrang gibt es nicht. Sinnvoller ist es hier zunächst, die sechs Hauptcharaktere ein wenig zu beleuchten.
Da ist zunächst einmal der junge Pfarrer Andreas. Seine Frau ist vor wenigen Monaten gestorben und er tritt seine erste Stelle an, die aus einer zunächst befristeten Vertretung für den durchgeknallten und suspendierten (er hat den Organisten über die Brüstung geworfen...) "Alt"-Pastor der Stadt besteht. Seine Einsamkeit und sein Job (die Gottesdienste werden im Schnitt von drei Personen besucht) machen ihm zu schaffen, doch langsam gelingt es ihm wieder soziale Kontakte aufzubauen.
Halvfinn ist ein klassischer Macho und Aufreißer. Er jobbt als Geschäftführer und Kellner im Stadion-Café und scheint für diesen Job wie geboren zu sein (Ironie!!!), denn nicht selten verprellt er seine Gäste durch wüste Beleidigungen ("Leg deinen Teelöffel nicht aufs Tischtuch, du Sau!"). Seltsamerweise lässt sich die Stammkundschaft dadurch aber nicht verjagen, denn irgendwie mögen ihn doch alle.
Jørgen arbeitet im Hotel der Stadt an der Rezeption. Er ist der klassiche Underdog, schüchtern und unbeholfen in Bezug auf Frauen (schon seit beinahe vier Jahren lebt er - ungewollt - enthaltsam), und in seinem Beruf lässt er alles ohne Widerworte über sich ergehen, akzeptiert sogar seine Degradierung zum Gepäckträger von seinem Chef als Beförderung in eine verantwortungsvolle Tätigkeit schön reden.
Olympia lebt noch immer bei ihrem verbitterten und kranken Vater, der sie tyrannisiert und kontrolliert, obwohl er seit Jahren den Sessel vor seinem Fernseher nicht mehr verlassen zu haben scheint. Die junge Frau arbeitet derzeit als Verkäuferin in einer Bäckerei, doch wie so viele Jobs vorher, wird sie wohl auch diesen nicht lange behalten, denn ihre entsetzliche Tollpatschigkeit lässt sie früher oder später als für jeden Beruf ungeeignet erscheinen. Auch sie ist einsam, ihr Leben besteht aus Arbeit und Demütigung. Trotzdem scheint sie ihren Lebensmut noch nicht ganz verloren zu haben.
Die attraktive Frisöse Karen plagen ebenfalls elterliche Probleme. Ihre Mutter ist seit langem Alkoholikerin und schwer krank. Immer wieder türmt sie aus dem Krankenhaus, um bei ihrer überforderten Tochter Zuflucht und Hilfe zu suchen, und sie abwechselnd mit Liebkosungen und Beschimpfungen zu überschütten.
Und dann ist da noch Giulia, die italienische Kellnerin in Halvfinns Restaurant. Temperamentvoll liefert sie sich derbe Wortduelle mit ihrem Chef, der ganz passabel Italienisch spricht. Heimlich hat sie aber schon lange ein Auge auf dessen Freund Jørgen geworfen, doch dessen Schüchternheit und die sprachliche Barriere lassen zunächst alle zaghaften Annäherungsversuche im Keime ersticken.
So verschieden Andreas, Halvfinn, Jørgen, Olympia, Karen und Giulia auch sein mögen, sie alle verbindet eines: Ihre Einsamkeit. Nach und nach treffen sie aber alle aus verschiedensten Gründen, hauptsächlich aber sicher, um eben dieser Einsamkeit zu entfliehen, in einem Italienisch-Kurs zusammen. Schließlich ist sogar Giulia mit von
der Partie, obwohl die Thematik des Kurses für sie nicht unbedingt passend erscheint.
Darsteller
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Leider kann ich heute nicht mit gewohnt detaillierten Infos zur Schauspielerriege dienen. Obwohl mir der ein oder andere Mime in "Italienisch für Anfänger" sehr bekannt vorgekommen ist, konnte ich nicht heraus finden, woher ich die Gesichter kenne.
Aber das macht gar nichts, im Gegenteil. Anders W. Berthelsen (Andreas), Anette Støvelbæk (Olympia), Peter Gantzler (Jørgen), Ann Eleonora Jorgensen (Karen), Lars Kaalund (Halvfinn) und Sara Indrio Jensen (Giulia) verleihen dem Film gerade durch ihre unverbrauchten Gesichter ein hohes Maß an Authentizität, und Authentizität ist schließlich DAS Anliegen der Dogma-Filmer (dazu später noch mehr). Besonders beeidruckt hat mich aber Anette Støvelbæk in ihrer Rolle als etwas naive, linkische und doch so liebenswerte Olympia, der man so sehr gönnt, ihr tristes Leben wenigstens durch ein kleines Stückchen Glück aufzuwerten.
Regie / Umsetzung
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Da ich auch über die Regisseurin Lone Scherfig nur wenig zu berichten weiß, außer, dass dies ihr erster Film im Dogma-Format ist, möchte ich nun alle Unwissenden ein wenig über eben dieses mysteriöse Dogma aufklären.
Vor einigen Jahren beschloss eine Hand voll skandinavischer Regisseure (unter ihnen, wenn ich mich recht entsinne, auch der international renommierte Lars von Trier), als Gegenbewegung zum immer größer werdenden Einfluss von Trick- und Computertechnik im Filmgeschäft, einige Projekte unter ganz bestimmten Richtlinien zu drehen. Diese Richtlinien wurden genau fest gelegt, aufgeschrieben und von den Herrschaften abgezeichnet. Was zunächst ein wenig verrückt anmutete, erwies sich nicht nur als sehr interessant, sondern auch als ziemlich erfolgreich. Und es machte Schule, denn nach und nach schlossen sich diverse weitere Filmemacher dem Dogma an und drehten zumindest phasenweise nach dessen Richtlinien.
Beispiele gefällig? Bitte schön!
-es werden keine Kamera-Stative verwendet
-es darf nur an Originalschauplätzen, also nicht im Studio gedreht werden
-Filmmusik ist grundsätzlich tabu
-Nachbearbeitung jeder Art, Special Effects usw. sind ebenfalls tabu
-usw.
Wie bereits erwähnt, verleihen diese Richtlinien den Dogma-Filmen eine unglaublich wohltuende Authentizität. Nachdem ich meinen ersten Dogma-Film gesehen hatte ("Das Fest"), erschienen mir wochenlang alle anderen Film als unwahrscheinlich künstlich und platt. Klar gibt es Filme, die alleine von der Thematik her, nicht auf Computer-Effekte verzichten können. Auch möchte ich beispielsweise Filmmusik nicht grundsätzlich verteufeln, denn sie kann im Zuschauer auch unheimlich viel bewirken. Aber ein Dogma-Film kann (wenn er gut gemacht ist) schon ein besonders intensives, bedrückendes und intensives Film-Erlebnis sein. Und - um wieder auf Lone Scherfig zurückzukommen -"Italienisch für Anfänger" ist gut gemacht. Lone Scherfig ließ ihren Mimen viel Raum zur Improvisation - die letzte Szene wurde gar ganz ohne Drehbuch gedreht! - und dieser wurde mehr als gut genutzt. Tragik, Komik und manchmal sogar Romantik habe ich schon lange nicht mehr so nahe nebeneinander und so überzeugend gesehen.
Fazit
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"Italienisch für Anfänger" ist ein Film der trotz oder gerade wegen der Tristheit des Alltages Sehnsucht weckt. Die Schicksale der Protagonisten sind alle mit mehr oder wenig großer Tragik durchzogen, trotzdem strahlen sie alle einen ansteckenden Optimismus aus. Und auch wenn man in den 118 Minuten mehr als nur einmal schlucken muss, verlässt man das Kino mit einem verzückten Lächeln.
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ein Testbericht von egonman2002-04-07 14:50:37vom 07.04.2002Empfehlung: ja
„Italienisch für Anfänger“ , Regie Lone Scherfig .
Mit Anders W. Berthelsen , Ann Eleonora Jorgensen und Anette Stavelbaek .
Wie Humor aussehen kann , wenn man in Dänemark lebt : „Italienisch für Anfänger“ !
„Italienisch für Anfänger“ ist die erste wirkliche Komödie der dänischen Kinopuristen , eine allerdings , die wie viele großen Komödien eher zum Tragikomischen neigt . So gibt es am Anfang wenig zu lachen , weder für die Figuren noch für den Zuschauer . Dem Pfarrer ist die Frau weggestorbenm , an seinem neuen Arbeitsplatz in einer tristen
Kleinstadt empfängt ihn sein Vorgänger mit Beschimpfungen . Dass dieser aber wegen akuten Wahnsinns entlassen worden ist und dass der Neue im knallroten Ferrari vorfährt , deutet schon darauf hin , dass es im Film noch eine andere Seite geben muss .
Die junge Friseurin pflegt ihre unleidliche Mutter , die ebenso junge Bäckerin ihren ebenso missmutigen Vater , zudem fühlt sich diese ihrem Job nicht gewachsen . Der Kellner in der Stadion-Schänke versucht lauthals , seinen Gästen Manieren beizubringen , bis er entlassen wird , und seine Kollegin liebt verzweifelt einen viel zu schüchternen ältern Herrn . Jede dieser Figuren vergräbt sich in ihrem Schicksal und ihrem Gram und schottet sich von den Mitmenschen ab , nur der Pfarrer nicht , womit er auf wenig Gegenliebe stößt . Zum Glück gibt es im Ort einen Italien-Kurs für Anfänger , der einmal wöchentlich all die verlorenen Seelen unter einem Dach vereint . Schrecklich radebrechend träumt man hier davon , unter südlicher Sonne und wohl auch bessern Lebens-Bedingungen einen Cappuccino bestellen zu können .
Dogma-Filme wie „Das Fest“ und „Mifune“ verbanden die Suche nach einem Familien-Geheimnis und generell nach dem Authentischen hinter der Inszenierung . Auch Lone Scherfigs dritter Spiel-Film , das erste Dogma-Werk einer Frau , fügt sich in dieses Schema :
Die Hand-Kamera , das trübe vorgefundene Licht , die Improvisation der Darsteller . Ihr Film bietet Einblicke in nicht weniger deprimierende Lebens-Umstände , gekennzeichnet von zementierten sozialen Strukturen und Resignation . Aber Scherfig stellt , anders als ihre Kollegen , keine moralische Kategorien auf , keine Bösen und Schuldigen . Sie untersucht im Gegenteil die komische Seite jener Suche nach Wahrheit und Moral .
Kuriose Zufälle spielen hier eine Rolle , Todesfälle und makabre Verwechslungen im Rahmen der anschließenden Beerdigung , vor allem aber der verschmitzte , warmherzige Humor am Rande des Erlaubten . Masken fallen am Ende auch hier , unter Qualen , die dann aber etwas befreiend Komisches haben und die Sehnsucht aller Beteiligten nach Miteinander und Liebe offenbaren . Scherfigs forscht nach den menschlichen Grund-Bedürfnissen sowohl in den Film-Figuren wie in ihren wunderbaren Schauspielern . Deshalb wirkt die Dogma-Methode hier so überzeugend . Deshalb belebt der Film die schon weitgehend abgeschriebene Bewegung auf großartige Weise !
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