Potemkin rührt die Kriegstrommel (Mein TV-TIpp für den 29.03.06)
ein Testbericht von Gemeinwesen2006-03-29 19:56:26vom 29.03.2006Empfehlung: ja
Vorteile: eine brillante, gallige Satire
...Nachteile/Kritik: Ist das wirklich noch Satire – oder schon eine Art Doku - Soap?
Die US-Präsidentschaftswahlen stehen kurz bevor – da vergreift sich der amtierende Führer der Freien Welt an einer Pfadfinderin und stellt so den Erfolg der bereits auf Hochtouren laufenden Kampagne für seine Wiederwahl in Frage. Das ruft PR-Profi Conrad Brean (Robert de Niro) auf den Plan, in dem die Berater des Präsidenten einen mit allen Wassern gewaschenen Routinier finden, den aktuelle Umfrageergebnisse ebenso wenig aus der Ruhe zu bringen vermögen wie ein heimlich organisierter Rohschnitt eines von der gegnerischen Partei als Reaktion auf die sexuelle Verfehlung des Präsidenten produzierten TV-Spots, den man, o Perfidie, mit Maurice Chevaliers „Thank Heaven for Little Girls“ unterlegt hat.
Während die von der aktuellen Situation offensichtlich überforderten Wahlkampfmanager noch laut darüber nachdenken, ob sich der Übergriff des Präsidenten gegebenenfalls schönreden lässt, weiß Brean ganz genau um das Gebot der Stunde – und das lautet: die Öffentlichkeit muss abgelenkt werden, und zwar qua eines neuen Themas, das den Sturm der Entrüstung, den die sexuellen Präferenzen des mächtigsten Mannes der Erde in der Öffentlichkeit entfesselt haben, ins Wasserglas verbannt. Und womit ließe sich soviel Wind machen?
Richtig – mit einer ausgemachten Krise, die noch den handfestesten, deftigsten Skandal von der Titelseite verdrängt. Nicht nur in der Liebe, sondern auch im Wahlkampf, so scheint die Überzeugung von Brean zu sein, ist alles erlaubt – und so ist auch ein Krieg nichts weiter, als ein legitimes Mittel, mit dem sich Politik machen lässt. Der müsse, so Brean, freilich nicht einmal geführt werden – sondern es genüge vollauf, ihn in Szene zu setzen.
Klingt das hanebüchen?
Des Präsidenten Wahlkämpfer, allen voran Winifred Ames (Anne Heche), wollen ihren Ohren zwar zunächst nicht trauen – aber da der förmlich aus dem Nichts aufgetauchte Brean offenbar selbst an höchsten Stellen blindes Vertrauen genießt, hat der gewiefte Drahtzieher auch procura, seinen abenteuerlich klingenden Plan in die Tat umzusetzen.
Gemeinsam mit dem egomanischen Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman in einer seiner besten Rollen), dem leicht abständig wirkenden Country-Star Johnny Dean (Willie Nelson) und dem „Knüllerkönig“ (Denis Leary) webt Brean ein Netz aus geschickt lancierten Fehlinformationen, Halbwahrheiten und Lügen um albanische Terroristen, die angeblich in ihrer Heimat nicht nur ethnische Säuberungen durchführen, sondern darüber hinaus offenbar sogar über ein eigenes Atomwaffenprogramm verfügen, das es ihnen gestattet, über die kanadische Grenze hinweg Kofferbomben in die Vereinigten Staaten zu verbringen ...
„Wag the Dog“ ist eine brillante, gallige Satire über die Macht der Propaganda – und trotz seines Alters von inzwischen neun Jahren heute so aktuell wie eh und je. Wenn z.B. in Levinsons Film dank „state of the art special effects“ ('Das haben wir im letzten Schwarzenegger-Film benutzt', merkt ein sichtlich stolzer Motss an) eine eigens gecastete Schauspielerin kurzerhand in ein fiktives Kriegsszenario montiert wird, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Regisseur Levinson und Drehbuchautor Hilary Henkin die während des ersten Golfkriegs von den Medien verbreitete Schauermär einer Babies aus Brutkästen reißenden Soldateska konsequent weitergedacht haben. Objektive Berichterstattung? In „Wag the Dog“ ist Berichterstattung Mittel zum Zweck; das, was real wirkt, ist nichts weiter als zynische Realsatire –
ausgerichtet nicht an den Bedürfnissen derer, die sich informieren wollen, sondern derer, die informieren bzw. desinformieren wollen.
„Cui bono“ – wem nutzen die Nachrichten, die Medien verbreiten, und wer ist ihr Urheber? Das sind die Fragen, die „Wag the Dog“ stellt – und dass er das nicht moralisierend, nicht mit erhobenem Zeigefinger tut, macht den Film nicht nur äußerst sehenswert, sondern darüber hinaus zum schwarzhumorigen, intelligenten und unterhaltsamen Werk, das beim wiederholten Sehen sogar noch dazugewinnt. Zum einen ist das natürlich einem intelligenten Drehbuch und einer pointensicheren Inszenierung geschuldet – zum anderen aber auch einer mit sicherer Hand ausgewählter Besetzung: Dustin Hoffman liefert in der Rolle des verbitterten Produzenten Motss eine seiner fraglos besten Vorstellungen ab, Robert de Niro überzeugt ebenfalls – und der Rest des Ensembles steht den Hauptdarstellern in nichts nach (sehenswert: Woody Harrelson als Psychopath, dem irrtümlich die Rolle des glorreichen Kriegsveteranen zufällt und dessen abweichendes Verhalten Motss notgedrungen als Symptome eines Schützengrabensyndroms auszugeben sucht).
Das Ausgangsszenario von „Wag the Dog“ scheint übrigens die „Lewinsky-Affäre“ vorwegzunehmen: fast könnte man meinen, Bill Clinton müsse sich von Barry Levinsons („Rain Man“, „Good Morning, Vietnam“) Film aus dem Jahre 1997 zu seinem Techtelmechtel mit einer Praktikantin inspiriert haben lassen, das sich in der Folge zum „Monicagate“-Skandal auswuchs.
Fazit: ein brillanter Film – auf einer DVD, die keine Wünsche offen lässt.
Im Gegensatz zur deutschen Ausgabe, die dem Zuschauer bei Wahl der englischsprachigen Originaltonspur auch deutsche Untertitel aufdrängt, lassen sich die (englischsprachigen) Untertitel beim UK-Import nach Belieben zu- oder wegschalten (Achtung: mit deutscher Tonspur bzw. deutschen Untertiteln wartet diese Ausgabe allerdings nicht auf). Bild und Ton der DVD sind m.E. makellos; wer zudem Gefallen an Bewegtmenüs findet und Wert auf eine hochwertige Zusatzausstattung (Featurettes, Trailer etc.) legt, ist mit dem UK-Import bestens bedient – und sogar noch ein bisschen besser als mit dem deutschen Pendant: den zuschaltbaren Audiokommentar, den die DVD bietet, verschweigen zwar selbst die Angaben auf der Rückseite der Verpackung – enthalten ist er auf dem UK-Silberling, im Gegensatz zur deutschen Ausgabe, aber nichtsdestotrotz.
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doeter, 29.03.2006
Deine Empfehlungen sind immer so fundiert dargestellt, dass ich nie das Gefühl habe, dass du mir etwas aufschwatzen willst. Hier kann ich allerdings allen angeführten Gründen folgen. Bisher kenne den Film noch nicht.
handyshop, 29.03.2006
Sehr hilfreicher Bericht... und denk dran 5 Lesungen 5 Gegenlesungen LG Boris
Suggababe2, 31.03.2006
sh :- hihihi .... der ist Klasse der film ! Lg Micha :-
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~ Wag the dog- Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt ~
ein Testbericht von Blackfire2011-02-09 16:53:15vom 09.02.2011Empfehlung: nein
Vorteile: Unterhaltsamer Film...Nachteile/Kritik: DVD-Ausführung
Diesen Film hatte ich mal im Englisch-Unterricht in der Schule gesehen und weil ich ihn damals recht unterhaltsam fand, habe ich ihn mir neulich auf DVD gekauft und noch mal angesehen…
*** Das Produkt ***
Es handelt sich hierbei um die DVD "Wag the dog- Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt".
*** Fundort und Preis ***
Gekauft habe ich die DVD bei Amazon und der Preis dafür lag bei 6,99 Euro.
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (Kann bei keiner der beiden Sprachen ausgeblendet werden)
Bild: 16:9, in Farbe
Ton: Dolby Digital
Laufzeit: ca. 93 Minuten + 50 Minuten Extras
Altersbeschränkung: Ab 12 Jahren freigegeben.
Code: 2
*** Text auf der DVD-Rückseite ***
„Selbst dem demokratischsten Bürger wird einleuchten, dass ein Sexskandal nicht von Vorteil für den US-Präsidenten ist. Andererseits sind Schlammschlachten im Wahlkampf beliebter als politische Diskussionen. Und die Medien wollen schließlich auch ihren Spaß haben. Angesichts derlei Bedrohungen der nationalen Sicherheit holt der erste Mann im Staat seinen besten Strategen Conrad Brean (Robert De Niro) zu Hilfe. Der setzt erstmal Gerüchte über Einsätze von B-3 Bombern in die Welt, um sie sofort wieder dementieren zu lassen. Große Krisen lenken wunderbar von kleinen Indiskretionen ab. Da staunt auch die präsidiale Beraterin Winifred Ames (Anne Heche). Um die Nachrichten weiter auf Trab zu halten, muss noch ein Krieg her. Zum Beispiel mit Albanien. So wird der extravagante, egomane Hollywood-Produzent Stanley Motts (Dustin Hoffman) angeheuert, um einen typischen TV-Krieg der Neunziger zu inszenieren - mit bewegenden Bildern, patriotischen Parolen und allem, was noch zu gutem Marketing gehört. Mit Politik, Moral und anderen Spezialeffekten ist alles machbar. Nur Motts, der zunehmend auf Nennung seines Produzenten-Credits drängt, könnte sich allmählich als Problem erweisen. Aber nicht für Conrad Brean …“
*** Inhalt ***
Zwei Wochen vor der Wahl wird der Präsident der Vereinigten Staaten in einen Sexskandal mit einer minderjährigen Schülerin verwickelt und dies ist natürlich eine Katastrophe schlechthin. Um die Bevölkerung auf andere Gedanken zu bringen und das Image des Präsidenten wieder auszupolieren soll ein Krieg mit Albanien inszeniert werden. Erstaunlicherweise klappt alles wie am Schnürchen, doch nun ist es daran, diesen Zustand bis zur Wahl aufrecht zu erhalten, damit der Skandal weiter in Vergessenheit geraten kann. Doch als nach allen Vorbereitungen noch ein Held namens „Shoe“ in die Staaten heimkehren soll, stellt sich heraus, dass der Mann ein gefährlicher Sträfling ist und seine Medikamente nicht bis zur Landung reichen werden. Dort warten natürlich bereits die Medien…
*** Fazit ***
Die Satire „Wag the dog- Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt” enthält einiges an schwarzem Humor und zeigt in beeindruckender Art und Weise, wie die Medien es schaffen, die Bevölkerung zu täuschen und keiner auch nur Verdacht schöpfen kann. Man lacht als Zuschauer mit und ist gespannt, ob das alles am Ende doch noch gut ausgeht, da nach und nach immer mehr schief geht und die Lügen immer mehr werden. Vor allem weil der Filmemacher Motss in seinem Element ist und daraus eine große Show machen will.
Bild und Ton sind
meiner Meinung nach ganz gut, ich habe daran nichts auszusetzen.
Die Extras sind leider auch nur mittelmäßig interessant und man braucht sie schlichtweg nicht. Die angepriesenen 50 Minuten Bonus kann man sich also sparen, außer man ist wirklich brennend an dem klein en Blick hinter die Kulissen interessiert.
Was mich allerdings gewaltig stört, ist die Sprachauswahl. Diese kann generell nur im Menü eingestellt werden und nicht während der Film läuft. Und obwohl die deutsche DVD-Ausgabe selbstverständlich auch eine deutsche Tonspur hat, lassen sich die deutschen Untertitel nicht ausblenden. Dies nervt leider tierisch, vor allem weil der Text ein anderer ist, als die Synchronisation.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass der Film an sich ganz gut ist, aber die DVD-Ausführung leider große Minuspunkte mit sich bringt.
Ich vergebe daher nur 3 Sterne und kann den Kauf nicht wirklich empfehlen. Dann lieber den Film ausleihen und sich das Geld sparen!
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