Pro:
phänomenal Inszeniert, grandios spielender Cast, absolut verstörend,
Kontra:
ncihts,
Empfehlung:
Ja
Nach seinen enormen Erfolg mit „Der Pate“ (1972) und „Der Pate II“ (1974) sah sich Regisseur Francis Ford Coppola Mitte der 1970er Jahre endlich in der Lage ein Projekt umzusetzen, dass ihn schon seit vielen Jahren am Herzen lag. „Apocalypse Now“. Ursprünglich sollte der Film bereits Ende der 60er Jahre (von George Lucas) gedreht werden, jedoch weigerten sich die Studios den Anti-Kriegsfilm zu finanzieren da der Vietnam-Krieg noch immer tobte und man es zu jener Zeit als unpassend empfand einen kritischen Film über den Konflikt zu drehen. 1976 sah das ganze schließlich anders aus und Coppola konnte endlich mit den Dreharbeiten zu seinem, auf Joseph Conrad´s „Heart of Darkness“ frei basierenden, Epos auf den Philippinen beginnen. Bis Heute ist die Produktionsgeschichte des Filmes wohl ebenso Legendär wie der Film selbst. So feuerte Coppola nach wenigen Tagen bereits seinen Hauptdarsteller Harvey Keitel und ersetze ihn durch den schwer alkoholkranken Martin Sheen (der während des Drehs einen Herzinfakt erlitten hatte und zwischenzeitlich für mehrere Wochen ausfiel), ein Sturm verwüstete ein ganzes Set, das philippinische Militär beobachtete jeden Drehtag, die Kosten sprangen in die Höhe sodass Coppola aus eigener Tasche bezahlen musste um den Abbruch des Projektes zu verhindern (was ihn beinahe in den Ruin getrieben hätte), Streitereien mit Marlon Brando waren an der Tagesordnung ebenso wie eine Reihe anderer Probleme, die den auf fünf Monaten angesetzten Dreh auf beinahe 16 Monate streckten. Nach dem Dreh ging das Disaster jedoch im Schneideraum weiter, sodass der Film erst 1979 auf den Filmfestspielen in Cannes Premiere feiern konnte. Wie sich heraus stellte haben sich jedoch alle Strapazen gelohnt, denn Heute gilt „Apocalypse Now“ nicht weniger als DER Anti-Kriegsfilm schlechthin und ist schon längst ein Paradebeispiel für das New Hollywood Kino. Wohl auch deshalb erschien der Film 2001 noch einmal in einer überarbeiteten, knapp 50 Minuten längeren Fassung unter den Titel „Apocalypse Now Redux“
„Someday this war's gonna end. That'd be just fine with the boys on the boat. They weren't looking for anything more than a way home. Trouble is, I'd been back there, and I knew that it just didn't exist anymore.„
- Willard -
Saigon, 1979. Während im Dschungel von Vietnam der Krieg wütet, liegt Captain Willard (Martin Sheen) sturz betrunken und verwahrlost auf seinem Bett in einer billigen Absteige. Er will nur noch eines: einen neuen Auftrag, der ihn aus seiner Misere herausholt und seinem Leben für einen Moment wieder einen Sinn gibt. Zu Hause hat er nichts mehr, die Ehe ist nach seinem ersten Heimaturlaub gescheitert. Doch ein zu Hause, das weiß der in sich gekehrte Mann, existiert für ihn sowieso nicht mehr seit er das erste mal Fuß auf vietnamnesischen Boden gesetzt hat. Daher überlegt er nicht lange als ihn die Militär-Führung einen wichtigen Auftrag anbietet. Er soll sich aufmachen und an der Grenze von Kambodscha Colonel Kurtz (Marlon Brando) ausfindig machen und liquidieren. Kurtz, ehemals ein hoch angesehener Mann in den Reihen des amerikanischen Militärs und als überaus Intelligent verschrieben, hat, so Willard´s Vorgesetze, längst den Verstand verloren und macht in den tiefen des dunklen Dschungel was er will, wie sich später herausstellt hat sich gar ein regelrechter Kult um den abtrünnigen Colonel gebildet, welcher diesen wie eine Gottheit verehrt. Zusammen mit dem Steuermann Chief (Albert Hall), den jungen Clean (Laurence Fishburne), den ehemaligen Koch Chef (Frederic Forrest) und dem bekannten Surfer Lance (Sam Bottoms) begibt sich Willard auf einem Boot durch das wilde Vietnam und wird auf mehreren Stationen mit den Grausamkeiten des Krieges und ihren traurigen Protagonisten konfrontiert. So etwa mit dem psychopathischen Colonel Kilgore (Robert Duvall), der Willard und seine Jungs durch die Gewässer den Dschungels geleiten soll und kurzerhand ein ganzes vietnamesisches Dorf den Erdboden gleichmacht nur um gemeinsam mit Lance surfen gehen zu können. Nach und nach taucht der Trupp immer tiefer in den Dschungel ein und begegnet immer mehr Schrecken, so auf einem Militärposten wo alle Soldaten mit Drogen vollgepumpt sind und das letzte bisschen Verstand verloren haben das ihnen in der grünen Hölle geblieben ist. Mit der Ankunft in Kurtz´ Quartier, einer alten Tempelstadt, ist der Höhepunkt des Wahnsinns schließlich erreicht...
Neben der „Pate“ Trilogie ist „Apocalypse Now Redux“ eindeutig Coppola´s größte, filmische Leistung, ein epochales Meisterwerk das wie kaum ein anderer Film seines Genres den Zuschauer so sehr in seinen Bann zu ziehen vermag und die Schrecken des Krieges so anschaulich verdeutlicht. Ein klassischer Anti-Kriegsfilm, der eine genaue Stellung bezieht und den Krieg samt all seiner Mechanismen und Auswirkungen verurteilt, ist „Apocalypse Now Redux“ aber nicht, vielmehr gleicht das Werk einem Abenteuerfilm, eingebettet in den Vietnam-Konflikt, der seinen Protagonisten, aber auch den Zuschauer, immer mehr in die Abgründe der menschlichen Seele führt, nur um ihn später erkennen zu lassen das in jeden diese Abgründe vorhanden sind und ein jeder dem Wahnsinn, ausgelöst durch sein individuelles Umfeld, verfallen kann. Auf seinen Weg zu dem beschwörten Wahnsinn, Kurtz, treffen Willard und seine Crew schon auf ihrer Reise auf kaputte, zerrüttete Seelen, die ebenso Psychopathisch daher kommen wie es die Erzählungen von Kurtz berichten. Da wäre etwa Colonel Kilgore, ein begeisterter Surf-Fan, der mit seiner Hubschrauber-Staffel Willard und dessen Männer sicher durch das umkämpfte Gebiet geleiten soll. Als er hört das in der Nähe eines vietnamesischen Dorfes, welches Willard´s Crew auch recht einfach umfahren könnten, die Wellen besonders hoch sein sollen beschließt er kurzerhand das Gebiet anzugreifen. In Begleitung von Richard Wagners Walkürenritt, welches aus Lautsprechern der Helikopter erklingt, wird jenes Dorf den Erdboden gleichgemacht, für den Zuschauer eröffnet sich dabei eine Szenerie die auf einer erschreckenden Art und Weise begeisternd und grausam zugleich wirkt. Noch in den Kampfhandlungen landet Kilgore und verlangt von seinen Jungs die Wellen auszutesten, bevor schließlich das Schicksal der Einheimischen mit den Bombardement von mehreren Napalmbomben besiegelt wird.
„I love the smell of napalm in the morning. You know, one time we had a hill bombed, for 12 hours. When it was all over, I walked up. We didn't find one of 'em, not one stinkin' dink body. The smell, you know that gasoline smell, the whole hill. Smelled like...victory. Someday this war's gonna end...“
- Kilgore -
Auf einer anderen Station wird der Zuschauer Zeuge wie das amerikanische Militär versucht etwas Heimat, Zivilisation, in den Dschungel zu bringen, in dem es ihren Soldaten auf einen Stützpunkt eine Show mit Playboy-Modellen bietet. Später gibt es mit jenen Damen ein Wiedersehen, nur ist der Stützpunkt diesmal nicht herausgeputzt sondern vollkommen heruntergekommen, eine Führung haben die hier beheimateten, unter Drogen stehenden und psychisch vollkommen kaputten, Soldaten schon lange nicht mehr. Ebenso verstört sind auch die Playboy-Modelle, die ebenfalls dem Wahnsinn verfallen sind und anscheinend alles mit sich machen lassen. Der Wahnsinn gewinnt auch bei Willard´s Crew immer mehr die Oberhand, die auf ihrer Reise unschuldige erschießt oder die verzweifelte Situation der Playboy-Mädchen zu Befriedigung des eigenen, sexuellen Verlangens ausnutzt. Der Höhepunkt ist schließlich erreicht wenn Willard und der Rest seiner Crew in einer alten Tempelanlage ankommen, in welcher der überaus intelligente und belesene Kurtz einen Kult, bestehend aus Soldaten und Einheimischen, um sich versammelt hat und nach seinen eigenen Gesetzen den Krieg im Krieg bekämpft. Vietcong werden erhängt, Menschenknochen pflastern die Wege zu den Tempelanlagen und Gefangene werden auf grausamste Art und Weise gefoltert. Es besteht kein Zweifel das Kurtz vollkommen den Verstand verloren hat, doch ist er nicht schließlich nur ein Produkt des Krieges, ein Opfer das die Führungen gerne bereit sind zu Tausendfachen einzugehen und sich hinterher beklagen, wenn eben jene Personen ungemütlich werden?
„Apocalypse Now Redux“ verlangt dem Krieg oftmals etwas Mystisches ab, dem Zuschauer dabei sehr viel Geduld die grausamen Bilder, die sich in den über 200 Minuten langen Machwerk auftun, zu verarbeiten. Coppola hat es dabei jedoch nicht nötig Menschenteile durch die Luft fliegen zu lassen oder auf Kunstblut zurückzugreifen um den Schrecken des Krieges Visuell zu verdeutlichen. Gleichzeitig wird nichts beschönigt, auch wenn viele Kritiker Coppola oftmals vorgeworfen haben den Krieg, durch seine Inszenierung in „Apocalypse Now Redux“ etwas Ästhetisches zu verleihen. Dies mag in gewisser Weise zutreffen, denn die Bilder die uns der Regisseur und sein Kamerateam liefern sind wirklich faszinierend, auf eine grausame Art gar wunderschön, dabei aber so pervers, gespenstisch und verstörend das sie den Krieg und seine enorme Wirkung auf die Menschen, die ihn miterleben, so deutlich machen wie kaum ein anderer Film. Was kann der Krieg aus einer intakten Seele machen? „Apocalypse Now Redux“ beantwortet diese Frage eindrucksvoll.
„I've seen horrors... horrors that you've seen. But you have no right to call me a murderer. You have a right to kill me. You have a right to do that... but you have no right to judge me. It's impossible for words to describe what is necessary to those who do not know what horror means. Horror. Horror has a face... and you must make a friend of horror. Horror and moral terror are your friends. If they are not then they are enemies to be feared. They are truly enemies. I remember when I was with Special Forces. Seems a thousand centuries ago. We went into a camp to inoculate the children. We left the camp after we had inoculated the children for Polio, and this old man came running after us and he was crying. He couldn't see. We went back there and they had come and hacked off every inoculated arm. There they were in a pile. A pile of little arms. And I remember... I... I... I cried. I wept like some grandmother. I wanted to tear my teeth out. I didn't know what I wanted to do. And I want to remember it. I never want to forget it. I never want to forget. And then I realized... like I was shot... like I was shot with a diamond... a diamond bullet right through my forehead. And I thought: My God... the genius of that. The genius. The will to do that. Perfect, genuine, complete, crystalline, pure. And then I realized they were stronger than we. Because they could stand that these were not monsters. These were men... trained cadres. These men who fought with their hearts, who had families, who had children, who were filled with love... but they had the strength... the strength... to do that. If I had ten divisions of those men our troubles here would be over very quickly. You have to have men who are moral... and at the same time who are able to utilize their primordial instincts to kill without feeling... without passion... without judgment... without judgment. Because it's judgment that defeats us. „
- Kurtz -
Inszenatorisch merkt man „Apocalypse Now Redux“ jeden Tropfen Schweiß und Blut, den die Macher opferten, an. Besonders Audiovisuell ist der Film wie eine Fahrt durch die Hölle und hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei dem Zuschauer. Neben den psychedelischen Bildern, die den Zuschauer in einen Sog aus Gewalt, Faszination und Ekel führen, ist vor allem der Soundtrack hervor zu heben. Die Mischung aus orchestralen Einspielern, allesamt von Carmine Coppola (Francis Ford´s Vater) komponiert, und zeitgenössischen, aber unglaublich treffenden, Musikstücken wie „The End“ von The Doors, unterstreichen jede einzelne Szene nahezu perfekt. Das nächste große Lob ist den fantastischen Schauspielern auszusprechen, deren Liste allein schon das Herz eines jeden Kinofans höher schlagen lässt. Mit Martin Sheen („Wall Street“, „Hallo, Mr. President“) hat der Film einen eindrucksvoll auftretenden Mimen als Protagonisten bekommen. Sheen, damals selbst schwer Alkoholkrank, spielt den kaputten, verlorenen Captain Willard mit einer bemerkenswerten Präsenz, die in seiner ganzen Karriere kein zweites Mal zu sehen war. Nicht gerade weniger Eindrucksvoll ist Marlon Brando („Der Pate“, „Endstation Sehnsucht“) der seinen Charakter Kurtz unvergessen macht. Mit einer Mischung aus Brando´s genialen Mimenspiel und einer ihn stetig umgebenden, geradezu gespenstischen Aura spielt er seine Rolle mit einer gewohnten Genialität, die geradezu hypnotisierende Ausmaße erlangt. Ein weiterer Bekannter aus Coppola´s Mafia-Saga ist mit Robert Duvall („Der Pate“, „Colors – Farben der Gewalt“) vertreten, welcher den nicht minder verrückten Colonel Kilgore gibt und mit seinem „Napalm-Monolog“ eines der bekanntesten Filmzitate los geritten hat. Und auch wenn sich die Screentime von Duvall, ähnlich wie bei Brando, in einen überschaubaren Rahmen hält, so ist sein exzellenter Auftritt trotzdem nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers verankert. In weiteren Rollen sieht man außerdem den gerade einmal vierzehn-jährigen Laurence Fishburne („Matrix“, „Boyz N The Hood“), einen ebenfalls sehr jungen Harrison Ford („Star Wars: Das Imperium schläft zurück“, „Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes“) in einer kleinen Nebenrolle zu Anfang des Filmes, Albert Hall („Malcolm X“, „Ali“) als sympathischen Steuermann Chief sowie Dennis Hopper („Blue Velvet“, „Easy Rider“) als durchgeknallten Fotografen, welcher den Bann von Kurtz erlegen ist.
Daten zum Film ////
Original Filmtitel:
Apocalypse Now Redux (1979)
Länge des Filmes:
Ca. 202 Minuten
Darsteller:
Marlon Brando...Colonel Walter E. Kurtz
Martin Sheen...Captain Benjamin L. Willard
Robert Duvall...Lieutenant Colonel Bill Kilgore
Frederic Forrest...Jay 'Chef' Hicks
Sam Bottoms...Lance B. Johnson
Laurence Fishburne...Tyrone 'Clean' Miller (as Larry Fishburne)
Albert Hall...Chief Phillips
Harrison Ford...Colonel Lucas
Dennis Hopper...Photojournalist
G.D. Spradlin...General Corman
...
Regisseur:
Francis Ford Coppola
FSK:
Ab 16 Jahren
Fazit ////
„Apocalypse Now Redux“ darf aus vielerlei Gründen als Meisterwerk bezeichnet werden. Zum einen gelingt es Coppola perfekt auf eine eindrucksvolle Art den Unsinn des Krieges zu hinterfragen und erschreckend Real darzustellen welchen Preis, diejenigen zu tragen haben, die ihn miterleben. Darüber hinaus besticht der Film aber auch durch seine gespenstisch faszinierenden Bilder, den phänomenalen Cast sowie der metaphorisch angelegten Geschichte, die den Zuschauer immer weitere in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele führt. Kurzum: jeder der Kino liebt muss „Apocalypse Now Redux“ zumindestens einmal gesehen haben.
10/10 Punkten für den Film „Apocalypse Now Redux“ und somit fünf Sterne als Wertung. weiterlesen schließen
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