Pro:
2, 3 gute Songs, Laufzeit
Kontra:
Elektronische Effekte, Loops, Drumcomputer, Sound, Songwriting
Empfehlung:
Nein
Träum ich? Hab ich Halluzinationen? Nach 15 Jahren Arbeitszeit steht seit 2008 nun tatsächlich das seit 10 Jahren angekündigte Studio-Album "Chinese Democracy" von Guns N'Roses in den Läden. Ein Wunder ohne Hoffnung ist geschehen, eine Legende Wirklichkeit geworden, der Running Gag des bekanntesten nie erschienenen Albums wurde einfach so zerstört! Ist der Getränkehersteller Dr. Pepper daran schuld? Dieser versprach nämlich jedem US-Bürger eine Dose seines Getränks, sollte die Platte bis Ende 2008 auf dem Markt erscheinen. Wohl niemand hat damit gerechnet je eine Gratisdose zu bekommen, der Meldung über den konkreten Veröffentlichungstermin schenkte ich zunächst kein Gehör, mit der Zeit verliert ein zu oft erzählter Witz einfach seine Lustigkeit. Doch diesmal war es tatsächlich Wirklichkeit: das Geisteralbum stand nun wahrhaftig in den Läden, es konnte angefasst und gekauft werden. Nach dem Ausstieg bzw. Rauswurf sämtlicher Mitglieder holte sich Axl eine Vielzahl von Musikern ins Studio, das Line-Up wechselte während der Jahre einige Male, 2 Musiker verließen gleich nach den Aufnahmen bereits wieder die Band und überblieben derzeit neben Axl Rose 6 Mitstreiter - mal sehen wie lange sich das aktuelle Line Up hält. Eine Tournee wurde nach nicht einmal der Hälfte abgebrochen, Konzerte wurden kurz vor Beginn aufgrund Axl's Launen abgesagt und zwischendurch leistete er sich einige Straftaten und andere Skandale und landete dafür sogar im Gefängnis - warum hat man ihn eigentlich wieder entlassen?
14 verschiedene Studios, 30 Produzenten, Mixer und Engineers und Produktionskosten in Höhe von rund 16 Millionen Dollar sorgen für Zwiespalt. Viele erwarten ein Jahrhundertwerk, die meisten sind jedoch skeptisch und einige wagen erst gar nicht an das Gute zu glauben. Kein Album der Welt kann derart hohen Ansprüchen standhalten und gerechtfertigt diesen Verschleiß. Doch wie gut oder schlecht ist das Album denn nun? Bevor ich mich der spannenden Frage widme möchte ich eines vorausschicken: nicht nur die Besetzung hat sich geändert, mit ihr auch der Stil. Wer hier also auf eine Fortsetzung der legendären Alben wie Appetite For Destruction oder Use Your Illusion I + II hofft, hat bessere Chancen an die Existenz des Weihnachtsmanns zu glauben...
Tracklisting:
1. Chinese Democracy
2. Shackler's Revenge
3. Better
4. Street of Dreams
5. If the World
6. There Was a Time
7. Catcher in the Rye
8. Scraped
9. Riad N' the Bedouins
10. Sorry
11. I.R.S.
12. Madagascar
13. This I Love
14. Prostitute
Chinese Democracy
1 volle Minute sabbert Soundgebrabbel aus den Boxen und ich frage mich ganz ernsthaft ob Axl nun einen auf New Age machen möchte? In Hintergrund ganze leise unverständliches Gerede von Menschen, erst nach gut 1 Minute setzen Gitarren ein und 30 Sekunden später setzt Axl's Gesang ein und zeigt nun dem durchhaltenden Zuhörer wie der Sound klingt, an dem 15 Jahre gearbeitet wurde. Ausgeprägte Rhythmussektion, ein Axl in Hochform und auch die Gitarren dürfen brav aufheulen - doch schon merkt man ganz schmerzlich Slash's Fehlen. Wer immer der vielen Gitarristen gerade zu hören ist (bei 10 verbratenen Gitarristen läßt sich das wohl nicht mehr feststellen), er macht seine Sache gut, versucht erst gar nicht Slash zu imitieren, die Klasse des Mannes mit dem schwarzen Hut und der Zigarette im Mund bleibt aber unerreicht, zu sehr quietscht der Sound und wirkt mehr wie eine getretene Maus denn eine frohlockende Gitarre… Und noch ein Kritikpunkt: die vollgepumpte Elektronik im Song und was zum Henker hat ein Drumcomputer bei einer Hardrockband zu suchen?! Hat das Geld für einen Schlagzeuger nicht mehr gereicht? Oder hatte niemand Lust mit Axl zu arbeiten, nur um danach evtl. wieder gefeuert zu werden? Ich weiß es nicht, aber was auch immer der Grund war, das Resultat hört sich erbärmlich an. Musikalisch wär der Song gar nicht schlecht, weiß durchaus zu gefallen (wenn auch nicht unbedingt beim ersten Anhören) und macht Lust auf das restliche Album, aber das Drumherum disqualifiziert leider den Titelsong und ehe man es sich versieht, ist es auch schon wieder vorbei.
Shackler's Revenge
Ja Du dampfendes Klärwerk, haben sich Prodigy auf's Album geschlichen? Erinnerungen an "Firestarter" werden wach, ein Gemisch aus Techno, Elektronik und Beats. Klarer Punktabzug für die Produktion die einem Apfelmus gleicht. Ein beschissener Soundbrei bei dem nichts wirklich heraussticht, sondern schwammig aus den Boxen dröhnt wie pürierter Erbsenbrei. Das ist nicht Musik, das ist Krach in Reinkultur. Axl's Stimme scheint ebenfalls nicht auf der Höhe zu sein, im Refrain ist er kaum wahrzunehmen und geht fast im Soundsumpf unter, einzig eine krächzende Stimme ist wahrzunehmen. Das Solo erinnert an eine explodierende Spielekonsole, mit Musik hat das von vorne bis hinten nichts zu tun, der zweistimmige Gesang von Axl (der Technik sei Dank) mag ihm raffiniert vorkommen, tatsächlich aber ein Weiteres Overload an Technik… Der Songfluss wird zwischendurch aus heiterem Himmel abgewürgt um das anfängliche Intro einzubauen. Was soll denn der Mist? Das wäre, als würde man mit dem Auto auf offener Landstraße bremsen und im Leerlauf den Motor aufheulen lassen. Wer denkt sich derartigen Schwachsinn aus?! Nach dem guten Anfang folgt nicht nur ein Griff ins Klo, sondern ein Sprung vom 5 Meter-Brett in den Klärschlamm.
Better
Eine kreischende Synthie-Gitarre dröhnt einem entgegen, kann mal jemand diesen Krach abstellen? Es scheint also nicht besser zu werden… Nach ca. 30 Sekunden folgt eine abgehackte Gitarrenbegleitung und einen kräftiger Industrial-Sound breitet sich aus, Axl geht wieder mal fast unter - wenn das Gekreische vorübergehend wieder startet hört man den Gesang nun fast gar nicht mehr und auch der Refrain übertönt Axl's Stimme fast komplett, ergo muß er sich etwas einfallen lassen und schreit im späteren Verlauf im Falsett gegen die Flutwelle an Instrumenten. Ob das wirklich besser ist sei dahingestellt, zumindest verschafft er sich dadurch wesentlich besser Gehör. Diese stampfende Midtempo-Nummer ist ebenfalls ein Reinfall *seufz*
Street Of Dreams
Aus dem Schlamm befreit und frisch geduscht wartet ein tolles Klavierintro, daß von der E-Gitarre abgefangen wird. Anfänglich als Ballade deklariert ertönt eine Nummer die richtig gut klingt und hier und da sogar ein kleinwenig an "Use Your Illusion II" erinnert, auch der Gesang ist vertraut kratzbürstig wie bislang noch nie - ich frag lieber nicht wieviel Kilo Reißnägel er dafür schlucken mußte. Nach gut einer Minute entwickelt Street Of Dreams seinen eigenen Charakter und auch wenn es mich stilistisch etwas an Joshua Kadison's Pianopop erinnert, es macht Laune. Im Hintergrund dürfen Streicher die Nummer ein wenig mitgestalten, das Solo in der Mitte klingt auch recht nett und unterm Strich wurde eine hörenswerte Nummer komponiert, die hier und da ein wenig an "Sweet Child O'Mine" angelehnt ist - absichtlich oder nicht. Das erste richtige Highlight auf der Platte bislang, eine herausstechende Gunner-Nummer die sich dem neuen Jahrtausend anpasst und dennoch vertraut klingt ohne sich selbst zu sehr zu wiederholen.
If The World
Wie jetzt… Latino-Klänge mit R'n'B-Beat auf einem GNR-Album? Ist Axl jetzt schizophren geworden? Schweres Bassgewürge und Beats wie man sie aus der R'n'R-Szene kennt bestimmen das musikalische Hauptbild, eine kreischende Stimme und schwere, tiefer gelegte Gitarren sind weitere Merkmale doch gerade dieser tonnenschwere Industrial-Sound plättet alles nieder, drängt sich zu sehr in den Vordergrund und versucht fast so schwer wie Blei den Flamenco-Sexappeal der Nummer zu unterdrücken. Insgesamt viel zu langweilig, ein Klotz am Bein, zu unausgegoren, es passt hinten und vorne nichts zusammen. Flamenco, R'n'b und Industrial passen einfach nicht zueinander wie hier eindrucksstark bewiesen wird. Das Gitarrensolo verbreitet viel Blues und wieder eine Komponente die einfach nicht dazupassen will. Ein Haus kann auch nicht mit verschiedensten Steinarten gebaut werden…
There Was A Time
Ein anfänglicher Synthie-Chor wird von Hip Hop-Beats abgefangen und es folgt ein weiterer Teil aus der Reihe "Experimentieren mit Beats". Den Drumcomputer ist der Hörer nun mittlerweile schon gewohnt, was nicht heißen soll daß ich ihn nun dulde… Die Nummer erinnert hier und da an "Estranged" aus dem Use Your Illusion II-Album. Mit seinen holprigen Beats fällt das Stillsitzen schwer, es passt zum Song, die Streicher im Hintergrund bringen zusätzliche Atmosphäre rein und die Gitarrensoli runden das Bild des Midtermpo-Krachers gekonnt ab. Da kommt Freude auf, das macht Lust unnötige Energie abzubauen, Hip Hop-Tänzer können hier ihr ganzes Können unter Beweis stellen. Das ist Guns N' Roses wie man sie kennt und liebt, so muß sich das anhören, Axl setzt sich damit ganz klar ein Denkmal! Gut, die Drums stören und Slash hätte sicherlich mehr aus der Gitarre rausholen können, aber sei's drum. Mit Hardrock hat das zwar nichts zu tun, krachen tut's dennoch recht ordentlich und läßt das Potential von Axl ganz hell am Himmel erstrahlen. Wie eine Lawine bäumt sich der Track zusehends auf und aus einem kleinen Schneeball wird eine druckvolle Lawine die alles niederbrettert, was im Weg steht. Ich gebe mich ganz der Musik hin, breite meine Hände aus und laß mich von der Energie tragen, mit dem Wissen nicht fallengelassen zu werden. Ich schwebe durch die Lüfte, laß den Wind an mir vorbeiziehen und will gar nicht mehr landen. Wie ein Modellflugzeug kreist der Titel mal majestätisch wie ein Adler in der Luft, mal werden Loopings geflogen und kleinere Kunststückchen vorgeführt. Bravo, bitte mehr davon! Ganz klar ist dies der bisherige Höhepunkt des Albums und verdient auch einen Platz in der bandinternen Hall Of Fame - trotz der erwähnten Mängel.
Catcher In The Rye
Eine weitere poplastige Midtempo-Nummer strahlt aus den Boxen, abermals mit Hip Hop-Beats. Wieso wurden eigentlich mehrere Schlagzeuger ins Studio geholt, wenn nicht einmal einer richtig ausgelastet wird? Aber gut, das ist ein anderes Thema. Auch dieser Titel läßt alte Handschriften erkennen, kann diese jedoch nur kurze Zeit aufrecht erhalten. "Wish I had a gun" singt Axl - und nicht nur Axl wünscht sich das! Auch ich wünsche mir, wenn schon nicht alle Guns, zumindest Slash wieder. Mr. Sixstring (welcher auch immer gerade das Instrument bedient) tut sein Bestes, setzt Energie frei und läßt es ordentlich krachen - an das Können von Slash kommt er jedoch bei weitem nicht ran. Gut, nachtrauen gilt nicht, also laß ich das auch ;) Die erste Minute fängt gut an, danach flacht der Track allerdings ab und klingt für mich nach einem verzweifelten Versuch alten Zeiten wieder zurückzuholen und im Kern ist es auch gar nicht schlecht gelungen, allein die Umsetzung scheitert (mal wieder) an der Überfüllung des Arrangements und auch der Text ("Lana nana na na na") kann die Latte der alten Zeiten nicht erreichen. "Zu viele Köche verderben den Brei" heißt ein Sprichwort und das zeigt sich auch hier mal wieder sehr deutlich. Reinpacken was nur geht - daß der Song dadurch erstickt wird wurde leider dabei nicht bedacht…
Scraped
Ein seltsam anmutendes schrilles A capella-Intro läßt die Augenbrauen meterweit hochziehen, doch schon mit Beginn des eigentlichen Songs blitzen Parallelen zu "Welcome To The Jungle" auf, doch letztlich bleibt das alles (mal wieder) nur beim Versuch - die Wucht und die Kraft fehlt halt einfach. Wieder setzt Axl auf eine ausgeprägte Rhythmussektion und schnelles Tempo, wieder legt sich ein Industrialsound über den Song. Das seltsame Wechseln der Höhenlagen von einer Sekunde zur anderen soll hier vielleicht den Anschein eines Duetts erwecken? Ein Duett mit sich selbst - sehr originell. Das Thema Schizophrenie tauchte ja bereits auf… Hier fehlt Hand und Fuß, das wirkt zusammengeflickt, künstlich verleimt mit jede Menge Klebstoff an den Seiten anstatt einer sauberen Naht. Die Wah Wah-Gitarre klingt nach einer gewürgten Ente die kräftig Federn lassen muß - nicht gerade die Art Sound die ich hören will...
Riad N' The Bedouins
Esoterisch angehauchte Soundeffekte eröffnen Lied Nummer 9, die wenig später an den Sound der C64-Zeit erinnern, wenn ein U-Boot beispielsweise Schüsse abfeuert. Nach knapp 40 Sekunden der etwas hektische Einsatz der Gitarre und schon steht vor uns ein extrem wütender Gozilla der in Zeitraffer auf die Hörerschaft losgelassen wird und mit jedem Schritt Zerstörung und Verwüstung anrichtet. Die schrille Gitarre ist das rennende Biest, das Schlagzeug die musikalische Zerstörung des Ungeheuers. Die letzte Minute dreht die Gitarre auf und heraus kommt purere Lärm! Ein Spielautomat auf Speed der kurz vorm Explodieren ist. Meine Fresse, muß das wirklich sein? Ist das Ozonloch nicht schon groß genug, bedarf es nun wirklich dieser musikalischen Umweltverschmutzung? Mir platzen gleich die Schlagadern!
Sorry
Oh ja, toll. Axl sieht seine Fehler ein und schiebt eine musikalische Entschuldigung ein - denkste! "I'm sorry for you, not sorry for me" sing er da - klingt für mich nach Zynismus. Aber wer den gesamten Text liest wird diesen Gedanken schnell wieder los. Langsam zelebrieren die Gunners eine düstere Atmosphäre dessen kräftige Entladung im Refrain so richtig zum Tragen kommt. Spartanische Instrumentierung und leider wieder die gewohnten Soundeffekte, bringen aber Punktabzug in der B-Note. Der Druck von Gitarren und Bass lassen den Boden vibrieren. Gedimmtes Licht, der Raum ist im dunkeln Rot und brauntönen getaucht. Der Rauch der Zigaretten bildet Nebelschwaden in der Luft, im Hintergrund läuft leise unauffällige traurige Musik zum Berieseln. Am Tisch sitzt ein Mann der die Zeilen zu Papier bringt, am Tisch steht ein Glas Whisky, die leeren Flaschen liegen am Boden herum und deuten auf das Betäuben eines seelischen Schmerzes hin. In dieser Konstellation könnte Axl dieses Lied geschrieben haben, ein Lied das mehrfach angehört werden muß um sich richtig entfalten zu können. Mit diesem bluesgeschwängerten Sound kann ich mich durchaus anfreunden, auch so können Balladen klingen.
I.R.S.
Mit einer kräftigen Mixtur aus Soul und Jazz wird diese Nummer gestartet, dies ändert sich zunächst auch nicht durch den Einsatz des Drumcomputers und der schrammenden Gitarre. Doch der Gitarrensound nimmt Überhand und breitet sich flächendeckend aus, Axl gelingt es jedoch sehr gut sich stimmlich durchzusetzen. Überhaupt liefert Mr. Rose hier eine gesangliche Glanzleistung ab, was man von der Melodie nicht behaupten kann. Wäre diese genauso straight ausgefallen wie der Text, in dem er sich über eine Ex-Freundin auskotzt, wäre der Titel um ein Vielfaches besser geworden. Die Gitarrenfront macht sich gut, musikalische Verbindungen zu alten Aerosmith-Tagen sind deutlich hörbar und das ist gut, sehr gut sogar. Jedoch fehlt der Feinschliff, die Eigenständigkeit - es wirkt wie eine Mischung aus Aerosmith und Eminem.
Madagascar
Balladesk geht es mal wieder zu, ein Paradebeispiel von Axl's Größenwahn und den Versuch eine Hynme so füllig wie ein Opernsänger zu schaffen, eine musikalische Statue so groß wie das Empire State Building. Nun gut, es ist bis dahin Geschmacksache, in meinen Augen viel zu dick aufgetragen, zu überladen an Instrumenten und Arrangement. Die Idee hingegen ist toll und verdient Lob, der Grundkern ist großes Kino. Streicher, Geigen und sogar Bläser wurden dafür verwendet, dazu eine leidende Stimme die zusammen versuchen eine Atmosphäre in der Konsistenz eines episch fließenden Mississippis zu schaffen. Doch nach 3 Minuten der endgültige Ausbruch der Geisteskrankheit. Teile aus Martin Luther King's Reden "I have a dream" und "Why Jesus Called Man a Fool" werden genauso eingebaut wie der berühmte Satz "What we got here is failure to communicate" aus dem Film "Der Unbeugsame" - jenes Sample das bereits "Civil War" auf Use Your Illusin II einläutete. Dazu kommen noch Zitate aus den Filmen "Mississippi", "Burning", "Sieben" und "Braveheart". Und weil kopieren soviel Spaß macht, baut man eben noch lässig locker Gitarrensamples von Jimmy Page ein und läßt den Song damit nach gut 5 ½ Minuten ausklingen. Ein Exempel wie aus dem Lehrbuch zum Thema "wie überlade ich einen Song?" Und ich dachte " Catcher In The Rye" wurde bereits erstickt...
This One I Love
Eine nette Klavierballde hat Axl hier geschaffen, fast könnten Erinnerungen an "Use Your Illusion" freigelegt werden, aber eben nur fast. Ein Blick auf den Text läßt mich kotzen: zum einen ist dies kein Text, sondern ein Reimewettbewerb, zum anderen zerfließt Axl derart in Selbstmitleid daß ich mir wünschen würde, er würde sich auch ganz real auflösen. Die Musik wird Hauptsächlich vom Klavier getragen, das sich traurig, den Kopf hängen lassend durch den Song schleppt und zwischendurch einsetzenden Streicher die genauso trauern. Im Mittelteil darf auch die Gitarre sein Trauerspiel als Solo von sich geben und wenn das Schlagzeug endlich seinen Einsatz hat, mag es sich wohl nicht mehr bemerkbar machen. Ab 1:30 Minuten wiederholt sich der Song (mit Ausnahme des Solos) nur noch und es wird ermüdend die vollen 5 ½ Minuten durchzustehen. Netter Ansatz, vielleicht ein letzter vergeblicher Versuch an die Glanzjahre anzuknüpfen? Die Vermutung liegt nahe hier den krampfhaften Versuch zu hören "November Rain II" zu erschaffen. Das Streicherintermezzo nach dem ersten, in den Strophen eingebetteten Refrain erinnert doch im Stil verdammt an die Gitarreneinlagen vom Scorpions-Hit "Still Loving You", mir gefällt das Original jedoch wesentlich besser.
Prostitute
Eine Mischung aus Klavier und Gitarre erwartet den Hörer als Abschluß der CD. Eine Midtempo-Ballade die nach 1 Minute mit einem Schlag enorm an Intensität zunimmt. Statte 5 Gitarren, symphonische Streicher und das Klavier bauen sich im Refrain zu einer musikalischen Großleinwand auf, ein Glück jedoch verstand der Produzent sein Handwerk und drehte die Lautstärke nicht bis in die Milchstraße, so daß alles gut zusammenpasst und nichts durch etwas übertönt wird. Wieso hierfür derart viele Saitenvirtuosen gebraucht werden verstehe ich zwar nicht ganz, auch hört man diese Menge nicht unbedingt raus, aber Axl wollte zum Abschluß wohl nochmal ganz groß aufdrehen. Es klingt fast wie der Wettlauf gegen die Zeit beim Entschärfen einer Zeitbombe. Mal hektisch rennend, im nächsten Moment vorsichtig an der Bombe arbeitend. Das Entschärfen gelang offensichtlich, die Streicher setzen am Ende musikalisch das Abtragen der Bombe durch Spezialisten recht gut in Szene und die Erleichterung ist groß.
***********************
*** Unterm Strich zähl ich ***
***********************
Was bleibt also noch zu sagen? Wäre es doch bloß beim Running Gag geblieben! Was früher Slash und Izzy Stradlin mit zwei Gitarren an Sound zauberten, bedarf nun einer ganzen Wand voll Gitarristen - im letzten Song brauchte es sogar stolze 5 an der Zahl! Dazu kommen der verdammt nervige Drumcomputer, die Loops und sonstigen Spielereien mit der Elektronik. Halleluja, Tod durch Elektronikvergiftung lautet die Todesursache des Albums. Verdammt, viele Elektrobands verwenden nicht so viele Elemente zur gleichen Zeit wie dieses Album. Scheinbar gibt's eine Vorschrift die besagt, daß auch Rockalben mit Elektronikeffekten und Drumcomputer ausgestattet sein müssen, das Leiden sehe ich auch voll Bedauern bei anderen Bands. Hey, ich bin auch Musiker, wieso hab ich die Regel nicht bekommen?! Egal, ich bin freilich Neuem gegenüber aufgeschlossen, aber wieso hier 15 Jahre benötigt wurden ist mir schleierhaft, ebenso erstaunt mich die Tatsache 5,3 Millionen Tonträger verkauft zu haben. Vieles klingt erzwungen - erzwungen neu oder erzwungen die alte Zeit wiederzubeleben. Manches ist schrill, überladen oder schlicht Krach! Natürlich gibt es einige nette Ansätze und sogar richtig gute Songs! Diese positiven Seiten retten das Album vor der Schrottpresse, geben aber noch lange keine Kaufempfehlung. 67 Minuten Spielzeit ist recht ordentlich, wo der heutige Standard bei 40-45 Minuten liegt… An kaum einem anderen Album scheiden sich die Geister wie an Chinese Democracy. Viele finden das Werk sehr gut, sofern die Verkäufe nicht künstlich in die Höhe geschraubt wurden, aber es gibt auch Vertreter wie mich, die als Gesamtbewertung eine 5 vergeben.
Mein abschließendes Fazit formulier ich mal so: Eine chinesische Demokratie gibt es nicht, damit führt sich das Album, das in China auf dem Index kam, schon durch den Titel ad absurdum - und das ist noch Das harmloseste am Silberling…
Euer Music-King
->Music is my message <-
PS: Alle schnell-nach-unten-Klicker soll der Schädel platzen ;o) weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben