Ich habe mir wieder mal lange Zeit gelassen, bis ich einen Bericht über ein Buch veröffentliche. Dieses ist das erste Buch was ich von der Autorin Nicci Gerrard lese. Denn sonst habe ich nur die Bücher gelesen, die sie mit ihrem Mann unter dem Autorennamen „Nicci French“ zusammen geschrieben hat. Ich möchte euch das Buch „Als er für immer ging“ vorstellen.
**Die Autorin**
Wie schon oben genannt, ist Nicci Gerrard der weibliche Teil des Erfolgs-Duos Nicci French. Unter diesem hat sie zusammen mit ihrem Mann erfolgreiche Bücher wie „Acht Stunden Angst“ veröffentlicht. Zusammen leben die beiden mit ihren vier Kindern in Suffolk.
Ihr erster Roman unter ihrem eigenen Namen ist „Als wir Töchter waren“. Dies ist ein sehr ergreifender Roman der die großen Themen des Lebens behandelt und den ich selbst auch noch gerne lesen möchte.
**Der Klappentext des Buches**
„Es gibt eine andere.“
Plötzlich ist Irene eine verlassene, alleinerziehende Ehefrau, die an ihrem Unglück zu zerbrechen droht. Verstört taumelt sie durch ihren Alltag – bis sie sich an die strahlende Irene erinnert, die die Nächte durchtanzte und Ja sagte zum Leben, und das Kribbeln im Bauch wiederentdeckt.
**Wichtige Personen im Buch**
Hauptpersonen:
Irene – eine verheiratete Frau mit drei Kindern, die im Alltagstrott lebt und das Geld mit
einem Job als Lehrerin (ist eigentlich Grundschullehrerin gewesen, unterrichtet
jetzt aber Kinder und Erwachsene mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche) verdient
Nebenpersonen:
Adrian – noch Ehemann von Irene, arbeitet als Schauspieler, verdient aber so gut wie gar
Nichts, da er keine Aufträge bekommt, hockt faul zu Hause
Sasha, Clem, Aggie – die drei Kinder von Irene und Adrian
Jem – Irenes Halbbruder der mit seiner Freundin Juliet in Montpellier Frankreich lebt
Frankie – Schwester von Karen, die als Anwältin tätig ist und mit Adrian eine Affäre anfängt
Karen – beste Freundin von Irene
**Inhalt des Buches**
Irene wusste nicht wann alles angefangen hatte und seit wann Adrian aufgehört hatte sie zu lieben. Sie waren nun schon so lange verheiratet und sie wusste dass etwas passiert ist. Er musste eine Affäre haben.
Irene selbst hatte angekaute Nägel, schwielige Haut, blaue Äderchen, ihre langen lockigen Haare hatte sie abgeschnitten und der Ehering saß auch schon locker.
Sie organisiert für ihren Mann Adrian, der immer noch versucht ein erfolgreicher Schauspieler zu werden, Abende mit Freunden, um seine Minirollen die er in Filmen hat, anzusehen. Sie ist immer liebevoll zu ihm, jedoch läuft auch im Bett zwischen den beiden schon seit über einem Jahr nichts mehr. Weiterhin hat sie stark abgenommen im Gegensatz zu früher, wo sie ihn kennen gelernt hat.
Außerdem schmeißt sie den Haushalt, kümmert sich immer um ihre drei Kinder Sasha, Clem und Aggie, damit diese eine schöne Kindheit haben und sie ist hauptsächlich diejenige, die das Geld verdient. Ihr Mann bekommt für seine Rollen nicht sehr viel.
Als Karen, die beste Freundin
von Irene, wie jedes Jahr eine Party in der Vorweihnachtszeit gab, blieb Irene zu Hause. Der Grund dafür ist, dass Aggie sich verletzt hatte. Darum schickte sie Adrian alleine los, damit wenigstens einer von beiden dort erschien. An diesem Abend sah er wieder Frankie, die Schwester von Karen, die ihm mit ihren blonden vollen Haaren gefiel und zudem auch noch sehr weibliche Rundungen hat.
Nach diesem Abend besucht er Frankie, die als Anwältin arbeitet, in der Kanzlei. Er schenkt ihr Lederhandschuhe die er sich eigentlich nicht leisten kann und lädt sie zum Essen ein.
Irgendwann steht er vor ihrer Tür und beide geben ihrem Verlangen nach, obwohl Frankie lange Zweifel hatte. Hiermit beginnt seine Affäre, von der Irene nur Vorahnungen hat.
Bald darauf kommt der Manager auf Adrian zu und bietet ihm eine große Rolle an. Der Drehort ist in London und er ist damit seltener zu Hause. Außerdem trägt er auf einmal schicke Hemden und Parfüm. Er schläft auch immer, wenn er drehen muss bei Frankie und belügt seine Frau ständig. Für ihn läuft alles perfekt.
Da sie jetzt mehr Geld haben, fährt er mit seiner Frau und den drei Kindern in den Urlaub. In diesem kommt es dann zur Aussprache und der Verdacht von Irene bestätigt sich (siehe Textpasssage zum Lesen).
Irene will Adrian nicht mehr bei sich zu Hause haben, da sie keine halben Sachen möchte. Er bittet sie darum ihm Zeit zu geben, bis er sich entschieden hat. Aber sie sagt er soll woanders schlafen. Er geht zu Gary, einem guten Freund. Sie weiß also wo sie ihn erreicht. Sie weiß selbst noch nicht ob sie ihm eine Chance gibt.
Bald darauf möchte sie ihn sprechen, doch ist er nicht bei Gary und sie weiß wo er ist… Sie läuft zu Frankie und erwischt ihm mit ihr im Bett. Also hatte er sich entschieden. Sie randalierte vor Wut etwas und er soll nicht wiederkommen.
Für ihre Töchter funktioniert sie wie ein Automat noch weiter, weil sie es ihnen nicht noch schwerer machen möchte.
Adrian nimmt die drei Mädchen ab und zu auch mit zu sich und Frankie nach Hause, wo sich Clem Fußball im Fernsehen ansieht, Sasha sich die Nägel lackieren darf und Aggie mit ganz vielen Küssen von Frankie getröstet wird, wenn sie mal hinfällt.
Die Mädchen schwärmen vor Irene von Frankie, was ihr nicht gefällt.
Irgendwann standen dann die Sommerferien vor der Tür und Adrian möchte mit den drei Mädchen nach Australien fliegen, wo Frankies Mutter wohnt. Erst gab es Stress, aber dann ließ Irene es zu.
Ich möchte noch kurz erwähnen, dass sie immer mit ihrem Halbbruder Jem, der mit Juliet in Südfrankreich wohnt, Kontakt hat. Er bietet ihr auch an zu ihm zu kommen und ihn zu besuchen.
Nachdem sie die Mädchen zum Flughafen gebracht hatte viel sie ins Bodenlose. Sie trank und zerstörte den Spiegel, weil sie ihr Spiegelbild nicht ertragen konnte. Dabei verletzte sie sich etwas und viel ins Bett und schlief. Da sie schon eine Weile Geigenunterricht nahm. Schaute die Lehrerin bei ihr vorbei und verarztete sie, räumte auf und die beiden frühstückten zusammen. Jem rief sie auch an und er hatte beschlossen Juliet zu heiraten. Dass war ein Anreiz für sie die Wochen bis ihre Töchter wiederkommen würden in Südfrankreich zu verbringen und sich wieder zu finden. Denn früher war sie mal eine Frau die die Nächte durchtanzte und das Leben liebte.
Was danach passiert erzähle ich euch nicht, denn dann würde ich ja viel zu viel verraten. Wird sie alles überstehen und verarbeiten können? Meint ihr, dass sie sich wiederfinden wird? Kann sie wieder glücklich sein? Kann sie je wieder lieben?
Wenn ihr das herausfinden wollt, dann empfehle ich euch, dass Buch zu lesen.
**Meine Meinung**
Dies ist das erste „reine“ Buch, was ich von der Autorin lese. Sie hat einen lockeren Schreibstil und verwendet am Anfang sehr viel direkte Rede. Erst im letzteren Teil des Buches beschreibt sie ausführlicher.
Diese Buch finde ich sehr rührend, denn von einem Mann betrogen zu werden, den man liebt, ist das schlimmste was einem passieren in einer Beziehung (und hier sind sie auch noch verheiratet!!) kann. Soll man demjenigen noch eine Chance geben oder doch lieber nach vorne sehen und ihn vergessen? Hier ist der Schmerz so groß, dass sie es vielleicht noch mal versuchen will, aber als sie ihn mit ihr erwischt, ist es aus. Scheidung ist dass einzige was da hilft. Endlich getrennt von ihm.
Die Autorin bringt dem Leser nahe, dass man so etwas verzeihen kann, aber nicht muss. Jeder muss es für sich selbst wissen. Denn das Vertrauen ist dadurch schwer geschädigt und lässt sich nur schwer wieder aufbauen. Sie möchte dem Leser mit der Person Irene auch sagen, dass man sich in einer Ehe/Beziehung nicht gehen lassen sollte, sondern immer auf sich achten sollte. Denn sonst kann es wie hier im Buch passieren, dass der Mann sich nach einer anderen umschaut. Außerdem sollte man seinem Partner alles geben, was er braucht wie z.B. Liebe, Zärtlichkeit, Sex, Vertrauen und Aufmerksamkeit. Denn im Buch hat Adrian nicht alles bekommen und es sich woanders geholt. Dies sollte man vermeiden können, wenn man mehr auf seinen Partner eingeht und auch mal selbst zurücksteckt.
Weiterhin zeigt die Geschichte einem, wie schwer es sein kann, danach im Leben wieder Fuss zu fassen, vor allem wenn es eine lange Beziehung war. Aber man muss sich sagen, dass das Leben trotz allem weiter geht. Denn es gibt noch so viel schönes, was man erleben kann. Wie in dem Buch nach Südfrankreich zu fahren und sich zu erholen und wieder Freude am Leben zu haben.
Ich empfehle jedem das Buch, der erfahren möchte wie das Buch ausgeht und sich einfach fallen lassen möchte und darüber nachdenkt…wie wäre es, wenn mir das passiert? Wie würde ich denn reagieren? Jeder selbst hatte seine Meinung dazu.
Das Buch regt jeden zum Nachdenken an =).
Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen, wenn sie sich das Buch zulegen.
**Eine ausgewählte Textpassage**
Diese Passage offenbart, dass Adrian eine Affäre hat, was er solange nicht zugegeben hat, obwohl sie ihn schon öfters danach gefragt hatte.
Das Rauschen der Wellen brandete in ihre Unterhaltung.
„Ja?“
„Wir müssen reden.“
„Ja.“
„Ich muss dir etwas sagen.“
„Ich höre.“ Ihre Stimme war farblos und streng. Sie richtete sich auf ihrem Stuhl auf, presste die Knie zusammen und rang die Hände. Er war weit, weit weg. Sie betrachtete ihn wie durch ein Fernrohr, als sei er schon jetzt nur noch eine Erinnerung.
„Du weißt es wahrscheinlich schon.“
„Weiter.“
„Als du mich gefragt hast, ob ich eine Affäre hätte.“
„Ja?“
„Ich … Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.“
„Was soll das heißen?“
„Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte … Ich dachte, es würde vorübergehen … Es tut mir so furchtbar leid.“
„Sag es! Sprich es verdammt noch mal aus!“
„Hör zu, du musst mir glauben, dass ich dich niemals in der Weise verletzen wollte.“
„Sprich es verdammt noch mal aus!“
„Es gibt eine andere.“
Irene betrachtete ihn, als er sich zu ihr beugte, während oben ihre drei Töchter schliefen und die Uhr an der Wand zu laut tickte. Aus seinem Gesicht sprach Zuneigung wie seit Wochen nicht mehr.
**Allgemeine Angaben zum Buch**
Das Buch liegt im Hardcoverformat vor und hat über 364 Seiten. Der Roman ist 2006 bei Ehrenwirth, Verlagsgruppe Lübbe, erschienen. Der Preis liegt bei ca. 19.95 €.
Vielen Dank für das Lesen, Bewerten und eventuelle Kommentieren meines Berichtes.
Leseratee, 03.03.2008
Ein toller Buchbericht, aber du solltest ihn an die richtige Stelle setzen lassen. Es wäre schade, wenn er hier verkümmert und kaum gelesen wird. Gruss Leseratee.
try_or_die87, 08.07.2008
Der Bericht ist zwar falsch gepostet, aber ich finde ihn sehr gut und bin nicht so spießig, dass ich Dir ein off topic dafür gebe!
sonnenbaerchen, 03.07.2008
schöner Bericht...aber du hast dein Buchbericht in den Onlineshop geschrieben...Schade!!!
¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Amazon.de
Niedrige Preise, Riesen-Auswahl und kostenlose Lieferung ab nur 20 EUR
Das klang wie eine Grabinschrift.
ein Testbericht von LilithIbi2009-05-14 08:34:44vom 14.05.2009Empfehlung: ja
„Wir alle leben mit diesem Gefühl, etwas verpasst zu haben. All die Dinge, die wir nicht getan, nicht gehabt oder nicht gewusst haben, all die Erlebnisse, denen wir ausgewichen, die Türen, die uns verschlossen geblieben sind, die Lieben, die wir verloren oder zurückgelassen haben. Die Menschen, die wir nicht geworden sind. All diese verpassten Chancen können zu Gespenstern werden, die einen verfolgen.“
(ZITAT; S. 199)
Insbesondere Zeilen wie diese sind es, die mich in Nicci Gerrards Werk
//ALS ER FÜR IMMER GING//
derartig ansprachen, dass ich ersteinmal eine Weile darüber nachgrübelte und nicht umhin kam, jene in eine Art briefliche „Diskussion“ einfließen zu lassen.
Die Autorin Nicci Gerrard dürfte dem ein oder anderen eher bekannt sein als Nicci French; zumal nicht jedem potentiellen Leser bewusst ist, dass es sich bei letzterem um ein Autoren-Duo handelt, welches aus vorgenannter Schriftstellerin sowie ihrem Ehemann Sean French besteht. „Als wir Töchter waren“ war ihr erster Roman im Alleingang, „Als er für immer ging“ erschien im Jahre 2005 unter dem Originaltitel „Solace“ und interessierte mich schon anhand des alleinigen Umstandes, dass das Buch als ein „Roman über Trennung und Neuanfang“ definiert wurde.
Seit meiner eigenen Trennung lese ich hin und wieder gerne solche Art Romane, die vom „Leben danach“ berichten, vom wieder-aufstehen und wiederentdecken seines eigenen Ichs.
/DIE STORY/
bezieht sich in jenem Roman nicht auf eine Art Ehedrama; zwar stellt dieser „Umstand“ den Hauptbestandteil des Inhaltes dar; doch das ganze geht weiter ~ um nicht zu sagen: tiefer.
Das „wesentliche“ geschieht bereits im ersten Buchteil.
Adrian ist seit Jahren mit Irene verheiratet, Vater dreier Töchter ~ und verliebt sich auf einer Party in die unbeschwerte Frankie. Nicht sonderlich überraschend, dass diese mit ihm eine Affäre beginnt, die sich schlussendlich in eine Beziehung wandelt. Ebensowenig überraschend, dass Irene an dieser Entwicklung zu zerbrechen droht.
Doch eben diese Voraussehbarkeit ist es, die das Buch so lebensnah, so empfindsam und „echt“ macht ~ eben weil die Story aus dem wirklichen Leben gegriffen ist.
Viele der dargestellten Gespräche könnten genauso stattfinden ~ habenl in manchen Beziehungen von uns stattgefunden.
Adrian beichtet seine Affäre irgendwann; meint, sich noch nicht entscheiden zu können... und kommt gar nicht erst auf die Idee, dass es immerhin doch die Möglichkeit gibt, dass Irene ihn überhaupt nicht mehr haben möchte.
Trotzdem sagt sie ihm zu, eine Weile zu warten ~ unter der Bedingung, dass er sich auch nicht mit Frankie trifft, bis er sich im klaren ist.
Die Szenerie, in der Irene schließlich in Frankies Schlafzimmer platzt und ihr Mann nichts als Spott für sie übrig hat, geht mehr als nahe. Auch finden viele „Alltagsumstände“ ihren Platz in dem Roman; die allesamt auf ein Ziel hinauslaufen: das Irene etwas tun muss.
Nicht für Adrian, nicht für ihre Ehe ~ sondern für sich selbst.
//DIE UMSETZUNG nebst BEGEISTERUNGSFAKTOR//
Offen gestanden hätte ich nicht unbedingt gedacht, dass mir das Buch so zu Herzen gehen würde. Das mittlerweile für 8,95 EUR als Taschenbuch erhältliche Werk habe ich obendrein lediglich im Zuge eines sog. 2:1 Tausch über tauschticket.de erstanden und wäre sonstig vermutlich niemals darauf aufmerksam geworden.
Vermutlich, weil ich wie die Hauptprotagonistin den „Fehler“ mache, auszublenden, dass es ein Leben „außerhalb“ gibt.
Irene geht beinah völlig in ihre Rolle als Ehefrau und Mutter anfangs auf, bereits zu Romanbeginn aber offenkundig eher unter. Dank der nahezu plastischen Schilderungen der Autorin kann sich der Leser schnell ein Bild von Irene machen: aufopferungsvoll für ihre kleine Familie, jedoch nahezu nachlässig mit sich selbst. Nicci Gerrard beschreibt die Hauptprotagonistin als eine Frau, die ihrem äußeren keine besondere Beachtung mehr zukommen lässt. Die Haare kraft- und farblos, der Körper nahezu abgemagert, die Kleidung hier und dort fleckig oder gar auf links gedreht. Irene erkennt sich selbst nicht mehr, fragt sich, wieso es „so weit“ kommen musste ~ denkt sich aber beim Anblick an ihr „falsch angezogenes“ Oberteil, dass es doch ohnehin keinen Unterschied macht.
Fast mag der ein oder andere Leser diesbezüglich denken, dass es dann ja fast kein Wunder ist, dass ihr Mann nach einer anderen Ausschau hielt ~ und so ganz von der Hand weisen würde ich das auch nicht.
Irene ging in ihrer Ehe irgendwo verloren ~ wieso, warum und weshalb dies geschah, bleibt jedoch völlig im dunkeln. Vielmehr beschäftigt sich der Roman damit, was „danach“ kommen kann: das Zerbrechen einer einst glücklichen Liebe.
Schnell ist schon allein anhand des eingedeutschten Titels klar, dass es mit Adrian kein Happy end geben wird ~ und irgendwo ist das auch nur gut so.
Romane über teilzerbrochene Ehen, reumütig zurückgekehrte Partner und alles auf Anfang gibt es schon genug ~ derartig entmutigende und zugleich mutmachende Bücher hingegen viel zu wenig.
Im nicht ganz entfernten Sinne erinnerte mich das Buch an Anna Gavalda’s „Ich habe sie geliebt“. Inhaltlich wie stilistisch kann man sicherlich beide Werke auf den gleichen Podest heben; auch hier findet sich eine gehörige Portion Offenheit, Vertrautheit und Wehmut und etliche Sätze, die zum nachdenken anregen.
Es bleibt sicherlich nicht aus, dass man als Leser sich auf die Seite von Irene stellt; doch genauso wenig bleibt es aus, dass man sich im Laufe der Lektüre fragt, ob es überhaupt sog. Seiten geben kann.
Dass sich der Roman nicht ausschließlich auf das zerbrechen der Ehe beschränkt, gefiel mir besonders gut. Im Grunde gibt es zu solchen Geschehnissen an für sich ja auch nicht viel zu sagen: es ging nicht gut, und Ende. Noch so viele Erklärungen können den nicht-selbst-Betroffenen ohnehin kein wirkliches Bild einimpfen; zumal es oft heißt „viele Beziehungen gehen in die Brüche. Das Leben geht weiter.“
Und genau auf dieses „Weitergehen“ wurde das Hauptaugenmerk gerichtet ~ bereits ab S. 156 spielt Adrian keine wirkliche Rolle mehr; was nicht heißen soll, dass auf einmal alles gut und Irene wie neu wäre. Nein, es geht „einfach nur“ darum, das Irene entdeckt, dass sie mehr ist als eine Mutter und Ehefrau ~ ohne dass die Autorin hier auf großartige lebensverändernde Geschehnisse zurückgegriffen hätte.
Hin und wieder „ärgerte“ es mich ein wenig, dass viele Romane, die scheinbar auf die weibliche Leserschaft ausgerichtet wurde, so absolut Richtung „ultimatives Happy end und ohne Mann sind wir eh besser dran“ tendieren. Jenes hat mich ja auch bei Andrea Claßen’s „Last minute“ eher in Missstimmung versetzt.
Bei „Als er für immer ging“ hingegen läuft nicht alles glatt, vielmehr erkennt Irene weitere Grenzen in ihrem Selbst, lernt sich selbst wieder besser kennen und erinnert sich hin und wieder an manche Momente, in denen noch alles gut war ~ oder zumindest so zu sein schien.
Einen definitiven Knackpunkt im Sinne von selbsterkennender Erleuchtung gibt es in dem Roman für Irene hingegen nicht ~ vorbildlicherweise, eben weil realitätsnaher.
Das eigene Leben nach einem zwischenmenschlichen „Zusammenbruch“, egal welcher Art, wieder aufzunehmen – wieder zu finden! – ist nichts, was von heut auf morgen geschieht, geschehen kann. Dass uns das die ein oder andere Lektüre weismachen will, grenzt fast schon an Empathie-Zerstörung.
//SUMMA SUMMARUM//
lässt sich vermutlich unschwer erkennen, wie nahe mir das vorgestellte Buch ging. Es fällt mir ein wenig schwer, den Inhalt bzw. das Geschehen zu beschreiben, ohne allzu sehr vorwegzugreifen ~ weswegen ich mich mehr auf meine Empfindungen bzgl. der Veröffentlichung konzentriert habe.
Der Umstand, dass ich die 364 Seiten nahezu verschlungen habe, dürfte zweifelsohne für sich sprechen. Insgesamt betrachtet stimmt sicherlich einiges in dem Roman traurig, wütend oder hinterlässt gar ein leichtes Gefühl der Ohnmacht ~ obendrein fühlt man sich quasi einer Überprüfung seiner Selbst unterworfen. Nahezu zwangsweise gelangt man zu den Gedanken, wie oft man sich selbst keine Mühe mehr gab, um für seinen Partner bzw. sich selbst attraktiv zu wirken. Es geht nicht darum, jeden Abend im Ballkleid auf jemanden zu warten oder darauf zu verzichten, mal einen Tag lang in Schlumperklamotten herumzulaufen ~ doch der Grad zur Schluderei ist manchesmal schmal.... Mir persönlich ging es im ersten Moment so, dass ich mich fragte, wie Irene sich „so gehen lassen kann“; während ich im zweiten Moment an meine eigenen „Auftritten innerhalb meiner Ehe“ denken musste. Natürlich gibt sich ein jeder insbesondere am Anfang Mühe; doch wenn erst mal das erste Eis gebrochen ist... Selbstreflektion ist sicherlich hier eine Art warnendes Zauberwort, was jedoch nicht heißen soll, dass hier irgendwas mit „erhobenem Zeigefinger“ geschrieben wurde. Womöglich sehe ausschließlich ich jenes „Warnsignal“ in dem Buch...
Unbestreitbarer Fakt ist jedoch, dass der Roman mit seiner involvierten Mutlosigkeit Irenes, die „irgendwann“ beginnt, um sich selbst zu kämpfen, ebenso Mut macht, Zuversicht und eine gewisse Portion Hoffnung gibt und nicht zuletzt immer wieder zum nachdenken wie innehalten einlädt.
Es bleibt zu sagen, dass ich einschließlich bis zur letzten Seite keine wirkliche Beanstandung vermerken kann ~ Nicci Gerrard bewegt sich an keiner Stelle zu sehr von einer apodiktischen, lebensechten Schilderung weg. Vielmehr schaffte sie es, mich vollkommen in den Bann zu ziehen, den Leser ein vollumfängliches Bild zu repräsentieren und obendrein nicht zu vergessen, dass es in Büchern (wie auch im wahren Leben) ruhig so sein darf, dass der „Fremdgeher“ mit seiner Affäre ein glückliches Nach-Eheleben führt.
Die Konstellation, dass viele Romane darauf getrimmt werden, dass der Ehemann reumütig zurückkehrt oder zumindest unglücklich bleibt bzw. wird; hängt mir offen gestanden ziemlich zum Hals raus.
Denn nicht immer muss ein Ende für beide Beteiligten auch wirklich ein Ende sein ~ es kommt ebenso vor, dass der gemeinsame Weg des Lebens an einer Stelle endet; und jeder seinen eigenen Trampelpfad für sich gefunden hat.....
Im ersten Moment bildete sie sich ein, er habe „Frau“ gesagt, und ein Hochgefühl erfüllte sie. Die wunderbarste Frau. Dann wurde ihr bewusst, was er tatsächlich gesagt hatte. „Die wunderbarste Mutter.“ Das klang wie eine Grabinschrift.“
(ZITAT; S. 117)
...
1-2 von 2 Testberichten über Nicci Gerrard: Als er für immer ging
Top Webtipps
Amazon.de
Niedrige Preise, Riesen-Auswahl und kostenlose Lieferung ab nur 20 EUR
Home > Bücher > Bücher Belletristik > Belletristik Romane & Erzählungen > Belletristik Romane & Erzählungen - A > Nicci Gerrard: Als er für immer ging > Testberichte