Pro:
schöne Liebesgeschichte, gewisse Spannung, trockener Humor
Kontra:
eine schlussendlich eingebaute "schnelle Entführung", bisschen auffällig zuviel detaillierter Sex
Empfehlung:
Ja
° Klappentext °
„Lissianna Argeneau ist wohl die einzige Vampirin, die kein Blut sehen kann. Ihre Mutter macht ihr deshalb zum dreißigsten Geburtstag ein ungewöhnliches Geschenk: einen Psychiater, der sie von ihrer Blutphobie befreien soll. Doch als Lissianna den gut aussehenden und charmanten Dr. Gregory Hewitt an ihr Bett gefesselt vorfindet, wird ihr auf den ersten Blick klar, dass er mehr ist als nur ein schneller Snack für zwischendurch.“
° Persönliche Inhaltsangabe °
Vor 50 Jahren hat der Rat der Vampire ein Edikt erlassen, laut dem sich Vampire – Ausnahmen bestätigen die Regel – nicht mehr „al fresco“, also frisch von der Quelle, ernähren dürfen, sondern ihre Nahrung von Blutbanken beziehen müssen.
Lissianna Argeneau ist eine solche Ausnahme: seit ihrer frühen Kindheit fällt sie beim Anblick von Blut einfach sofort ohnmächtig um. Blöd, dass Blutbeutel durchsichtig sind – Lissianna darf sich auch weiterhin „frisch“ ernähren, denn solang man dabei nicht kleckert, sieht man das Blut schließlich nicht.
Ihrer Familie gefällt Lissiannas, kurz: Lissi genannt, Treiben aber gar nicht: zu oft erwischt sie den falschen Spender – anämisch, betrunken, berauscht – und kommt dann wahlweise ermattet, betrunken oder high nach Hause.
Zwischenzeitlich ist Lissis Mama dazu übergegangen, ihrer Tochter nachts während des Schlafes blutige Infusionen zu verabreichen, aber auf Dauer ist das doch auch keine Lösung!
Also findet Lissianna anlässlich der Feier ihres 202. Geburtstages einen schleifengeschmückten, an ihr Bett gefesselten Psychologen vor, der zu Lissis erstem Bedauern nicht als ihr Festmahl dienen, sondern ihre Blutphobie therapieren soll.
Besagter Psychologe, Dr. Gregory Hewitt, kurz: Greg genannt, findet Lissis Anblick ebenso lecker wie die den seinen und so nimmt das Schicksal seinen Lauf und es entwickeln sich flott zarte (oder auch festere) Bände der Liebe zwischen „Therapeut“ und „Patientin“.
Lissiannas Familie beobachtet diese Entwicklung mit Argusaugen: schließlich ist Greg als Lissis Arzt eingeplant, nicht als Liebhaber, während die „Therapie“ immer mehr in Vergessenheit gerät.
Und welche Chance hat denn eine Liebe, wenn locker 170 Jahre Altersunterschied besteht, ein Partner Vampir und einer Sterblicher ist?
Da muss der werte Herr Doktor wohl bald mal die Entscheidung seines Lebens bzw. eventuell eines Untotseins fällen…
° Just my two Bluttropfen °
„Eine Vampirin auf Abwegen“ ist zunächst einmal ein sehr angenehm und flüssig zu lesendes Buch: ich habe es als Geburtstagsgeschenk spontan einen Tag vor der Feier gekauft, mich nachmittags selbst damit in die Sonne gesetzt und es bis zum Abend durchgelesen, was trotz der knapp 400 Seiten absolut kein Problem war.
Das „echte“ Vampir-Wesen wird hier bereits am Anfang erklärt, so dass man sich auch nicht wundert, warum weder Knoblauch, Weihwasser noch Kreuze diesen Geschöpfen etwas anhaben und es werden auch nicht zig ach wie aufregende Bezeichnungen (z.B. „Gramajäras“ für „Sterbliche“) herbeifantasiert, die man sich merken müsste, um den Verlauf der Handlung weiterhin angemessen verfolgen zu können.
Als ich das Buch abgeschlossen hatte, habe ich erst festgestellt, dass es sich bei „Eine Vampirin auf Abwegen“ um einen Band aus einer Serie von Vampirromanen (genauer gesagt: um den dritten und damit bisher noch letzten, wobei nun im Juni Band 4 erscheinen soll) handelt.
Wie gesagt: ich kannte diese Serie und auch die beiden vorhergehenden Bände nicht, aber das hat nun auch nichts gemacht. Denn es ist nicht so, dass „Eine Vampirin auf Abwegen“ auf den vorherigen Bänden bzw. dem Wissen, was der Leser daraus gewonnen hat, aufbaute.
Die Serie, die sogenannte Argeneau-Reihe der Autorin, erzählt die Geschichten der Mitglieder der Familie Argeneau und jeder Band handelt von einem anderen Mitglied.
Diese Linie ist wohl achronologisch aufgebaut bzw. überkreuzt sich: Kenner der ersten beiden Bände wird der Ausgang dieses Romans nun nicht überraschen, denn wie ich einigen anderen Meinungen zu dieser Serie entnehmen konnte, kommt der gewandelte Greg bereits in den Vorgängern als Lissis Ehemann vor.
Daher wird den Argeneau-Lesern bereits ein wenig von der Spannung genommen, mit der es hier aber auch so eine Sache ist: „Eine Vampirin auf Abwegen“ beginnt als romantischer Liebesroman ohne große Aufregungen.
Spannung kommt erst zum Ende hin auf, als Lissi und Greg sich zunächst gezwungen sehen, vor ihrer Familie zu flüchten und im Anschluss noch entführt werden; diese Entführung wirkt aber doch derart inszeniert und an den Haaren herbeigezogen dass man das Gefühl hat, Lindsay Sands sei einfach vom Verlag dazu verdonnert worden, ihr Manuskript nochmals zu überarbeiten und ein wenig Action einzubauen. Dieser Teil wirkte auf mich doch ein wenig lieblos und schnell dahingeklatscht.
Für mich hätte es diese Zwischenhandlung auch absolut nicht gebraucht; ich fand den Plot auch so schon relativ spannend, was aber mitunter daran liegen wird, dass ich noch nicht von den Vorgängern über den Ausgang dieses Romans informiert worden war. Denn für mich war es doch bis zum Schluss hin offen, ob Greg sich von Lissi lossagt und sein normales Leben weiterführt, ob er sich für ein Leben mit oder ohne Lissi als Vampir entscheidet, ob Lissianna ihm letztlich nicht doch einen Korb geben würde, wie sich Lissis Familie weiterhin gegenüber Greg verhält…
Gut, von einem klassischen Liebesroman erwartet man nun doch auch eher generell ein Happy End, aber Vampirromane zählen für mich nicht zu den klassischen Liebeserzählungen und da könnte ich es auch verstehen, wenn jemand sagt: „Nee du, auch wenn du meine große Liebe bist; Vampirismus ist absolut nicht meins!“
Zwischendrin hätte ich es Lissianna aber ab und an auch absolut mal zugetraut, doch so richtig zuzubeißen und Greg komplett auszusaugen – egal, ob der Vampirkodex es nun verbietet oder nicht.
Die Vampire wurden hier zwar als recht friedliebende und freundliche Gestalten geschildert, die die Bezeichnung „Vampire“, mit der die Menschheit eher blutrünstige Monster verbindet, vehement ablehnen. Nichtsdestotrotz verstand es Sands aber, ihren Figuren noch einen gewissen Rest Unberechenbarkeit zu lassen, so dass die Familie Argeneau dem Leser wie die neuen, spinnerten Nachbarn erschien: man ist neugierig, wie es bei denen daheim so zugeht, aber man ist später wieder froh, von da wegzukommen, obwohl man sich rational gesehen dort nie in irgendeiner Gefahr befand.
Natürlich hat die Geschichte hier auch ihre Schwächen: mich störte, wie gesagt, die letztlich noch schnell eingebaute und irgendwie hanebüchene Entführungsstory (in deren Verlauf Lissi schwachsinnigerweise auch noch gepfählt werden musste, was meiner Meinung nach der allergrößte Mumpitz in dieser Geschichte war) und ich fand es auch unnötig, dass jedes Mal, wenn Greg und Lissi übereinander hergefallen sind, ihre sexuellen Erlebnisse so genau geschildert werden mussten. Das hatte weder was mit Erotik zu tun noch war es in irgendeiner Form subtil, sondern wirkte auch eher wie „Sex sells“ und ebenso wie die „spannende“ Schlusshandlung wie eine Vorgabe des Verlags und passte sonst so gar nicht zur zarten Romantik und eher trockenen Art des Romans.
Abgesehen davon verhielten sich einige Mitglieder der Familie arg „jung“: Lissi feierte wie gesagt ihren 202. Geburtstag – ich würde sagen, vor über 200 Jahren sah die Welt noch ganz anders aus und sie und, Anpassung hin oder her, einige ihrer noch viel älteren Familienmitglieder wirkten auf mich doch ein wenig zu sehr „modernisiert“.
Ich sagte schon, der Roman zeichnet sich durch eine eher trockene Schreibweise aus, was sich insbesondere in den humoristischen Anwandlungen zeigt.
„Eine Vampirin auf Abwegen“ ist nun kein besonders komisches Buch; allzu viel Komik lässt sich hier nicht erkennen, sondern ab und an ist lediglich eine Bemerkung eingebaut, die von einem trockenen Humor zeugt und einem doch das ein oder andere Schmunzeln entlockt.
In erster Linie konzentriert sich „Eine Vampirin auf Abwegen“ tatsächlich auf die sich zwischen Greg und Lissi entwickelnde Liebesgeschichte.
Letztlich liegt der Fokus auch eher auf Lissianna, während der Anfang des Buches nur erzählt, wie sich Greg entführen lässt – der Beginn ist übrigens schwer verständlich und verwirrt den Leser ebenso sehr wie den Psychologen wohl die Tatsache, dass er sich weniger entführen als vielmehr von der wildfremden Mutter von Lissi mit nach Hause nehmen und ans Bett fesseln ließ.
Auf diesen ersten paar Seiten dachte ich noch: „Hilfe, wer soll denn dieses Buch verstehen?“, aber diese Verwirrung löste sich dann mit Lissiannas Auftauchen, was dann ja auch ganz fix kam, in Wohlgefallen auf (sowohl für mich als Leser als wohl auch für den gefangenen Greg) und plötzlich war man mittendrin.
Im Allgemeinen hat mir der Roman „Eine Vampirin auf Abwegen“ aber sehr gut gefallen: da ich die Vorgänger-Bände bislang nicht kenne, war die Geschichte auch ohne das abschließende Entführungsdrama für mich spannend genug, ich bin ein Fan von eher trockenem Humor und die Erzählweise ist auch nicht besonders kitschig. Von daher ist dies wohl auch ein Buch für beide Geschlechter.
Von meiner Seite aus kann ich die abwegige Vampirin aber auf jeden Fall empfehlen; man sollte Vampirgeschichten allerdings natürlich nicht abgeneigt sein und auch keine unbedingten bösen und blutrünstigen Vorurteile gegenüber diesen Gestalten haben. Wer hier überfließende Blutströme, Massaker, Beißparties etc. erwartet, ist definitiv falsch – wer keine Probleme damit hat, auch mal an das Gute im Vampir zu glauben: bitte sehr!
Mir hat dieser Roman jedenfalls gereicht, um nun zu wissen, dass ich auch die anderen Bände der Reihe unbedingt noch lesen will…
° Allgemeines °
Der 392 Seiten umfassende Roman „Eine Vampirin auf Abwegen“ von Lindsay Sands ist im März 2009 zum ersten Mal in Deutschland durch den LYX Egmont Verlag verlegt worden.
Das broschierte, unter der ISBN 978-3-8025-8183-0 erschienene Buch ist im Handel für 9,95€ (Deutschland) bzw. 10,30€ (Austria) erhältlich weiterlesen schließen
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