Pro:
gute DarstellerInnen, tolle Bilder
Kontra:
betuliche Erzählweise
Empfehlung:
Ja
Hallo Zielgruppe!
Clint Eastwood hat uns ja in der Vergangenheit mit einigen filmischen Meisterwerken beglückt, so dass man zum Teil den Eindruck hatte, der Mann wird mit zunehmendem Alter immer besser. Das ist zwar einerseits gut für ihn und alle, die seine Filme sehen, aber andererseits schraubt das die Erwartungen für neue Filme in immer weitere Höhen. Ob er mit seinem neuesten Film diese Erwartungshaltung erfüllen kann, dazu mehr in diesem Bericht.
~~~ wie so oft zuerst die „MissVega versteht nicht viel vom Rugby“ - Kurzversion ~~~
Nach der offiziellen Abschaffung der Rassentrennung in Südafrika 1991 steht der neugewählte Präsident Nelson Mandela vor der gewaltigen Aufgabe dafür zu sorgen, dass dies auch in den Köpfen und Herzen der Menschen ankommt. Er muss das Misstrauen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen abbauen und sie miteinander versöhnen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Abhilfe schaffen soll da ausgerechnet die bei der schwarzen Bevölkerungsmehrheit verhasste und fast ausschließlich mit weißen Spielern versehene Rugby-Nationalmannschaft. Sie soll bei den im folgenden Jahr im Heimatland stattfindenden Weltmeisterschaft möglichst erfolgreich abschneiden. Dummerweise ist das Team noch weit davon entfernt, ein Titelkandidat zu sein. Deswegen setzt sich Nelson Mandela mit dem Kapitän der Mannschaft zusammen, um einen Masterplan zu entwickeln, wie sich an diesem Zustand etwas ändern lässt...
~~~ und nun wieder die „Dr.Ed versteht mehr von Rugby als von Politik“ - Langversion ~~~
Es ist 1991 und in Südafrika ist soeben die Rassentrennung abgeschafft worden. Nun muss der neugewählte Präsident Nelson Mandela (Morgan Freeman) dafür sorgen, dass die Aufhebung der Apartheid auch in den Köpfen und Herzen der Menschen ankommt, denn noch ist das Verhältnis zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Das ist natürlich kein einfaches Unterfangen. Als großer Sportfan weiß Mandela aber eins: Sport ist auch immer ein guter Integrationsfaktor. Unterstützen soll in dabei ausgerechnet die von der schwarzen Bevölkerungsmehrheit verhasste und fast ausschließlich mit weißen Spielern versehene Rugby-Nationalmannschaft. Sie soll bei der im folgenden Jahr stattfindenden Weltmeisterschaft möglichst erfolgreich abschneiden.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die Nationalmannschaft gilt nicht gerade als heißer Titelkandidat, sondern eher als krasser Außenseiter und zuletzt hagelte es für die Mannschaft auch gegen eher zweitklassige Gegner deftige Niederlagen. Also bestellt Mandela mit Francois Pienaar (Matt Damon) den Kapitän der Nationalmannschaft zu sich in den Regierungspalast, um mit ihm die Möglichkeiten zu besprechen, wie das Team an die Weltspitze herangeführt werden kann, aber auch, wie man das Team bei der schwarzen Bevölkerungsmehrheit beliebter machen kann. Man beschließt ein ganzes Bündel verschiedener Maßnahmen von professionellerem Training bis hin zu diversen PR-Maßnahmen wie öffentliche Trainingseinheiten in schwarzen Townships.
Nach anfänglicher Skepsis willigt Pienaar in diesen Plan ein und nach einiger Zeit zeigen die beschlossenen Maßnahmen erste Früchte. Die Popularität der Mannschaft steigt und die Unterstützung innerhalb der Bevölkerung nimmt immer weiter zu. Aber reicht das, um bei der WM vorne mitzumischen? - Die Antwort erfahrt ihr entweder im Kino oder aus dem Sportlexikon...
### MEINE MEINUNG ###
Mit Biopics und sonstigen Stoffen, die auf einer wahren Geschichte beruhen ist das immer so eine Sache. Meist leiden sie darunter, dass in ihnen viel zu viele Dinge in viel zu kurzer Zeit erzählt werden soll. Je nach Umsetzung kann das mitunter äußerst spannend oder aber manchmal auch ziemlich langweilig sein. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Film ist überraschenderweise keins von beiden. Er konzentriert sich vielmehr auf eine relativ kurze Zeitspanne, nämlich der von Mandela's Amtsübernahme bis hin zum Finale der Rugby-WM. Auch die Anzahl der Figuren, die auftreten, ist – von den Rugby-Mannschaften abgesehen – relativ begrenzt. Insofern bleibt der Rahmen der Geschichte überschaubar.
Diese Beschränkung hat den Vorteil, dass sich die Autoren weitestgehend auf den Kern der Geschichte und die dazugehörigen Figuren konzentrieren können, was auch im wesentlichen gelingt. Manchmal wird einiges sogar fast schon etwas zu gradlinig erzählt und einige negative Aspekte, die am Rande auftauchen, außen vor gelassen. So finden zum Beispiel die relativ verbreiteten Betrugsvorwürfe in keiner Form Berücksichtigung. Aber wahrscheinlich werden sich daran nur einige Rugby-Fans stören und nicht das gemeine Kino-Publikum. Auch der patriotische Ansatz des Films ist sicher nicht jedermanns Sache, aber zumindest verkommt er im Film nicht zum Selbstzweck.
Was die Inszenierung betrifft, trägt der Film unverkennbar die Handschrift Eastwoods. Die Geschichte wird in relativ ruhigen Bildern mit langen Kameraeinstellungen und einigen Zeitlupenbildern erzählt. Auf wilde Schnitte oder sonstige Formen der Effekthascherei wird weitestgehend verzichtet. Auch die Stimmung der Zeit wird hervorragend eingefangen und von wunderbaren Landschaftsbildern und Klängen Südafrikas untermalt. Es gelingt Eastwood einmal mehr, das Publikum in seinen Bann zu ziehen.
An den DarstellerInnen gibt es auch nichts auszusetzen. Morgan Freeman spielt Nelson Mandela eben mit jener staatsmännischen Würde, die ein großes Staatsoberhaupt ausmachen und schlägt Dennis Haysbert, der Mandela mal vor Jahren in einem Film verkörpert hat, doch um die eine oder andere Länge. Matt Damon macht seine Sache auch tadellos und man möchte fast meinen, seine Rolle in der Bourne-Trilogie war nur das Trainingslager für diesen Film. Auch alle weiteren DarstellerInnen in diesem Film machen ihre Sache sehr gut und man hat nicht den Eindruck, dass jemand fehlbesetzt wäre.
Insgesamt muss man jedoch sagen, dass der Film zwar alles andere als schlecht ist, aber im Vergleich zu vorangegangenen Eastwood-Filmen doch ein wenig abfällt. Das liegt aber weniger an den DarstellerInnen oder der Inszenierung, sondern im wesentlichen an der Geschichte selbst, der es einfach etwas an der Faszination mangelt.
### FAZIT ###
Insgesamt ein durchaus sehenswerter Film, auch wenn er kein Meisterwerk ist, dazu ist der Film einfach zu konventionell erzählt und dazu wirkt die Geschichte auch etwas zu belanglos. Aber nichtsdestotrotz ist ein mittelmäßiger Eastwood-Film immer noch besser als die meiste Durchschnittsware und daher kann ich einen Kinobesuch guten Gewissens empfehlen, auch wenn der Film kein absolutes Muss ist.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2009, 134 Min., FSK 6
Regie: Clint Eastwood
Buch: Anthony Peckham als Drehbuch, John Carlin als Geschichte
Kamera: Tom Stern
Musik: Kyle Eastwood und Michael Stevens
~ Nelson Mandela – Morgan Freeman
~ Francois Pienaar – Matt Damon
~ Brenda Mazibuko – Adjoa Andoh
~ Jason Tshabalala – Tony Kgoroge
~ Linga Moonsamy – Patrick Mofokeng
~ Etienne Feyder – Hendrick Booyens
~ Nerine – Marguerite Wheatley
~ Mr. Pienaar – Patrick Lyster
~ Mrs. Pienaar – Penny Downie
~ Zindzi – Bonnie Henna
~ Mary – Leleti Khumalo
~ Eunice – Sibongile Nojila
~ Johan de Villiers – Robin Smith
~ Sportminister – Shakes Myeko
~ Springbok Coach – Louis Minnaar
~ Rugby Verbandspräsident – Danny Keogh
~ Boer – Dan Robbertse
u.v.a. weiterlesen schließen
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