Pro:
Hardware, Software, Verarbeitung, Design
Kontra:
Preis
Empfehlung:
Ja
Nutzungshistorie: Anfang April 2011 – heute
Wie es zum Kauf kam:
Nachdem ich in 2010 ein halbes Jahr lang Spaß mit einem Motorola Milestone hatte, stellte ich irgendwann fest, dass Android in manchen Bereichen auch nach diesem halben Jahr nicht ausgereift ist, wie etwa den Spielen, der konstanten „Flüssigkeit“ des Betriebssystems, welche der große Konkurrent Apple mit iOS so exzellent hinbekommt und teilweise auch der Qualität der Apps. Zudem habe ich mir eingeredet, kein mobiles Internet zu brauchen und generell, mit meinem alten K750i von Sony Ericsson könne man ja auch telefonieren. Pustekuchen, ab Ende März begann ich mit der Recherche nach Android-Smartphones, nur diesmal nicht von Motorola, mit einer aktuellen Android-Version und mit einem größeren Display. Zum Schluss blieben mir nur 5 Geräte, aus denen ich auswählen wollte: das HTC Desire HD, das Samsung Nexus S, das HTS Incredible S, das Sony Ericsson Experia Arc, das HTC Desire S und das Samsung Galaxy S.
Hardwaretechnisch waren sie alle höchst potent, wobei nur das Incredible S, das Arc und das Desire S auf dem ganz neuen Qualcomm 8255 basierten, welcher abgesehen von den bisher nicht vernünftig ausreizbaren Dual-Core-Prozessoren der bisher schnellste Chipsatz für Smartphones war. Die anderen Geräte hatten den 8250 (Galaxy S, Desire HD) und einmal den A8/Hummingbird/? (Nexus S). Weil die Hardware für mich das wichtigste Kriterium war und die Unterschiede in anderen Bereichen wie Android-Version, Kamera und Bildschirm-Größe nicht sehr groß waren, blieben eigentlich nur zwei Alleinstellungsmerkmale bei den stärkeren Geräten, nach denen ich dann entschied, und zwar die Akkulaufzeit und das Design. Bei ersterem Punkt ging das Arc mit nur etwa einem Tag bei mäßiger Nutzung aus dem Rennen und es verblieben nur das Samsung Nexus S, welches ja das Google-Phone schlechthin ist und wahrscheinlich bis 2018 noch am Releasetag einer Android-Version direkt das Update bekommt und das Incredible S, welches zunächst wie die biedere Vernunftslösung ohne gewölbtes Display und die omnipräsente Google-Macht anmutete. Ich wählte das Incredible S, zum Einen wegen der Benachrichtigungs-LED, die das Nexus S einfach nicht hatte, zum Anderen wegen den sich mitdrehenden Buttons und dem Namen, den wahrscheinlich noch nie ein HTC-Mitarbeiter laut ausgesprochen hat. ;-)
Verpackung:
Das Incredible S kommt in einem schmucken kleinen Pappschuber, darin findet man ein Headset (habe ich wegen den flachen Stöpseln gar nicht erst ausgepackt), ein USB-Kabel und den Lade-Adapter für dieses sowie die Garantiekarte und eine Kurzanweisung, die ganzen Kabeldinger und der Adapter sind dabei in optisch unauffälligen, dafür aber haptisch extrem angenehmen Samtplastik-Säckchen. Auf der äußeren Verpackung ist frontal das Gerät auf einem schwarzen Hintergrund abgebildet, auf der Rückseite hingegen findet man eine Kurzbeschreibung und die wichtigsten technischen Angaben vor – in meinem Fall auf Französisch, genau wie die Kurzanleitung, obwohl das Gerät eigentlich bei einem deutschen Shop bestellt wurde.
Reparaturen:
Es ist traurig, aber wahr, schon am dritten Nutzungstag musste ich mein Incredible S einschicken. Der Kopfhöreranschluss hatte sich nach 1,5 Nutzungstagen verabschiedet, angesteckte Headsets wurden nur bei extremem Druck erkannt und die Klangqualität litt extrem. Nach etwa drei Wochen Hin-und-Her mit dem Verkäufer erhielt ich dann ein neues Gerät, über welches ich hier auch berichte.
Design:
Zufällig stand mein Vater gerade neben mir, als ich das Gerät auspackte. Sein erstes Statement dazu: Ja, haben die denn heutzutage gar keine Tasten mehr? Tatsächlich, die Front des Incredible S ist befreit von physischen Tasten und sieht deshalb gewissermaßen futuristisch aus, solange das Display nicht angeht und mit diesem die 4 Touch-Tasten darunter.
Diese Tasten haben eine ganz eigene, etwas ungewöhnliche Konstruktion, prinzipiell ist das Incredible S das erste Smartphone, das sich mitdrehende Buttons aufweist. Das funktioniert in der Theorie so, dass unter der eigentlichen Touch-Oberfläche kleine LCD-Displays liegen (laut einigen Blogs und Zeitschriften) und je nach Orientierung ein anderes Bild zeigen. In der Praxis führt dies aber dazu, dass die Tasten absolut ungleichmäßig ausgeleuchtet sind (ab einem Blickwinkel von etwa 5° verlagert sich die Helligkeit extrem zum Suchbutton) und die anderen Tasten unter ihnen durchscheinen, zumindest im Falle des Suchbuttons und des Zurück-Buttons. Das alles passiert aber nur bei der (leider öfter verwendeten) vertikalen Haltung, in der horiziontalen ist die Ausleuchtung gleichmäßiger und es gibt kein Durchscheinen.
Abgesehen von den Tasten hat das Incredible S auch einen sehr interessanten Rücken, dieser besteht aus einem angenehmen, dunkelgrauen, matten Plastik und zeigt eine Hervorhebung in Form einer SIM-Karte. Damit will HTC diversen Berichten zufolge zeigen, dass die Hardware so potent ist, dass sie sozusagen fast rausquillt. Trotz der fragwürdigen Begründung erleichtert dieser Umriss das Halten des Gerätes und sieht trotzdem gut aus. Durch das optimale Gewicht und die optimalen Maße liegt das Incredible S damit einfach gut in der Hand und ermüdet diese auch nach längerem Halten nicht.
Display: Beim Incredible S wird zwar kein AMOLED-Display verwendet, dafür aber ein SuperLCD-Schirm, der ebenfalls mit kräftigen Farben, ordentlichen Kontrastwerten und guter Helligkeit zu begeistern vermag. Natürlich ist er mit rund 80% der größte Akkuverbraucher des Incredible S, selbst die aufwendigsten Apps schlucken höchstens 20%. Die für ein aktuelles Smartphone so wichtige Erkennung der Gesten und Bewegungen funktioniert in aller Regel tadellos, wenn doch einmal was nicht erkannt wird, liegt das eher am Betriebssystem.
Betriebssystem:
Das hier ist natürlich die größte und komplizierteste Kategorie. Nur wenige Menschen können sich dem Hype rund um Smartphones komplett entziehen, fast jeder hat zumindest schon einmal von dem omnipräsenten iPhone von Apple gehört, die Konkurrenz hingegen ist größtenteils nicht ganz so populär und bekannt - bis auf Android, welches bis dato den mit Abstand erfolgreichsten iOS-Konkurrenten darstellt. Beide Betriebssysteme sind sich im Kern recht ähnlich und könnten doch nicht unterschiedlicher sein, bauen sie doch auf ganz verschiedenen Firmenphilosophien und Zahlungsmodellen auf. Erstaunlicherweise hat sich Android in den rund 10 Monaten, in denen ich kein Smartphone besaß kaum verändert. Die Apps, die ich damals schon oft und gerne nutzte, sind noch im Market, die Spiele sind nicht deutlich besser geworden (obgleich ihre Anzahl durchaus gestiegen ist), die Flüssigkeit hat sich kaum gebessert und die Anpassungsmöglichkeiten sind immer noch vielfältiger als bei iOS.
Dennoch entfaltet Android einen ganz eigenen Underdog-Charme, vor allem durch die nahtlose Google-Unterstützung und Synchronisation in sämtlichen Google-Apps. Wer – wie ich – Google vertraut und für einen hohen Komfort die Hoffnung aufgibt, kein „gläserner Bürger“ zu sein, muss sich um kaum etwas kümmern. Ob Kontakte, Dokumente, Videos, Bilder, Musik oder sonst etwas, alles ist sofort griffbereit, sortiert und perfekt verwaltbar – vorausgesetzt, man hat eine mehr oder minder schnelle Internetanbindung. Denn mit dem Internet steht und fällt Android; sicherlich kann man ohne Internet auskommen, aber das Surfvergnügen, die Synchronisation und die sekundenschnelle Suche nach allem und jedem macht ein Smartphone aus, vor allem im Fall von Android und iOS. Nur zwei Monate nach dem Verkaufsstart des Incredible S veröffentlichte HTC das Update auf die Android-Version 2.3.3, welches vor allem kleinere Bugs behebt, die Empfangsqualität verbessert, die Geschwindigkeit erhöht und einige Details in HTC Sense verändert (mehr dazu später).
Obwohl die Hardware sehr potent ist, kommt es doch hin und wieder zu kleinen Verzögerungen, vor allem wenn etwas synchronisiert oder aus dem Internet abgerufen wird. In aller Regel bleibt das System aber ruckelfrei, Abstürze hatte ich bisher noch absolut keine.
Zu den Apps, die Android bietet, kann man sehr lange schreiben, zusammengefasst lässt sich aber sagen, dass es im Android Market genug davon gibt und für fast jeden Einsatzzweck eine zur Verfügung steht. Zwar sind viele auf Englisch oder grafisch nicht anspruchsvoll oder verbuggt, weil es bei Android keine Qualitätskontrolle wie bei iOS gibt, aber funktionieren tun alle. Bei den Spielen sieht es schlechter aus, hier ist einfach noch immer nicht die Auswahl vorhanden, die man bei iOS hat. Die Ansätze sind gut, es werden immer mehr akzeptable Titel eingestellt, aber es sind noch immer nicht genug.
Für das Incredible S gibt es im Moment (Mitte Mai 2011) noch keinen Root-Zugriff und keine Custom ROMs. Das heißt, man kann die Startbildschirme mit Drittanbieter-Launchern modifizieren, nicht aber das grundlegende Aussehen des Betriebssystems. Auch einige spezielle Funktionen, wie das Aufnehmen von Screenshots sind dadurch nicht möglich. Da bisher jedoch (so gut wie) jedes Android-Gerät gerootet wurde, sollten diese Funktionen bald auch auf dem Incredible S möglich sein.
Akku:
Verlässliche Angaben zum Akku kann ich leider nicht geben, mit einigen Hochrechnungen komme ich aber auf etwa 6-7 Stunden bei Volllast und zwei Tage bei spärlicher Nutzung. Hochrechnen muss ich nur, weil ich das Incredible S immer nachts laden lasse und noch nicht länger als 3 Stunden unter Vollast benutzt habe.
Klang:
Der Lautsprecher dröhnt bei den höchsten Lautstärkestufen, in den ersten drei Vierteln bleibt der Klang aber klar und ein wenig Bass kriegt man auch ab. Bei Anrufen sieht es ähnlich aus, das Gegenüber versteht einen sehr deutlich, man selbst hört den anderen auch sehr gut.
Kamera:
Die habe ich bisher eher weniger probiert, bei Tageslicht gelingen Fotos und Videos sehr gut, mit Blitz ist sogar in der Dämmerung noch der eine oder andere Schnappschuss zu erzielen. Ganz so schnell wie die iPhone 4 – Kamera reagiert die Knipse des Incredible S aber nicht, es gibt immer eine Art Abkühlzeit zwischen zwei Fotos, diese dauert eine bis zwei Sekunden. weiterlesen schließen
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