August von Goethe Literaturverlag Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Gegen die Meinungsfreiheit - ein Verlag auf Autorensuche
ein Testbericht von Liesewetter2008-07-09 11:36:21vom 09.07.2008Empfehlung: nein
Vorteile: Jeder Autor wird angenommen...Nachteile/Kritik: Jeder Autor zahlt Tausende Euros
Was ist das für ein Verlag, der wieder einmal in der Öffentlichkeit von sich Reden macht? - "Der Verlag für neue Autoren", so wirbt der August von Goethe Literaturverlag bundesweit in Zeitungen und im Internet für sich und wirft zugleich die Frage auf: Was ist das genau für ein Verlag, der so verzweifelt nach Manuskripten von sog. "neuen" Autoren sucht?
Denn er tut dies zu einer Zeit, in der jährlich 90.000 Neuveröffentlichungen in Deutschland auf den Markt kommen und sich die Manuskripte auf den Tischen von Lektoren von Publikumsverlagen nur so stapeln.
Um sich einen besseren Eindruck von diesem Verlag zu machen, möchte ich zunächst die Verlagsstrukur deutlich machen, um schließlich auf meine Erfahrungen mit diesem Verlag eingehen zu können.
Die Verlagsstruktur
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Der August von Goethe Literaturverlag ist ein Imprintverlag des sog. Frankfurter Literaturverlags GmbH, welche wiederum eine Tochter der sog. Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe ist. Kapitaleigner und Verlagsgründer ist ein Herr Hänsel-Hohenhausen, der z.T. auch als Donatus Prinz von Hohenzollern öffentlich auftritt.
Unter dem Frankfurter Literaturverlag firmieren neben dem August von Goethe Literaturverlag noch weitere Imprintverlage, darunter der sog. "Cornelia Goethe Literaturverlag", "Fouqué Verlag", "Weimarer Schillerpresse" und "Schweizer Bücherschiff".
Alle sie sind sog. Druckkostenzuschussverlage oder auch Selbstzahlerverlage, also Verlage, die das unternehmerische Risiko auf den Autor umwälzen und sich öffentlich als "Dienstleisterverlage" bezeichnen.
Und auch der Blick auf das Firmengeflecht macht folgendes deutlich: Geschäftsführer ist ein Dr. Uwe Frank, seinerseits ein Chemiker, der zugleich auch Geschäftsführer der sog. Brentano Gesellschaft Frankfurt mbH ist. Allein-Kapitaleigner und Verlagsgründer auch hier: Herr Hänsel-Hohenhausen.
Selbige sog. "Brentano Gesellschaft Frankfurt mbH" unterhält im Internet ein sog. "Deutsches Literaturfernsehen" (vormals "Literatur im Zweiten" - dieser Name wurde ihr vom Zweiten Deutschen Fernsehen zu recht untersagt). In diesem sog. "Fernsehen" stellen "Autoren" der Verlagsgruppe ihre Bücher vor - mit auffällig schlechtem Schnitt.
Und da gibt es noch eine Einrichtung dieses Verlagsgründers (vgl. Landgericht Frankfurt am Main vom 17.5.2005, Az: 2-03 O 730/04): Ein sog. Bund Deutscher Schriftsteller, der sich als unabhängiger "Schrifstellerverband" gibt, in dem jedoch eine Mitgliedschaft nicht nur faktisch (horrende Mitgliedsbeiträge) unmöglich ist, sondern der sog. "neue" Autoren kostenlos an Verlage vermittelt. An welche Verlage? Man ahnt es schon.
Mein erster Kontakt zu diesem Verlag
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Öffentlich wirbt dieser Verlag in Zeitungen wie ZEIT und in Google-Anzeigen im Internet: "Autoren gesucht". Er wirbt mit berühmten Namen und beruft in seinem Namen August Goethe, den Sohn von Johann Wolfgang von Goethe.
Will man einem solchen Verlag Seriösität absprechen wollen, der sich selbst in der "bedeutensten Literaturstraße Deutschlands" werbend als ansässig bezeichnet - am Großen Hirschgraben in Frankfurt am Main?
So wurde auch ich auf diesen Verlag aufmerksam und schickte ein Manuskript ein. Sofort kam die Zusage innerhalb von wenigen Tagen. "Ihr Manuskript haben wir als sehr empfehlenswert beurteilt." Anbei: Ein Kosten"angebot" - geprüft und empfohlen von einem sog. "Bund Deutscher Schriftsteller". Sorgsam gedruckt, gelocht und "besiegelt".
Kosten: stolze 9.800 Euro.
Durch Gedichte-Generator erzeugtes Manuskript angenommen
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Durch Kontaktaufnahmen mit anderen Autoren wurde ich schnell aufmerksam, um was für Geschäftspraktiken es sich hier handelt. Dieser Verlag lebt von den Autoren. Selbst durch Online-Gedichte-Generatoren erzeugte Manuskripte wurden von einem
Imprintverlag des Frankfurter Literaturverlags bereits angenommen (vgl. ZDF-Sendung WiSo vom 19.12.2006).
"Warum Rechts - Gedanken eines Deutschen" - im Verlagsprogramm
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Un d meine Recherchen ergaben schnell noch etwas weiteres: Selbst das Buch des Vize-Vorsitzenden von "Pro NRW", einer durch den Verfassungsschutz wegen Verdachts des Rechtsextremismus überwachter Partei, wurde vom August von Goethe Literaturverlag (vermutlich auch gegen Bezahlung) angenommen:
Über das Buch des Herrn Dieter Danielzick "Warum Rechts? Gedanken eines Deutschen!" heißt es vom August von Goethe Literaturverlag:
"Dieses Buch ist ein Appell an die gegenwärtige Gesellschaft, die sich wieder auf ihre alten christlichen Werte besinnen sollte, damit es in Deutschland wieder aufwärts geht. Dieter Danielzick hat am eigenen Leibe erfahren, dass die politische Landschaft in Deutschland und seine Demokratie " wahre" Meinungsfreiheit nicht dulden. Der Autor versteht es das komplexe Themenspektrum seiner Leserschaft in einer klaren und allgemeinverständlichen Sprache näher zu bringen."
Auch so kann man es ausdrücken... Wer das Buch liest, dem kommt jedoch das Grauen...
Hat der Verlag dies nötig, jedes Buch zur Veröffentlichung anzunehmen?
Zensur gegen Kritiker
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Doch der Verlag wirbt weiter um Autoren. Welche Manuskripte, das scheint ihm völlig egal zu sein.
Gegen Kritiker werden Abmahnungen verschickt. Auch Verbrauchercommunities wie dieses beschweren sich schon, wie ein Anwalt Ch. Jaensch aus Langen ständig mit Klagen droht, sobald ein Autor über diesen Verlag kritische Zeilen schreibt und damit von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch macht.
Und die Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe schreckt noch nicht einmal davor zurück, Autorenverbänden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz die Klage anzudrohen, weil diese auf die Geschäftspraktiken von Zuschussverlagen in einem Aktionsbündnis für faire Verlage aufmerksam machen.
So griff die Verlagsgruppe jüngst in den Meinungsbildungsprozess Dutzender Verbände und Literatureinrichtungen ein, als Anwalt Jaensch in einer nächtlichen Aktion gegen 23 Uhr plötzlich Abmahnfaxe an sämtliche Unterstützer des Aktionsbündnisses verschickte - mit wüsten Beschimpfungen und mit der Drohung, gegen das Engagement der Verbände Klage einzureichen.
In einer Pressemitteilung verwahrten sich die Autorenverbände dieses unakzeptablen Versuchs der Zensur. Es heißt für Meinungsfreiheit und gegen Einschüchterung:
»Es ist ungeheuerlich, dass ein Verlag, der sich mit dem Namen Goethe schmückt, mit repressiven juristischen Maßnahmen gegen Autoren und ihre Verbände vorgeht, die sich für faire Verlagspraktiken einsetzen«, erklärte Imre Török, Vorsitzender des VS in ver.di. Schriftstellerverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden am 23. April, dem »Welttag des Buches«, mit einer gemeinsamen Erklärung für faire Verlagspraxis an die Öffentlichkeit treten. Die Verbände sind Teil eines Aktionsbündnisses, das sich gebildet hat, um insbesondere jungen Autoren und Berufsanfängerinnen besser zu informieren. In der gemeinsamen internationalen »Fairlag-Erklärung« treten die Unterzeichner ausdrücklich für den fairen Umgang zwischen Autoren und Verlegern ein, ohne dabei Verlagsnamen zu nennen. Trotzdem droht die »Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe« den Initia-toren und unterzeichnungswilligen Autorenvereinigungen bereits im Vor-feld mit kostenträchtigen Prozessen und versucht, sie mit Abmahnungen einzuschüchtern. »Nicht allein die öffentliche Meinungsäußerung, schon die interne freie Meinungsbildung soll juristisch unterbunden werden. Diese Vorgehens-weise hat mit einer Kultur des Wortes absolut nichts zu tun und ist ein Schlag ins Gesicht aller gewissenhaft und seriös arbeitenden Verlage«, so Török. „Eine solche Art Vorzensur ist skandalös, wir weisen sie zurück.“
Kapitaleigener und Verlagsgründer Hänsel-Hohenhausen wartete schließlich noch mit einer sog. "Denkschrift" auf, in der er Autorenverbänden "Autorenverfolgung im Geiste des Nationalsozialismus und Kommunismus" vorwarf.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schrieb daraufhin (24.4.2008):
"Als die "Fairlag-Erklärung" gestern im Kölner Verdi-Haus vorgestellt wurde, hatte "Altverleger Dr. v. Hänsel-Hohenhausen", bis 2003 Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG, auf die "geheime" (!) Aktion bereits mit einer elfseitigen "Denkschrift" reagiert. Darin wirft er den Verbänden vor, "sich mit ihren Forderungen von Ausgrenzung und Zensur in den geistigen Strom der Autorenverfolgung der Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus" zu stellen. Nach der Pressekonferenz verteilte ein Teilnehmer vor der Tür eine Pressemitteilung, in der besagter "Altverleger, der 3000 Autoren seiner Verlagshäuser vertritt", erklärt, es handle sich "um einen Fall systematischer Diskriminierung von Autoren, wie es sie seit den Zeiten der DDR nicht mehr gegeben habe". Wer mit solchen Vergleichen die Verbrechen des Totalitarismus verharmlost, darf sich nicht wundern, wenn vor ihm gewarnt wird."
Diesem Urteil kann auch ich mich nur anschließen, der vor Jahren ein Manuskript an den August von Goethe Literaturverlag geschickt habe und zum Glück diese Geschäftspraktiken dank der Hilfe von anderen Autoren schnell durchschaute. Unglaublich, dass es so einen Verlag mitten in Deutschland gibt! Und unglaublich, dass auch dieser gut recherchierte, gerichtsfeste und aufklärende Bericht - wie ich sehr schätze - mit Sicherheit ebenfalls mit Klageandrohungen abgemahnt werden wird und damit die Einschüchterung von Kritikern gegen dieses Geschäftsgebaren kein Ende nimmt.
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Produktbeschreibung August von Goethe Literaturverlag
Technische Daten und ProdukteigenschaftenVerlag aus Frankfurt, der sich auf Bellestristik spezialisiert hat.
Allgemeine Informationen August von Goethe Literaturverlag
gelistet seit: 07.12.2007
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