Nationalpark Helvetinjärvi Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
die Höllenschlucht und der Höllensee
ein Testbericht von forlornsailor2010-01-11 19:02:58vom 11.01.2010Empfehlung: ja
Vorteile: Schöne Natur, Familienfreundlich, nicht überlaufen, viele Aktivitäten...Nachteile/Kritik: Realtiv kurze Wanderstrecken, schlechte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Tervetuloa suomen luontoon ! Oder auf deutsch: Willkommen in der finnischen Natur!
Nachdem ich so gut wie ausschliesslich Technische Berichte verfasst habe, dachte ich, es wird Zeit mal etwas über meine zweite Heimat zu erzählen, denn die Natur in Finnland ist es einfach wert beachtet zu werden. In Zukunft werden noch einige Berichte über Natur und Sehenswürdigkeiten in Mittelfinnland / Region Tampere von mir folgen.
Anfahrt
Der Park befindet sich rund 15 Kilometer nord-westlich der Kleinstadt Ruovesi, bzw. rund 60km nördlich der Bezirkshauptstadt Tampere. Man erreicht den Park über die Landstrasse 66, von der eine gut ausgeschilderte Seitenstrasse dann 10km bis zum Parkplatz des Parks führt.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man leider nicht bis zum Park, der Bus hält an der Landstrasse 66 direkt an der Abzweigung zum Nationalpark, aber von dort sind es noch rund 10km bis zum eigentlichen Park, er liegt halt etwas abseits in der Wildnis.
Über den Nationalpark
Der Helvetinjärvi Nationalpark wurde 1982 gegründet, und wird von der staatlichen Forstaufsicht "Metsähallitus" verwaltet und gepflegt. Der Park ist insgesamt 49,5 km² gross, und repräsentiert die Natur im nördlichen Häme mit seinen tiefen dunkelen Wäldern, kleinen Waldseen und teils schroffen Felsformationen. Seit dem 19. Jahrhundert ist das Gebiet des heutigen Nationalparks bekannt als Wander und Ausflugsziel.
Übersetzt heisst Helvetinjärvi übrigens Höllensee.
Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten & Service
Wandern steht im Vordergrund im Helvetin Nationalpark, es gibt mehrere Strecken, für die unterschiedlichsten Ansprüche, die ich im einzelnen Vorstellen möchte. Abseits der markierten Wege ist es erlaubt zu wandern, dies ist nicht in allen Nationalparks der Fall.
Kankimäki - Helvetinkolu - Kankimäki ca 4.5 km
Der kürzeste Wanderweg, zugleich aber einer der abwechslungsreichsten und schönsten. Vom Parkplatz Kankimäki aus wandert man zunächst Tal abwärts in sehr dichten, dunkelen Fichtenwäldern. Ein kleiner Bach kreuzt den Weg im Tal, danach geht es langsam wieder aufwärts, und die Bewaldung ändert sich in einen finnisch-typischen Kiefernwald. Zur rechten seite sieht man vereinzelt Moor und Sumpflandschaft. Imposant ist ein riesiger Steinfindling der mitten im Wald steht. Nun nähert man sich Helvetinkolu - zu deutsch der Höllenschlucht/Hollenkliff. Hier teilt sich der Wanderweg, links ab kommt man zum Luomajärvi, gradeaus geht es weiter zum Haukkajärvi. Helventinkolu selbst ist eine Felssteilwand, die senkrecht rund 20m abfällt und direkt in den Helvetinsee endet. Man kann von einer gesicherten Plattform die Aussicht geniessen, im Herbst bei Sonnenuntergang bieten sich hier imposante Licht und Farbspiele im Wald. echter Hand führt ein Weg die Schlucht runter an den See, dort befindet sich ein Infopoint, eine Lagerfeuerstelle, eine Tageshütte sowie ein Badestrand mit Steg. Den Rückweg tritt man Richtung Karhukallio an - zu deutsch Bärenfelsen - der Weg führt am Tal vorbei, ist Landschaftlich nicht so abwechslungsreich und interessant wie der Hinweg, jedoch kommt man am Karhukallio vorbei, eine für Kletterer ausgebaute Steilwand. Der ganze Weg ist rund 4,5 km lang, eher anspruchslos, der Weg ist breit und gut ausgebaut, aber abwechslungsreich und interessant. Auch mit kleinen Kindern dürfte der Weg nicht zu anstregend oder zu lang werden und man verpasst nicht wirklich was, da Helvetinkolu meiner Meinung nach die sehenswerteste Stelle im Park ist.
Kankimäki - Haukanhieta - Kankimäki ca 15 km
Die erste Teilstrecke ist die gleiche wie soeben beschrieben, kurz vor dem
Helvetinkolu geht der weg Richtung Haukanhieta ab. Man sollte aber auf jeden Fall den kurzen Abstecher zur Schlucht machen, und den Ausblick geniessen. Nun befindet man sich auf dem 2ten Teilstück, der Teil des "Pirkan Taival" ist, einer rund 300km langen
Wanderstrecke quer durch Mittelfinnland. Der Weg ist hier mehr das, was man als Wanderer gewöhnt ist, ein an die Natur angepasster etwas breiterer Trampelpfad. Auf diesem Teil sind doch schon deutlich weniger Menschen unterwegs, während man auf der Strecke zum Helvetinkolu selbst im Herbst und Frühjahr so gut wie bei jedem Wetter auf andere Menschen trifft, ist man hier oft ganz allein unterwegs. Wir lassen den Helvetinsee hinter uns, und wandern rund 5 km durch dichte dunkele Wälder, und erreichen dann den ersten Zeltplatz sowie eine Weggabelung. Nach Norden bzgw. Gradeaus führt der Pirkan Taival weiter, nach links bzw Westen geht unser Wanderweg Richtung Haukkajärvi weiter.
Der Zeltplatz liegt übrigens direkt am Ruokesee, ist für uns aber noch relativ uninteressant, denn nach rund 5km wird wohl noch niemand sein Zelt aufschlagen wollen. Ausserdem findet sich hier eine Trockentoilette.
Wir folgen also weiter dem Weg Richtung Haukanhieta, er schlängelt sich nun weiter rund 3km am Haukkasee entlang, und auf halber Strecke kommen wir nochmal zu einem schönen Aussichtspunkt, wo man über den ganzen See schauen kann.
Am Zeltplatz Haukanheita angekommen, bieten sich umfangreiche Möglichkeiten für eine ausgiebige Rast oder Übernachtung. Es gibt eine richtige Kochstelle, nicht nur eine Feuerstelle, dazu einen Trinkwasser Brunnen und
Toiletten. Für die Feuerstelle liegt gehacktes Feuerholz bereit, die Parkverwaltung kümmert sich um das Auffüllen der Vorräte, zumindest von Frühjahr bis Herbst. Den Rückweg tritt man über den gleichen Weg zurück an.
Kankimäki - Luomajärvi - Kankimäki ca 14 km
Auch hier ist die erste Teilstecke identisch mit dem Weg zum Helvetinkolu, kurz vorher geht der Weg nach links ab Richtung Luomajärvi. Hier sollte man ebenfalls den kleinen Umweg zur Schlucht auf sich nehmen. Diese Strecke ist vielleicht die langweiligste von allen 3 Wanderwegen, man wandert durch Kiefernwälder, und öfters auch mal abstrackte Steinformationen, sonst bietet die Strecke nicht viel Abwechslung. Die komplette Strecke bis zum Zeltplatz am Luomasee ist übrigens Teil des schon erwähnten Pirkan Taivals, und so kann es vorkommen das man auf Langstreckenwanderer trifft. Ansonsten ist die Strecke sehr Menschenleer, man ist meist allein unterwegs. Nach 7 km wandern kommt man am Zeltplatz an, der direkt am Seeufer liegt. Dies ist der gedachte Wendepunkt unserer Wanderung, der Weg führt aber noch geschätzte 15km weiter durch den Nationalpark südost wärts, und etwas weiter befindet sich noch eine Kochstelle.
Beeren & Pilze
Das Sammeln ist im Park ganzjährig erlaubt, ausser zwischen dem 15.4.-31.7. in der Umgebung des Haukkasees, da dort seltene Vögel nisten.
Schwimmen
Schwimmen ist in allen Seen erlaubt, besonders gute Plätze bieten sich am Helvetinkolu, so ein Steg zur Verfügung steht, sowie an den Zeltplätzen Haukanhieta und Ruokejärvi.
Angeln
In allen Seen und Parks ist das Eisangeln sowie Angeln mit Lebendköder ohne Rolle (eine in Deutschland weitgehend
unbekannte Art des fischens) ohne Lizenz erlaubt. Spinnfischen jeglicher Art ist untersagt.
Kiosk Kankimäki
Am Parkplatz Kankimäki gibt es einen Kiosk, der jedoch nur in der Sommerzeit geöffnet hat. Ich hab nur die Öffnungszeiten für das Jahr 2009, aber Grundsätzlich sollten die sich kaum verändern.
* 30.4.- 31.5. mo - so : 12 - 18
* 1.6. - 12.8. mo - so : 12 - 20
* 13.8. - 31.8. mo - so : 12 - 18
* 1.9. - 30.9. sa + so : 12 - 18
Das Angebot umfasst Kaffee, kleine Snacks, Süssigkeiten, Eis sowie Karten vom Park.
Telefon (Mobil) +358 50 528 6606
Unterkunft
Die Möglichkeit mit dem Zelt und Rucksack den Park zu druchqueren haben wir ja bereits abgearbeitet, wer es etwas Bequemer haben möchte, der kann auch in der Nähevon Haukahieta eine Blockhütte mieten! Die Hütte wird in der Zeit vom 01.04. bus zum 31.10. vermietet, und bietet bis zu 14 Personen platz, eine Sauna ist selbstverständlich auch dabei. sie liegt direkt am Fluss! Strom und fliessend Wasser sind Luxus, auf die man verzichten darf. Lampen sind ölbefeuert und der Ofen ganz altmodisch mit Holz. Wasser bezieht man aus einem Brunnen, und es gibt ebenfalls einen Grillplatz vor der Hütte. Die Toilette befindet sich ebenfalls im freien.
Die Hütte liegt direkt an einem Fluss, dem Haukkajoki, und ca. 2km süd-westlich vom Infopoint/Zeltplatz Haukanhieta. Sprich wenn man seine Wandertouren von hier startet, geht man die Wege umgedreht wie von mir beschrieben, und Helvetinkolu ist ca. 10km entfernt.
Man kann die Hütte direkt über das Internet reservieren und buchen, der Preis pro Nacht liegt bei 140 €, die Woche
kostet 840€. Das für Finnen wichtige Juhannus Wochenende um den 20 Juni herrum kostet von Donenrstag bis Sonntag 560 €. Unter http://www.villipohjola.fi/default.asp?Section=59 kann man die freien Daten einsehen oder die Hütte mieten. Man kann auch ganz altmodisch direkt anrufen und Infos einholen oder eine Reservierung tätigen, dies geht direkt über die Parkverwaltung unter : 0205 64 5270
Der Park in den Jahreszeiten
Die Wanderroute zum Helvetinkolu ist ganzjährig begehbar, auch wenn sie ausdrücklich im Winter nicht geräumt wird. Nach starken Schneefällen sollte man eventuell die Tour verschieben oder Schneeschuhe einpacken. Von Frühjar bis Herbst werden alle Wege regelmässig gepflegt. Alle anderen Strecken sind im Winter nicht ohne weiteres begehbar und sollten gemieden werden.
Zwischen dem 15.04. bis zum 31.07. ist das betreten der Inseln und Ufergebiete am Haukkasee verboten.
Fazit
So ich hoffe mal ich hab alle Aktivitäten ausführlich beschrieben und konnte dem ein oder anderen die Natur Finnlands näherbringen. Zum Schluss bleibt zu sagen, der Nationalpark Helvetinjärvi ist wunderschön, er bietet viele Aktivitäten, ist dabei aber alles andere als Überlaufen. Grade Familien auch mit kleinen Kindern können hier der Natur nah sein, die richtigen Wanderfans werden wohl von den zu kurzen Strecken etwas enttäuscht sein. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man den Park auch in den verschiedenen Jahreszeiten besuchen, mir persönlich gefällt er im Herbst am besten.
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