Platz 246 in der Kategorie "Bücher Krimis - A, B, C". Das Leben schenkt ihrer besten Freundin Sarah alles, wovon Ginny selbst nur träumen kann: Sarah ist schön und begehrt. Sie hat eine interessante Arbeit, eine ...mehr
Bunty Avieson: Apartment 255 Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Wie werde ich sie los - möglichst schnell?
ein Testbericht von BulmaZ2010-02-23 08:21:58vom 23.02.2010Empfehlung: ja
Vorteile: nett für zwischendurch...Nachteile/Kritik: es fehlt die richtige Portion Psychoterror
Durch das Stöbern in diversen Lieblingslisten auf verschiedenen Onlineshops, stößt man so manches Mal auf vollkommen unbekannte Autoren und deren Werke. Auf diese Weise bin ich selbst schon an einige gute Romane gekommen, die mir sonst wohl nicht in die Hände gekommen wären. Genauso bin ich auch an folgenden Roman geraten:
Bunty Avieson arbeitete lange Jahre als Journalistin in England und Australien, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. „Apartment 255“ ist ihr Debüt, und angeregt durch ihren Erfolg schreibst sie mittlerweile ihre drittes Buch. Die Autorin lebt in Sydney.
Quelle: Roman
… Apartment 255 …
Ginny und Sarah sind bereits seit der Schule die besten Freundinnen – zumindest ist dies Sarahs Eindruck. Denn Ginny sieht in Sarah alles andere als ihre beste Freundin. Sarah versinnbildlicht für Ginny alles, was sie nicht hat: Witz, Charme, Selbstbewusstsein und –viel schlimmer- Tom. Denn von Anfang an war Ginny in Tom verliebt. So ist es für die junge Frau jedes Mal eine Folter, das glückliche Paar zusammen zu sehen.
Doch Ginny beschließt, dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Sie zieht direkt gegenüber der Wohnung von Sarah und Tom ein und beobachtet die Beiden auf Schritt und Tritt. Als sich eines Tages die Gelegenheit bietet, schüttet Ginny Steroide in Sarahs Zucker. Die Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten – Sarah zeigt zunehmende Anzeichen von unkontrolliertem Steroidmissbrauch. Während die Beziehung von Sarah und Tom darunter immer mehr leidet und vor ihren Augen auseinander bricht, spinnt Ginny die nächsten Pläne, um endlich an Tom heran zu kommen…
… Eindrücke …
Liest man den Klappentext, der deutlich reißerischer ausfällt als es die obige Inhaltsangabe tut, drängt sich einem schnell eine gewisse Parallele zu mindestens einem Film auf. Von daher hofft man wohl auf einen Psychothriller, in dem die eine Frau immer mehr zum Wrack wird, während die andere immer mehr an der Uhr der Vernunft dreht. Sicherlich ist dies nicht die schlechteste Basis für einen kurzweiligen Psychothriller, der nicht besonders dick daher kommt und so wohl auch schnell ausgelesen sein dürfte.
„Apartment 255“ hat nach einem vielversprechenden Einstieg allerdings einen eher problematischen Mittelteil, der sich leider zieht wie alter Kaugummi. Wird zu Beginn noch erzählt, wie Ginny ihre Horch – und – Guck – Aktion ganz James Bond – like mit im Dachboden installierten Telefon plant und ausführt, verkommt besonders der Mittelteil des Romans zu einem seichten Beziehungsdrama, bei der die missgünstige Hexe Ginny fast in den Hintergrund tritt. Besonders zu Anfang hat man als Leser noch genau den richtigen Eindruck von Ginny. Immerhin erreicht sie mit so simplen Mitteln wie ein bisschen Anabolikapulver eine beträchtliche Wirkung und sitzt Tag und Nacht mit ihrem Fernglas auf der heimischen Couch und spielt den kleinen Voyeur ihrer unwissenden Nachbarn. Nach dieser vergleichsweise harmlosen Episode hätte eine Steigerung
folgen müssen. Immerhin wird Ginnys Hass als grenzen- und bedingungslos dargestellt. Da erscheint es doch ziemlich unpassend, dass die Gute sich soviel Zeit nimmt bzw. lässt, um zu beobachten, wie die Anabolika Sarahs Persönlichkeit und damit ihre Beziehung zerstören. Bunty Avieson hätte einfach etwas mehr psycho aus ihrem Thriller holen sollen. So stellen die Aktionen der neidischen besten Freundin einen ziemlich langweiligen Racheakt dar. In der Folge bedeutet dies, dass man der Dame ihren Hass nicht so richtig abkaufen will. Passender wäre es wohl gewesen, Ginny nach und nach so richtig durchdrehen zu lassen. Dafür, dass sie Sarah so sehr hasst und so extrem scharf auf Tom ist, hält sie ihre Füße erstaunlich still.
Sicherlich erhöht es die Glaubwürdigkeit des Romans, auch auf die direkten Auswirkungen von Sarahs unfreiwilligem Steroidkonsum auf ihre Beziehung zu Tom einzugehen und zu vertiefen. Bunty Avieson allerdings schießt hiermit übers Ziel hinaus. Denn fast der gesamte Mittelteil beschäftigt sich ausschließlich damit, wie die beiden sich immer mehr anzicken und wegen Trivialitäten große Diskussionen und lautstarke Streits vom Zaun brechen. Fast scheint das Ganze wie ein Hin und Her ohne großen Höhepunkt. Nun, den gibt es kurz vor Ende dann zwar doch noch, allerdings wirkt er etwas zu abrupt und im Vergleich zu allem, was davor geschieht, zu extrem. Während all dieser Geschehnisse ist Ginny auch viel zu sehr im Hintergrund. Fast vergisst man sie, ihren Hass und ihr eigentliches Ziel. Ginny wird zur Randfigur in einem Beziehungsdrama, wie es Rosamunde Pilcher vermutlich besser verzapft hätte. Schade – Psychothriller gibt es hier leider nur am Anfang und am Ende. Alles, was dazwischen ist, ist viel zu seicht, zu öde und fast schon langweilig.
Bunty Aviesons Schreibstil ist nichts bahnbrechend Neues. Die Autorin bringt die Geschichte [die übrigens ihrer besten Freundin gewidmet ist – ob das was zu bedeuten hat?] in klarer und deutlicher Sprache herüber, die vollkommen ohne Schnörkel auskommt. So mancher Dialog wirkt zwar unausgegoren und vor allem zu Beginn etwas holperig, aber das kann man der Autorin sicher vor allem angesichts der Tatsache nachsehen, dass dies ihr Debüt ist. Ältere Autorenhasen können es so manches Mal nicht unbedingt besser. Sauer aufstoßen dürften aber wohl so manche Passagen, bei denen man sich einfach fragt, was das eigentlich soll. Wieso muss ständig die Wanderung einer Kakerlake durch Ginnys Wohnung thematisiert werden oder ihr Ableben durch die neugierige Pfote einer Katze? Wäre „Apartment 255“ vielleicht aus der Ich – Perspektive Ginnys geschrieben worden, könnte man diese Episoden möglicherweise noch als ein Unterstreichen ihrer durchgeknallten Persönlichkeit werten. Aber so? Den Vogel vollends vom Himmel holt Avieson aber allerdings in einer Szene, in der sie ihre Protagonistin Ginny ihre Katzen dazu bringen lässt, Sahne aus ihrem nackten Schritt zu schlürfen. Man muss dieses widerliche Szenario sicher nicht weiter vertiefen…
Die Figuren in „Apartment 255“ sind allesamt recht stereotyp.
Sarah, eine Dame, der stets und ständig die Sonne aus dem Allerwertesten scheint, kann immer und überall im Mittelpunkt stehen. Alle Welt liebt die „Sarahbärin“, die so wunderhübsch [blond übrigens] ist, spritzig und intelligent. Sie ist selbstbewusst und hat offensichtlich ein grenzenloses Smalltalktalent. All diese Eigenschaften verkehren sich mit zunehmendem Anabolikaspiegel ins Gegenteil. Leider kommt hier irgendwie keine so richtige Schadenfreude seitens der Leser(in) auf. Auch Tom ist der typische Sunnyboy. Er ist ein erfolgreicher Reporter, der mit Sarah eine Bilderbuchbeziehung führt. Er sieht anscheinend toll aus, ist smart und charmant und natürlich nur in seine Sarah vernarrt. Auch nach mehreren Jahren knistert es noch zwischen ihm und ihr – jaja, Realität lässt grüßen. Wenn man sich Tom vorstellt, sieht man wohl den typischen Highschool – Quarterback vor sich, auf den seinerzeit alle Mädels geflogen sind. Man kennt das aus diversen schlechten Filmen und ihren Fortsetzungen. Bliebe zu guter Letzt noch die missgünstige und elendig unsympathische Ginny. Eigentlich dürfte sie sich nicht beklagen. Hässlich ist sie offenbar nicht, am Hungertuch nagt sie als Tierärztin auch nicht. Dennoch fühlt sie sich wie das hässliche kleine Entlein, das niemals irgendwer bemerkt. Akzeptiert wird sie immer nur im Doppelpack mit Sarah. Ginny beschließt also, mal eben einen Lauschangriff zu starten und ihre angebliche Freundin unter Drogen zu setzen. Klar, würde ja jede machen. Fakt ist, dass Ginnys dargestellter Wahnsinn irgendwie nicht so richtig zünden will. Man nimmt die Frau so richtig nicht ernst, was vielleicht auch daran liegt, dass ihr Einfallsreichtum hinsichtlich des Ruinierens ihrer Freundin begrenzt ist. Rein figurentechnisch gibt es in „Apartment 255“ also absolutes Schwarz – Weiß.
Unterm Strich ist „Apartment 255“ ganz okay für zwischendurch. Es ist allerdings bei weitem nicht der Kracher, wie in diversen Kritiken dargestellt wird. Man merkt ihm aufgrund des langatmigen Mittelteils rund um den Zerfall der Beziehung zwischen Sarah und Tom zu sehr an, dass das Hauptpublikum für den Roman Frauen sind. Außerdem fehlt es der Handlung an einer großen Portion Wahnsinn. Da muss doch mehr gehen als nur ein bisschen Anabolika, um seine angebliche Freundin auszustechen. So erzeugen leider nur der Anfang und das Ende ein wenig Spannung; alles dazwischen bewirkt eigentlich nur ein Gefühl von: Wann geht es endlich weiter? Da der Roman dennoch nicht unbedingt langweilt und man seine Zeit schlechter verbringen kann, gibt es drei Sterne und eine eingeschränkte Empfehlung.
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Produktbeschreibung Bunty Avieson: Apartment 255
Technische Daten und ProdukteigenschaftenDas Leben schenkt ihrer besten Freundin Sarah alles, wovon Ginny selbst nur träumen kann: Sarah ist schön und begehrt. Sie hat eine interessante Arbeit, eine luxuriöse Wohnung - und nun auch noch Tom, den Mann, den Ginny seit langer Zeit heimlich liebt. Aufs Bitterste enttäuscht, mietet sich Ginny ein Apartment, von dem aus sie Sarahs Wohnung sehen und das Liebespaar beobachten kann. Und mit grausamen Kalkül beginnt sie, den Mord an ihrer Freundin planen.