Beyond The Missouri Sky - Pat Metheny Testbericht

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Erfahrungsbericht von plumtree

anspruchsvolle Träumerei

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die beiden Altkumpels Pat Metheny und Charlie Haden haben sich 1997 mal wieder Zeit für ein musikalisches Zwiegespräch genommen.
Seit mindestens 25 Jahren musizieren und veröffentlichen sie immer mal wieder gemeinsame Werke oder helfen sich gegenseitig bei einzelnen Aufnahmen aus.

Wer sind die zwei?

Charlie Haden, geb. 1957, in Missouri aufgewachsen, spielte seit 1957 mit eigentlich allen Großen des freien Jazz mit. Vor allem bei Ornette Coleman machte er sich mit Don Cherry und Billy Higgins einen Namen als exzellenter Jazz-Bassist. In der Folge holte er sich weitere Reputation bei Keith Jarrett. Großartige eigene Aufnahmen mit \"seinem\" Quartet West und \"Ballad Of The Fallen\" muß erwähnt werden.

Pat Metheny, geb. 1954 in Kansas City, Missouri, spielte seine erste Aufnahme 1976 ein (Bright Size) ein. Ist einer der besten Jazz-Gitarristen überhaupt.
Spielte mit seiner Pat Metheny Group sehr innovative Aufnahmen ein, häufig hart an der Grenze zum Pop/Rock.
Aber auch klasse Jazzaufnahmen z.B. mit Haden und Michael Brecker.

1986 veröffentliche Pat Metheny \"Song X\" unter massgeblicher Beteiligung Hadens (und Ornette Colemans). Gemeinsame weiter Veröffentlichungen waren \"81/82\" und \"Rejoicing\".

Zurück zum Album:
Von den 13 Stücken sind 3 von Haden und 2 von Metheny, der Rest sind im wesentlichen Standards der Jazzmusik oder woanders her bekannte musikalische Themen.
Nur zwei Instrumente, kein Gesang, lauter alte bis uralte Musik - das klingt schrecklich langweilig. Und dann auch noch verdrehte, falsch klingende Jazzmusik??

Die beiden erreichen auf diesem Album eine Tiefe und Intensität, die auch im Jazz selten vorkommt.
Von Titel zu Titel wird man immer mehr eins mit dieser ruhig fließenden Musik, die ganz ohne Effekthascherei einfach dahingleitet.

Natürlich sind die beiden Meister auf ihren Instrumenten und man glaubt kaum, welche Wunderdinge man z.B. auf einem Bass spielen kann.
Aber die technische Brillanz wird nie Selbstzweck, sondern dient nur dazu die Musik in maximaler Qualität darzubieten.

Einzelne Titel herauszugreifen ist eigentlich völlig ausgeschlossen. Diese CD wirkt nur als Ganzes und sollte auch unbedingt so gehört werden.
Sogar die Reihenfolge scheint mir wichtig zu sein, denn nur dann wird man vom zögernden Beginn zu den wunderschönen Stellen im weiteren Verlauf geführt.

Aber ich will wenigstens die Titel nennen:

1. Waltz For Ruth (C.Haden)
2. Our Spanish Love Song (C.Haden)
3. Message To A Friend (Metheny)
4. Two For The Road (Mancini/Bricusse)
5. First Song (C.Haden)
6. The Moon Is A Harsh Mistress (J.Webb)
7. The Precious Jewel ((R.Acuff)
8. He\'s Gone Away (Traditional)
9. The Moon Song (J.Mandel)
10.Tears Of Rain (Metheny)
11.Cinema Paradiso (Love Theme) (A.Morricone)
12.Cinema Paradiso (Main Theme) (E.Morricone)
13.Spiritual (Josh Haden)

Zwei Titel möchte ich doch hervorheben:
Zum einen \"The Moon Is A Harsh Mistress\" (von Jim Webb) machen. Hier ist die Stimmung gleichzeitg exemplarisch und doch ganz anders, weil Metheny ausnahmsweise seinen Synthie ausgepackt hat.
Der zweite Song, der besondere Beachtung verdient, ist für mein Gefühl \"The Precious Jewel\" (von Roy Acuff), ein so unglaublich brillant gespieltes Stück Musik, dass einem der Mund vor Staunen offen stehen bleibt.

Mir macht dieses Album immer besonders viel Freude, wenn ich mit Kopfhörer oder vor der HiFi-Anlage sitze und einfach durch die imaginären Weiten Missouris reise.
Unterstützend wirkt die phänomenale Klangtechnik, die dafür sorgt, daß die Instrumente der beiden klingen, als würden sie gleich hier sitzen.

Großes Kino für Ohr - auch wer keinen Jazz mag und noch nie welchen gehört hat, sollte den beiden mal ein, oder besser zwei Ohren und eine gute Stunde Aufmerksamkeit schenken.

Und verkneift euch MP3s. Der tiefe Bass Charlie Hadens wird damit nachhaltig beschnitten und macht nicht soviel Spaß beim hören und, vor allem, fühlen.

Außerdem kommt man dann auch nicht in den Genuss des wunderschönen Covers, dass als eine Art Triptychon aufgebaut ist und einfach toll zu der CD passt.

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