Die Nebel von Avalon (DVD) Testbericht

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ab 3,44
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Erfahrungsbericht von mima007

Spektakuläre, verworrene Artus-Verfilmung

Pro:

gute Hauptdarsteller, schön ausgestattet, guter Sound

Kontra:

verworrene Handlung ohne Humor, wenig nützliches Bonusmaterial

Empfehlung:

Ja

Die Verfilmung von Marion Zimmer Bradleys Fantasy-Bestseller erzählt das Schicksal der Magierin Morgaine, die dem Zirkel der Priesterinnen von Avalon angehört. In einem riesigen Panorama, das vor Figuren und Namen nur so wimmelt, erzählt der Fernseh-Zweiteiler die Artuslegende aus der Sicht der Frau - mit allem, was sich frau dabei nur wünschen kann.

Filminfos
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O-Titel: The Mists of Avalon (USA/D, 2001), DVD: 2.12.2002
FSK: ab 12
Länge: 176 Minuten (IMDB: 183 Min.)
Regisseur: Uli Edel
Drehbuch: Gavin Scott. nach dem Roman von Marion Zimmer Bradley
Musik: Lee Holdridge
Darsteller:

Anjelica Huston .... Viviane
Julianna Margulies .... Morgaine
Joan Allen .... Morgause
Samantha Mathis .... Gwenwyfar
Caroline Goodall .... Igraine
Edward Atterton .... Artus
Michael Vartan .... Lancelot
Michael Byrne (I) .... Merlin
Hans Matheson .... Mordred
Mark Lewis Jones .... Uther Pendragon
Clive Russell .... Gorlois


Handlung
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Die Verfilmung von Marion Zimmer Bradleys Fantasy-Bestseller pickt sich bestimmte Handlungsstränge aus dem breit angelegten Gobelin heraus, zu dem die Autorin einen Gutteil der Artuslegenden des späten Mittelalters gestrickt hat. (Dabei half ihr die ungenannt gebliebene Historikerin Diana L. Paxson.) Wie es Koproduzent Bernd Eichinger von der Constantin-Film so schön zusammenfasst: \"Die Sicht der Frau in einer Männerwelt\". Diese Sicht wird von fünf zentralen Ladies verkörpert.

Alles beginnt damit, dass Igraine, die Frau des Cornwall-Königs Gorlois, prophezeit bekommt, dass sie den künftigen Hochkönig zur Welt bringen wird - allerdings werde dessen Vater nicht etwa Gorlois sein, sondern jener Mann, der das Zeichen des Drachen trage. Die brave Igraine ist gebührend geschockt. Ihre machtgierige Schwester Morgause (Joan Allen) erbietet sich, diesen Job zu erledigen. Leider wird daraus nichts, denn es ist der Wunsch der Hohepriesterin von Avalon, Igraines Gebieterin, dass Igraine die Mutter von Artus, so heißt der Kleine, wird. Igraines Tochter Morgaine verfügt wie ihre Tante und Mutter über das Zweite Gesicht und sieht einen toten Mann im Licht. Nicht gerade das beste Omen.

Als in London nicht Gorlois, sondern ein gewisser Uther Pendragon zum neuen Hochkönig ausgerufen wird, bemerkt Igraine an ihm das Zeichen des Drachen. Von Britanniens Erzzauberer Merlin instruiert, macht sich uther an die Königin heran. Gorlois merkt jedoch schnell, was im Busch ist und versagt dem neuen Hochkönig die Gefolgschaft im Kampf gegen die Invasoren Englands. Mit Hilfe von Magie (Telepathie?) rettet jedoch Igraine Uther das Leben, als Gorlois diesen überfällt. Im Gegenzug findet Uther mittels Merlins Magie - über Gorlois Leiche - den Weg in Igraines Schlafzimmer. Bingo! Eins zu null für Avalon.

Der zweite Akt

... beginnt mit Trennungsschmerz. Der kleine Artus ist vielleicht gerade mal sechs jahre alt, da wird er schon der Mutter entrissen und zu Merlin in die Lehre geschickt. Als sei dies an Horror nicht genug, ordnet Viviane, die Hohepriesterin (Huston) von Avalon, an, dass Morgaine (Margulies) zu ihr kommen solle, um zu einer Priesterin ausgebildet zu werden. Der am Boden zerstörten Igraine bleibt nur das Kloster Glastonbury als Zufluchtsort, wo sie Äbtissin wird. Uther ist nämlich die meiste Zeit im Feld, um gegen die Invasoren zu kämpfen.

Morgaine lernt die Magie der Natur und des Geistes, als sie mehrere Jahre in Avalon weilt, bis dann der Tag kommt, sich in der Großen Ehe (die in der deutschen Synchronisation immer nur das Beltane-Fest genannt wird) mit einem unbekannten Mann zu vereinigen und so zur Frau zu werden. Und so nimmt das verhängnis seinen Lauf: Der maskierte Jäger, der Morgaine beglücken darf, ist kein anderer als ihr Halbbruder Artus (Atterton), doch das ahnen weder er noch sie in jener Nacht.

Wir aber wissen, was daraus geworden ist: Morgaines Sohn Mordred wird von der intriganten Morgause im wilden Schottland aufgezogen und ins Feld gegen seinen Vater Artus und dessen unfruchtbare Königin Guinevere geschickt - mit den bekannten unglückseligen Folgen. Bis es dazu kommt, vergehen jedoch fast ein Dutzend glückliche Jahre für das Königspaar in Camelot und sein Reich Britannien, das \"Königreich der Sommersterne\".

Mein Eindruck: der Film
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Drei Stunden können sehr lang sein. Das merkt man spätestens dann, wenn sich dieser lange TV-Zweiteiler seinem Ende nähert. Oder es zumindest tun sollte, denn die Aufnahmefähigkeit des Zuschauers ist schon längst erschöpft und seine Geduld womöglich auch. Ich ertappte mich mehrmals dabei, wie ich bei einer erneuten Konfrontation zweier mächtiger Ladies (und davon gibt\'s ja hier eine ganze Menge) grübelte, mit welchen Motivationen die beiden versehen waren - doch dann hatte ich weder die Geduld noch die Erinnerungsfähigkeit, um mich darauf zu konzentrieren, während die Handlung schon woandershin galoppiert ist.

Wenn man ein wenig über diesen Plot nachdenkt, so ergibt er zunehmend weniger Sinn. Vielmehr bleiben die Gründe für das Verhalten der Ladies - und für das des vernachlässigten Artus sowieso - immer mehr im Dunkeln oder im Zweifel, so dass ich schließlich froh war, dass es zur finalen Schlacht kam. Nur Mordred fiel mir positiv auf, denn sein Darsteller versteht es ausgezeichnet, den Wahnsinn der Lage, in der er sich befindet, deutlich zu machen.

Undruchsichtiger Familienzwist, eine gehörige Portion Sex (Partnertausch, Menage à trois usw.) und Mystizismus und last but not least auch einige kernige Schwertkämpfe machen die zugkräftigen Ingredienzien dieses Multi-Gang-Menüs aus, das vom Zuschauer ein Maximum an Geduld abverlangt. In dieser Hinsicht steht es Ritter-Epen wie Charlton Hestons \"El Cid\" in nichts nach.

Drei edle Damen

Vor allem drei Hauptdarstellerinnen halten die Handlung davon ab, völlig auseinanderzufallen. Anjelica Huston spielt die Herrin vom See, die Hohepriesterin Avalons, die die Kräfte der alten Religion der Großen Mutter bewahrt. Joan Allen als machtgierige Morgause ist ihre ungehorsame Schülerin und bietet ihr von Schottland aus Paroli, indem sie Artus, den Bewahrer von alter heidnischer und neuer christlicher Religion, durch dessen Sohn Mordred zerstört.

Julianna Margulies, weithin bekannt aus der TV-Serie \"Emergency Room\", schließt beschreitet den Weg der heldenhaften Wanderin zwischen den Welten: Avalon, das Reich der Frauen, einerseits, die Königreiche der Männer andererseits. Es erscheint als ultimative Ironie, dass sie, das Opfer von Vivianes Manipulationen, schließlich in der Feldschlacht die Macht der Großen Mutter verteidigt. Aber das Rad der zeit dreht sich weiter: Die Invasion der Sachsen fegt die alte Kultur Britanniens hinweg, und auch Morgaine findet nur noch Zuflucht im Kloster.

Merlin

Was ein wenig verwirrt, ist die beinahe komplett ausgeblendete Rolle von Merlin. Offenbar wird hier die Kenntnis dieser historischen (oder zumindest überlieferten) Figur allgemein vorausgesetzt. Man fragt sich aber, warum die Frauenrollen so dramatisch ausgebaut werden, nicht aber die der Führerfiguren wie Merlin. Wenigstens gönnt man ihm eine würdevolle Sterbeszene. Das ist ja wohl das Minimum. Merlin wird von den jungen Führern Artus (im Original stets \'Arthur\') und Lancelot in den Hintergrund gedrängt - zu Unrecht, wie ich meine. Auch seine beziehung zu Viviane bleibt im Dunkeln: Erst in der Sterbeszene wird deutlich, dass er und Viviane ein Liebespaar waren. Sie vergießt ob seines Hinscheidens Tränen des Schmerzes.

Die Musik

Die musikalische Untermalung verdient eine gesonderte Erwähnung. Das Avalon-Thema stammt nämlich von einem der internationalen Stars der mystischen Musik: Loreena McKennitt. Ihr Stück \"The Mystic\'s Dream\", entnommen ihrem Album \"The Mask & the Mirror\", bestreitet den gesamten Vorspann des Films - und auch dessen Abspann. Es ist eben ein sehr stimmungsvolles Stück Musik.

Lee Holdridge lieferte den Score für den Großteil des Films. Er erledigte einen kompetenten Job, bei dem er unterschiedlichste Stimmungen erzeugen musste: Schlachtenlärm ebenso wie mystische Atmosphäre, sexuelle Erregung ebenso wie kindliche Unschuld - kein einfacher Job.

Die DVD
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Technische Infos:
Bildformate: 1.78:1
Tonformate: DD 5.1
Sprachen: D, Engl.
Untertitel: D, Engl.

Extras:

- Hinter den Kulissen (9:30)
- Interview mit Bernd Eichinger (13 Min.)
- Original US-TV-Trailer (3 Min.)
- Original US-TV-Spot (0,5 Min.)
- Cast & Crew: nur 3 Schauspieler und die Buchautorin, keine Crew

Mein Eindruck: die DVD
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Der Sound ist qualitativ hochwertig: Schließlich handelt sich\'s um Dolby Digital 5.1! Auch das Bild ist ganz in Ordnung, könnte aber zuweilen schärfer sein - nicht nur wegen der wabernden Nebel auf dem See.

Die unkommentierte Dokumentation \"Hinter den Kulissen\" zeigt Regisseur Uli Edel und seinen Ko-Regisseur bei der Arbeit mit den Stars des Streifens, insbesondere Szenen, die auf Schloss Camelot und auf dem Schlachtfeld (Mount Badon?) spielen. Insbesondere Julianna Margulies ist in fotogensten Posen zu sehen.

Das 13 Min. lange Interview mit Koproduzent Bernd Eichinger ist sehr aufschlussreich. Er fasst seine Interpretation der Geschichte zusammen. Außerdem erzählt, wie es zu dieser internationalen Koproduktion kommen konnte, bei der nicht nur die Constantin Film (Eichinger), sondern auch Warner Bros (Mark Wolper) und sogar der Schauspieler James Coburn beteiligt waren. \"20 Millionen Dollar sind ein enorm großes Budget für eine Fernsehproduktion.\" Wohl wahr. Aber inzwischen hat es mit DUNE weitere Produktionen dieses Kalibers gegeben (DUNE 2 wird bald folgen). Mit 60 Drehtagen war die Arbeitszeit für vier Drehteams doch recht eingeschränkt. Offenbar hat man in der Nachproduktion alles erstmal in die richtige Reihenfolge bringen müssen. Gedreht wurde übrigens keineswegs in Schottland, auch wenn\'s in manchen Szenen so aussieht, sondern in Tschechien. Dort hat sich mittlerweile ein sehr attraktive Medienindustrie etabliert, die auch Erfolge wie \"Triple X\" mit Vin Diesel ermöglichte.

Die zwei Trailer bringen nichts Besonderes, doch der Menüpunkt \"Cast & Crew\" verblüfft durch die Tatsache, dass die \"Crew\" fehlt! Es werden nur die drei Hauptdarstellerinnen Huston, Allen und Margulies vorgestellt. Was die Präsentation von Marion Zimmer Bradley in diesem Zusammenhang soll, leuchtet erst einmal nicht so ganz ein. Das gehört halt zum Hintergrund, dachten sich wohl die Macher der DVD. Immerhin dürfte der Interessierte im Web (Links siehe unten) die restlichen Infos zu Cast & Crew finden.

Unterm Strich
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\"Die Nebel von Avalon\" ist der weitgespannte Versuch, das Riesenwerk, das Marion Zimmer Bradley vorlegte, in das enge Korsett von drei Stunden zu zwängen. Je nach Begeisterung für das Buch dürfte die Bewertung dieses Versuchs ausfallen. Wenigstens schafft es das Drehbuch, so zugkräftige Zutaten wie Sex, Mystizismus, Schwertkämpfe, Naturschönheit und - leider im Übermaß - Familienintrigen so miteinander zu verknüpfen, dass eine recht unterhaltsame Mischung entstanden ist.

Und wer das nötige Sitzfleisch mitbringt, für den gestalten sich die 176 Minuten des Gesamtfilms sogar kurzweilig. Eine Unterbrechung in der Mitte ist jedoch ratsam: Wem der Kopf wegen der Fülle an Figuren und Namen schwirrt, dürfte nur noch begrenzt aufnahmefähig sein.

Bild und Klang sind in Ordnung, doch das Bonusmaterial lässt Wünsche offen. Statt eines Making-ofs wird der Käufer mit einem Blick hinter die Kulissen (keine Untertitel, sorry) und einem Interview mit dem Koproduzenten abgespeist. Wer eine Fülle von Filmografien erwartet hat, wird ebenso enttäuscht: Nur drei Hauptdarsteller werden näher vorgestellt, darunter kein einziger Mann.

Somit kann man dieser Silberling-Produktion nur mit einer gehörigen Portion Großzügigkeit vier von fünf Sternen zusprechen.

Michael Matzer (c) 2003ff

Amazon-Preis: rund 23 EU

Weblinks:
Informationen zum Film: http://german.imdb.com/Title?0244353
Schöne offizielle Website: http://tnt.turner.com/movies/tntoriginals/mists/

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