Was mir zu Kas in der Türkei einfällt steht einerseits im Bericht über Kas und ist andererseits: TAUCHEN.
Naja, nicht ganz. Unsere türkischen Freunde fallen mir natürlich ein und damit dann auch: TAUCHEN
Ach ja, ein paar nette Leute (Deutsche) haben wir dort auch kennen gelernt. ... beim TAUCHEN
Aber vor vorn.
Wie kommt man auf einen Ort, der ausser im Öger-Kathalog nirgends zu finden ist?
Wir sind bei einem Urlaub in Ägypten sozusagen darüber gestolpert - natürlich beim - - - richtig! - - - Tauchen. Wir hatten einen türkischen Basisleiter, mit dem wir uns auf Anhieb bestens verstanden. Der erzählte uns von seinem Heimatort und seinem Tauchboot dort (der Barakuda Queen) und beides befand (und befindet) sich eben in Kas. (Ausgesprochen wird das "Kasch" - da gehört so ein Schwänzlein unten an das "s", nur gibt der Zeichensatz das leider nicht her).
Über diesen Ägypten-Urlaub schweige ich mich an dieser Stelle mal lieber aus, aber über Kas will ich gern ein bisschen mehr erzählen. Wir sind schon 2 Mal für je 14 Tage dort gewesen und haben es sehr genossen. Eine Menge dazugelernt haben wir auch jedes Mal, weil wir Deppen uns immer irgendeine Aufgabe für so einen Urlaub suchen. Vielleicht erinnert ihr euch an unseren Bodrum-Urlaub (der ja auch schon für 2 Berichte herhalten musste)? Beim ersten Urlaub in Kas war’s es der AOWD und MFA (sollte eigentlich AOWDplus werden), beim zweiten Mal der Rescue-Schein - über beides hat mein Schatz ja schon geschrieben.
Ich möchte hier mal Kas als Tauchrevier vorstellen, denn es ist doch einigermaßen vielfältig.
Tauchbasen
Im Internet findet man inzwischen 8 Tauchbasen, die in Kas beheimatet sind. Persönliche Erfahrungen haben wir keine gemacht, aber den Gesprächen mit anderen Tauchern entnommen, dass qualitativ recht wenig Unterschied besteht, auch preislich sind sie sehr ähnlich.
Eine einzige Basis bietet ein so genanntes Hausriff an. Das liegt neben der Hafeneinfahrt im Schwimmerbereich und dürfte für Nachttauchgänge ganz akzeptabel sein. Zu Schwimmerbereich muss man noch sagen, dass es keinerlei Sandstrand gibt, sondern Felsenküste, die Badegäste als auf Steinplattformen liegen um dort in der Sonne zu braten. Die kommt dort erst ab 10.00h oder später hin, weil eine ziemliche Steinformation in Gestalt des "schlafenden Riesen" sich nach Osten über den Ort erhebt. Der Badebereich ist also nach Westen auf die Bucht ausgerichtet.
Alle Basen verfügen über ein oder mehrere Boote, mit denen werden die unterschiedlichen Tauchspots angefahren. Üblich sind dabei Halbtagestouren, gestartet zwischen 8.00 und 9.30 (je nach Ziel), Mittags ist man dann wieder im Hafen, am Nachmittag wird gegen 15.00 die Zweite Tour gestartet, und gegen 20.00 die Fahrt für den Nachttauchgang, falls einer geplant ist.
Besonderheit: es gibt ein Boot für handicapped Divers - Bugainville Divers
Ich habe es natürlich nicht ausprobiert, aber es ist mir aufgefallen und hier eine besondere Erwähnung wert, welche 'Unterkünfte angeboten werden, kann ich aber leider nicht sagen; die Hotels, die ich kenne, sind eher nicht behindertengerecht.
Boote
Wir haben rund 20 Tauchboote gezählt (2001) - im Jahr davor 8
Die Ausstattung der Boote unterscheidet sich wenig. Alle haben eine gewisse Auswahl an Leih-Equipement (nicht toll, aber funktionsfähig) - fehlt etwas, wird sich gegenseitig ausgeholfen. Das gilt auch für Flaschen. Da gibt es dann öfter mal Care-Lieferungen untereinander. Ebenso übernimmt ein Boot auch schon mal eine Gruppe einer anderen Basis, wenn diese ihr Boot zu voll hat (eigener Platz natürlich vorausgesetzt).
Jeder hat einen Kompressor zur Verfügung, teilweise auf den Booten, teilweise fest im Hafen (was den Hang zu Halbtagesfahrten teilweise erklärt). Flaschen sind teils aus Alu, teils Stahl, die Wartung für Stahltanks ist schwierig, daher sind sie selten und werden wohl ausrangiert werden, weil die Wartung nicht gewährleistet werden kann. Zu finden sind DIN und INT Anschlüsse - ich wüsste nicht zu sagen, in welchem Verhältnis. Meist gibt es sogar auch die evtl. erforderlichen Adaptoren. Selber mitbringen ist aber doch die bessere Variante, was für Tauchausrüstung m. E. grundsätzlich gilt.
Die Einrichtung an Bord ist überall funktionell, meist eng. Klar eigentlich, sind ja weder Kreuzfahrtschiffe, noch Luxusdampfer. Vorläufig gibt es auch noch nichts, was diesen Anspruch erheben will, zum Glück.
Druckkammer/Ärzte
Die nächste Druckkammer ist in Bodrum - weniger als eine Hubschrauber-Flugstunde entfernt, natürlich jederzeit über Funk erreichbar. Ärzte gibt es (auch deutschsprachig), nach meiner Kenntnis hat noch jeder die Behandlung überlebt, wir haben aber noch keinen gebraucht.
Dive Spots
Es gibt so um die 30 ausgewiesene Tauchstellen, die innerhalb von max. einer Bootsstunde zu erreichen sind.
Grundsätzlich kann man sagen, dass die küstennahen Tauchbuchten alle gut für Anfänger geeignet sind. Die weiter entfernten Spots liegen z.T. an Kleinst-Inselchen oder Riffen und bieten meist mehrere Möglichkeiten, wobei dann auch fast immer eine Anfänger-Geeignete dabei ist.
Auf einige möchte ich genauer eingehen.
Golden Horn
kleine Bucht in geringer Entfernung, prima für Anfänger. Vor ein paar Jahren wurde ein Boot vor der Bucht versenkt, welches leider schon ziemlich zerfallen ist. Das Nette an dieser Bucht ist aber die inzwischen zwei Mal veranstaltete Unter-Wasser-Ausstellung von Keramiken ortsansässiger Künstler. Für die Erste wurde in monatelanger Vorarbeit ein Marmorblock unter Wasser zu einem Hai bearbeitet, der natürlich nun dauerhaft dort bei etwa 8 m Tiefe liegt. Wohl der einzige weiße Hai der Ägäis, der noch dazu handzahm ist.
Chicken Bay
Bucht bietet Fels/Sand/Seegras bei mäßiger Tiefe und ist deshalb (und wegen der simplen Topographie) ein beliebter Platz für Nachttauchgänge - nur aufpassen, dass man das richtige Boot zum Aussteigen wieder findet!
Höhle
Es gab 2 betauchbare Höhlen, vor ein paar Jahren stürzte allerdings eine davon ein. Die verbleibende ist auch für weniger erfahrenen Taucher zu betauchen. Der Eingang ist Tunnelartig und liegt bei etwa 4 m Tiefe direkt an der Küste. Man ankert wenige Meter davor. Die Hohle selber hat einen Süßwasserzufluss, so dass etwa 2 Meter Süßwasser (saukalt!) bis zur Oberfläche durchtaucht werden müssen, dort hat man Platz für mehrere Taucher und die Luft ist atembar (es liegt aber keine Analyse vor, so dass es nicht empfohlen wird, den Regulator aus dem Mund zu nehmen). Das Innere der Höhle ist nicht aufregend, aber als Erfahrung ist der Tauchgang empfehlenswert. Achtung: beim Durchtauchen der Sprungschicht tendiert die Sicht (wegen der Mischung von Süss- und Salzwasser und des Temperaturunterschieds von über 10 Grad) gegen Null - nichts für Klaustrophoben. Ein weiterer Tunnel etwas weiter draußen kann auch durchtaucht werden. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn im Tunnel wachsen Korallen (also nur bei exakter Tarierung erlaubt, da teilweise weniger als ein Meter lichte Höhe/Breite vorliegt), Anfänger schauen nur hinein! Länge des Tunnels ca. 10-15 Meter, Lampe sehr von Nutzen.
Ofenrohr
Ein senkrechter Abstieg von ca. 6m Tiefe auf 30m (also schon nix mehr für Anfänger). Die untenliegende Grotte ist ebenso wie der Kamin mit Korallen bewachsen und geht bis auf 35 m Tiefe. Unten wohnen einige ziemlich große Zackenbarsche. Mir hat es besser gefallen, erst die Grotte anzutauchen und durch den Kamin auf zu steigen. Kann schon mal vorkommen, dass ein Guide das Rohr verfehlt *g* - das war auch gut so, denn so hatten wir den Spot ganz für uns alleine.
Canyon
Dort ankert man auf einem ziemlich flachen Riff (2-4m) und muss eine ziemliche Strecke (50-80m - je nach Ankerplatz) schwimmen bis man an den Abbruch kommt. Ziemliche Gegenströmung kann da herrschen, aber es lohnt sich. Man findet einerseits den Canyon - auch dort ziemlich viel Korallenbewuchs - der bis zu einer Tiefe von 35 m eingeschnitten ist und unten angekommen ein Wrack. Dies ist teilweise betauchbar, tiefster Punkt liegt allerdings unterhalb von 40m. An beiden Seiten des Canyon gibt es Steilwand, die je nach Strömungsrichtung betaucht werden kann - es lohnt auch für Anfänger, man kann die Tauchtiefen einhalten und sieht dennoch fast alles. Das Wrack ist aus 18 m Tiefe schon gut zu übersehen, und der Bewuchs an den Wänden ist in größerer Tiefe auch nicht wesentlich anders. Lampe ist natürlich nützlich.
Vom gleichen Ankerplatz ist auch die so genannte Oase zu erreichen (Ausweichmöglichkeit für die, denen die Strömung übers Riff zu stark ist)
Flying Fish 1/2
Das sind jeweils mehrere Tauchspots in relativer Nähe zueinander.
Erwähnenswert davon ist einmal ein Amphorenfeld, welches ein ziemlich großes Schiffsgrab kennzeichnet (wobei die Schiffe nicht mehr auffindbar sind)
Das Highlight überhaupt ist aber das Flugzeug. Hierher werden nur erfahrenen Taucher gelassen, da hier in jedem Fall ein Deko-Tauchgang passiert (die Sporttaucher ja bekanntlich nicht machen!), denn das Wrack liegt bei ca. 53m (und tiefer). Wer nicht mindestens 100 Tauchgänge und eine entsprechende Ausbildung nachweisen kann, wird gar nicht in die Nähe gelassen, geschweige denn geführt - dennoch, gucken würd' ich ja schon gern mal (wenn auch nur für ein paar Sekunden)!
Soviel mal zu ein paar, der ausgewiesenen Dive Spots. Das schöne ist, dass jedes Jahr neue dazukommen, denn die Gegend ist noch nicht vollständig erforscht - mal sehen, was ich nach dem Urlaub im September noch nachtragen kann.
Ein paar allgemeine Sätze zur Unterwasserwelt der Ägäis (und der von Kas im Besonderen). Auch wenn ich hier von Korallen-Bewuchs spreche, ist die Unterwasserwelt nicht mit der des roten Meers vergleichbar. Die Überfischung (insbesondere die Dynamitfischerei) vergangener Jahre hat den Fischbestand arg ausgedünnt und er regeneriert sich nur langsam. Die Verklappung von Altölen aus den Frachtern brachte eine Umweltverschmutzung hervor, die die Pflanzenwelt dauerhaft geschädigt hat und sie erholt sich ebenso langsam wie die Fischbestände. Dennoch gibt es Lichtblicke und merkbare Veränderungen. Durch den Suezkanal wurden bereits mehrere Fischarten und auch Korallen "eingeschleppt". Mit der Zeit entsteht hier ein neues Ökosystem - völlig verschieden vom ursprünglichen, welches für immer verloren ist. Bestimmt niemals so farbenprächtig wie das rote Meer, aber einzigartig auch durch die Vermischung. Jedes Jahr zeigen sich die Veränderungen.
Dies Gebiet ist für den aufmerksamen Betrachter, nicht für den sensationslüsternen. Mit Glück sieht man auch mal spektakuläres - etwa einen grossen Rochen, öfters Schildkröten, gelegentlich Delfine. Meist freut man sich an kleinen Dingen und den Zeugen der Vergangenheit, die sich unter der Wasseroberfläche zeigen.
Wassertemperaturen sind im Frühjahr so ab 18 Grad zu erwarten, im Sommer bis 28 Grad. Selbst Ende September kann man noch durchgängig (auch auf Tiefe) mit 26 Grad rechnen.
Lufttemperaturen : im Sommer SEHR heiß. Auch im September bis 30 Grad, am und auf dem Wasser dann aber sehr angenehm.
Im Spätsommer ist es manchmal sehr windig, meist aber nur für 1-3 Tage.
Ein paar Sätze noch zur Anreise: Man fliegt bis Dalaman und wird in knapp 4-stündigem Transfer nach Kas gebracht. Dort kommt man meist abends an (wenn man Glück hat noch zur Essenszeit). Die Abreise ist immer sehr früh morgens, was heisst, dass man gegen Mitternacht den Transfer-Bus nimmt. Angebote nur über Öger. Weiteres findet ihr auch in meinem Bericht über Kas.
Zusätzliche Informationen im WEB findet ihr unter anderem unter:
Diese Auflistung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit!
Fazit: Tauchvergnügen für Leute mit und ohne Handicap - das andere Handicap ist die langwierige An-/Abreise. Ein Sternchen wird für die Reisebeschwernis abgezogen, einen extra gib es für Handicap Divers - also volle Punktzahl.
Vielen Dank für ...., na ihr wisst schon!
Gruss Birgit
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