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| Letzte Aktualisierung am: |
19.07.2009, von christianpirker |
| Produktbewertung: |
5
5 |
| Empfehlung: | ja |
| Pro: | klare und logisch nachvollziehbare Argumentation, kompaktes Wissen auf 128 Seiten, als Taschenbuch ein wahres Schnäppchen. |
| Kontra: | nicht immer einfacher Lesestoff, weil der Leser auch mal selbst mit- und nachdenken muß. |
*** Vorwort ***
Ludwig von Mises war einer der ganz bedeutenden ökonomischen Denker des 20. Jahrhunderts. Sein Werk über die Bürokratie ist noch heute aktuell und lesbar.
Ludwig von Mises: Die Bürokratie, Sankt Augustin : Academia Verlag, 1997 (= Klassiker der Freiheit; 3) ISBN 3-89665-026-2.
Titel der amerikanischen Originalausgabe: "Bureaucracy" (Yale Univ. Press, New Haven, 1944).
*** Der Autor ***
Ludwig von Mises lebte von 1881 bis 1973. Er war aus akademischer Sicht ein später Vertreter der Wiener Schule der Nationalökonomie. Bereits 1922 erkannte er in seinem Buch "Die Gemeinwirtschaft", daß jedes planwirtschaftliche System per se zum Scheitern verdammt sei. Mit dieser Behauptung stieß er bei der Gelehrtenwelt auf heftigsten Widerspruch. Daraus resultierte die heftigste Debatte, die es in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu führen gab.
Mises wurde 1881 in Lemberg (heute Ukraine) geboren und studierte in Wien Rechtswissenschaft und insbesonders Nationalökonomie. Er führte ein bewegtes akademisches Leben in einer bewegten Zeit. 1934 verläßt er Österreich und ging in die Schweiz. 1940 emigriert er dann in die USA. Auchn dort schwimmte Mises als klassischer Liberaler gegen den Strom und sparte nicht mit der Kritik an der Politik Roosevelts ("New Deal"). In den ersten Jahren in den USA lebte er in bitterster Armut. Erst 1945 bekommt er eine Teilzeit Gastprofessur in New York. Diese wird 1949 zu einer privat finanzierten Vollprofessur umgewandelt, die Mises bis 1969 innehatte. Mises sorgte dafür, daß die Tradition der Wiener Schule der Nationalökonomie in den USA mehr gepflegt wurde und wird, als in Österreich. Mises stirbt 1973 in New York im Alter von 92 Jahren.
*** Der Inhalt ***
"Die Bürokratie" versucht den Zusammenhang zwischen dem Sozial- und Umverteilungsstaat und der zunehmenden Bürokratisierung und Regulierung aufzuzeigen. Mises beweist, daß das eine die Ursache für das andere ist. Noch schlimmer ist aber, daß durch den mächtigen Staatsapparat die Parlamente mehr oder weniger entmachtet werden. Somit wird klar, daß auf diesem Wege auch die Demokratie gefährdet ist.
Zur Veranschaulichung der Problematik möchte ich folgendes Zitat aus dem Vorwort zur Originalausgabe von 1944 bringen: "Die wichtigste Streitfrage in den heutigen sozialen und politischen Konflikten ist, ob die Menschen die Prinzipien von Freiheit, Privatinitiative und individueller Verantwortung verraten und sich stattdessen der Vormundschaft eines riesigen Zwangsapparates - des sozialistischen Staates - ergeben sollten. Sollte autoritärer Totlitärismus die Stelle von Individualismus und Demokratie einnehmen oder nicht? Sollte aus dem Bürger ein Untertan werden, ein Untergebener in einer allumfassenden Arbeitsarmee, gebunden an unbedingten Gehorsam gegenüber den Befehlen seiner Vorgesetzten? Sollte ihm sein wertvolles Vorrecht - Mittel und Ziele zu wählen und sein eigenes Leben zu gestalten - genommen werden?"
Die Grobgliederung des Buches:
Einleitung
1. Gewinnorientiertes Wirtschaften
2. Bürokratisches Wirtschaften
3. Bürokratische Leitung öffentlicher Unternehmen
4. Bürokratische Führung privater Unternehmen
5. Die soziale und politische Bedeutung der Bürokratisierung
6. Die psychologischen Folgen der Bürokratisierung
7. Was kann getan werden?
Schlußfolgerungen
Ludwig von Mises versteht es, auf den 128 Seiten spannend und logisch nachvollziehbar über das Thema Bürokratie und seine Zusammenhänge in unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Belangen darzustellen. Dazu beschreibt er auch noch die Möglichkeiten der Gegensteurung gegen dieses wachsende Problem.
In seiner Schlußfolgerung rechnet er mit dem Sozialismus ab: "Die Vorkämpfer des Sozialismus nennen sich Fortschrittliche, aber sie empfehlen ein System, das durch starre Einhaltung der Routine und durch Widerstand gegen jede Art Verbesserung gekennzeichnet ist. Sie nennen sich Liberale, doch sie beabsichtigen, die Freiheit abzuschaffen. Sie nennen sich Demokraten und verlangen doch nach einer diktatur. Sie nennen sich Revolutionäre, aber sie wollen den Staat allmächtig machen. [...] Gegen diesen Wahnsinn an Agitation gibt es nur eine Waffe; die Vernunft. Nur gesunder Menschenverstand wird benötigt, um den Menschen davor zu bewahren, zur Beute illusorischer Phantasien und leerer Schlagworte zu werden.
*** Fazit ***
Mises hat mit der "Bürokratie" eine kämpferische Schrift gegen die Gefahren der Verstaatlichung und des Sozialismus geliefert. Seine Vorhersagen sind zum Großteil eingetreten. Zum Glück sind die negativen Konsequenzen aber noch nicht so stark spürbar, wie es Mises befürchtet hat. Alles in allem ist es ein Buch, das ich als absolut lesenswert einstufen möchte. Zielgruppe sind Sozial- und Wirtschaftswissenschafter und alle Menschen, die sich als Demokraten sehen und ihr Leben weitgehend selbstbestimmen möchten. Besondere Vorkenntnisse sind für das Lesen dieses Buches jedoch nicht nötig.
*** Der Verlag ***
Das Buch wurde vom relativ unbekannten Academia Verlag herausgegeben. Die Anschrift des Verlags lautet:
Academia Verlag GmbH
Postfach 1663
D- 53734 Sankt Augustin
*** Mises im Internet ***
Ludwig von Mises Institute www.mises.org
*** Update ***
Ich halte das Buch noch immer für sehr lesenswert!
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