„Sass - Die Meisterdiebe“ ist ein deutscher Film aus dem Jahre 2001, der in Berlin in den Goldenen 20er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt. In einer verwirrten Zeit zwischen den beiden Weltkriegen leben die Brüder Franz (Ben Becker) und Erich Sass (Jürgen Vogel) im Arbeiterviertel Moabit. Doch das Leben gibt den beiden Brüdern nicht viel und die neugegründete Autowerkstatt wird vom Finanzamt fast in den Ruin getrieben, denn die Sass-Brüder liegen mit ihren Steuerzahlungen im Rückstand.
Die Geschichte der Brüder nimmt ihren Lauf und aus einer gewissen Aussichtslosigkeit wagen sie ihren ersten Einbruch - Ziel ist es aus dem Finanzamt die gezahlten Steuern zurückzuholen. Für die beiden aufstrebenden Brüder ist bald klar, dass sie nicht als Arbeiter und Tagelöhner im dreckigen Berlin zurückbleiben wollen. Franz - der ältere Bruder - überredet Erich schließlich weitere Einbrüche in verschiedenen Bänken zu starten, der eine Bruder zeigt sich dabei immer stärker als der Kopf des Duos, plant den Einstieg und legt die Taktik fest, Erich als der Erfinder und technisch Begabte tunt sein Schweißgerät oder entwickelt chemische Säuren, die sich noch schneller durch Tresortüren fressen können.
Die ergänzenden Fähigkeiten und der Zusammenhalt ist wenig später auch die Grundlage für ihren Erfolg. Kriminalsekretär Fabich (Henry Hübchen) ist dem Einbrecherpärchen zwar immer auf der Spur, kann jedoch keine wirklichen Beweise gegen die Sass-Brüder vorbringen und sieht bei der glorreichen Einbruchreihe in zahlreiche Banken eigentlich nur hilflos zu. Die Sass-Brüder steigen langsam, aber sicher in der Gesellschaft nach oben - erreichen in Berlin fast Heldencharakter und werden gefeiert. Sie gehen in den noblen Clubs der Stadt ein und aus, legen sich neue Kleidung zu, sagen sogar zu einem fabelhaften Mercedes nicht Nein.
Doch so schnell wie sie ihre alten Probleme und Sorgen loswerden, kommen die neuen Probleme hinzu. Der Vater merkt recht früh, dass das viele Geld nicht von harter Arbeit kommt und verurteilt als Arbeiter und Sozialist die Taten der Söhne. Natürlich kommen nun auch verschiedene Frauengeschichten auf und zu allem Überfluss bekommt auch eine Bande aus der Berliner Unterwelt mit, was Franz und Erich da abziehen: Natürlich hängt sofort Ärger in der Luft.
In bekannter Art und Weise dreht sich das Karussell immer schneller und der Zuschauer kann im zweiten Teil des Films in verschiedenen Schritten beobachten, wie der Erfolg der Sass-Brüder in Misserfolge umschlägt, Schuld dran ist neben Polizei, der gegnerischen Bande und den Frauen nicht zuletzt auch der Mord an Vater Sass, der symbolhaft für die bevorstehende Niederlage und die beginnende Zerrissenheit der Brüder steht. Das Ende des Films werde ich hier jedoch nicht verraten...
Gedanken zum Film
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In einer Kritik zu diesem Film lass ich kurze Zeit nach meinem Kinobesuch eine gute Frage. „Warum erzählt jemand einer Geschichte?“ Diese einleitende Frage eignet sich recht gut, um einige Gedanken rund um den Streifen aufzuwerfen. Der Film „Sass“ erzählt nämlich eine wahre Geschichte aus den 20er Jahren in Berlin und so leitet der Regisseur die Story auch mit Originalaufnahmen aus dieser Zeit ein. Es ist eine Geschichte von zwei Brüdern, die etwas aus ihrem Leben machen wollten, Ziele und Träume hatten und die Anlage einfach nicht im Strom der Zeit mitzuschwimmen. Greift man hier die Frage des Sinns auf, so könnte vielleicht geantwortet werden, dass „Sass“ nur unterhalten will - dennoch steckt in dem Film mehr als reine Unterhaltung. Vielmehr wird die Geschichte zweier Brüder erzählt, die voller Träume, Lebenslust und Schicksal präsentiert wird.
Einbrecher sind normalerweise böse Menschen und müssen bestraft werden. Wie in tausend anderen Einbrecherfilmen ergreift der Zuschauer natürlich für die eigentlich „Bösen“ Sympathie und kehrt ihr Verhalten und ihre Taten ins Gute um. So hat „Sass“ meiner Meinung nach zwei Heldenfiguren zu bieten, die eigentlich keine Helden sein wollen: Franz und Erich wollen dem Sumpf der Armut und des Hungers in Berlin entkommen und etwas aus ihrem Leben machen, ihren bald aufkommenden Heldenstatus nutzen sie nicht aus Überzeugung oder Gerechtigkeitssinn aus, sondern um Frauen, Geld und ein schöneres Leben zu bekommen.
Fraglich bleibt natürlich zum Schluss, was „Sass“ wirklich ist. Oder besser gesagt, es bleibt die Frage, was „Sass“ sein wollte. Ich denke schlussendlich ist es ein guter deutscher Film, der eine besondere Story aus der Vergangenheit erzählt. Kulissen und die Stadt Berlin bietet hierfür genügend Material und da die Leistung der Schauspieler und die Drehorte stimmen, sind die wirklichen Schwächen des Kinofilms in anderen Bereichen zu suchen. Jeder, der den Film gesehen hat, wird sich früher oder später über den Gehalt der Story Gedanken machen, denn „Sass“ will mit einer Geschichte aus dem Leben gefallen und der Zuschauer wird diese Geschichte prüfen müssen.
Schade, dass der Film viel zu viele Klischees benutzen muss, um sich einen roten Faden von beginn bis zum Ende irgendwie erhalten zu können. Meiner Meinung nach liegen die wahren Schwachen stellen in der Umsetzung der Story und der Regie. Denn „Sass“ bietet ein bekanntes Theme und eine Story, die der Zuschauer so schnell durchschaut, dass Elemente wie Spannung oder Überraschung die Spree schnell hinunterfließen und dem Film nicht weiterhelfen können. Das heißt eigentlich, dass das gewisse Etwas einfach nicht vorzufinden ist und somit den Gesamteindruck sehr trübt.
Darsteller
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Die beiden Hauptdarsteller Ben Becker und Jürgen Vogel machen ihre Sache gut, ja fast sehr gut. Sie spielen die Charaktere so, wie sie perfekt in den Film und die Story passen müssten. Einfach nur schade, dass Becker und Vogel mit „Sass“ keinen Durchbruch landen werden können, denn der Rest des Films oder die anderen wichtigen Bestandteile von „Sass“ ziehen die beiden Hauptdarsteller und ihre Leistungen schnell nach unten. Andersherum retten Vogel und Becker den Gesamteindruck des Films und glänzen mit ihrer schauspielerischen Leistung so sehr, dass viele Fehler und Schwächen innerhalb des Films angenehm abgeschwächt werden. Leider bietet das Drehbuch den beiden Darstellern gar nicht genügend Spielraum um sich noch besser zu entfalten, sondern brechen wichtige Szenen der Charaktere oft am interessantesten Punkt, oder sogar noch kurz davor ab. Der Reihe der Nebendarstellern kann auch kein Vorwurf gemacht werden, denn ihre Leistung ist ebenfalls gut. So gefällt Otto Sander als Vater Sass und zeigt, welche Rollen er gut spielen kann. Insgesamt hellen die Darsteller das Gesamtbild eindeutig auf.
Meiner Meinung nach überzeugen alle oder zumindest ein Großteil der deutschen Filme durch solide und manchmal sogar sehr gute Technik. Und so stimmen bei „Sass“ Sound und Musik genauso wie Schnitt, Kameraführung und die Drehorte. Für die Szenen wurde wirklich ganze Arbeit geleistet und eindrucksvolle und realen Schauplätze benutzt, Kleidung, Maske und das Szenario um die Handlung herum stimmt einfach - bietet allerdings auch keine neuen Besonderheiten. Viele Szenen wurden in Prag gedreht, das dem berlin der damaligen Zeit immer noch manchmal ähnlich sieht. Die Wahl der Drehorte sind jedoch immer passend und kommen niemals billig oder gestellt rüber, die produktion ist diesbezüglich gelungen.
Filmdaten
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Darsteller: Ben Becker, Henry Hübchen, Jürgen Vogel, Karin Baal, Jeanette Hain, Julia Richter, Otto Sander
Regie: Carlo Rola
Drehbuch: Holger Carsten Schmidt, Uwe Wilhelm
Kinostart: 27.09.2001
FSK: noch unbekannt
Länge: 112 Min.
Verleih: Constantin Film Verleih
Fazit / Empfehlung
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Abschließende Worte zu finden fällt bei diesem Film nicht leicht. Sicherlich haben sich alle Beteiligten sehr viel Mühe für „Sass“ gegeben und dieser Einsatz ist zu sehen und muss auch gelobt werden. So entstand hier ein solider, guter deutscher Film, der dem Zuschauer die Geschichte der Meisterdiebe Sass erzählen will. Leider versinkt der Streifen gerade zu Ende in Klischees und Vorhersehbarem, scheitert an zu viel Länge und zu viel Szenen ohne Drive, Spannung und Action müssen sogar ganz zurückstecken. Großes Schicksal wird nicht erzählt und die lobenswerte Leistung aller Darsteller geht bei mittelmäßiger Regie und Idee einfach etwas zu sehr unter. Ich hatte nach dem Kinobesuch den Eindruck, dass alles, was nicht zur Filmidee oder Story gehört den Rest des Films, d.h. Darsteller, Technik, Drehorte und Gesamteindruck nach unten zieht - und andersherum.
Empfehlung? Zumindest gibt es hier kein klares Ja oder klares Nein, sondern eine eingeschränkte Empfehlung für diesen Film. Wer auf der Suche nach einem guten, soliden deutschen Kinoerlebnis, mit guten Schauspielern und einem interessanten Szenario ist, wird mit „Sass“ fündig werden. Wer jedoch auf eine durchdachte, spannende Story mit vielen unvorhersehbaren Wendungen setzt wird mit „Sass“ nicht glücklich und muss sich am Schluss sogar noch über das eine oder andere nervige Klischee ärgern. Da der Film nicht auf THX-Specials oder Effekte ausgelegt wurde, schadet es nichts „Sass“ in kleineren Kinos oder in günstigen Nebenvorstellungen am Mittag anzusehen, das Preis-/Leistungsverhältnis wird dadurch viel besser, 12 oder 15 DM sind meiner Meinung nach nämlich einfach zu viel. Schlussendlich würde ich „Sass“ als lobenswerten, aber gescheiterten Versuch bezeichnen den Hollywoodkinoherbst 2001 zu durchbrechen, denn der Film ist höchstens eine gute Alternative, aber kein Knaller!
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