Wenn ich aufstehe, brauch ich einen Kaffee. Und damit er mir noch besser schmeckt, gibt’s ne Zigarette dazu. Oder wenn ich Freunde auf ein Café treffe, dann darf die Fluppenschachtel nicht fehlen. Bekomme ich eine Krise und brauch ein geduldiges Ohr, so lad ich jemanden auf einen Kaffee ein und lege eine Kippe bereit.
Kaffee und Zigaretten sind in den letzten Zeiten zu einer fast untrennbaren Einheit verschmolzen. Beides kann süchtig machen und kann bzw. ist ungesund für den Körper. Jim Jarmusch nimmt sich den beiden Drogen an und macht einen Film über diese. Und noch dazu mit Starbesetzung.
Der Film ist eine Collage aus 11 Kurfilmen. Den roten Faden sucht man vergeblich in Dialogen oder Symbolen. Er ist absolut simpel und gleichzeitig gerissen genial: in jeder Szene taucht ein Tisch mit Karomuster, auf dem zwei Tassen und eine Zigarettenschachtel liegen, sowie mindestens zwei Personen auf. Das verbindet alle Filme – vom ersten bis zum letzten.
Das erste Filmchen zeigt gleich, von welchem Karat der gesamte Film ist. Roberto Benigni und Steven Wright stellen beide fest, dass sie mit den Nerven vollkommen am Ende sind. Steven trinkt Kaffee, damit er nachts schneller träumen kann und so mehr von seinen Nächten hat.
Im zweiten Film streiten zwei Zwillinge über den guten und den bösen von beiden. Ein hinzukommender Kellner glaubt, dass Elvis seine Musik von den Schwarzen gestohlen habe.
Film Drei: ein Brüller!!! Tom Waits und Iggy Pop. Grandios!!! Die beiden rauchen eine Zigarette, weil sie aufgehört haben. Sie inhalieren aber nicht, sondern atmen nur ein und wieder aus. Und das kann man ja nicht als Rauchen bezeichnen.
Über die Gefahren von Zigaretten und Kaffee wird in Film Fünf diskutiert. Zwei alte Kameraden versuchen gegenseitig ihre Sucht als krank und schädlich darzustellen. Der Sohn von einem „vergiftet“ sie mit chinesischem Frass.
Die wohl schlechtesten Anmachsprüche eines Kellners, die ich je gesehen habe. Aber Renée Fench schlägt sich wacker und ist geduldig. Film Sechs!
Auch der siebte Film ist ein Sahnestückchen an filmtechnischer und humoristischer Arbeit. Zwei Schwarze – wie man erfährt sind sie beste Freunde – streiten sich darüber, wie es einander geht. Und als sie mit der Sprache nicht rausrücken wollen, weil es einfach mal nichts gibt, müssen sie sich nach Stunden damit zufrieden geben. Gute Freunde eben.
Film Nummer Acht ist ganz und gar für Cate Blanchet gemacht. Sie spielt eine Doppelrolle: zwei Cousinen, eine erfolgreiche Schauspielerin und die andere sorgenfreie arme Ökotante, treffen sich nach zwei Jahren wieder. Anschauen!!!
Alle Fans von The White Stripes hingesehen! Die Gebrüder White spielen mit. Jack will Meg seine Tesla-Spule vorführen, die dann aber den Geist aufgibt.
Überheblichkeit tut keinem gut. Dies muss auch Steve feststellen, der von Alfred auf einen Kaffee eingeladen wurde, weil er ihm mitteilen will, dass sie beide Cousins sind. Steve ist wenig begeistert davon, aber Alfred hat schon Pläne für die Zukunft geschmiedet. Frage von mir: Wer ist Spike Jonze???
Delirium – Film Zehn. Wieder ein Brüller. GZA und RZA (beide von Wu-Tang Clan) haben dem Coffein abgeschworen. Aber Bill Murray kann nicht loslassen. Die beiden empfehlen ihm, mit Ofenreiniger zu gurgeln!!!
Letzter Film: zwei alte Männer in einem Lagerraum machen Pause und genießen die letzten zwei Minuten mit schlafen.
Ende des Films.
In meinen Augen ist dieser reinste Lyrik. Jim Jarmusch nimmt ein Skript in die Hände und macht es zu einem Meisterwerk. Es ist nicht zu leugnen, dass – ebenso wie bei Quentin Terrintino – zu meist nur eingefleischte Fans den Sinn finden, aber das nennt unsere schnelllebige Gesellschaft heutzutage eben Kult. Und Jim Jarmusch ist eindeutig Kult!
Spezifisch für den Film ist ein trockener Humor, der von keiner Sintflut erschüttert werden kann. Manche Szenen überzeugen allein durch Bilder, in anderen könnte man die Leinwand ausschalten und nur den Ton gebrauchen. Aber wie immer: die Mischung machts.
„Coffee and Cigarettes“ ist kein Kinofilm nach Hollywood-Format, aber er ist alle Male Hollywood-reif. Wer von den üblichen Aufbau mal Abstand gewinnen will, ist hier genau richtig. Mein Tipp: geht in Programmkinos – es kostet fast ein drittel weniger.
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