Schloß Herrenchiemsee Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Caitriona
Ohne Geld war auch bei ihm nichts los...
Pro:
prunkvolles, leider unvollendetes Schloss mitten in der Natur
Kontra:
nichts, vielleicht der Preis für manche
Empfehlung:
Ja
Bei diesem regnerischen trüben Herbstwetter denkt man doch gerne an den vergangenen Sommerurlaub zurück. Ich war mit meinem Freund am Chiemsee und habe mir natürlich die wichtigste Touristenattraktion dort angeschaut: Schloss Herrenchiemsee
*** Lage ***
Der Chiemsee ist einer der größten Seen in Bayern und liegt ungefähr 1 Autostunde entfernt von München.
Die Insel Herrenchiemsee ist mit ihren 215 ha die größte Insel im Chiemsee (die anderen Inseln heißen Frauenchiemsee und Krautinsel).
*** Anreise ***
Logischerweise kommt man nur mit dem Schiff zur Insel (im Notfall könnte man zwar auch schwimmen, aber das empfehle ich nur trainierten Personen).
Schiffe fahren von vielen Orten am Chiemsee ab: Prien-Stock, Gstadt, Bernau-Felden, Übersee-Feldwies, Chieming und Seebruck. Wir sind von Prien aus gefahren. Parkplätze gibt es dort direkt vor der Tür (kostenpflichtig) oder am Straßenrand (kostenlos).
Eine Fahrkarte nach Herrenchiemsee hin und zurück kostet pro Person 5,70 Euro. Kinder bis 15 Jahren bezahlten 2,80 Euro. Weiter Ermäßigungen gibt es nur für Gruppen ab 20 Personen. Studenten (wie ich) müssen auch den vollen Preis zahlen.
Die Schifffahrt an sich ist recht nett, da man einen tollen Blick über den Chiemsee und die Ortschaft Prien hat. Nach gut 20 Minuten kommt man am Steg an.
*** Auf dem Weg zum Schloss ***
Grundsätzlich ist auf der Insel alles hervorragend organisiert und voll touristisch erschlossen. Wenn man den Steg verlässt wird man automatisch zu den Kassen geleitet, wo man seine Eintrittskarten kaufen muss. Zusätzlich gibt es dort auch Toiletten und schon den ersten Souvenirshop.
Preise: Erwachsene zahlen 7,50 Euro. Dort ist nicht nur die Schlossführung enthalten, sondern auch der Eintritt für das Ludwig II. Museum, Museum im Chorherrenstift und die Gemäldegalerie Exter.
Diesmal gibt es auch Ermäßigungen für Studenten, ich darf 1 Euro weniger bezahlen. Weitere Ermäßigungen gibt es für Schwerbehinderte, Gruppen ab 15 Personen und Personen über 65 Jahren. Kinder, Jugendliche und Schüler haben sogar freien Eintritt.
Auf der Eintrittskarte steht der Termin für die Schlossführung und die dazugehörige Nummer. Das ist ganz wichtig. Das Schloss kann nur mit einer Führung besichtigt werden und aufgrund der Besuchermassen wird man einer Führung zugeteilt. Aber keine Angst, man hat ungefähr eine gute halbe Stunde Zeit, bis man im Schloss sein muss.
Es gibt zwei Möglichkeiten zum Schloss zu kommen: entweder zu Fuß durch den Wald – dafür benötigt man 20 Minuten. Oder man nimmt die Kutsche für 3,00 Euro. Die Kutschen sehen allerdings nicht so aus, wie ich sie mir vorstelle. Es sind eher offene Planwagen, die mit Touristen vollgequetscht werden.
Verständlichweise bin ich mit meinen Freund zu Fuß zum Schloss gelaufen. Das würde ich jedem empfehlen, weil die Wege mitten durch die Natur und den Wald führen. Sehr romantisch!
*** Ankunft ***
Wir biegen um die Ecke und sehen schon die ersten großen Springbrunnen. Dann das Schloss, von außen nicht besonders beeindruckend: grau und viele Fenster. Keine besonderen architektonischen Besonderheiten, eher schlicht. Dafür sind die Wasseranlagen und der Garten umso prachtvoller.
Die Gartenanlage stimmt in Grundzügen mit dem Vorbild Versailles überein. Aber auch die seit 1972 in Etappen wiederhergestellten Wasserspiele mit ihren 7 Brunnen laden zum längeren Verweilen ein. Sie sind von Mai bis Anfang Oktober in Betrieb.
Im Schloss selber kam ich mir fast wie im Flughafen vor. Diverse Anzeigetafeln mit Nummern und Uhrzeiten leuchteten auf. Desweiteren gibt es Gates und Eingänge von A – D.
Jetzt sollte der Tourist einen Blick auf seine Eintrittskarte werfen und anhand seiner Führungsnummer sich allmählich in Richtung seines Gates bewegen, wo schon andere Leute warten. Sobald das Gate freigegeben ist, muss man seine Karte am Eingang einscannen und darf dann den Vorraum betreten. Wer sich dazwischenmogeln will, wird von einer freundlichen Dame hinausbegleitet. Schließlich muss alles seine Ordnung haben!
In einer Gruppe von ca. 40 – 50 Personen wird man dann durch das Schloss geführt.
*** Kleiner historischer Ausflug ***
Bevor ich euch meine Eindrücke schildere, ein kleiner Exkurs mit den wichtigsten Daten und Angaben.
Die Herreninsel, wie sie im örtlichen Sprachgebrauch genannt wird, wurde 1873 von König Ludwig II. gekauft um darauf sein \"Neues Versailles\" entstehen zu lassen. Im Jahr 1878 begannen die Bauarbeiten unter der Leitung der Architekten Georg Dollmann bzw. später Julius von Hofmann. Jedoch musste aufgrund von Geldmangel 7 Jahre später der Bau eingestellt werden.
König Ludwig II. verehrte den Sonnenkönig und widmete ihm quasi dieses Schloss. Es ist nicht nur die exakte Kopie von Versailles von außen, sondern auch innen erkennt man, dass hier ein großer Fan von Ludwig XIV. waltete.
Nach dem mysteriösen Tod des Königs 1886 (er geht in den Starnberger See und ertrinkt) wurde nicht mehr weitergebaut und das Königsschloss für die Öffentlichkeit freigegeben. Damals wie heute sind die Leute wie verrückt dort hingeströmt um das Schloss zu besichtigen.
Die 20 fertig gestellten Prunkräume können bis heute besichtigt werden, die übrigen Räume befinden sich jedoch nach wie vor im Rohbauzustand und können mit Ausnahme des im Südflügel eingebauten Ludwig II Museums und des Rohbautreppenhauses nicht besichtigt werden.
*** Im Inneren des Schlosses ***
Die Führung beginnt im Prachttreppenhaus. Ich habe es kaum geschafft, den Worten unserer Führerin zu folgen, weil meine Augen die Pracht kaum erfassen konnten. In dem großen Treppenhaus aus Marmor war viel Stuck, Gold, kostbare Gemälde und Wandbilder zu betrachten.
Durch das Treppenhaus kommt man in das 1. Obergeschoß, wo sich die Prunkräume befinden. Dort es zum einen den Empfangssaal für den niederen Adel, dann für den höheren Adel und dann der für besondere Gäste. Ein Zimmer ist prachtvoller als das andere. Große Lüster hängen an den Decken, die Wände hängen voll mit Bildern. Viele zeigen den Sonnenkönig oder andere französische Gegebenheiten.
Leider bleibt mir kaum Zeit gewisse Details näher zu betrachten, da die Führerin doch recht schnell vorwärts geht. Direkt hinter uns ist die nächst Führung, daher muss ich mich ihrem Tempo anpassen.
Betritt man einen Prunkraum hat man das Gefühl prachtvoller geht es nicht, aber im nächsten Raum stellt man fest, dass es noch prachtvoller geht. So hat Ludwig II. sich ein Empfangszimmer bauen lassen, wo er vom Bett aus die Leute empfangen kann. So hat es nämlich auch der Sonnenkönig gemacht. Logischerweise ist dieses Bett komplett mit Gold verziert, ebenso die Balustrade davor. Die Bettwäsche ist aus dunkelrotem Stoff und Samt. Der Boden ist aus diversen Holzarten und mit Intarsien verziert.
Dann betritt man die Spiegelgalerie mit dem seitlichen Kriegs- und Friedenssaal mit einer der Gesamtlänge von 98 m. Dort stehen 33 Lüster und 44 Kandelaber, die 2.200 Kerzen enthalten. Die Spiegel sind genau gegenüber den Fenstern angebracht, so dass der riesige Raum noch größer wird. Der König soll dort oft entlang spaziert sein und sich seinen Garten in den Spiegeln angeschaut haben.
Nach soviel Pracht besichtigen wir die Privatzimmer des Königs. Besonders gut gefallen hat mir das Schlafzimmer. Auch hier weder viel Gold, aber diesmal kombiniert mit einem schönen Petrolblau. Das Bett hat eine Gesamtlänge von 2,60 m (der König war für damalige Verhältnisse sehr groß:1,90m). Am schönsten ist jedoch das Nachtlicht: eine große blaue Glaskugel, die mit 3 Kerzen gefüllt werden kann und auf einem goldenen Ständer vor dem Bett steht. So was könnte mir auch in meinem Zimmer gefallen *fg*
Zwei weitere Highlights sind im Esszimmer zu sehen. Zum einen ein Lüster aus Meißener Porzellan. Dieser ist mit einheimischen Vögeln verziert und einzigartig. Ludwig II ließ nach der Herstellung nämlich alle Baupläne davon vernichten.
Das andere Highlight ist das „Tischlein deck dich“. Damit der König nicht die Bediensteten zu sehen bekam, konnte man den Tisch mit einer Seilwinde nach dem Raum darunter befördern, wo die Küche hinkommen sollte. Zwei starke Männer benötigten 15 Minuten, um den Tisch nach unten zu kurbeln. Dort wurde er mit Speisen und Getränken beladen, dann musste er wieder nach oben gekurbelt werden.
Nach dem Speisezimmer betritt man ein Treppenhaus, was noch unvollendet und im Rohbau ist. Auch in der Küche befindet sich nur die Vorrichtung für den Aufzug-Tisch.
Nach 40 Minuten ist die Führung für uns beendet und wir kommen wieder in der Eingangshalle an.
Wer mag, kann im Anschluss noch das Museum besichtigen. Das kann ich nur empfehlen, dort lernt man den König näher kennen und schätzen. Wobei sich nicht klärt, ob er nun ein Genie oder ein Wahnsinniger war.
*** Nach dem Schloss ***
Nach der ganzen Pracht empfiehlt sich ein Spaziergang über die Insel, die insgesamt Wege von 7 lm Länge hat. Durch das ganze Grün der Natur kann sich das Auge wieder etwas erholen. Bevor man mit dem Schifft wieder zurückfährt, sollte man noch dem Café einen Besuch abstatten. Empfehlen kann ich besonders den selbstgemachten Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne. Extrem köstlich!
*** Sonstiges ***
Wir haben ungefähr einen halben Tag dort verbracht. Allerdings kann man auch problemlos einen ganzen Tag dort verbringen.
Familien mit kleinen Kindern würde ich von einem Besuch dort abraten. Besonders interessant ist das alles nicht für die Kleinen. Bei der Schlossführung waren Kinder dabei, die nach 2 Räumen schon gelangweilt waren und herumgequakt haben.
Die Öffnungszeiten: April – September täglich von 9 – 17 Uhr; Oktober – März täglich 10 –
16 Uhr.
Für Rollstuhlbenutzer und Gehbehinderte: Die Besichtigungsobjekte sind für Rollstühle geeignet. Im Besucherinformationszenter (BIZ) befindet sich an der linken Seite ein eigener Kassenzugang ( Kasse 1 ). WC´s sind im BIZ, im Schlosshotel, im Museum Augustiner-Chorherrenstift und im Neuen Schloss vorhanden. Im Museum Augustiner-Chorherrenstift und im Neuen Schloss sind Aufzüge vorhanden.
Leider ist das Fotografieren im Schloss selbst nicht erlaubt. Ebenso ist das Rauchen im Schloss verboten.
Auffällig ist die Sauberkeit. Alle Wege sind sauber, es liegt nirgendwo Müll herum und auch die Toiletten sind in einem angenehmen hygienischen Zustand.
*** Fazit ***
Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle. Schloss Herrenchiemsee ist das prunkvollste Schloss von Ludwig II. (nur Neuschwanstein ist bekannter). Faszinierend ist auch die Unfertigkeit des Schlosses. Es sind ja nur 20 Räume fertig und der Rest steht leer und ist noch im Rohbau.
Selbst der König hatte wenig von dem Schloss, weil er nur eine kurze Zeit (10 Tage) dort verbracht hat.
Schön ist auch die Kombination mit dem Museum und den Wanderwegen auf der Insel. Die touristische Durchorganisation ist nicht besonders romantisch, aber zweckmäßig.
Der Preis für den Eintritt ist nicht direkt günstig, da man aber diverse Objekte damit besichtigen kann, relativiert sich das.
Es war für mich auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis und ich bin inzwischen von der Person Ludwig II. sehr fasziniert.
Daher gibt es 5 Sterne und eine Weiterempfehlung.
Caitriona am 23.10.2004 in Bremen
*** Lage ***
Der Chiemsee ist einer der größten Seen in Bayern und liegt ungefähr 1 Autostunde entfernt von München.
Die Insel Herrenchiemsee ist mit ihren 215 ha die größte Insel im Chiemsee (die anderen Inseln heißen Frauenchiemsee und Krautinsel).
*** Anreise ***
Logischerweise kommt man nur mit dem Schiff zur Insel (im Notfall könnte man zwar auch schwimmen, aber das empfehle ich nur trainierten Personen).
Schiffe fahren von vielen Orten am Chiemsee ab: Prien-Stock, Gstadt, Bernau-Felden, Übersee-Feldwies, Chieming und Seebruck. Wir sind von Prien aus gefahren. Parkplätze gibt es dort direkt vor der Tür (kostenpflichtig) oder am Straßenrand (kostenlos).
Eine Fahrkarte nach Herrenchiemsee hin und zurück kostet pro Person 5,70 Euro. Kinder bis 15 Jahren bezahlten 2,80 Euro. Weiter Ermäßigungen gibt es nur für Gruppen ab 20 Personen. Studenten (wie ich) müssen auch den vollen Preis zahlen.
Die Schifffahrt an sich ist recht nett, da man einen tollen Blick über den Chiemsee und die Ortschaft Prien hat. Nach gut 20 Minuten kommt man am Steg an.
*** Auf dem Weg zum Schloss ***
Grundsätzlich ist auf der Insel alles hervorragend organisiert und voll touristisch erschlossen. Wenn man den Steg verlässt wird man automatisch zu den Kassen geleitet, wo man seine Eintrittskarten kaufen muss. Zusätzlich gibt es dort auch Toiletten und schon den ersten Souvenirshop.
Preise: Erwachsene zahlen 7,50 Euro. Dort ist nicht nur die Schlossführung enthalten, sondern auch der Eintritt für das Ludwig II. Museum, Museum im Chorherrenstift und die Gemäldegalerie Exter.
Diesmal gibt es auch Ermäßigungen für Studenten, ich darf 1 Euro weniger bezahlen. Weitere Ermäßigungen gibt es für Schwerbehinderte, Gruppen ab 15 Personen und Personen über 65 Jahren. Kinder, Jugendliche und Schüler haben sogar freien Eintritt.
Auf der Eintrittskarte steht der Termin für die Schlossführung und die dazugehörige Nummer. Das ist ganz wichtig. Das Schloss kann nur mit einer Führung besichtigt werden und aufgrund der Besuchermassen wird man einer Führung zugeteilt. Aber keine Angst, man hat ungefähr eine gute halbe Stunde Zeit, bis man im Schloss sein muss.
Es gibt zwei Möglichkeiten zum Schloss zu kommen: entweder zu Fuß durch den Wald – dafür benötigt man 20 Minuten. Oder man nimmt die Kutsche für 3,00 Euro. Die Kutschen sehen allerdings nicht so aus, wie ich sie mir vorstelle. Es sind eher offene Planwagen, die mit Touristen vollgequetscht werden.
Verständlichweise bin ich mit meinen Freund zu Fuß zum Schloss gelaufen. Das würde ich jedem empfehlen, weil die Wege mitten durch die Natur und den Wald führen. Sehr romantisch!
*** Ankunft ***
Wir biegen um die Ecke und sehen schon die ersten großen Springbrunnen. Dann das Schloss, von außen nicht besonders beeindruckend: grau und viele Fenster. Keine besonderen architektonischen Besonderheiten, eher schlicht. Dafür sind die Wasseranlagen und der Garten umso prachtvoller.
Die Gartenanlage stimmt in Grundzügen mit dem Vorbild Versailles überein. Aber auch die seit 1972 in Etappen wiederhergestellten Wasserspiele mit ihren 7 Brunnen laden zum längeren Verweilen ein. Sie sind von Mai bis Anfang Oktober in Betrieb.
Im Schloss selber kam ich mir fast wie im Flughafen vor. Diverse Anzeigetafeln mit Nummern und Uhrzeiten leuchteten auf. Desweiteren gibt es Gates und Eingänge von A – D.
Jetzt sollte der Tourist einen Blick auf seine Eintrittskarte werfen und anhand seiner Führungsnummer sich allmählich in Richtung seines Gates bewegen, wo schon andere Leute warten. Sobald das Gate freigegeben ist, muss man seine Karte am Eingang einscannen und darf dann den Vorraum betreten. Wer sich dazwischenmogeln will, wird von einer freundlichen Dame hinausbegleitet. Schließlich muss alles seine Ordnung haben!
In einer Gruppe von ca. 40 – 50 Personen wird man dann durch das Schloss geführt.
*** Kleiner historischer Ausflug ***
Bevor ich euch meine Eindrücke schildere, ein kleiner Exkurs mit den wichtigsten Daten und Angaben.
Die Herreninsel, wie sie im örtlichen Sprachgebrauch genannt wird, wurde 1873 von König Ludwig II. gekauft um darauf sein \"Neues Versailles\" entstehen zu lassen. Im Jahr 1878 begannen die Bauarbeiten unter der Leitung der Architekten Georg Dollmann bzw. später Julius von Hofmann. Jedoch musste aufgrund von Geldmangel 7 Jahre später der Bau eingestellt werden.
König Ludwig II. verehrte den Sonnenkönig und widmete ihm quasi dieses Schloss. Es ist nicht nur die exakte Kopie von Versailles von außen, sondern auch innen erkennt man, dass hier ein großer Fan von Ludwig XIV. waltete.
Nach dem mysteriösen Tod des Königs 1886 (er geht in den Starnberger See und ertrinkt) wurde nicht mehr weitergebaut und das Königsschloss für die Öffentlichkeit freigegeben. Damals wie heute sind die Leute wie verrückt dort hingeströmt um das Schloss zu besichtigen.
Die 20 fertig gestellten Prunkräume können bis heute besichtigt werden, die übrigen Räume befinden sich jedoch nach wie vor im Rohbauzustand und können mit Ausnahme des im Südflügel eingebauten Ludwig II Museums und des Rohbautreppenhauses nicht besichtigt werden.
*** Im Inneren des Schlosses ***
Die Führung beginnt im Prachttreppenhaus. Ich habe es kaum geschafft, den Worten unserer Führerin zu folgen, weil meine Augen die Pracht kaum erfassen konnten. In dem großen Treppenhaus aus Marmor war viel Stuck, Gold, kostbare Gemälde und Wandbilder zu betrachten.
Durch das Treppenhaus kommt man in das 1. Obergeschoß, wo sich die Prunkräume befinden. Dort es zum einen den Empfangssaal für den niederen Adel, dann für den höheren Adel und dann der für besondere Gäste. Ein Zimmer ist prachtvoller als das andere. Große Lüster hängen an den Decken, die Wände hängen voll mit Bildern. Viele zeigen den Sonnenkönig oder andere französische Gegebenheiten.
Leider bleibt mir kaum Zeit gewisse Details näher zu betrachten, da die Führerin doch recht schnell vorwärts geht. Direkt hinter uns ist die nächst Führung, daher muss ich mich ihrem Tempo anpassen.
Betritt man einen Prunkraum hat man das Gefühl prachtvoller geht es nicht, aber im nächsten Raum stellt man fest, dass es noch prachtvoller geht. So hat Ludwig II. sich ein Empfangszimmer bauen lassen, wo er vom Bett aus die Leute empfangen kann. So hat es nämlich auch der Sonnenkönig gemacht. Logischerweise ist dieses Bett komplett mit Gold verziert, ebenso die Balustrade davor. Die Bettwäsche ist aus dunkelrotem Stoff und Samt. Der Boden ist aus diversen Holzarten und mit Intarsien verziert.
Dann betritt man die Spiegelgalerie mit dem seitlichen Kriegs- und Friedenssaal mit einer der Gesamtlänge von 98 m. Dort stehen 33 Lüster und 44 Kandelaber, die 2.200 Kerzen enthalten. Die Spiegel sind genau gegenüber den Fenstern angebracht, so dass der riesige Raum noch größer wird. Der König soll dort oft entlang spaziert sein und sich seinen Garten in den Spiegeln angeschaut haben.
Nach soviel Pracht besichtigen wir die Privatzimmer des Königs. Besonders gut gefallen hat mir das Schlafzimmer. Auch hier weder viel Gold, aber diesmal kombiniert mit einem schönen Petrolblau. Das Bett hat eine Gesamtlänge von 2,60 m (der König war für damalige Verhältnisse sehr groß:1,90m). Am schönsten ist jedoch das Nachtlicht: eine große blaue Glaskugel, die mit 3 Kerzen gefüllt werden kann und auf einem goldenen Ständer vor dem Bett steht. So was könnte mir auch in meinem Zimmer gefallen *fg*
Zwei weitere Highlights sind im Esszimmer zu sehen. Zum einen ein Lüster aus Meißener Porzellan. Dieser ist mit einheimischen Vögeln verziert und einzigartig. Ludwig II ließ nach der Herstellung nämlich alle Baupläne davon vernichten.
Das andere Highlight ist das „Tischlein deck dich“. Damit der König nicht die Bediensteten zu sehen bekam, konnte man den Tisch mit einer Seilwinde nach dem Raum darunter befördern, wo die Küche hinkommen sollte. Zwei starke Männer benötigten 15 Minuten, um den Tisch nach unten zu kurbeln. Dort wurde er mit Speisen und Getränken beladen, dann musste er wieder nach oben gekurbelt werden.
Nach dem Speisezimmer betritt man ein Treppenhaus, was noch unvollendet und im Rohbau ist. Auch in der Küche befindet sich nur die Vorrichtung für den Aufzug-Tisch.
Nach 40 Minuten ist die Führung für uns beendet und wir kommen wieder in der Eingangshalle an.
Wer mag, kann im Anschluss noch das Museum besichtigen. Das kann ich nur empfehlen, dort lernt man den König näher kennen und schätzen. Wobei sich nicht klärt, ob er nun ein Genie oder ein Wahnsinniger war.
*** Nach dem Schloss ***
Nach der ganzen Pracht empfiehlt sich ein Spaziergang über die Insel, die insgesamt Wege von 7 lm Länge hat. Durch das ganze Grün der Natur kann sich das Auge wieder etwas erholen. Bevor man mit dem Schifft wieder zurückfährt, sollte man noch dem Café einen Besuch abstatten. Empfehlen kann ich besonders den selbstgemachten Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne. Extrem köstlich!
*** Sonstiges ***
Wir haben ungefähr einen halben Tag dort verbracht. Allerdings kann man auch problemlos einen ganzen Tag dort verbringen.
Familien mit kleinen Kindern würde ich von einem Besuch dort abraten. Besonders interessant ist das alles nicht für die Kleinen. Bei der Schlossführung waren Kinder dabei, die nach 2 Räumen schon gelangweilt waren und herumgequakt haben.
Die Öffnungszeiten: April – September täglich von 9 – 17 Uhr; Oktober – März täglich 10 –
16 Uhr.
Für Rollstuhlbenutzer und Gehbehinderte: Die Besichtigungsobjekte sind für Rollstühle geeignet. Im Besucherinformationszenter (BIZ) befindet sich an der linken Seite ein eigener Kassenzugang ( Kasse 1 ). WC´s sind im BIZ, im Schlosshotel, im Museum Augustiner-Chorherrenstift und im Neuen Schloss vorhanden. Im Museum Augustiner-Chorherrenstift und im Neuen Schloss sind Aufzüge vorhanden.
Leider ist das Fotografieren im Schloss selbst nicht erlaubt. Ebenso ist das Rauchen im Schloss verboten.
Auffällig ist die Sauberkeit. Alle Wege sind sauber, es liegt nirgendwo Müll herum und auch die Toiletten sind in einem angenehmen hygienischen Zustand.
*** Fazit ***
Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle. Schloss Herrenchiemsee ist das prunkvollste Schloss von Ludwig II. (nur Neuschwanstein ist bekannter). Faszinierend ist auch die Unfertigkeit des Schlosses. Es sind ja nur 20 Räume fertig und der Rest steht leer und ist noch im Rohbau.
Selbst der König hatte wenig von dem Schloss, weil er nur eine kurze Zeit (10 Tage) dort verbracht hat.
Schön ist auch die Kombination mit dem Museum und den Wanderwegen auf der Insel. Die touristische Durchorganisation ist nicht besonders romantisch, aber zweckmäßig.
Der Preis für den Eintritt ist nicht direkt günstig, da man aber diverse Objekte damit besichtigen kann, relativiert sich das.
Es war für mich auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis und ich bin inzwischen von der Person Ludwig II. sehr fasziniert.
Daher gibt es 5 Sterne und eine Weiterempfehlung.
Caitriona am 23.10.2004 in Bremen
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