Stephen King's The Stand - Das letzte Gefecht (DVD) Testbericht

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ab 6,82
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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Untergang und Wiedergeburt der Menschheit

Pro:

Kings Geschichte, mit Abstrichen die Schauspieler, immer noch einigermaßen dichte Atmosphäre

Kontra:

Sehr viel oberflächlicher als das Buch, keine Extras, miserable Bildqualität

Empfehlung:

Ja

>M-O-N-D< das bedeutet: eine kurze Einleitung


Als Stephen Kings „Das letzte Gefecht“ (The Stand) 1978 erschien, war der Schriftsteller aus Maine noch nicht so bekannt und hatte auch mit ziemlicher Sicherheit noch nicht den Einfluss, den er heutzutage freilich genießt. Deshalb besaß wohl auch sein damaliger Verlag Doubleday nicht die geringsten Skrupel, das apokalyptische Fantasy-Epos um den immerwährenden Kampf zwischen gut und böse, auf ein deren Meinung nach erträgliches Maß zurechtzustutzen. Erst 1990 erschien eine ungekürzte- und von King noch einmal überarbeitete Fassung, des im Originalzustand weit über 1000 Seiten langen Wälzers, über die Vernichtung und Wiederauferstehung unserer eigenen Spezies.

Das Drehbuch zur gleichnamigen TV-Miniserie die schließlich 1994 entstand, steuerte der Meister des Abgründigen dann auch noch selber hinzu. Ausschlaggebend für die relativ aufwändige Fernesehfilmumsetzung für diese Zeit, dürfte die schon äußerst erfolgreich gelaufene Buchadaption ins TV-Format von „Es“ (It) gewesen sein. Diese danach entstandene, sehr umfangreiche 320 Minuten lange Geschichte mit apokalyptischen Anklängen, erschien in Deutschland erst in zwei Teilen auf VHS, bevor sie fürs TV nochmals für die Werbepausen maßgeschneidert wurde. Seit Anfang 2004 gibt es endlich Kings Endzeitversion auch auf digitalem Datenträger zu erwerben.



>M-O-N-D< das bedeutet: wie erzähle ich eine epische Geschichte; oder: wie mache ich aus einem apokalyptischen Meisterwerk kein filmisches Fiasko.


Stephen Kings Roman entstand damals in den 70ern vor dem Hintergrund der zu jener Zeit andauernden Ölkrise und dem Watergate-Skandal, der eine gewisse Politikverdrossenheit mit sich brachte. Die Kritik gegenüber der Obrigkeit, die der Autor sehr stark hauptsächlich in seinen „Bachman-Büchern“ verlautbarte, ist auch in Kings - neben seinem Turm-Zyklus - monumentalstem Werk, jederzeit deutlich spürbar. Diese unterschwelligen Nadelstiche sind meiner Meinung nach, auch noch gut in die Filmumsetzung hinübergerettet worden, obwohl es sich natürlich hier fast noch mehr als im Buch in erster Linie um ein Produkt handelt, dass nur eine spannende Geschichte erzählen- und unterhalten will. Gleichwohl bemüht King nicht wenige biblische Metaphern, wenn er die Menschheit an den Rand einer Ausrottung, durch den vom Militär entwickelten und außer Kontrolle geratenen Grippevirus „Captain Trips“ bringt.

Es scheint so als habe die Macht des Bösen, das vom allgegenwärtigen King´schen Paradebösewicht Randall Flagg symbolisiert wird, nur darauf gewartet, um diesen verhängnisvollen Fehler der Regierung für seine dunklen Pläne auszunutzen. Wie immer in Zeiten großer Not, in der sich viele sehr leicht von falschen Götzenbildern verführen lassen, hat auch hier der zeitlose Reisende Flagg leichtes Spiel sich unzähliger verlorener Geschöpfe zu bemächtigen, die nur zu gerne bereit sind ihre Seele an diesen vermeintlichen Messias zu verhökern. Denn für die Versprechungen des Teufels in Menschengestalt gehen seine Jünger über Leichen und lassen jedwede moralischen Bedenken außen vor. Ins Auge fällt natürlich sofort ein Vergleich zu einem anderen teuflischen Despoten, der in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit seinen Verführungskünsten Tod und Verwüstung über fast die ganze Menschheit brachte. Aber auch außer Hitler standen sicherlich noch eine ganze Reihe ähnlicher Tyrannen für diese allegorische Geschichte Pate, die die Welt immer wieder im Verlauf des Zeitgeschehens an den Rand des Abgrundes gebracht haben. Lesern des Autors wird jedenfalls dieser durchtriebene Bursche Flagg ziemlich bekannt vorkommen, da er seine diabolischen Ränke schon ein ums andere Mal in einer ganzen Reihe anderer King-Bücher schmiedet (und so viel sei schon mal verraten) noch schmieden wird.

Das Gegenstück zur dunklen Seite hat King unter Einbeziehung einer Handvoll Widerstandskämpfer erschaffen, die dem Ruf von Mutter Abigal - einer 108 Jährigen, alten schwarzen Frau und gleichsam Medium des Guten - folgen, die sie in ihren Träumen erreicht. Daher versammelt sich diese Gruppe nach und nach in Nebraska, um im weiteren Verlauf der Handlung nach Colorado weiterzuziehen. Dort wollen die Überlebenden der großen Katastrophe so etwas wie einen Wiederaufbau von Zivilisation bewerkstelligen. Aber auch der Kampf mit dem übermächtig erscheinenden Gegner, der in Las Vegas seinen Stützpunkt eingerichtet hat und mit den zerstörerischen Waffen einer fast untergegangenen Kultur Muskelspiele vollführt, wird umgehend aufgenommen. So werden lieb gewonnene Charaktere, deren Leidensweg man fasziniert mitverfolgt hat, in gefährliche Situationen gebracht, in der einige auch umkommen werden. Denn der Preis für die Freiheit ist halt oftmals ein sehr hoher, und meist mit vielen (schuldigen sowie unschuldigen) Opfern gepflastert. Eine weitere sehr anschauliche Parallele zum wahren Leben wie mir scheint, macht deshalb diese Story so lebensnah, da es wirklich jeden zu jederzeit treffen könnte.

Doch nicht nur eindimensionale gut-böse Klassifizierungen werden mittels dieses weitschweifigen Geschehens ersichtlich. Der Kampf einiger Figuren mit sich selber, auf welche Seite sie sich schlagen sollen, kommt hier keinesfalls zu kurz. Und oftmals bedarf es nur eines geringen Anstoßes, um entweder der guten oder der bösen Seite zu verfallen. Bei einigen Figuren werden diese innere Zerrissenheit und dieser Kampf sehr plastisch geschildert – zumindest noch im Roman. Der Film ist da an einigen Stellen etwas weniger differenziert und mitunter in einigen Szenen auch noch ordentlich klischeehaft, oder wimmelt gar vor unverholenem Patriotismus.
Kings Endzeitversion, die sich über eine nicht unerhebliche Zeit erstreckt, beinhaltet sehr viele, mitunter äußerst ausführliche Handlungsstränge, die sich an den verschiedensten Orten und Landschaften von ganz Amerika erstrecken. Dennoch ist eine jederzeitige Verbindung der einzelnen Elemente geschaffen worden, die den Blick für das Große und Ganze der Geschichte nie aus dem Auge verliert, auch wenn es immer mal wieder eine gewisse Zeit dauert, bis das Geschehen zu den einzelnen Handlungskotenpunkten zurückkommt. Die Verfilmung ist hier sogar noch etwas leichter überschaubar, da mit noch mehr Ortswechseln und Szenenüberbrückungen auf die einzelnen Brennpunkte gearbeitet wurde. Natürlich ist sie dadurch leider auch um einiges weniger tief greifend, obwohl ein mitfiebern mit den meisten Charakteren sicher immer noch gewährleistet ist.

Dennoch – und das sollte man halt nie vergessen – kommt der Fernsehaufguss an Kings bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Mammutwerk nie wirklich heran, auch wenn die Filmemacher sicher alles versuchten, um Kings apokalyptische Version im Rahmen ihrer Mittel so gut wie möglich aussehen zu lassen. Die Vergangenheits- und bald darauf Zukunftsbewältigung der einzelnen, fast schon ein wenig unüberschaubaren Anzahl an Figuren, die gerade mal 1 % der ehemaligen Bevölkerung repräsentieren, ist ein weiteres Hauptthema des Films. Sowie natürlich die Hoffnung auf einen baldigen Wiederaufbau, für eine Bewältigung des Chaos und vielleicht – so der Tenor von Film sowie Buch – für die Wiedergeburt einer bessere Welt. Wenn hernach am Schluss diese letzte, alles entscheidende Schlacht geschlagen sein wird, hat der Zuschauer ein Erlebnis von mit Sicherheit nicht der gleichen Intensität hinter sich gebracht, wie der Leser von Kings Geschichte, sondern allenfalls wohl nur einen eher kleinen Vorgeschmack auf das was ihn mit der Lektüre erwarten würde. Doch die Filmversion gibt zumindest noch einen annähernd anschaulichen Eindruck mit auf den Weg, der für die Bewunderer des Romans so unvergleichlich Bemerkenswert war.

Auf Schauspielerseite findet man ein - meiner Meinung nach - recht munteres Kaleidoskop der unterschiedlichsten Charaktere, die den Figuren aus Kings Frühwerk Leben eingehaucht haben. Meist ziemlich gelungen, so denke ich, obwohl vor allem der Part von Flagg mich ganz ehrlich gesagt nicht wirklich zufrieden stellte. Am Schauspieler (Jamey Sheridan) der eine gute und solide Leistung einbrachte, lag das sicher nicht unbedingt, sondern wohl eher an meiner schon vorprojizierten Vorstellung des charismatischen Bösewichts, durch die in ihren Bann ziehende gelesene Geschichte, die einfach um so viel weitreichender ins satanische vordrang.
Aber alle anderen Figuren lagen da bis auf wenige Ausnahmen schon halbwegs dicht an meiner Fantasie. Vor allem auf der bösen Seite hat mich hier der völlig durchgeknallte Part es „Mülleimermanns“ überzeugt, der von Matt Ferrer wirklich nicht schlecht eingebracht wurde. Die meist Gefühl- und Stimmungsvollen Auftritte auf der guten Seite, von Gary Sinise als Anführer Stu Redman, Rob Lowe als taubstummer Nick Andros und Bill Fagerbakke als schwachsinnig-liebenswürdiger Tom Cullen, haben mir auch meist außerordentlich gut gefallen. Nicht vergessen sollte man die vielen Cameo-Auftritte von z.B. Kathy Bates als Radiomoderatorin und Ed Harrys als Armeegeneral, sowie Stephen King himself in seinem bislang längsten Miniauftritt á la Hitchcock, den er sich auch hier nicht nehmen lässt.



>M-O-N-D< das bedeutet: Digital Versatile Disc Desaster.


Die einheimische Umsetzung von Warner auf DVD beinhaltet im Gegensatz zur US-Veröffentlichung keinerlei Extras; anders ausgedrückt bedeutet das >N-U-L-L<. Das ist insbesondere schade und ein wenig ärgerlich, sollte man tatsächlich den überhöhten Preis von 23 € berappen, den z.B. Amazon für die zwei Scheiben verlangt. Ich hab Gottlob warten können und die Doppel-DVD mit über 5 ½ Stunden Gesamtlaufzeit jetzt für günstige 8 € beim Media Markt erstanden. Eine Investition die sicher lohnt wenn man bedenkt, wie viel Werbebombardement (von der Terminplanung ganz abgesehen) sich dadurch vermeiden lässt, würde man die Folgen im TV angesehen.

Das Bild im typischen Fernsehformat 4:3 sowie der Ton in Dolby Digital 2.0 sind aber alles andere als Mustergültig auf die Silberlinge übernommen worden. Ein sehr deutliches Flimmern auf der Mattscheibe beeinträchtigt doch ungemein den Filmgenuss. Überdies muss man sich mit einem einfachen Stereosound abfinden, der sich auch nicht gerade ein Bein ausreißt. Sieht man sich einmal die Unmengen an Untertiteln einmal an, die sich um einen Einsatz streiten, merkt man schnell worauf es Warner abgesehen hat: Die Scheiben möglichst vielen verschiedensprachige Kunden aufs Auge zu drücken, und so noch einen höheren Absatz zu erreichen. DVD-Fans denen an qualitativer Umsetzung mit interessantem Bonusmaterial liegt, zeigt Warner leider wieder ein weiteres Mal glatt die kalte Schulter. Die Tonspur ist außer dem englischen Original, noch mit der deutschen- sowie der spanischen Synchronfassung unterlegt.



>M-O-N-D< das bedeutet: mein Fazit.


Wer die immerhin lobenswerte, fast sechsstündige Filmadaption von Mick Garris gesehen -, aber Kings episches Meisterwerk in Buchform bisher vernachlässigt hat, der solle bloß nicht glauben, dass er den vollen Überblick erhalten hat, und letzteres schleunigst nachholen. Denn wenn auch die alles in allem gut ausgewählten Schauspieler den Zuschauer in ein einschneidendes Horrorszenario entführen -, ihm versuchen, den mit reichlich Phantasie angereicherten Charakteren näher zu bringen und damit einen guten Eindruck vermitteln, wie ein alles entscheidender Kampf zwischen gut und Böse am Wendepunkt eines dunklen Zeitalters wohl aussehen mag, bleibt letztlich festzuhalten: die Verfilmung kratzt lediglich nur an der Oberfläche dieser so ungemein komplexen Geschichte.

Über zehn Jahre hat der Streifen in der Zwischenzeit schon auf dem Buckel, und das ist ihm offensichtlich auch nicht immer abzuleugnen. Vor allem die Spezialeffekte von den Kulissen der Zerstörung, wirken im Gegensatz zu den landschaftlich ansprechenden, abwechslungsreichen Drehorten einfach nicht mehr zeitgemäß, auch wenn es in erster Linie natürlich hauptsächlich um die Auseinandersetzung der beiden rivalisierenden Fraktionen mit (auf den ersten Blick) unterschiedlichen Weltanschauungen geht. Auch fand ich, dass der Horroraspekt zeitweise eine Spur zu sehr in Richtung billiges Zombiefilmchen mit vordergründigen Schockeffekteinlagen ging. Doch trotz all diesen eher kleineren Beanstandungen von mir, kann ich den Streifen immer noch empfehlen, da er das wesentliche der Geschichte in immer noch sehenswerten Filmbildern transportiert, und die einen schließlich von der Dramatik Stephen Kings Vision von dem Untergang und der Wiedergeburt der Menschheit, zumindest ein stückweit kosten lassen.

Ich weiß wirklich nicht von welchem Masterband Warner die DVD gezogen hat, das Ergebnis ist augenscheinlich aber fast so verheerend wie die von King herbei beschworene Seuche seiner Erzählung. Die fehlenden Extras wären ja noch irgendwo zu verschmerzen gewesen, aber zumindest wegen der unsäglichen Bildqualität auf den beiden Scheiben, sind Ärger und Verdruss sehr schnell vorprogrammiert. So kann ich auch denjenigen, die die Verfilmung vielleicht schon auf VHS haben sollten, keinen wirklichen triftigen Grund nennen, wieso sie jetzt unbedingt auf digitalen Datenträger umzusteigen sollten.

© winterspiegel für Ciao & Yopi

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