Und weiter geht es in der Reihe mit Berichten zu Canon Objektiven aus der EF-Reihe, so langsam kommen wir zum Ende, es geht noch mal um ein Zoom.
Von mir etwas ungewohnt, werden die Berichte kurz und knackig werden, bei den Objektiven werde ich in erster Linie auf den Einsatzzweck eingehen, für den sie jeweils geeignet sind.
Als zweites Zoomobjektiv stelle ich Euch heute das Canon EF 24-70mm 1:2.8L USM vor.
Geeignete Kameras
Das Objektiv verfügt über das Canon EF Objektivbajonett.
Damit ist es für alle Canon Spiegelreflex-Kameras mit Autofokus geeignet.
Die angegebene Brennweite ist für den Einsatz an Kleinbild-Filmen vorgegeben.
Beim Einsatz an Digitalkameras ergibt sich eine Brennweitenverlängerung, hier eine Auswahl:
Canon EOS 30 D: Faktor 1.6 (ergibt ca. 38,4-112mm Brennweite)
Canon EOS 60 D: Faktor 1.6 (ergibt ca. 38,4-112mm Brennweite)
Canon EOS 10 D: Faktor 1.6 (ergibt ca. 38,4-112mm Brennweite)
Canon EOS 1 D: Faktor 1.3 (ergibt ca. 31,2-91mm Brennweite)
Canon EOS 1 D Mark II: Faktor 1.3 (ergibt ca. 31,2-91mm Brennweite)
Canon EOS 1 Ds: keine Brennweitenverlängerung
Canon EOS 1 Ds Mark II: keine Brennweitenverlängerung
Canon EOS 300 D: Faktor 1.6 (ergibt ca. 38,4-112mm Brennweite)
Canon EOS 350 D: Faktor 1.6 (ergibt ca. 38,4-112mm Brennweite)
Diese Aufstellung werde ich jetzt durch alle Objektiv-Berichte durchschleppen, es wird ja nicht jeder Interesse an jeder Brennweite haben.
Erster Kontakt
Und wieder einmal ist man geschockt, wenn man den Riesenbrocken das erste Mal in der Hand hält.
Am Vollplastikgehäuse einer EOS 300d mag man sich das 950g Monster gar nicht erst vorstellen, an meiner EOS 10 D Mark II ist es noch so gerade zu tolerieren.
Außer der schieren Größe und dem Gewicht ergeben sich keine Besonderheiten.
Handhabung
Hier ergeben sich zunächst keine Überraschungen, EF-typisch wird lediglich der rote Punkt an Objektiv und Body in Flucht zueinander gebracht, eine Vierteldrehung mit dem Uhrzeigersinn und das Objektiv sitzt.
Zum manuellen Fokussieren muß ein kleiner Schiebeschalter bewegt werden, das Zoomen erfolgt am zweiten Ring (dem Body nähergelegenen), alles läuft gewohnt satt und rund.
Auch hier ist die Anfangslichtstärke mit 1:2.8 noch im grünen Bereich, an digitalen SLR kann man in diesem Brennweitenbereich nicht Licht genug haben, durch den Verlängerungsfaktor ist das Objektiv ja mehr Normal- bis leichte Teleoptik als Weitwinkelzoom.
Besonderheiten
Das „USM“ in der Typbezeichnung steht auch beim 24-70mm wieder für den Ultraschallantrieb des Fokussierungs-Motor. Nahezu lautlos und extrem schnell wird die Schärfe nachgeführt. Gezoomt wird manuell, für Umsteiger von digitalen Kompaktkameras zunächst sicher ungewohnt.
Als besonderes Gütezeichen gilt auch das „L“ der Typbezeichnung, hiermit wird auf eine spezielle Vergütung und die höchste Korrekturstufe der Linsen hingewiesen.
Technische Eckdaten
Autofokus-Zoom-Objektiv mit Canon EF-Anschluß
Brennweite: 24-70mm
Größte Blende: 2.8
Kleinste Blende: 22
Filterdurchmesser: 77mm
Optischer Aufbau (Linsen/Glieder): 16/13
Blendenlamellen: 8
Naheinstellgrenze (bei größter Brennweite): 38cm
Durchmesser/Länge: 83.2/123,5 mm
Gewicht: 950g
Die kompletten technischen Daten finden sich bei http://www3.Canon.de/images/pro/fot/slr/file/EF_2_144dpi.pdf
Preis
Die unverbindliche Preisempfehlung von Canon beträgt 1.359,- Euro, ich habe in 2003 1.650,- dafür bezahlt.
Heute (26.03.2005) findet man die günstigsten Online-Angebote ab etwa 1.160,- Euro, wobei ich den Online-Kauf bei dieser Geräteart nicht wirklich empfehlen würde. Auch gebraucht oder per Ebay bin ich bei optischen Geräten immer extrem vorsichtig, zu leicht kann man sich echten Schrott einhandeln, der äußerlich unversehrt erscheint.
Und noch mal deutlich: das ist kein Spielzeug zum Knipsen, sondern ein professionelles Werkzeug. In dem Sinne ist es auch nicht teuer, sondern im besten Sinne „preiswert“. Was nicht günstig bedeutet, sondern einfach, das es „seinen Preis wert ist“.
Abbildungsleistung
Mir steht kein Meßgerätepark zur Verfügung, mit dem ich die optischen Eigenschaften messen könnte, ich muß mich auf das Auge verlassen.
Bei Zoomobjektiven rechne ich immer mit einer verminderten Bildqualität gegenüber vergleichbar hochwertigen Festbrennweiten.
Da ich sowohl analoge als auch digitale Bodys habe und auch andere Objektive, die zumindest Teile des Brennweitenbereichs mit abdecken, kann ich da ganz gut vergleichen.
Das hier besprochene Objektiv ist eine Weiterentwicklung eines 1995 auf den Markt gekommenen Ursprungs, speziell neu gerechnet für den Einsatz an digitalen SLR laut Canon.
Den Vorgänger habe ich nicht besessen, mein Vergleich bezieht sich also auf die heute erhältlichen Optiken, die ich teilweise auch schon hier bei Yopi vorgestellt habe.
Hier muß sich das 24-70mm den Festbrennweiten geschlagen geben, für ein Zoom dieses Brennweitenbereichs ist die Abbildungsleistung aber ohne Tadel.
Canons Entwicklungsziel, den Unschärfebereich besonders harmonisch zu gestalten, kann man jedenfalls bestätigen, auch Motive mit nicht deutlichem Schärfepunkt (z.B. Bäume) bekommen eine satte Tiefe und Plastizität.
Einsatzzweck
An den analogen Bodys (und an der EOS 1 Ds) ist die Geschichte klar, man bekommt ein sehr nettes Universalwerkzeug für den fotografischen Alltag.
Diffiziler wird die Geschichte, wenn digitale SLR andocken, für die Prosumer-Digital-SLR’s (EOS 300 u. 350d, EOS 30/60/20 D) macht der Brennweitenbereich nicht wirklich Sinn. Dazu sind 38mm zu wenig weitwinkelig, 112mm oben raus zu wenig Tele für das viele Geld.
An der EOS 10 D fängt es an, ein wenig Spaß zu machen, 31mm als untere Brennweitengrenze reichen sehr oft aus, die oberen 91mm sind wunderbar im unteren Portraitbereich angesiedelt.
Ich habe die Kombi EOS 10 D und 24-70mm immer dann dabei, wenn ich nicht so richtig weiß, was auf mich zukommt.
Wegen der sehr schönen Schärfe und des sanften Verlaufs in den Unschärfebereich ist das Objektiv aber auch bei Portraits eine feine Sache, wegen der Anfangsblende von „nur“ (ok, bezahlbare vergleichbare Brennweiten setzen mal gerade frühestens bei 4.5, manche gar bei 5.6 ein) 2.8 sollte man bei Avaible-Light Situationen an Körnigkeit denken, die höhere ISO-Stufen bringen.
Zubehör
Da sollte zuerst einmal die passende Gegenlichtblende her, für einen vernünftigen Transportschutz wird wohl jeder, der sich das Objektiv leisten kann, ein passendes Behältnis für die Ausrüstung haben.
Den möglichen Extendereinsatz würde ich bei dieser Optik absolut nicht empfehlen, da sollte man besser auf andere Brennweiten zurückgreifen.
Die Filtergröße (bzw. den Einschub) teilt es sich mit dem 16-35mm, wer beide Objektive nutzt, braucht also nur einmal die Filter.
Fazit und Empfehlung
Ich sehe den entsetzten Blick des Amateurfotografen vor mir, der den Anschaffungspreis des Objektivs auf Consumer-Verhältnisse umrechnet.
Da kann man auch nur vernünftigerweise sagen, Finger weg, wenn man nicht die Leistung wirklich braucht, die in der Preisklasse geboten wird.
Für die Summe, die das hier besprochene Objektiv kostet, kann man selbst bei Canon schon einen ganzen Pack preiswerter Objektive erstehen, deren Abbildungsleistung mit Sicherheit doch brauchbar ist.
Ist aber extreme Farbtreue gefragt, ein wirklich schneller Fokus, ein sehr helles Sucherbild wichtig oder auch nur manchmal die Frage entscheidend, ob es mit Blitz geht oder eben nicht, dann sei jedem, der es rechnen kann, der Griff zum 24-70mm geraten.
Soderle, wie immer an dieser Stelle sind mir Kritik, Kommentare und besonders Hinweise, was Ihr am Bericht vermißt, sehr willkommen!
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