Zwölf Jahre brauchte Professor J.R.R. Tolkien, um die drei Bände seines Epos vom "Herrn der Ringe" fertigzustellen. Regisseur Peter Jackson schaffte es in "nur" zwei Jahren, die atemberaubende Film-Trilogie - die insgesamt immerhin über neun (!) Stunden Sitzfleisch erfordert - auf die Kinoleinwände zu bringen. SOOO ein Aufwand... aber sowohl Buch als auch Film haben nun absoluten Kult-Status, und MITTELERDE zeigt eine Menge Parallelen zur "wirklichen" Welt...
Was habe ich gekauft ?
Ein DVD-Set mit 2 DVDs zum Teil 1 der Trilogie: Die Gefährten (The Fellowship of the Ring). Bei Marktkauf habe ich dafür 9,99 Euro bezahlt.
WORUM GEHT ES ÜBERHAUPT ???
Für alle, die tatsächlich weder Buch noch Film kennen sollten, eine kurze Zusammenfassung: das Gebiet "Mittelerde" ist eine recht lockere Zusammenwürfelung von "Kleinstaaten" verschiedenster Volksursprünge und kultureller Auffassungen. Da gibt es einfach nur Menschen (in Rohan und Gondor), die aber auch unterschiedlichen Ursprüngen und Regeln unterliegen, aber auch Elben, die teils über Zauberkraft verfügen und auch in ihrem Geist eine "höhere" Lebensform als die Menschen darstellen, dann die Zwerge, die einem Rausch nach Reichtum verfallen scheinen und in ihren unterirdischen Minen kostbaren Erzen nachjagen, und schließlich die Hobbits... die unbekümmert in freier Natur in winzigen Erdhügel-Häuslein mit runden Türen ein fröhliches Leben mit vielen Festchen weitab von Konflikten und Spannungen der "übrigen Welt" führen. Oft kommt der "graue" Zauberer Gandalf zu ihnen und treibt so seine Späße mit den kleinen Kerlen. Plötzlich aber ist es um das friedliche Dasein geschehen: die "Dunkle Macht" der Gegenseite, des finsteren Herrschers Sauron - der vor Unzeiten in einer gewaltigen Schlacht besiegt wurde - regt sich wieder. Denn Sauron hat Ringe geschmiedet, die mit Magie behaftet sind und alle Besitzer in seine Knechtschaft zwingen... da sind beispielsweise die NEUN Ringe, die die Nazgul innehaben - die Ringgeister, die einst Könige der Menschen waren. Aber entscheidend ist DER EINE RING - "...sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden"... Ausgerechnet ein Hobbit - nämlich der alte Bilbo Baggins (auf Deutsch intelligent übersetzt mit "Beutlin" *g*) - nimmt dem mysteriösen Geschöpf GOLLUM diesen Ring ab, bewahrt ihn auf und verfällt zunehmend seiner Macht... bis dem Zauberer Gandalf auffällt, was hier Sache ist, und er Bilbo und die übrige Welt vor dem Einfluss des Rings retten will... nun geht es ganz plötzlich hart auf hart, denn Gandalf kann letztendlich nicht umhin, Bilbos Neffen Frodo von den Gefahren dieses Rings zu informieren. Und Frodo wird freiwillig-unfreiwillig mit der lebensgefährlichen Aufgabe betraut, den maliziösen Ring mitten im Zentrum des Feindes zu vernichten...
Das Buch...
...von J.R.R. Tolkien umfasst mehr als 1000 Seiten. In der Originalsprache finde ich es besonders aufregend zu lesen... !
ELBISCH...
...ist tatsächlich eine komplette Sprache, die Tolkien (ein Altphilologie-Professor - was heißt, ein Wissenschaftler für alte Völkerkunde) eigens erfunden hat. Inzwischen soll es sogar Kurse zum Erlernen geben :-) Die Schauspieler mussten sie tatsächlich lernen... und wie Liv Tyler in einem Interview gestand, fand sie diese Sprache sehr melodisch und angenehm. Aber auch weitere Sprachen aus Mittelerde (wie Sindarin und Quenya) tauchen immer wieder im Film auf.
Die Personen
Frodo (Elijah Wood)
Sam (Sean Astin)
Arwen (Liv Tyler)
Gandalf (Ian McKellen)
Aragorn (Viggo Mortensen)
Gimli (John Rhys-Davies)
Saruman (Christopher Lee)
Elrond (Hugo Weaving)
Galadriel (Cate Blanchett)
Boromir (Sean Bean)
Legolas (Orlando Bloom)
Merry (Dominic Monaghan)
Pippin (Billy Boyd)
GOLLUM/SMEAGOL (Andy Serkin bzw. Computeranimation)
u.v.a.
Die Verfilmung - Teil 1 - Die Gefährten - meine Meinung
Harmlos und lustig geht alles an, wie eben der Charakter der kleinen eigenen Welt der Hobbits so ist. Doch bei Bilbos 111. Geburtstag wird plötzlich während der Feier klar: Bilbo hat den RING DER MACHT, der ihm sein überlanges Leben geschenkt hat. Nun überstürzen sich die Ereignisse: Bilbo geht seiner (unbekannten) Wege, und er hinterlässt Frodo DEN RING. Gandalf ist sich der Gefahr bewusst und schickt Frodo nach Bree und weiter nach Bruchtal (Rivendell) - zu den Elben unter Elrond - wo er den Ring sicher glaubt... doch auch das ist Täuschung...
Natürlich ist Peter Jackson von Anfang an ein Glücksgriff gelungen mit der Verfilmung dieses Buches in Neuseeland, wo die atemberaubende Naturkulisse allein dem Charakteristikum von Tolkiens "Mittelerde" so nahe kommt... dazu ist die Besetzungsliste ein wahres "Schatzkästlein" an so wandlungsfähigen und ausdrucksstarken Charakteren, dass Jackson auch hierfür ein Glückwunsch zusteht.
Beim Film selbst bestaunt man vom ersten Moment an eine unglaubliche Liebe zum Detail: seien es nun landschaftliche Gegebenheiten, die schlagartig und atemberaubend aneinandergehefteten Szenenabläufe, die teils fast unglaublich anmutenden Kameraperspektiven (die freilich teilweise real NICHT existierende Szenen darbieten) oder auch die hervorragenden Leistungen der Stunt-Teams im Film (z.B. der Schwarzen Reiter Saurons) überzeugen davon, mit welcher Besessenheit Peter Jackson an diesem Projekt gehangen hat... und nur SO konnte dieses Epos wohl auch verwirklicht werden.
Wenn man ein Buch liest, geschieht ja bekanntlich vieles in den Handlungsabläufen der Fantasie... und so nehmen auch für jeden Leser die handelnden Charaktere ihre eigenen Züge und Erscheinungsbilder an. Obwohl ich selbst vom Buch her zunächst etwas abweichende Vorstellungen von den Personen hatte (teils auch etwas geprägt von einem frühen Zeichentrickilm über LoTR), haben mich Jacksons Persönlichkeiten recht schnell umorientiert, so dass ich mich schnell eingefunden habe und dem weiteren Fortgang immer entgegengefiebert habe, ohne mich an "Fehlbesetzungen" zu "stoßen".
Das ist durchaus auch der glücklichen Hand Jacksons in der Zusammenfügung der neun "Gefährten" (the Fellowship) zu verdanken, von der ja auch die weiteren Teile des Gesamtwerks leben... hier haben sich tatsächlich Gestalten gefunden, die vom unreifen Naivling bis zum knallharten Killer alle Facetten abdecken... und dabei bietet sich neben oft schier nervenzerreissender Spannung und tiefgründig entwickelten Einblicken in die Psychologie des Denkens der so unterschiedlichen Akteure auch immer wieder Gelegenheit zu entlastender Komik (die man neben den Hobbits Frodo, Sam, Merry und Pippin auch dem rauhbeinigen Zwerg Gimli zu verdanken hat). Ich möchte hier aber ganz bewusst gar nicht mit Einzelbewertungen der Schauspieler anfangen... zum einen sind es einfach zu viele, zum anderen haben meiner Meinung nach alle ihr Bestes gegeben und sich im Zusammenwirken als Team so hervorragend "die Bälle zugespielt", dass mir - zumindest in Teil 1 - keiner als "Supertrumpf", aber auch keiner als "Flop-Besetzung" aufgefallen ist.
Der Spannungsbogen von der Abreise Frodos an entwickelt sich kontinuierlich fort und lässt die Länge des Films vergessen... voll beherrscht Peter Jackson die Kunst, bisweilen eher harmlos wirkende Szenen - in denen man bestenfalls unterschwellig heraufdämmernde Gefahr "wittern" kann - unvermittelt und mit hammergleicher Wucht sich zu traumatischen Bedrohungen der kleinen Begleitmannschaft des RINGS entwickeln zu lassen. Leider verpasst man doch so Einiges, wenn man sich den Film auf DVD über den Computer oder einen Standardfernseher angucken muss... insbesondere bei den atemberaubend schnell und oft mit - bewusst - recht chaotischer Bildabfolge ablaufenden Pferde-Verfolgungs- und Kampfszenen wäre schon zumindest ein großer Plasma-TV-Wandbildschirm das A&O, um einigermaßen an die Impressionen einer Kinoleinwand heranzukommen... Dennoch aber sind entscheidende Schlüsselszenen - wie etwa der Tod des zunächst vom Ring in Bann gezogenen, dann aber doch sich ihm widersetzenden Boromir oder das scheinbare schreckliche Ende des Zauberers im Kampf gegen den Balrog - geschickt genug gedreht, um empfindsamen Zuschauern auch über einen kleinen Bildschirm entsprechende Gefühlsausbrüche zu ermöglichen... ;-)
Die Extras
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich noch keine Gelegenheit hatte, die Disc 2 mit den Dokumentationen in Ruhe und bis zum Ende anzuschauen; aber ich finde sie mindestens ebenso fesselnd wie den Film selbst. Insbesondere die Gespräche mit den Schauspielern geben doch auch jede Menge Hintergrund-Einblick in das ganze Geschehen... wenn etwa Liv Tyler zu berichten weiß, wie sehr die zwei Jahre Gesamtarbeit an der Ring-Trilogie das Team "zusammengeschweißt" haben oder Cate Blanchett nicht ohne Humor bekennt, sie habe die Rolle der Galadriel geliebt, weil sie "endlich einmal spitze Ohren haben durfte"... Recht witzig fand ich auch, dass Komponist Howard Shore Peter Jackson zunächst heimlich dafür verfluchte, ihm mit der Kreation der Filmmusik ein ähnliches hartes Los zu bescheren wie Frodo mit dem Tragen des Rings... Und bei all dem "computersynthetischen" Beiwerk scheint es doch bemerkenswert, dass da auch echte "Kämpfernaturen" wie Viggo Mortensen darauf bestanden, ihre Stunts konsequent selbst zu machen. Schlussendlich kommen auch die vielen, vielen Künstler aus den Ausstattungswerkstätten zu ihrem Recht, die mit Töpferwaren, Skulpturen, Kostümen und Waffenunterweisung dazu beigetragen haben, ein "echtes" Mittelerde für Peter Jackson zu bauen... Wer Tolkiens Buch nicht kennt, dem möchte ich eigentlich fast empfehlen, vor dem Anschauen des Films die jeweils 2 bis 5 Minuten langen Dokumentationen auf der "Specials"-DVD anzuschauen, weil hier Peter Jackson doch sehr aufschlussreich seinen persönlichen Umgang mit den von Tolkien geschaffenen Kulturen in Mittelerde schildert... und auch faszinierende Einzelheiten wie das Entstehen von Hobbiton aus einem Stück hügeligen neuseeländischen Farmlandes preisgegeben werden... ich schaue immer wieder gerne in die "Specials".
Ein Fazit ?
Wie Gandalf-Darsteller Ian McKellan selbst sagt: "Das ist ein Märchen, das ist alles nie passiert, außer vielleicht in unseren Herzen. Trotzdem hat es Hobbiton in drei Dimensionen gegeben... mit qualmenden Schornsteinen, mit Bewohnern in den Häuslein... und ich habe daran geglaubt... " Könnte man ein schöneres Schlusswort finden ? Im übrigen mag der Film auch im realen Leben ein wenig das "Prinzip Hoffnung" an alle zu vermitteln, die sich in schier auswegloser Lage befinden... denn das gibt Tolkiens Epos allemal weiter: aufzugeben wäre schändlich; "...auch der Kleinste kann den Lauf des Schicksals beeinflussen..." (Galadriel, Elbenkönigin).
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