Family Style - Vaughan Brothers
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Testbericht Family Style - Vaughan Brothers

(5,0 von 5)
Platz 326 in der Kategorie "CDs: Musik aller Interpreten".
Bewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 (5,0 von 5)
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Testbericht über Family Style - Vaughan Brothers

Family style - die letzte Platte eines der größten Gitarristen unserer Zeit

erstellt am: 24.03.2002, von
Produktbewertung: Kundenbewertung 5,00 / 5,00 5
Empfehlung:ja
Keine Meinung zu Stevie Ray Vaughan, einem der begnadetsten Gitarristen der letzten 20 Jahre, hier vorhanden? Da muß ich aber schnellstens Abhilfe schaffen !!

Zur Einführung vielleicht ein paar Worte zu Stevie Ray Vaughan:

Zwischen Anfang der 80er Jahre und seinem tragischen Tod 1990 hat Stevie Ray Vaughan zusammen mit seiner Band Double Trouble ganz entscheidend am Revival des Blues in den USA mitgewirkt. Denn ihnen gelang es, ganz neue Kreise für Blues zu begeistern. Durch seine sehr eigenwillige Art Gitarre zu spielen, erinnerte er viele an Jimi Hendrix. Aber das, was an Musik hinter fast allen Stücken steckt ist „nur“ Blues Rock, und das „nur“ ist hier keineswegs abwertend gemeint, sondern eher als Qualitätsmerkmal dieser Musikrichtung. Denn innerhalb dieses lange Zeit eher stiefmütterlich behandelten Genres gab und gibt es durch die Möglichkeiten der Improvisation und des „Auslebens“ der Stücke auf der Basis ganz einfacher, altbekannter Grundmuster, Freiräume. Doch im Gegensatz zum manchmal als elitär angesehenen Jazz war der Blues Rock eventuell aufgrund seiner ursprünglichen Herkunft eher massentauglich. Es bedurfte einer charismatischen Persönlichkeit wie Stevie Ray Vaughan und seinen Fähigkeiten auf der Gitarre, um Fans, die eher in Richtung härterem Rock tendierten, auch für diese Art von Musik zu begeistern. Aber trotz all dieser Anlehnungen an den Rock, blieb Vaughan in seiner tiefsten Seele immer Blueser. Und genau das ist es, was meine Faszination für ihn ausmacht. Denn zu dem Zeitpunkt, an dem ich ihn das erstemal bewußt wahrnahm (muß so gegen 1985/86 gewesen sein), ging der Trend bei den Hardrock-Gitarristen immer mehr zum „Schnell-Spielen“, aber dabei ging meiner Ansicht (rein subjektiv, ich habe niemals Gitarre gespielt und kann mir nur das Urteil eines Zuhörers erlauben), etwas an der eigentlich Qualität und der Feinheit des Spiels verloren. Auch Stevie Ray Vaughan konnte schnell spielen, aber zum einen war das nur eine Facette seiner Kunst, zum anderen hat er auch in schnellen Parts Wert auf Genauigkeit und dem, was man immer mit Blues-Feeling umschreibt, gelegt. Und zum wiederholten Mal kann ich jedem nur raten, solche Musik auf jeden Fall auch einmal mit einem guten Kopfhörer zu genießen, denn viele Feinheiten bemerkt man erst da.
Für mich war Vaughan (neben Klassikern wie B.B.King, John Lee Hooker oder natürlich auch dem vieschichtigen Van Morrison) der Einstieg in den Blues und über diesen Umweg fand ich dann auch zum Südstaaten-Rock mit Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, 38 Special etc und entdeckte CCR und John Fogerty wieder..


Aber es soll ja hier nicht nur um den Musiker, sondern auch um die Musik gehen. Ich habe mich entschlossen, keine seiner Platten zusammen mit Double Trouble zu besprechen, sondern die Platte „Family style“, die er zusammen mit seinem älteren Bruder Jimmy unter dem Namen „Vaughan Brothers“ 1990 aufnahm. Zum einen habe ich mich für diese Platte entschieden, weil es seine Letzte war. Kurz vor Veröffentlichung ist er bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Zum anderen finde ich, daß man gerade an dieser Platte, die etwas weniger rockig ist, deutlich erkennen kann, welche Wurzeln die Musik hat.
(Da ich bezweifle, daß jemals eine weitere Kritik über dieses eher unbekannte Album geschrieben wird, habe ich es bewußt unter „Sonstige..“ bei S.R.V. einsortiert, da es hier besser in den Kontext paßt, als einsam unter einer eigenen Kategorie)

Die CD beginnt mit „Hard to be“, einer fetzigen, fast boogie-mäßigen Nummer, mit guten Bläasersätzern und der typischen Stimme von Stevie Ray

„White boots“ ist typischer Südstaaten-Bluesrock, wie er sein muß. Nicht umsonst kommen hier Erinnerung an CCR und John Fogerty auf


„D/FW“ ist ein schönes Instrumental, daß vom Ziwegespräch der beiden Gitarren der Brüder lebt.

Bei „Good Texas“ singt nun Jimmie Vaughan, dessen Organ nicht ganz so markant wie das seines Bruders ist, eher einschmeichelnd und ruhig.

Beim nächsten Instrumental, „Hillibillies from Outerspace“ liegt der Schwerpunkt auf einer phantastischen Steelguitar, gespielt von Jimmie, dezent begleitet von der Rythm-Section und von den Jam-Einstreuungen der Leadguitar. Aufgrund des Grooves für mich das schönste Lied der Platte.

„Long way from home“ dreht die Verhältnisse ein wenig um: Während die Musik mit schnellen Gitarren ziemlich eindeutig mehr Rock als Blues ist, handelt der Text geradezu idealtypisch Blues-Zitate wie „long way“, „away from home“ und „..crossroad“ ab.

Es folgt „Tick Tock“, ein langsamens Stück mit Chor-Passage, das mit einer Erzählstimme beginnt. Das ganze Stück erinnert ein wenig an Soul und Gospel, was noch durch den etwas schmalzigen Text verstärkt wird. Aber trotzdem oder gerade deswegen ein Höhepunkt.

Im „Telephone song“ gibt es wieder die typischen Stevie-Ray-Vaughan-Gitarre mit „Nachhall“ und vielen „Umspielungen“ in seinem unnachahmlichen Mix aus Blues, Rock, Funk und mehr. Der Einzige, der diesem Stil nach seinem Tod nahe gekommen ist, ohne wie eine Kopie zu klingen, ist der Kanadier Jeff Healey.

Zum Abschluß gibt es mit „Baboom/mama said“ und „Brothers“ noch 2 Instrumentals, bei denen das erste einen leichten Funk-Touch mit Bläsern, Chor und einer alles führenden Gitarre hat.

„Brothers“ ist dann noch einmal eine richtiger Slow-Blues mit Gitarrensoli und einem für diese Musik eher ungewöhnlichem Akkordeon, das sich aber wunderbar einfügt und fast ein wenig wie eine Mundharmonika klingt. Und Stevie Ray zeigt ein letztesmal, was er auf der Gitarre konnte.


Insgesamt ein absolutes Juwel und ein wenig traurig stimmend, wenn man sich so Leute wie Hooker oder B.B.King anschaut und sich vorstellt, daß Stevie Ray Vaughan vielleicht noch 30 Jahre Musik hätte machen können.
emmtie
Yopi Autor - emmtie
Da wollen wir YOPI einmal eine 2.Chance geben (wenn auch nur auf Bewährung). Und dabei geht es gar nicht so sehr um die Bezahlung, die eher ein angenehmer Nebeneffekt ist, sondern viel mehr um den Vertrauensverlust. Ohne die unendlichen Diskussi...
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