Eine Sache ist beim letztens stattgefundenen Lenkertausch an der ollen pharaonischen Enduro nicht mit erneuert worden. Etwas mit Tradition, was seit längerer Zeit beinahe untrennbar mit dem Hobel verbunden ist: Ein Lenkerprotektor. Nicht irgendeiner. Es muss genau dieser sein, auch wenn er heutztage nicht mehr seinen Pflichten nachkommen muss, für die er eigentlich konstruiert wurde. Ehrensache, dass er feierlich auf den neuen Lenker übergesiedelt wurde.
Nein, die Zeiten, wo die Ullige ins Gelände gescheucht wurde, sind definitiv vorbei. Ich brächte es nicht übers Herz der alten Dame mutwillig Schrammen oder andere Schäden zuzufügen. Aber die Markenzeichen genau dieser MTX, darunter die pharaotypische (matt)schwarz-gelbe Kampf-Lackierung, sowie eben jener Protektor, sind immer noch da und erinnern an glorreiche Matsch und Schotter Ausflüge längst vergangener (Jugend-)Tage.
Dabei ist der Lenkerprotektor noch gar nicht so alt, jedenfalls ist dieses Design wesentlich jünger, als die 24 Jahre alte Schüssel selbst. Doch irgendwann als diese Deko mit dem stilisierten, behelmten Grinseschädel bei der Louis-Kette aufkam, war klar: Das isses. Name und Motto ("Madhead ® - crazy enough?") passten ebenso, wie die Farbwahl: Schwarz, Gelb, Weiß. Seither also ist das originale Honda Dingens (in Ehren ergraut und porös geworden) in Rente und auf der Mittelstrebenpolsterung residiert der breit grinsende Madhead.
Was ist denn nun ein Lenkerprotektor eigentlich?
Tjo, im Prinzip nichts anderes, als eine mehr oder weniger dicke, an einer Seite aufgeschlitzte Röhre aus PU-Schaum. Diese wird über die Mittelstrebe von Enduro-Lenkern gestülpt und soll als Puffer fungieren, wenn man unsanft auf den Lenker knallen sollte - was im Gelände ja schon mal öfter vorkommen soll. Gelegentlich sind die Dinger bedruckt (meist Herstellername, Modell oder Sponsor). Die Madhead-Variante hat statt einem Druck ein Kunstfasermäntelchen, das um den Kern herumgewickelt und per Klett befestigt wird. Ein Wrap sozusagen, geschmacklich ist vom Verzehr jedoch dringlichst abzuraten.
Und sonst so?
Die Ummantelung gibt's übrigens nicht nur mit dem Madhead-Logo, Louis bietet auch die Markennamen der 4 großen Japaner in Hondarot, Yamahablau, Kawasakigrün, Suzukigelb - deren etablierten Hausfarben - an. So ist etwas für fast jeden Enduristen etwas dabei - Freunde deutscher, östereichischer und anderer Enduros werden bei Interesse wohl eher auf den herstellerunabhängigen Grinseschädel zurückgreifen müssen, denn BMW, KTM oder Husqvarna (als recht erfolgreiche Dreckfräsen-Produzenten) hat die Hamburger Zubehörkette nicht im Programm. Vielleicht kommt das ja noch.
Das Innenleben des Protektors ist aber bei allen gleich - egal welchen Wickel man bevorzugt. Ebenso die Größe. One Size fits all. Das heißt, auf alle halbwegs dem Standard entsprechenden Enduro-Lenker, seien sie zum Beispiel von Lucas, Fehling oder auch Magura passt das Verhüterli über die Mittelstrebe. Die Montage ist simpel und verdient die Bezeichnung eigentlich gar nicht. Selbst ausgesprochene Grobmotoriker sollten die Anbringung fehlerfrei hinbekommen.
Fazit
Ob nun als wirklicher Protektor mit entsprechender Funktion oder als reiner Styling-Artikel, für schlappe 8 Euro ist man schon dabei und hat die Wahl zwischen 5 verschiedenen Außen-Designs. Für mich kommt nur das hämisch grinsende Firmenlogo in Frage, doch das ist - wie immer im Leben - reine Geschmacksache. Um wieviel die stürmische Kontaktaufname zwischen Fahrer und Lenker damit im Endeffekt weniger schmerzhaft ausfällt, werde ich mich tunlichst bemühen nicht herauszufinden. Optisch gehört das Teil jedoch zu (m)einer Enduro, wie Krautsalat zum Döner.
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