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Tödlich gut
erstellt am:
21.11.2006, von sinfortuna
Produktbewertung:
55
Empfehlung:
ja
Pro:
Sensationell hohe Langzeitmotivation, revolutionär vielseitige Kampfmanöver, Missions-Modus und Mehrspielerspaß, schicke Spezialeffekte, extrem lange Spieldauer, hoher Wiederspielwert, Tiefgang, Suchtfaktor
Kontra:
Präsentation „nur“ gut und damit der mächtigen Genre-Konkurrenz etwas unterlegen, etwas fade Hintergrundtexturen, kein Time-Attack- und Teammodus
Eines der bekanntesten Videospiele, welche seit mittlerweile weit über einem Jahrzehnt einen ausgesprochenen „schlechten Ruf“ haben und für die Sittenwächter dieses unseres Landes ein Dorn im Auge darstellt, ist „Mortal Kombat“. Ohne mich jetzt ausführlich über Sinn und Unsinn mancher Maßnahmen (Indizierungen) auszulassen, war es demzufolge überhaupt keine Überraschung, dass auch für den Gamecube-Teil „Mortal Kombat Deadly Alliance“ eine Altersfreigabe erst ab 18 Jahren angeordnet wurde. Wie dem auch sei, ganz abgesehen von Spekulationen über ein unmoralisches und gewaltverherrlichendes Gameplay, kann ganz objektiv gesagt werden, dass es sich um einen echten Hit handelt. Es erschienen drei Versionen für Sony Playstation 2, den Gamecube von Nintendo und die X-Box von Microsoft, wobei sich bis auf marginale Winzigkeiten die einzelnen Fassungen nicht voneinander unterscheiden. Warum dieses Beat em Up – welches in der Vergangenheit oft lediglich durch seinen hohen Grad an Brutalität und weniger durch einen flüssigen Spielverlauf, Variantenreichtum oder beeindruckende Präsentation auf sich aufmerksam machen konnte – dieses Mal sehr positiv überraschen kann, erfahrt Ihr jetzt.
Die Story an sich ist traditionsgemäß auch bei diesem Prügelspiel absolut nebensächlich: die „tödliche Allianz“ (siehe Titel) besteht aus einem Zauberer-Duo namens Quan Chi und Shang Tsung. Diese haben nichts Besseres im Sinn, als die furchterregende Armee an Untoten eines Drachenkönigs heraufzubeschwören. Und warum der ganze Aufwand? Natürlich, um – wieder einmal – die Weltherrschaft an sich zu reißen. Wie originell, hach ja. Egal, selbstverständlich muss dem unbedingt Einhalt geboten werden, so dass sich (im Laufe der Zeit) über zwanzig Helden anwählen lassen, um dem Grauen ein Ende zu bereiten, unter anderem dem ein der anderem von Euch sicherlich bekannte Protagonisten wie Edelsöldnerin Sonya Blade, Ninja Scorpion, Sub-Zero, Mayado, Johnny Cage, Kung Lao, Li Mei und wie sie alle heißen. Sämtliche Figuren bevorzugen dabei individuelle Mordinstrumente und haben massig Spezialmanöver mit und ohne diese auf Lager, versteht sich. Die unzähligen unterschiedlichen Angriffs-, Verteidigungs- und Kontermöglichkeiten sorgen für ein sehr abwechslungsreiches Gameplay, die Anzahl der verfügbaren Kämpfer ist ohnehin angenehm groß.
Die vielfältigen Möglichkeiten bringen aber gleichzeitig mit sich, dass die komplexe Steuerung eine längere Eingewöhnungsphase quasi voraussetzt. Selbst für hartgesottene Prügelprofis, die sich wahrscheinlich zunächst verwundert die Augen reiben, stellt dieses eine echte Herausforderung dar. Diese zeigt sich nämlich als äußerst ungewöhnlich, denn eine bestimmte Aktion wird nicht einer speziellen Taste fest zugewiesen, denn jede Figur verfügt über drei völlig unterschiedliche (fernöstliche Martial-Arts-)Kampfstile, die bequem per Schultertaste angewählt bzw. gewechselt werden können. Dies ist großartig, da zum Beispiel der Nahkampf mit bloßen Händen über vier unterschiedliche Varianten verfügt, ebenso der Umgang mit einem mächtigen Schwert oder der mit Wurfmessern. Einem wilden Hin- und Herwechseln von Kampfstilen und deren Spezialmanövern steht also nichts im Wege. Und das alles mit nur einer Person. Das ist klasse, großartig, einfallsreich, überaus spaßig oder wie auch immer: jedenfalls ein ganz dickes Plus von „Mortal Kombat Deadly Alliance“. Ich war anfangs hiervon richtig geplättet, im positiven Sinne natürlich. Der Langzeitmotivation sind diese extrem zahlreichen Möglichkeiten dementsprechend ungemein förderlich, versteht sich. Zu erwähnen ist schließlich an dieser Stelle noch, dass das – oft nervige! – Auswendiglernen ewig langer Tastenkombinationen zur Ausführung von Spezialmanövern (hier zumindest) passé ist, die prächtigsten Moves lassen sich hier bei „Deadly Alliance“ vergleichsweise bequem per Schultertaste und anschließendem Button-Klick bewerkstelligen. Absolute Prügelsimulations-Freaks (die zum Beispiel speziell beim komplizierten Virtua-Fighter auf ihre Kosten kommen) werden darüber womöglich die Nase rümpfen, doch eine Vielzahl von grundsätzlich an Prügelgames Interessierten wird dies sicherlich begrüßen, schätze ich.
Typisch für die Mortal-Kombat-Reihe sind die berühmten „Fatality-Moves“, durch die diese Prügelserie erst zu legendärem Ruhm gelangte. Im Optionsmenü lässt sich übrigens der Stärkeschwall des Blutvergießens (kein Scherz!) extra einstellen, dies gleich einmal vorweg. Naturgemäß verfügt jede Figur über einen individuellen Todesschlag, welcher dem wankenden Gegner auf spektakuläre Art und Weise ins Jenseits befördert. Aber – jetzt kommt’s – der Drang zum heftigen In-Szene-Setzen jener brutalen Moves wurde erstaunlich stark zurückgeschraubt. Das wird die Mehrheit unter uns schätzungsweise nicht erfreuen und für kurzzeitige Ernüchterung sorgen, aber – glaubt es mir ruhig – wir werden in diesem mitreißenden Klöpperspiel dafür mehr als entschädigt.
Nicht nur von dem sehr kreativen Steuerungssystem wurde ich ungemein positiv überrascht, sondern auch die Spielmodi an sich heben sich angenehm von der breiten Beat-em-Up-Masse ab: Neben dem Arcade-Modus, bei dem wir uns mit einer ausgewählten Figur Runde für Runde weiter nach vorne metzeln, dürfen wir alle paar Runden eine Prüfung absolvieren, in der es verschiedenfarbige Münzen zu erspielen gilt. Mit diesen begeben wir uns in die Gruft und kaufen dort unzählige (hunderte!) zur Verfügung stehende Boni, die nicht nur aus Artworks, Fotos, einem Making Of und geheimen Charakteren besteht, sondern darüber hinaus auch unseren Charakter kompletter macht. Das motiviert ungemein, erfordert dafür aber eine (für ein Prügelspiel) rekordverdächtig lange Spielzeit. Weit über dreißig Spielstunden halte ich auch für einen geübten Beat-em-Up-Veteranen als nicht unwahrscheinlich. Abhilfe schafft da die Möglichkeit, zu zweit Gas zu geben, da ein Tausch der heißbegehrten Münzen per Memory Card durchaus möglich ist. Dies in der Form, dass Ihr Eure Münzen praktisch als Siegprämie aussetzen könnt und dann gegeneinander antretet. Trennt Ihr Euch, könnt Ich dann natürlich erneut auf Münzjagd gehen und an einem anderen Tag erneut gegeneinander antreten und Euch die erkämpfen Münzen gegenseitig wieder abjagen. Die Langlebigkeit dieses Prügelspiels ist somit ungewöhnlich hoch, sowohl im Solo- als auch Zweispielermodus. Nicht unter den Teppich gekehrt werden darf allerdings, dass weder Time-Attack- noch Teammodus – wie bei anderen Prügelspielen eigentlich Standard - hier berücksichtigt wurden.
Doch damit noch nicht genug, neben dem hochinteressanten und sehr motivierenden Zweispielermodus lockt ein Missions-Modus, welcher den „Soul-Calibur-2-Freaks“ (so wie mir) sehr bekannt vorkommen dürfte und schon bei jenem Game eine tolle Sache darstellte. So auch hier bei „Mortal Kombat Deadly Alliance“ für die X-Box. In diesem hat jede Spielfigur an die zwanzig Tests zu bestehen, wobei der Clou an der Sache ist, dass lediglich knapp die erste Hälfte jener Stages bei allen Charakteren gleich ist, die weiteren Prüfungen sind speziell auf die Spielfigur zugeschnitten, die Ihr gerade kontrolliert. Das ist einfach top und stellt ein weiteres Highlight dieses formidablen Klöpperspiels dar. Wer hier ein Prügelspektakel ohne Tiefgang und Anspruch und ohne Langzeitmotivation erwartete, bei dem lediglich die Effekthascherei durch einen hohen Brutalitätsgrad das Maß aller Dinge darstellen würde, der liegt (zu meinem eigenen Erstaunen!) komplett falsch. Der praktische Nebeneffekt ist zudem, dass Ihr den jeweiligen Protagonisten extrem gut „kennen lernt“ und für spätere Aufgaben – nicht zuletzt im Multiplayermodus – bestens gewappnet seid. Eine bei einem Beat em Up ungewöhnliche Identifikation auch auf lange Sicht hin ist somit gewährleistet, bravo.
Selbstverständlich spielt insbesondere die Präsentation eine wesentliche, wenn nicht sogar die bedeutendste Rolle in einem Prügelspiel. Trotz eines etwaig brillanten Gameplays mit viel Tiefgang muss es primär in Sachen Optik und Soundkulisse einfach krachen, um der Bezeichnung als „Hit“ oder gar „Meilenstein“ wirklich würdig zu sein. Im Fall von „Mortal Kombat Deadly Alliance“ kann ich das uns sowohl in visueller als auch akustischer Hinsicht Gebotene problemlos als „gut“ bezeichnen. Da wir es aber speziell im „Prügelspiel-Sektor“ mit teils überragenden Vorstellungen insbesondere bei Grafik und Sound zu tun haben - ganz vorne weg „Soul Calibur“, dann sicher auch noch die neuesten Folgen von „Virtua Fighter“, „Tekken“ und vielleicht auch noch „Dead or Alive“ – ist ein „Gut“ tatsächlich einen Tick schlechter als die erfolgten Bewertungen bei manch einem Genre-Konkurrenten.
Damit wir uns nicht vertun: „Mortal Kombat Deadly Alliance“ für die Microsoft X-Box bietet uns große und detailreich modellierte Figuren, schön designte Waffen, größtenteils (wenn auch nicht immer!) geschmeidige Animationen und tonnenweise Spezialeffekte (Regen, Schneeflocken, Eisspiegelungen, Felsbrocken, lodernde Flammen) doch speziell im Hinblick auf die – wenn auch abwechslungsreiche – Gestaltung der unterschiedlichen Schauplätze bieten uns zumindest die Texturen am Boden und im Hintergrund eher nur X-Box-Mittelmaß. Das alles schafft zwar eine sehr angenehme und auch mitreißende Kampfatmosphäre, doch ist diese eben nicht überragend oder bombastisch, was eben zumindest in diesem Punkt den kleinen aber feinen Unterschied zu einem in Sachen Grafik Vorzeige-Prügler wie „Soul Calibur 2“ macht. Ein 60-Hertz-Modus fand im Übrigen Berücksichtigung, das 16:9-Format und deutsche Bildschirmtexte jedoch nicht. Schließlich trifft Ähnliches wie bei der Optik auch auf den Soundtrack zu, wobei „Mortal Kombat Deadly Alliance“ hier noch deutlicher nicht mit den Top-Titeln der Beat-em-Up-Szene mithalten kann. Keineswegs ist der Soundtrack langweilig oder die Soundeffekte auf Dauer monoton, doch mehr als ein „Gut“ ist auch hier nicht drin. Eine Surround-Anlage wird zwar unterstützt, doch etwas zu sehr – zumindest für ein „Sehr Gut“- dümpeln mir die Melodien im Hintergrund so vor sich hin, auch den Soundeffekten mangelt es auf lange Sicht hin an Abwechslung. Ohne allerdings richtig zu langweilen, versteht sich, bitte nicht falsch verstehen, speziell von (wieder einmal) „Soul Calibur 2“ bin ich aber Bombastischeres gewohnt. Schließlich lauschen wir einer englischen Sprachausgabe, die sich keine Blöße gibt und die dichte Spielatmosphäre gut verstärkt.
Trotz der „nur“ guten Präsentation kann ich ohne zu zögern ganz eindeutig sagen, dass ich von „Mortal Kombat Deadly Alliance“ für die X-Box sehr positiv überrascht wurde. Meine Überraschung wurde mit zunehmender Spieldauer sogar immer größer und größer, was primär auf die Tonnen an Extras, der großen Anzahl an Protagonisten und nicht zuletzt den hochmotivierenden Spielmodi mit sensationellem Tiefgang (Missionsmodus und 2-Spieler-Modus) liegt, welche eine revolutionär hohe Langlebigkeit versprechen, sollte man sich wirklich in diese Prügelorgie hineinknien wollen. Das innovative Steuerungssystem stellt zudem alles bis dato Gewesene mächtig in den Schatten, allein davon war ich gleich zu Beginn dieses X-Box-Games hin und weg, konnte meine Begeisterung kaum in Worte fassen. Angesichts der zahllosen Fortsetzungen bekannter Prügelserien kommt dieses hohe Maß an Innovation, Originalität und Tiefgang einer absoluten Sensation gleich: vergesst die Vorurteile, welche der Mortal-Kombat-Serie gegenüber bestehen, „Deadly Alliance“ ist ein Mega-Prügel-Hit. Meine Spielspaßwertung trägt dieser erfreulichen Tatsache mit satten 85% entsprechend Rechnung.
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The_Wishmaster
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Superbiene20000
Bewertung:
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