Herausgegeben wurde das Buch von Hubert Orlowski und Andreas Lawaty im Beck Verlag, mit der Erstausgabe im März 2003.
Hubert Orlowski ist Prof. Dr. habil. für Deutsche Literaturgeschichte an der Adam Mickiewicz-Universität in Poznan und Andreas Lawaty ist Dr. phil. und seit Mai 2002 Direktor des Nordost-Instituts in Lüneburg.
Geschrieben ist es für jeden der mehr wissen möchte über die deutsch-polnischen Beziehungen, die Ursprünge und gegenwärtigen (entsprechend dem Stand des Buches) Entwicklungen.
Worum gehts?
Hier zitier ich mal vom Buchrücken, der es nämlich wirklich gut auf den Punkt bingt.
"... In rund 60 pointierten Essays gehen namhafte polnische und deutsche Autoren - Historiker, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen, Theologen, Literaturwissenschaftler und Publizisten - den Voraussetzungen für die Verständigungsfähigkeit und den Gründen für die Verständigungsprobleme zwischen Polen und Deutschen nach. Der Band ist gegliedert in fünf thematische Felder: Orte und Menschen, Geschichte und Erinnerung, Kultur und Identität, Gesellschaft und Lebenswelten, Politik und Wirtschaft. Die Essays eröffnen dem Leser auch Einblicke in zukünftige Entwicklungen der Beziehungen zwischen Deutschen und Polen."
Inhalt?
Vorwort
I. Zur Geschichte der Nachbarschaft
1. Die Anfänge Polens und Deutschlands (Jerzy Strzelczyk)
2. Germania Slavica (Christian Lübcke)
3. Der "Drang nach Osten" - Mythos und Realität (Hans Lemberg)
4. Reformation und katholische Erneuerung (Gottfried Schramm)
5. Die "Königliche Republik" und der Absolutismus (Günter Barudio)
6. Das Ende zweier Republiken: Die Teilungen Polens und die Auflösung des alten Reichs (Michael G. Müller)
7. Der vergessene Krieg 1914-1918 (Robert Traba)
8. Im Schatten von Versailles. Das deutsch-polnische Verhältnis während der Weimarer Republik (Heinrich August Winkler)
9. Der Zweite Weltkrieg (Wlodzimierz Borodziej)
10. Der Holocaust im Bewusstsein der Deutschen und der Polen (Kazimierz Woyciski)
11. Flucht - Vertreibung - Zwangsaussiedlung (Wlodzimierz Borodziej)
12. Versöhnung - Normalisierung - Gute Nachbarschaft (Krzysytof Ruchniewicz)
II. Erinnerungsorte
1. Leben mit Geschichte (Rudolf Jaworski)
2. Akteure und Symbolfiguren (Janusz Tazbir)
3. Mitteleuropa versus Intermarium (Leszek Zylinski)
4. Semantik der Deprivation (Hubert Orlowski)
5. Das deutsche Kulturerbe in Polen (Marek Zybura)
6. Juden (Heiko Haumann)
7. Preußen (Klaus Zernack)
8. Sachsen (Jacek Staszewski)
9. Österreich und Galizien (Lucjan Puchalski)
10. Schlesien (Wojciech Kunicki)
11. Die DDR (Krzysytof Ruchniewicz)
12. Emotionale Nachbarschaft. Tschechen - Deutsche - Polen (Joachim Rogall)
13. Russlandsehnsucht und Russlandhass (Leonid Luks)
14. Frankreich (Peter Theiner)
15. Amerika (Adam Krzeminski)
16. Berlin - Warschau (Basil Kerski)
III. Kultur und Identität: Räume des Nicht-Übersetzbaren
1. Kultur und Zivilisation. Zwischen Tradition und Modernität (Marek J. Siemek)
2. Stereotype der "langen Dauer" und Prozesse der Nationsbildung (Hubert Orlowski)
3. Sarmatismus, Messianismus, Exil, Freiheit - typisch polnisch? (Heinrich Olschowski)
4. Typisch deutsch? Zwischen Selbst- und Fremdbild (Leszek Zylinski)
5. Aufklärung (Tadeusz Namowicz)
6. Romantik (Tadeusz Namowicz)
7. Bildung (Wojciech Kunicki)
8. Ehre und Verrat (Krzysztof Lipinski)
9. Literatur und Gesellschaft (Krzysztof Lipinski)
10. Gott und die Theologie (Tomasz Weclawski)
11. Zukunft (Zdzislaw Krasnodebski)
IV. Gesellschaft und Lebenswelt
1. Soziale Schichtung: Zwischen Nation und Gesellschaft (Jerzy Szacki)
2. Soziale Schichtung: Zwischen Stadt und Land (Nora Koestler)
3. Polen und die neuen Bundesländer im Zeichen des Wandels (Anna Wolff-Poweska)
4. Lebensstile (Katarzyna Kaniowska und Andrzej M. Kaniowski)
5. Emanzipation und Handkuss (Slawomira Walczewska)
6. Religiosität und Säkularisierung (Wojciech Pieciak)
7. Kirche (Klaus Ziemer)
8. Medien (Jürgen Vietig)
9. Im Schatten des Rechtsextremismus (Anna Wolff-Poweska)
10. Antisemitismus (Klaus Bachmann)
11. Ethnische Minderheiten (Wolfgang Kessler)
12. Regionalismen. Zwischen Heimat und einem Europa der Regionen (Robert Traba)
13. Sport (Robert Rduch und Stefan Zwicker)
V. Politik und Wirtschaft
1. Die Erfahrung des Totalitarismus (Jerzy Holzer)
2. Rechtsstaat, Rechtsbewusstsein, Gerechtigkeitsempfinden (Witold M. Goralski)
3. Konservatismus (Marek A. Cichocki)
4. Liberalismus (Zdzislaw Krasnodebski)
5. Natur und Umwelt (Stefan Garsztecki)
6. Europa: Mythos, Programm, Verhandlungsmasse (Markus Mildenberger)
7. Ostpolitik (Dieter Bingen)
8. Arbeitsverfassung (Wlodzimierz Piotrowski)
9. Soziale Sicherheit (Krzysztof Slebzak)
10. Marktwirtschaft (Waclaw Wilczynski)
11. Arbeitsethik und Unternehmergeist (Andrzej Przylebski)
12. Globalisierung: Hoffnungen und Ängste (Basil Kerski)
Literaturhinweise zu einzelnen Beiträgen
Die Autoren
Personenregister
Meine Meinung
Also der Preis von 17.90 Euro hat es schon in sich. Ich hab mir das Buch damals auf dem Frankfurter Hauptbahnhof gekauft, als ich in meiner ersten Polen-Eurphorie schwebte und unbedingt mehr über das Land wissen wollte und ich habe den Kauf nicht bereut.
Die Beiträge behandeln alle was der Titel verspricht, sind durchweg gut gegliedert und informieren den Leser! Man lernt sehr viel über Geschichte und kann mit Fug und Recht im Anschluss an das Buch behaupten was von der deutsch-polnischen Beziehung zu verstehen. Es ist kein leichter Happen, das muss dazu gesagt werden. Es sind 584 Seiten wissenschaftlicher Beiträge. Die arbeitet man vermutlich eher durch als sie gemütlich zu lesen. So zumindest bei mir. Aber ich habe es gerne gelesen, eben aus Interesse, wobei auch ich manchmal Durchhänger hatte, weil einem bei einer langen Zugfahrt bei dieser lektüre doch schon mal die Augen zu fallen. Es ist halt kein Thriller. Außerdem ist es sehr schweru nd dick, was es auch unmöglich macht ein paar Seiten im Bett zu lesen, wobei dass eigentlich sowie so nicht so die Bettlektüre ist :)
Wer sich aufgrund der Arbeit oder noch besser im Studum mit Polen beschäftigt der wird diese lektüre sehr bereichernd finden und zumindest ich habe erlebt, dass einige meiner Dozenten verschiedentlich Texte verwendeten, die ich in diesem Buch finden konnte. Was mir Kopieren ersparte :) und ich hatte es bereits einmal vorher gelesen und war somit recht gut auf die Kurse vorbereitet.
Die meisten Texte erwarten Vorwissen. Wenn man das gesamte Buch einmal durchgelesen hat, dann weiss man zwar viel, aber um dahin zu gelangen muss man parallel und querlesen. Wie gesagt, eher ein Buch zum Studieren als zum Lesen.
Empfehlenswert für: Studenten und Berufstätige mit diesem Interessensgebiet, allgemein ernsthaft Interessierte, weil Parallellesen notwendig.
Nicht empfehlenswert für: Leseratten, die eine schöne Zeit haben wollen. Polen-Urlauber die schnelle Einstiegsliteratur suchen.
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