300 (DVD) Testbericht


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Erfahrungsbericht von NoSoul
Propaganda des 21. Jahrhunderts
Pro:
Technisch sehr gut gemacht
Kontra:
Faschistoid, Propagandistischer Gegenwartsbezug, Kriegsverherrlichend . . .
Empfehlung:
Nein
Leonidas, der König der Spartaner musste wie jeder Spartaner als Kind eine strenge militärische und auf Männlichkeitskulte basierende Erziehung durchlaufen, die Agoge. Der Abschluss dieser Erziehung nimmt ouvertürenhaft die Handlung des Filmes vorweg: Leonidas steht allein mit einem Speer bewaffnet einem riesigen Wolf gegenüber. Ruhig und besonnen weicht er zurück durch eine enge Felsspalte. Der Wolf springt plötzlich auf Leonidas zu und bleibt in der Spalte stecken. Der designierte König der Spartaner siegte und jedem Zuschauer im Kino dürfte die Analogie zwischen der wilden Wolfsbestie und dem persischen Heer aus dem Osten klar sein. Dennoch wird sie nochmal von der tiefen, martialischen Stimme aus dem Off erklärt, was wohl schon einiges über die anvisierte Zielgruppe des Filmes aussagt.
Als der persische König Gesandte nach Sparta schicken lässt, um seine Forderung nach Unterwerfung überbringen zu lassen, lässt Leonidas sie umbringen. Aufgrund bestochener Politiker und Priester bekommt er allerdings keine Erlaubnis mit einem Heer gegen die Perser zu ziehen. So nimmt er 300 Mann und zieht mit ihnen alleine gegen die große Übermacht los. Ab nun teilt sich die Handlung auf Sparta und auf die Thermopylen auf. Während bei den engen Thermopylen eine Schlacht nach der anderen stattfindet, versucht Leonidas Frau, Königin Gorgo die politische Elite Spartas zu überzeugen, ihrem Mann ein Heer nachzuschicken. Dafür schläft sie mit dem korrupten Oppositionsführer. Doch die Hilfe kommt zu spät, denn der verkrüppelte Ephialtes, dem Leonidas seinen Wunsch unter den 300 mit kämpfen zu dürfen abschlagen musste, verrät den Persern einen geheimen Pass, den sie nutzen können, um die Thermopylen und damit die 300 zu umgehen. Leonidas und seiner Männer werden einkesselt...
Die Handlung des Filmes erschöpft sich in einem sehr einfachen Konflikt zwischen Guten und Bösen. Auf der guten Seite stehen Leonidas und 300 ehrbare Spartaner, die für ganz Griechenland Freiheit, Ordnung, Gerechtigkeit usw. verteidigen. Auf der anderen Seite stehen die Massen des persischen Königs, die entweder durch besondere Bösartigkeit, physische Verformung oder durch ihre uniformierte Vielzahl auffallen. Ihnen zur Seite gestellt sind einige korrupte Politiker und Priester in Sparta, deren Bösartigkeit in den meisten Fällen aber ebenfalls durch Krankheit und Behinderungen ihren physischen Ausdruck finden.
Ästhetik des Filmes
Seit Gladiator beschenkt uns Hollywood wieder in regelmäßigen Abständen mit Historienfilmen. Man könnte meinen, dass auch 300 zu dieser Wiedererwachung des Historiengenres gehört. Und vielleicht gäbe es ihn auch nicht, ohne die Erfolge von Alexander, Troja und Königreich der Himmel. Doch scheint einzig das antike Thema den Film zu einem Historienfilm zu machen. 300 hat viel mehr mit Fantasyfilmen und mit Comicverfilmungen gemein. So erinnern die Heermassen der Perser oder die Gestalt des Ephialtes stark an die bösen Heerscharen und die Gestalt des Gollum aus Herr der Ringe. Die korrupten Priester erinnern an den Imperator aus Star Wars. Und die Schlachtszenen erinnern an Kill Bill oder Sin City. Letzteres ist auch verständlich, da die Comicvorlage von 300 wie Sin City von Frank Miller stammen. Die gesamte Ästhetik des Filmes erinnert in ihren blassen Farben mit starken Kontrasten, vor denen das rote Blut, welches in Mengen fließt, besonders deutlich hervorgehoben wird, an die Schwarz-Weiß-Ästhetik von Sin City. Auch wie in Sin City laufen jede Menge verformte und kranke Gestalten durch den Film.
Doch was in Sin City ästhetische Neuerung war und in Ansätzen sogar gesellschaftskritisch, wird in 300 zur plumpen Gewaltorgie und Kriegspropaganda. Besonders deutlich wird dies, wenn man sich den Gegensatz von strategischen Anspruch des Königs und der dann folgenden Schlachtszenen vor Augen führt. Eigentlich wollen die Spartaner in der Enge der Thermopylen sicher stellen, dass die Perser keine Fläche haben, um ihre Überzahl auszuspielen. Doch schon während der ersten Schlacht lösen die Spartaner ihre Formation. Danach werden die Schlachten ohne Formation geführt. Die Perser rennen gegen die 300 an, die einzeln jeder für sich im Kill-Bill-Stil hunderte von Gegnern niedermetzeln. Durch schnelle Cuts, Slow-Motion und Zeitrafferwechsel und vielen martialischen Geräuschen, mit denen die Speere und Schwerter das Fleisch durchdringen wird der Krieg ästhtetisiert, jeder der 300 wird zu einem Helden und jeder der persischen Krieger nur zu einem unpersönlichen Sachschaden. Diese Sachschäden werden dann auch immer mal wieder in Szene gesetzt, wenn sie zum Beispiel eine große Fläche ausfüllen oder von den Spartanern zu einer Mauer verarbeitet werden.
Aktuelle Propaganda im zeitgeschichtlichen Kontext
Das manichäische Weltbild des Filmes spiegelt die gegenwärtige Rhetorik der amerikanischen Regierung wider. Es stehen Freiheit, Demokratie, Ordnung, Gerechtigkeit gegen die bösen Scharen aus dem Osten, die nichts anderes wollen als die Freiheit zu zerstören und die Menschheit zu knechten. In seinem Stumpfsinn und in seinen schlechten Dialogen spricht der Film diese Message auch mehrmals naiv aus. Der Gegenwartsbezug auf die sogenannte westliche Welt wird immer wieder geknüpft, beispielsweise wenn von einer glorreichen Zukunft gesprochen wird, die bei einem Sieg gegen die Perser bevorsteht.
300 widerspricht sich dabei allerdings selbst. Denn so viel auch von all diesen westlichen Werten gesprochen wird, werden sie in dem Film doch nie mit Leben gefüllt, im Gegenteil, sie werden mit Füßen getreten. Behinderte haben in der spartanischen Gesellschaft nichts zu suchen. Sie werden schon als Säuglinge umgebracht. Die wenigen Behinderten, die in dem Film auf spartanischer Seite vorkommen sind entweder korrupt oder werden zu Verrätern. Gleichzeitig kommen auf persischer Seite einige verformte und überdimensionierte Gegner vor, die allesamt die Grausamkeit der Perser demonstrieren. Noch in keinem Film nach 1945 habe ich ein so eindeutiges Plädoyer für Euthanasie gesehen.
Außerdem ästhetisiert der Film zu jedem Zeitpunkt einen männlichen Körperkult und eine militarisierte Gesellschaft. Der Film redet von Freiheit, zeigt aber eine Gesellschaft, in der nur kriegerische Leistungen, militärische Hierachien und körperliche Überlegenheit von Bedeutung sind. Muskeln und Waffen werden ständig in heroischen Perspektiven gezeigt. Damit scheint der Film unfreiwillig an faschistische Propagandafilme anzuknüpfen, in denen ebenfalls von Freiheit und dergleichen geredet wurde, aber tatsächlich ein plumpes Gut-Böse-Schema als Grundlage diente und Körperkult, Militarismus, Euthanasie und die Heerscharen aus dem Osten einige der Hauptmotive waren.
Abschließende Bewertung
Dass der Film in den USA und scheinbar auch hier in Europa ein derartiger Erfolg werden konnte, stimmt sehr bedenklich. Was damals Antikommunimus war ist heute Islamophobie. Was damals der böse Russe war ist heute der böse Perser/Iraner/Moslem. 300 zeigt vielleicht zum ersten Mal welche propagandistische Kraft in den technischen und filmischen Innovationen der letzten Jahrzehnte steckt. Die digitalen Effekte, die für Matrix und Herr der Ringe geschaffen wurden, treffen auf die Erzähltechnicken eines Tarantinos oder Rodriguez. Diese neue Ästhetik
spricht insbesondere die heutige Jugend an. Die politischen Aussagen hinter diesen Darstellungen könnten eine gewaltige gesellschaftliche Wirkung haben, insbesondere in Zeiten sozialer Perspektivlosigkeit, in denen stets nach Sündenböcken gesucht wird.
So gut der Film technisch auch sein mag, kann ich ihn aufgrund seiner wahrscheinlich sogar unbewussten propagandistischen Wirkung und politischen Implikationen nicht empfehlen. Er vermittelt Werte und Vorurteile, die einer wirklich freien, demokratischen und gerechten Gesellschaft nicht passen können, und schlägt in eine Bresche, die auf direktem Wege zu weiteren Kriegen im Nahen Osten führen. Seine technische Qualität sollte eher erschrecken als Bewunderung entfachen. Dieser Film wäre meiner Ansicht nach ein guter Anlass, eine ernsthafte Diskussion darüber zu führen, welche propagandistischen Möglichkeiten die filmischen Innovationen der letzten Jahre sowohl auf technischer wie auf dramaturgischer Ebene inzwischen zur Verfügung gestellt haben und wie einer fatalen Anwendung dieser Möglichkeiten gesellschaftlich entgegnet werden kann.
28 Bewertungen, 12 Kommentare
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22.12.2007, 21:00 Uhr von DOMMEL
Bewertung: sehr hilfreichja ja, sollte man hinterfragen ich will ihn mir mal trotzdem anschauen
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31.08.2007, 02:06 Uhr von Kjeldi
Bewertung: sehr hilfreichklasse Bericht, aber ich werd ihn mir trotzdem besorgen, auch wenn es meine Frau nicht will, dann schau ich eben mir den mal so an, wenn die Damen shoppen gehen
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12.08.2007, 18:28 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichLG
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28.04.2007, 13:00 Uhr von Gemeinwesen
Bewertung: sehr hilfreichKotau und Dank. Beste Grüße vom Gemeinwesen.
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24.04.2007, 15:19 Uhr von MasterT86
Bewertung: sehr hilfreichNa den Film sollte man also eher skeptisch sehen. Lg Tobias
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24.04.2007, 12:17 Uhr von campimo
Bewertung: sehr hilfreich(¯`•.¸* SH & LG *¸.•´¯)
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24.04.2007, 02:31 Uhr von LittleSparko
Bewertung: sehr hilfreichlg, daniela
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24.04.2007, 01:38 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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24.04.2007, 00:01 Uhr von Django006
Bewertung: sehr hilfreichsh & *lg* Alan ;>))))
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23.04.2007, 22:18 Uhr von Sabate
Bewertung: sehr hilfreichGrüsse aus Berlin...Todd
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23.04.2007, 22:12 Uhr von sandrad198
Bewertung: sehr hilfreichSH--Liebe Grüsse Sandra
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23.04.2007, 22:03 Uhr von tobbbbi
Bewertung: sehr hilfreichSehr schöner Bericht! LG Tobias
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