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| erstellt am: |
22.05.2007, von trampastheo |
| Produktbewertung: |
4
4 |
| Empfehlung: | ja |
| Pro: | Ergreifende darstellerische Leistung, ein ausgezeichneter Simon Taal, interessante Handlung, wahrer Hintergrund der Geschichte, Kameraperspektiven, Filmatmosphäre |
| Kontra: | Hätte spannender inszeniert werden können, kleinere Schwächen in der Handlung und im Sound |
Das Ende des zweiten Weltkriegs naht und in Köln versucht eine Gruppe von Jugendlicher den Widerstand gegen die Nazis auszuweiten, um schneller die Vorzüge von Frieden und Freiheit zu genießen. Es handelt sich um die Edelweißpiraten. Karl (gespielt von Iwan Stebunow) gehört dieser Gruppe an. Sein kleiner Bruder Peter (gespielt von Simon Taal) dagegen, ist bei der Nazi-Jugend, da er glaubt, dass dies der Wunsch seines Vaters, der an der Ostfront kämpft, schon immer gewesen sei. In das Leben der beiden, aber auch von Cilly (Anna Thalbach), der Ehefrau ihres an der Front gefallenen Bruders, dringt kurze Zeit später Hans (gespielt von Bela B. Felsenheimer) ein, der ein KZ-Häftling war, aber den Nazis entkommen konnte. Hans inspiriert die Edelweißpiraten mit neuen Sabotageakten gegen die Nazis. Doch Karl, der sich mit Hans weniger gut versteht, ahnt, dass Hans für die ganze Familie und Gruppe eine Gefahr darstellt. Schneller als geglaubt wird die Gestapo auf das Haus von Cilly aufmerksam und für die Edelweißpiraten beginnt sich der Gurt enger zu schnallen…
Interessante Handlung, mit kleineren Schwächen
In einer schwierigen Zeit, kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs, ging es eigentlich in Europa keinem besonders gut. In Deutschland wollte man auch endlich das Ende des Krieges herbeiführen - die Bevölkerung litt unter Hitlers Wahn und den Angriffen der Alliierten. In dieser Zeit waren in den großen deutschen Städten, wie Köln und Berlin, Widerstandskämpfer unterwegs, die sich gegen die Nazis und speziell der Gestapo gewehrt haben. Genau um diese Gruppe von Menschen, meist jungen Alters - den Edelweißpiraten - geht es im Film von Niko und Kiki von Glasow. Allein schon die Geschichte an sich hat mich im Vorfeld besonders interessiert, denn oftmals bleiben die kleineren Helden eines Krieges unerwähnt - dabei war ihre Teilnahme gegen das Unrecht und das "Böse" von entscheidender Bedeutung. Die Edelweißpiraten tun sich zusammen, um mit der einen oder anderen Weise den Nazis zu schaden. Ob sie Waffen klauen, in Nahrungslager eindringen oder auch das Hauptquartier der Gestapo in die Luft sprengen lassen wollen - sie trauen es sich zu und geben das beste, um endlich das Ende des Krieges mitzuerleben. Sie wollen endlich ohne Blut und Misere leben, endlich ihre Träume von einem freien Leben verwirklichen. All diese Merkmale der Edelweißpiraten bringt Regisseur Niko von Glasow in seinem Film teilweise ergreifend in den 90 Minuten seiner Laufzeit rüber.
Die Gruppierung der Edelweißpiraten wird im Film eigentlich als Hauptmenü serviert. Ihr Widerstand gegen die Nazis ist die Haupthandlung. Doch es gibt auch einen zweiten Teil der Szenerie, der von der Misere eine Familie spricht. Der Vater der Familie fällt an der Front, der große Sohn ist ein Edelweißpirat, der kleinere dagegen anfangs noch bei den Nazis als Major. Zusammen mit ihnen lebt die Frau ihres bereits an der Front gefallenen Bruders, mit ihren zwei Kindern. Danach kommt ein KZ-Häftling zu ihnen hinzu, um das ganze aufzumischen. Das Eindringen von Hans in das Leben der Familie verändert alles. Die Gefahr für die Familie wird größer, die Edelweißpiraten werden mit neuen Ideen für ihren Widerstandskampf gefüttert, aber auch Neid zwischen Karl und Hans für die Gunst von Cilly ist erkennbar. Temporeich wird es im Film, als die Gestapo von den Plänen der Edelweißpiraten erfährt und sich diese vornehmen will. Die eine oder andere Schiesserei, aber auch die Folteraktionen, die die Gestapo angewendet hat, nehmen einen wichtigen Teil des Films ein. Die Kostüme zum Film sind hervorragend zur damaligen Zeit angepasst worden. Die Filmatmosphäre mit den vielen grauen und düsteren Farben ist ist perfekt gelungen. Der Krieg hat nur düstere Farben - vor allem hinterlässt er jedoch düsteren Spuren im Herzen der Menschen, vor allem der Kinder, die niemals auszulöschen sind…
Jeder Film hat Schwächen und bei einer meist kleineren Produktion, was das Budget angeht, sind sie meist auch leichter zu erkennen. Als kleinere Schwächen des Films muss man die etwas zu mager aufgetischte Spannung des Films erläutern. Sie kommt nur sehr selten in Wallung, so dass man eigentlich nicht so richtig mitfiebern kann (obwohl ja eigentlich die Szenerie mit der Gestapo recht spannend sein könnte). Interessanter sind dann gegen Ende des Films die Methoden der Gestapo, um aus den Edelweißpiraten die Wahrheit rauszubekommen. Da erkennt man die Brutalität und Kaltblütigkeit der Menschen, die bei dieser damals gearbeitet haben. Gänsehaut verursachen sie allemal! Die Kameraperspektiven sind zwar recht gut, der Sound weist jedoch an einigen Stellen des Films Unfeinheiten auf (Rauschen). Handlungsschwächen sind an einigen Stellen zu erkennen, wie z.B. als Hans eigentlich von den Nazis entkommen kann und dann sozusagen einem kleinen Jungen, der in dem Moment eine Schusswaffe in der Hand hält, zum Opfer fällt.
Bemerkenswerte darstellerische Leistung
Wenn ich 3,5 Sterne für die Handlung des Films vergeben würde, so sind es ganze 5 Sterne, für die darstellerische Darbietung. Von den Darstellern werden die meisten eigentlich nur Hans kennen, der von Ärzte-Sänger Bela B. Felsenheimer gespielt wird. Überrascht allein durch seinen musikalischen Hintergrund, werden die meisten allein schon deswegen sein - doch man sollte damit auch keine voreiligen Schlüsse ziehen, was seine darstellerische Leistung angeht. Er ist absolut überzeugend in der Rolle des "Bombenhans", der Bomben entschärfen kann. Sehr gut gefallen hat mir auch Iwan Stebunow in der Rolle des Karl. Er hat die komplizierteste Rolle im Film, da er zwischen Widerstand, Liebe zu Cilly und Fürsorge seinem Bruder, der sich als besonders loyal und selbstlos (andere würden ihn als stur bezeichnen) erweist, kämpfen muss.
Die Rolle von Simon Taal
Und jetzt komme ich zur großen Überraschung dieses Films: Simon Taal. Für mich war es einfach herrlich einen Menschen auf der Kinoleinwand zu sehen, mit dem ich mich online seit über vier Jahren kenne. Wie würde es sich in seiner Rolle schlagen? Was würde am Ende des Films von ihm gedanklich hängen bleiben? Ich muss zugeben (und das hat meine Begleitung auch sofort, ohne Simon zu kennen, auch am Ende des Films von sich gegeben), dass ich baff war, was Simon in seiner Rolle vollbracht hat. Erst einmal muss ich sagen, hatte ich mit einer kleineren Rolle gerechnet. Doch Simons Rolle als Peter gehört zu den drei wichtigsten im Film und ist in meinen Augen die imposanteste. Das liegt daran, dass nach der Hälfte des Films Peter, nach seinem Entschluss, aufgrund des Todes seines Vaters, die Nazi-Jugend verlässt, auch Teil der Edelweißpiraten wird - als jüngstes Mitglied dieser Gruppe! Sein Bruder Karl macht sich Sorgen um ihn und das zu Recht. Denn nachdem Hans ihm das Leben, in einer Schiesserei mit der Gestapo, rettet bleibt er dem Bombenhans loyal und weist jeden Versuch seines Bruders ab, ihm zu folgen, um der Festnahem zu entgehen. Simon ist in seiner Rolle unglaublich ergreifend, lässt den Zuschauer sogar gegen Ende mit seiner Entscheidung Hans nicht zu verraten und sich zu retten (er hat keine Angst vor dem Tod) erstarren. Simon darf im Film Geburtstag feiern, mit einer Pistole schießen und im Gefängnis verliert er sogar seine Haarpracht. Würde gerne wissen, wie er sich mit Kahlkopf gefühlt haben muss:) Ich bin beeindruckt von seiner Rolle als Peter und glaube, dass er viel geleistet hat, dass der Film recht gut geworden ist. Simon hat das Potential auf eine grandiose Karriere auf der großen Leinwand und ich gönne sie ihm aus ganzem Herzen.
Fazit
Edelweißpiraten ist ein guter Film, der für mich einen unterhaltsamen Abend an meinem Geburtstag bedeutet hat. Allein geschichtlich gesehen, aufgrund der realen Existenz der Edelweißpiraten, ist der Film absolut sehenswert. Für mich sind solche Menschen Helden, sie haben ihr Leben riskiert, um das Unrecht zu bekämpfen - und Hitler war nun mal mehr als Unrecht. Er war das abartigste und schrecklichste was das vergangene Jahrhundert zu bieten hatte! Doch auch die Umsetzung des Films ist gelungen. Kleinere Schwächen sind vorhanden, aber mit denen muss man rechnen. Darstellerisch glaube ich selten einen so guten deutschen Film gesehen zu haben - es gibt keine Person im Film, die auf irgendeiner Weise, aufgrund mangelnder schauspielerischer Darbietung, auffällt. Vom Gestapochef bis hin zu den Gruppenmitgliedern der Edelweißpiraten - alle spielen ihre Rollen absolut überzeugend. Ein großes Lob geht an Simon Taal, der mir in seiner ersten Rolle unglaublich gefallen hat (und hoffentlich noch in vielen, weiteren auch).
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