Das Canon EF 70-300mm 1:4-5,6 IS USM als Nachfolgemodell hat einige Verbesserungen erfahren dürfen. Ich denke jedoch, dass nicht alles verwirklicht wurde, was der Canon Fotofreund sich für dieses Modell gewünscht hat. Ich spreche hier vor allen Dingen den Ultrasonic-Antrieb an, der wieder nur die Ausführung mit USM-Mikromotor aufweist und dadurch nach meinen Erfahrungen nicht schneller wurde. Dass das manchmal den Eindruck macht, kann durchaus auch an einer veränderten Software liegen, die jetzt besser mit der Kameraelektronik zusammenarbeitet. Sei wie es ist, man kann nicht manuell "zugreifen" und einfach mal den AF unterstützen, sondern muss umständlich den AF-Schalter auf "M" schalten. Ich und wahrscheinlich viele andere Fotofreunde dieser Marke hätten gerne 50,00 € mehr bezahlt und dafür einen ordentlichen und leiseren USM-Ringantrieb erhalten. Klar ist, man hätte dem anderen Tele mit "DO" von Canon dadurch stärkere Konkurrenz gemacht.
Es besteht also die Möglichkeit, das Objektiv manuell zu fokussieren, dann ist der vordere Einstellring vom Motorgetriebe getrennt und lässt sich für meine Begriffe jedoch sehr leicht verstellen. Der vordere Tubus fährt dann zusätzlich auch noch ein Stück heraus und dreht sich auch noch dazu, also kein klassisches Innenfokus. An diesem Vorderteil lässt sich auch per Bajonettanschluss die zu empfehlende Gegenlichtblende Canon ET-65B anbringen. Wie bei Consumer-Linsen von Canon üblich, ist diese Blende extra zu bezahlen.
Trotz alledem ist das Canon EF 70-300mm 1:4-5,6 IS USM doch ein gelungenes Teleobjektiv geworden, das durchaus seine Freunde finden wird. Es ist zwar nicht besonders lichtstark, der eingebaute Bildstabilisator "IS" sorgt jedoch dafür, das man 3 Blendenstufen Belichtungsreserve hat, um das "Objekt der Begierde" scharf abzubilden. Das funktioniert hervorragend und sehr zuverlässig und entgegen dem Vorgängermodell nicht nur horizontal/vertikal sondern auch nur horizontal (2.Stufe) um in gewollten Situationen auch einen Mitzieheffekt zu haben. Nicht immer ersetzt dieses Feature ein Stativ, aber nicht immer hat man ein Stativ dabei, daher ein dickes Ausstattungsplus und ich möchte es nicht missen.
Die Zoomverstellung des Canon EF 70-300mm 1:4-5,6 IS USM hat einen angenehmen Wiederstand, ist gummiert und ausreichend breit gestaltet um hier komfortabel und ohne ruckeln eine Zoomfeineinstellung vorzunehmen. Insgesamt verlängert sich das Objektiv um ca. 30% bei 300mm Brennweite. Wirklich unsinnig ist in diesem Zusammenhang der hinzugekommene "Zoomlook". Erstens funktioniert das nur bei 70mm Brennweite, also bei der kleinsten Zoomeinstellung und dann ist die Zoomverstellung wahrlich nicht so leichtgängig oder der Objektivkopf so schwer, das Gefahr besteht, der Tubus würde selbstständig herausfahren. Da besteht Einsparungspotenzial zugunsten eines Ring-USM.
Die "Haptik", Neudeutsch für Anfass-Gefühl, ist prima, eine leicht strukturierte Oberfläche verhindert, das allzu leicht Fingerabdrücke zu sehen sind. Ich wünschte mir, bei den teuer zu bezahlenden Gegenlichtblenden wäre das auch so. Leider verzichtet der Hersteller auch hier auf eine Gegenlichtblende, die im Original nochmal mit 30 Euro kostet und auf den Namen 65B hört. Der Body ist halt aus Kunststoff, man merkt es jederzeit, jedoch nicht unangenehm. Erfreulicherweise ist das Bajonett aus Metall geblieben, eine Dichtungslippe hätte dem Canon EF 70-300mm 1:4-5,6 IS USM aber gut gestanden, da Staub bei den DSLR's immer zum Problem werden kann.
Ein Filtergewinde von 58mm ist in diesem Brennweiten- und Lichtstärkenbereich durchaus üblich und verhindert dadurch zu starke Extrakosten bei der Anschaffung.
Zur optischen Leistung kann ich an dieser Stelle keine technischen Tabellen oder Diagramme bieten, sie ist jedoch wirklich beeindruckend. Äußerst selten bei langer Brennweite und Gegenlicht finde ich Ausfransungen (CA's) im Bild, die Verzerrungen halten sich in sehr unauffälligem Rahmen und selbst an meiner EOS 5D habe ich keinerlei Auflösungsprobleme. Durch die kreisrunde Blende habe ich auch ein tolles "Unschärfeverhalten" (Profis nennen das Bokeh - und ich hasse Fremdwörter ;-). Tests bescheinigen diesem Objektiv sogar Qualitäten, die den "L-Objektiven" gleichen (photozone.de wäre da so einer). Die 630 g Gewicht trage ich gerne mit mir herum, da bei einer Länge von ca. 143mm das Teil auch gut unterzubringen ist.
Weitere technische Details gibt es auf der Herstellerseite genügend und besser aufgereiht, als ich es hier könnte, daher erspare ich sie mir.
Alles in allem, ein gelungenes "Upgrade" zum Vorgängermodell, dessen Anschaffung sich lohnt, wenn man bereit ist 550,00 bis 600,00 € dafür zu bezahlen. Wenn das nur mit dem Mikromotor nicht wäre …
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