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| erstellt am: |
24.12.2008, von dahi.koch@gmx.net |
| Produktbewertung: |
3
3 |
| Empfehlung: | ja |
Ernst Jenni Lehrbuch der hebräischen Sprache des alten Testaments
Die Sprache der Bibel.
Einführung:
Seit dem Wintersemester 08, also seit knapp 2 Monaten, studiere ich evangelische Theologie an der Universität Heidelberg. Ich habe mich gleich an den Einführungstagen entschlossen, meine erste Fremdsprache zu absolvieren. Dabei handelte es sich um Hebräisch, bzw. Alt-Hebräisch – die Sprache des alten Testaments. Zum Hebräischen muss sich jeder Theologe noch an 2 weitere Sprachen bemächtigen. Dies wären Latein und Griechisch. Ich entschloss mich, gleich die schwerste Sprache zu nehmen, damit ich das nach einem Semester hinter mir hätte. Wie sich im Kurs herausstellte, waren nicht nur Erstsemestler dort. Bzw. anders ausgedrückt: die wenigsten waren Erstis. Die meisten befanden sich in höheren Semestern – beispielsweise im 2. Den schlimmsten Fall stellte ein Student dar, der diese Sprache bis zu seinem 6. Semester aufgeschoben hatte. Warum so viel Angst vor einer fremden Sprache? Da mir Sprachen in der Schule lagen, fühlte ich mich dem gewachsen.
Preis, Kaufort, Details:
Soweit ich mich noch dran erinnern kann, hat das Buch bei amazon.de 34,90€ gekostet. Teuer, aber immerhin gibt es auch Theologiebücher, die 70€ kosten können (!). Das Buch ist im Jahre 2003 nochmals überarbeitet worden. Die Originalausgabe von Hollenberg stammt aus dem Jahre 1895. Es verfügt über 392 Seiten und einen lindgrünen, schwarz beschrifteten Einband. Im Buch sind keinerlei Abbildung vorhanden, nur schwarze Schrift.
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung (ab Seite 11) Lehrgegenstand und Lernziel Text und Einteilung des Alten Testaments Die semitischen Sprachen Geschichte der hebräischen Sprache Die hebräische Schrift Hebräische Sprachwissenschaft
Lektionen 1-30 (ab Seite 19) 1-4 ..... Schrift- und Lautlehre 5-14 ..... Starkes Verbum 15 ..... Repitition 16-19 ..... Laryngalverben 20-29 ..... schwaches Verbum 30 ..... Repitition
Vokabulare (ab Seite 323) Hebräisch-Deutsch Deutsch-Hebräisch
Register (ab Seite 370) Grammatischer Index Bibelstellen
Aufbau des Buches:
Die einzelnen Kapitel sind nicht nach Bibelsinnzusammenhängen geordnet, sondern nach Lernkategorien. Je Kapitel lernt man ein paar Grammatiklektionen, darauf aufgebaut sind die Vokabeln, die man pro Kapitel lernen muss, dazu gibt es in den ersten Lektionen immer Lesetexte. Ab der 4. Lektion gibt es beispielsweise noch Sätze zum vokalisieren (ohne Vokalzeichen) und Übungssätze zum transkribieren (ins deutsche Alphabet übersetzen) und zum nachfolgenden, „normalen“ übersetzen (Der hebräische Satz in der deutschen Bedeutung). Pro Kapitel ist es immer so, dass zuerst die Vokabeln vorgestellt werden. Dabei kommen in den ersten 3 Kapiteln die wichtigsten Orts- und Personennamen der Bibel (das sind so 60 Stück), danach sind die Vokabeln wie folgt aufgebaut: zuerst Verben, dann Präpositionen, Adjektive und sonstige Extrawörter, und zum Schluss immer die Nomen. Danach kommen ein paar Erläuterungen zur Grammatik (falls man beispielsweise das Extra-Grammatikbuch nicht besitzt...), sehr kurz gefasst, und danach eben die Übungsaufgaben. Die Vokabeln sind nach Schwierigkeit geordnet, pro neuem Kapitel nimmt auch der Schwierigkeitsgrad zu... so ist es auch bei der Grammatik. Diese baut, wie im Französischen, aufeinander auf.
Das Alphabet:
Das Alphabet besteht nur aus Konsonanten. Die Vokale werden durch Punkte oder kleine Sonderzeichen in, über oder unter dem Konsonanten aufgezeigt. Die Konsonanten ordnen sich in verschiedene Kategorien, unter anderem die Begadkephat-Laute, die Laryngale (Kehllaute) und die Sibilaten (Zischlaute). Die Begadkephat-Laute fungieren als Vokalzeichen. Hier fungieren Qames, Sere und Cholem als Vokalzeichen. Die Begadkephatlaute werden ausgesprochen, ist ein Vokalzeichen vorhanden, wird es dann, je nach Lage, vor oder hinter dem Konsonanten ausgesprochen. Cholem, der Punkt, wird zusammen mit dem Buchstaben „Waw“ anders ausgesprochen. Der „W“-Laut entfällt, nur der jeweilige Vokal wird ausgesprochen. Beispielsweise ist es so, dass wenn Cholem im Waw enthalten ist, es als U ausgesprochen wird. Cholem oben bedeutet ein „O“Laut und Cholem unten bedeutet einen „I“Laut. Kommen wir wieder zum Begadkephat. Da gibt es noch eine weitere Regel... je nachdem, wie der Begadkephat-Laut innerhalb des Wortes bzw. Satzes steht, kann ein Cholem innerhalb des Buchstabens auch eine harte, zischende Aussprache hervorrufen oder in der Transkription einen Doppel-Laut. Die Laryngale sind die Kehllaute, also Aleph, He, Chet, Ajin und Resch. Sie sind lautlos, bewirken allerdings je nach Stellung im Wort einen langgezogenen Vokal oder Konsonant (Der Buchstabe davor wird länger gesprochen). Er ist meist nur in der Transkription sichtbar. Die Sibilanten sind die Zischlaute, also S-Laute, s oder weiches s (Samech), doppel-s (Sade, Sin) oder scharfes s (Sin) oder aber sch (Schin). Die anderen Buchstaben sind „normal“, haben eigentlich keine eigene Bedeutung, und sind daher irrelevant zu erläutern. Es handelt sich dabei z.B. um n (Nun), m (Mem), j (Jod), l (Lamed), etc. Es gibt 10 Konsonanten, die am häufigsten vorkommen. Darunter die Begadkephat-Laute und Lamed, Mem, Nun, Waw, Jod.
Wodurch unterscheidet sich das alttestamentliche vom modernen Hebräisch?
Beim alttestamentlichen Hebräischen werden auch die Vokalzeichen angegeben. In der Keilschrift (Steintafeln, etc. ...) sowie im modernen Hebräischen werden nur die Konsonanten gegeben, zwar in der üblichen Wort- bzw. Satzform, allerdings ohne Vokalzeichen. Und außerdem sind auch viele Vokabeln veraltet. Wir verwenden ja auch nicht mehr das geschwollene mittelhochdeutsch (z.B. ich bin dîn, du bist mîn, ...... Fokus: Mînnesang).
Kleiner Sprachkurs:
An dieser Stelle möchte ich euch ein paar Vokabeln aus dem Buch vorstellen, damit ihr über die Sprache und ihren komplexen Aufbau einen besseren Eindruck bekommt. Allerdings nur in der transkribierten Form, da ich keine hebräische Tastatur habe...
Jischerachel – Israel Binjamin – Benjamin Hizqijahu – Hiskia Masiach – „Gesalbter“ Kol – „alles“ Adonaj – Jahwe, DER Gott. Wa, oder we – und Wajjomaer – und er sagte Maelaech - König
...Und was wohl jeder kennen sollte:
Tohu wabohu – „wüst und öde“ ^.^
Abschließende Meinung:
Nach der ersten Zeit kann ich sagen, dass man das Hebräische nicht unterschätzen sollte. Ich habe dies getan und bin damit sozusagen sprichwörtlich auf die Schnauze gefallen. Die Schrift, die Grammatik und das Erlernen von Vokabeln, das Transkribieren der Schrift ins deutsche Alphabet und die darauffolgende Übersetzung sind Aufgaben, die mich regelmäßig zur Verzweiflung brachten. Manchmal ist es so schwer, dass man aufgeben möchte. Koreanisch kann ich mir reinzwingen, wenn ich mich zum Lernen animieren kann. Das ist zwar auch eine Zeichensprache, nicht zu vergleichen mit der deutschen Schrift, allerdings wesentlich einfacher zu lesen und zu schreiben wie das Hebräische. Es gibt diverse Buchstaben, die bei zu ungenauem Hinsehen nicht auseinander zu halten sind.
Bei der Grammatik gibt es Besonderheiten, die man im Deutschen nicht kennt,
Blöd ist auch, dass man viele Vokabeln, die man im Unterricht und durch die Lektüre des Buches lernt, nicht in der modernen Welt, also im Umgang mit anderen Menschen, beim aktiven Sprechen also, nicht anwenden kann. Die beiden Arten des Hebräischen unterscheiden sich sehr stark voneinander, da könnte man also Probleme bekommen. Also lernt man eigentlich nur für das Fach an sich – dass man in den alten Schriften lesen kann, um sie danach auch verstehen zu können. Allerdings muss man, wenn man die Sprache aktiv anwenden will, auch das moderne Hebräisch erlernen. Man hat es zwar dann viel leichter, weil man über Grundkenntnisse verfügt, aber anstrengend ist es doch.
Die Sprache ist allgemein gesehen sehr anstrengend. Es ist etwas völlig neues, man kann sich nicht an anderen, verwandten Sprachen orientieren, so wie z.B. beim französischen, wenn man schon über Kenntnisse der englischen Sprache verfügt. Das ist mein Hauptproblem. Ich finde größtenteils nicht in die Sprache rein, muss sie mir aufzwingen, damit etwas in meinem Kopf kommt, weil sie so derbstens anders ist.
Wer die Sprache selbst lernen will.. dem gebe ich einen Tipp: Lernprogramme, z.B. ein interaktiver Vokabeltrainer für den PC, sind UNERLÄSSLICH! Anders geht es kaum. Weiterführende Literatur und interessant gestaltete Lehrbücher als Extraliteratur sind auch empfehlenswert, z.B. (...), denn Jennis Lehrbuch motiviert durch die langweilige Aufmachung eigentlich kaum... Die Grammatik sollte man sich, wenn sie nicht vom eigenen Dozenten oder Lehrer zur Verfügung gestellt wird, auch extra gekauft werden. Nur allein mit dem Buch kann man es nicht schaffen. Noch ein Extratipp: vorher bereits einen Vorkurs belegen. Dann hat man es am Anfang nicht so schwer und kann sich schon ein wenig mit der Sprache vertraut machen. Das hätte ich auch tun sollen...
Fazit:
Eine interessante Sprache, aber soooo schwer...
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