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| erstellt am: |
26.12.2008, von Leela |
| Produktbewertung: |
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| Empfehlung: | nein |
| Pro: | Nicht wirklich |
| Kontra: | Langweilig, weder Fisch noch Fleisch |
Das Shoppen in Buchhandlungen ist meiner Meinung nach soviel verlockender als ein Online-Kauf bei amazon.de und Konsorten - ich könnte mich stundenlang in diesen Läden aufhalten, herumstöbern und schmökern... und am Ende laufe ich dann meistens mit stapelweise Büchern heraus, über die ich online wohl nie gestolpert wäre. Der Vorteil von Buchhandlungen ist ja auch eigentlich, dass man gemütlich schon einmal ein paar Zeilen des Buches lesen kann, bevor man es kauft - Leseproben gibt es zwar online auch oft, aber ich lese gerne quer und stichprobenartig, das geht online natürlich nicht.
Über "Poppy Shakespeare" von Clare Allen bin ich ebenfalls in einer Buchhandlung gestolpert, das Cover sprach mich irgendwie an und auch der Klappentext klang soweit ganz gut. Und hätte ich noch Zeit gehabt, in Ruhe zu schmökern, hätte ich es vielleicht nicht gekauft. Genau - nicht gekauft. Ich habe es aber gekauft, weil meine Begleitung kam und in Eile war - und nachdem ich jetzt endlich, endlich damit durch bin, möchte ich hier gerne drüber schreiben, um vielleicht den einen oder anderen davor zu "bewahren". ;o)
Klappentext: " Poppy Shakespeare ist ganz normal. Zumindest war sie das bis zu jenem Tag, als sie sich auf eine neue Stelle beworben hat. Beim Vorstellungsgespräch eröffnet man ihr, dass sie an einer schweren Persönlichkeitsstörung leide; das hätte der Eignungstest ergeben. Und schon fährt der Krankenwagen vor, der Poppy in die Psychiatrie bringt. Herzlich Willkommen in der Dorothy Fish, einer Tagesklinik im Norden Londons. Poppy wird von N empfangen, einer Patientin, die schon seit dreizehn Jahren hier ist. Wie alle Bewohner der Dorothy Fish setzt N alles daran, diese beste aller Welten ja nicht verlassen zu müssen. Ihre Erleichterung ist groß, wenn beim alljährlichen Routinecheck-up festgestellt wird, dass sie noch immer verrückt genug ist. Doch dann kommt Poppy Shakespeare in ihrem schicken Kostümchen und den Stöckeln aus Schlangenleder in Ns Leben gerauscht - und plötzlich ist alles anders. Vier Wochen soll Poppy erst einmal zur Beobachtung bleiben. Aber diese Probezeit will sie auf keinen Fall bestehen. Sie bittet N um Hilfe - und so machen sich die beiden Frauen auf und stellen diese sonderbare Welt, die sehr viel normaler ist, als sie auf den ersten Blick scheint, komplett auf den Kopf. Poppy Shakespeare ist ein fulminantes Debüt, voller schräger Einfälle und schmerzlicher Erfahrungen, voller Lebensmut und Lebensfreude."
Erschienen ist das Taschen-Buch im August 2008 bei Heyne (die gebundene Version ein gutes Jahr früher), es hat 345 Seiten und kostet 8,95 Euro.
Meine Meinung zum Buch: Wo soll ich anfangen? Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, habe ich eine leichte Lektüre im Bridget-Jones-Stil erwartet, etwas Witziges, ein wenig Überdrehtes, Lustiges, ohne jeden Anflug von Ernsthaftigkeit. Bekommen habe ich ein Zwischending aus billiger Kafka-Kopie und schwachbrüstiger Ironie. Ein Buch, das sich nicht entscheiden kann, was es sein will und sich auch genauso liest: Es ist nicht witzig, es ist nicht spannend, es ist nicht abgedreht genug, um so bezeichnet zu werden und der gewollt proletisch-naive Stil wirkt einfach nur armselig.
Der Kern des Problems liegt wahrscheinlich in der Rolle des Erzählers. Ich bin davon ausgegangen, dass Poppy Shakespeare höchstpersönlich erzählt, wie sie in der Irrenanstalt gelandet ist, was dort passiert und wie sie da wieder herausgekommen ist. In Wirklichkeit aber übernimmt N die Rolle der Erzählerin, also eine Insassin, die zu allem Überfluss noch nie wirklich außerhalb einer Nervenanstalt gewohnt hat und sich auch so gibt - das meinte ich mit dem proletisch-naiven Stil. Das komplette Buch ist sehr kindlich geschrieben, extrem umgangssprachlich und simpel. Das kann ein gutes Stilmittel sein, um verschiedene Charaktere hervorzuheben und klarer zu definieren - in diesem Fall ist es aber schlicht und ergreifend too much. Es strengt an, geht auf die Nerven und lässt das Buch einfach flach wirken. Hätte man die Erzählperspektive getauscht und Poppy selbst erzählen lassen, wäre das sicherlich anders gewesen, aber das wäre wohl leider nicht möglich gewesen, denke ich im Nachhinein, da ich das Buch jetzt komplett kenne.
Poppy selbst taucht erst relativ spät auf. Vorher wird man von N in den Alltag in der Dorothy Fish-Tagesklinik eingeführt, eine Welt, die ziemlich verquer ist - aber eben nicht so abgedreht, dass es wirklich reizvoll wäre. Ich frage mich, wieso da nicht mehr Extreme hineingebracht wurden, mehr Surreales und Grelleres. Im Prinzip beschränkt sich die "Abgedrehtheit" der Dorothy Fish darin, dass die Insasen alles andere als entlassen werden wollen. Sie tun alles dafür, drin bleiben zu können, fügen sich selbst Verletzungen zu und verhalten sich merkwürdig, damit die Ärzte bei den Begutachtungen sagen müssen, dass man nicht entlassen werden kann. Auch die Erfindung des "WAHN-Geldes" inklusive seinen verschiedenen Tarifstufen und der "WAHN-Ministerin" sind nette, fiktive Spielereien, um eine eigene, abgedrehte Welt zu erschaffen - aber eben noch nicht genug. Alles, was hier versucht wurde, nimmt man durchaus als "seltsam" zur Kenntnis, es fehlt aber schlicht und ergreifend das überlaufende Fass, das deutlich zeigt, dass wir uns in einer Fantasie-Welt befinden (ich verweise da mal auf Bücher wie "Alice im Wunderland" - etwas in dem Stil wäre verdammt cool gewesen!).
Wir lesen das Buch also aus der Sicht einer "Bekloppten", die so bekloppt eigentlich gar nicht ist, und taumeln in einer halb-wirren Welt, die zu wenig markant ist, um wirklich beeindruckend zu sein. Die verschiedenen Charaktere haben fragwürdige Namen wie "Würfelhusten-Verna" (eine Bulimiekranke) und "Schlitzer-Sue" (Auto-Agression), die wohl selbstironisch rüberkommen sollen, aber eher unwitzig und albern wirken - mag sein, dass das im Original weitaus knackiger klingt, das kann ich in diesem Fall nicht beurteilen.
...und dann kam Poppy. Poppy landete in der Dorothy Fish, nachdem sie einen Einstellungstest mitgemacht hat und die Ergebnisse als äußerst bedenklich ausgewertet wurde. Bis zum Schluss weiß keiner, was genau mit Poppy los ist, nur, dass sie irgendwie nicht verrückt genug scheint, um in einer Irrenanstalt zu sein - bis sie dann nach und nach doch noch in den Wahnsinn rutscht. Hier setzt der fast schon freche Kafka-Effekt ein: Leute, die scheinbar grundlos irgendwo hingeschleppt werden ("Der Prozess") und machtlos sind, etwas dagegen zu tun, aber trotzdem gegen ihr Schicksal kämpfen. Nur - was Kafka meisterhaft verstanden hat, kann Clare Allan nicht einmal im Ansatz fortführen. Kafka ist böse, angsteinflößend, vollkommen neben der Spur und gleichzeitig total realistisch. Allan ist eher lächerlich, langweilig und keineswegs auch nur im Ansatz glaubwürdig, dafür fehlen zuviele Faktoren, andere sind zu viel, andere widersprechen sich.
Das Buch plätschert seitenlang nur so dahin, die Geschichte kommt nicht ins Rollen und gegen Ende, wenn sich alles "klärt" ist man so enttäuscht, weil es alles so flach ist und man einfach mehr hätte draus machen können. Die Ansätze sind ja vorhanden, ein paar gute Ideen wurden ja umgesetzt, aber alles nur oberflächlich und ohne jede Struktur, angefangen vom Erzählstil bis hin zum "Was genau will ich eigentlich sein" des Buches. Ich habe mich furchtbar gelangweilt beim Lesen, habe sehr, sehr lange für das Buch gebraucht und bin froh, jetzt damit durch zu sein. Die Charaktere werden nicht real, sie bekommen keine Struktur und Form, man wird nicht warm mit ihnen - nicht einmal mit N, die geht einem nur tierisch auf den Senkel. Das Buch hat weder Witz noch Charme, ist aber eben auch nicht spannend und für einen Kafka-Verschnitt fehlt so ziemlich alles, was Kafka eigentlich ausmacht. Auch, wenn die Grundidee fast nach Kafka klingen könnte, wenn man sie sehr grob zusammenfasst.
Ich möchte wirklich vom Kauf dieses Buches abraten - egal, was man gerne liest, dieses Buch ist nichts davon, weil es sich in keine Sparte richtig einordnet und somit einfach nur Wischi-Waschi ist. Flach, öde, ohne jede Aussage und absolut unbeeindruckend.
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