In Wolfgang Koeppens Werk "Tauben im Gras" wird ein Tag im Nachkriegsdeutschland aus den Perspektiven verschiedener Personen geschildert. Durch all diese Charaktere erhält man als Leser eine eindrucksvollen Sicht auf die damaligen Probleme und die Verarbeitung, beziehungsweise Nicht-Verarbeitung, des Krieges und der Niederlage.
Die vielen Personen des Romans stehen miteinander kaum in Beziehung und wenn handelt es sich meist um kürzere, zufällige Begegnungen. Deshalb ist die Liebesbeziehung zwischen der deutschen Witwe Carla, die ihren Sohn allein aufzieht und dem amerikanischen Soldaten Washington eine der einzigen durchgehenden storylines. Außerdem treten der von einer Schreibblockade geplagte Philipp und seine Frau Emilia, die durch den Krieg ihr gesamtes, geerbtes Vermögen verlor, als Hauptfiguren auf, wobei sie sich während der gesamten Handlung nicht begegnen. Odysseus, ein schwarzhäutiger amerikanischer Tourist, und sein Begleiter der Gepäckträger Josef, gehört ebenfalls zu wichtigen Handlungsträgern. Jedoch gibt es noch unzählige weitere Personen, wie Carlas Sohn, ihre Mutter Frau Behrend, den Dichter Mr. Edwin oder Kay, eine amerikanische Lehrerin.
Durch die Vielzahl an Personen entsteht eine gewisse Verworrenheit, die durch den Aufbau des Buches noch unterstützt wird. Da es keine Kapitel besitzt und aus vielen Assoziationsketten besteht, verliert man als Leser teilweise den roten Faden. Dies verdeutlicht einem auf der anderen Seite jedoch auch das Empfinden der jeweiligen Person. Obwohl es aus Sicht eines personalen Erzählers verfasst ist, hat doch jeder Charakter seinen eigenen Schreibstil erhalten. So liest man die Abschnitte von dem philosophierenden Mr Edwin anders als die des Gepäckträgers Josef.
Abgesehen von der zerstückelten Handlung finden sich "Tauben im Gras" verschiedene Themen, die die Nachkriegszeit bestimmten. Besonders gegen die stationierten amerikanische Soldaten herrscht ein gewisser Rassismus. Die Perspektivlosigkeit wird in Alkohol erstickt und jeder ist als Individuum in dem Chaos seiner Existenz allein gefangen. Der Titel "Tauben im Gras" beschreibt die im gesamten Buch zu findende Zufälligkeit des Seins.
"Tauben im Gras" mag zwar kein vor Spannung strotzender Roman sein, dafür aber die Gesellschaftsstudie der Nachkriegszeit, die den Leser auch noch über das Lesen hinaus nachdenken lässt.
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