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| erstellt am: |
27.04.2009, von Leningraderin |
| Produktbewertung: |
5
5 |
| Empfehlung: | ja |
| Pro: | Für jedermann verständlich geschrieben; sehr umfangreich und kompetent |
| Kontra: | Ab und zu kleine Panikmacherei. |
Der Urteil fällt am Ende des Buches und ist schonungslos und vernichtend zugleich: "Wir essen uns krank, und die Lebensmittelindustrie liefert den Stoff, der uns süchtig macht". Es ist die Fazit einer sehr detaillierten Untersuchung zweier Journalisten, die sich zur Aufgabe gemacht haben, das wahre Gesicht der Lebensmittelindustrie uns - den Verbrauchern - zu zeigen. Das Buch mit dem Namen "Die Joghurt Lüge" ist eine umfangreiche Studie zu allen Themen aus der Agrarwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Medizin, die den Konsumenten endlich einen Überblick verschafft. Das wichtigste - es ist ein Buch, das in einer für jedermann verständlichen Sprache geschrieben ist und erfordert nicht Weiteres als allgemeine Bildung und die Interesse für die gesunde Ernährungsweise. Das Ziel der Autoren war es die Manipulationen der einflussreichsten Branche aufzudecken und uns zu zeigen wie wir eigentlich uns ernähren und warum wir allen Werbeversprechungen zum Trotz nur mehr krank als gesund werden.
Es ist erschreckend: ob als Fast-Food-Junkie oder als selbstbewusste Gourmet - wir sind alle den Schadstoffen ausgesetzt, die die Lebensmittelindustrie so oder so uns serviert. Was als gesund geworben wird entpuppt sich als Placebo oder gar als schädlich, was besonders lecker ist, beinhaltet mehr fragwürdige Zutaten als es einem lieb wäre.
Doch mit welchen Methoden lässt die milliardenschwere Branche uns täuschen? Schauen wir zuerst auf das Inhaltsverzeichnis des Buches: ******************* Einführung
1. Strategien der Giganten in der Nahrungsmittelbranche - Der Lenesmittelfluss - Subventionen: Hohe Kosten für billige Lebensmittel - Beispiel Unilever: Gigant mit Forschungstruppe - Marketing-Meals statt schlichter Mahlzeit
2. Functional Food - das Marketingsversprechen - Was ist Funktional Food? - Kein Unbedenklichkeitsbonus für Functional Food - Probiotische Produkte als Umsatzgaranten - Prebiotische Nahrung mit Inulin und Oligofructose - Sekundäre Pflanzenstoffe SPS - Functional Food: Lebensmittelrecht in der Schwebe - Hauptsache, das Image ist gesund
3. Zusatzstoffe - die Werkzeuge der Milliardenmacher - Wie kommt eine Substanz zu ihrer E-Nummer? - Süßstoffe - süßes Gift? - Konservierungsstoffe - Farbstoffe - Deklaration - vom Glauben an die Zutatenliste - Heißt "E" wirklich essbar? - Ohne Deklaration: Nanopartikel und Nanofood
4. Rohstoffe - natürlich und gesund, mehr oder weniger - Verschlusssache BSE - Gentechnik und Genfood - Pestizide - Acrylamid - ein Zubereitungsproblem - Bisphenol A - Basissubstanz mit Gefahrpotenzial - Strahlende Aussichten
5. Die gesellschaftlichen Folgen der Lebensmittelgeschäfts - Schwergewichtige Schäden für die Volkswirtschaft - Verengte Blutgefäße, drohende Milliardenklagen - MTS - das Bierbauch-Syndrom - Demenz auf Kochrezept
6. Ausblick: Erst informieren, dann kaufen - Vom Siegel-Segen - Über die Macht der Verbraucher ************************
Das oben geschriebene Inhaltverzeichnis ist eigentlich eine stichwörtliche Auflistung der meisten Probleme des modernen Lebensmittelkonsums. Wir wollen uns schnell, preisgünstig und gesund ernähren. Dabei muss uns das Essen auch gut schmecken und genau so gut aussehen. Doch jeder dieser Komponente hat seinen Preis.
Es fängt bei den Landwirten an, die dem Druck der großen Lebensmittelkonzernen und den Discounterketten beugen müssen, die Ernte, Fleisch, Fisch, Milch usw so billig wie möglich zu produzieren und verkaufen. Doch es kann nur dann geschehen, wenn es an einer oder anderer Stelle geschummelt wird, sei es die genmanipulierte Getreide, das minderwertige Tierfutter, die fahrlässige oder gar entfallene Qualitätskontrolle und vieles mehr. Die Landwirtschaft in der EU, schreiben die Buchautoren, ist vollkommen auf die Subventionen angewiesen und kann ohne nicht konkurrenzfähig sein. Es ist auch ein langer Aussterben der klein- und mittelgroßen Bauernhöfen und noch größere Abhängigkeit der übrig gebliebenen von den größten Spieler der Branche - Aldi, Lidl, Nestle, Danone, Unilever usw.
Doch es geht weiter. Die so billig produzierten Rohstoffe kommen nur zu 20% unbearbeitet in den Läden. Die meisten werden so verarbeitet, dass man am Ende kaum die Ausgangsstoffe erkennen kann. Von Frühstucksflocken bis Smoosie-Getränken, von probiotischen Joghurts bis pfannfertiger Paella - es sind allesamt Produkte der kreativen und nicht immer Gesundheitsfördernden Industrie. So sind die meisten Kinderlebensmittel wahre Vitaminenbomben, doch der vermeintlich positive Effekt geht daneben, denn die für Kinder empfohlenen Mengen an Vitaminen und Zusatzstoffen überschreiten sich um mehrfaches und sind daher schädlich und gefährlich. Das so genannte Light Food - das fettarme Lebensmittel wird trotzt des fehlenden Fett uns schmackhaft gemacht, aber wie? Na klar - mit den Geschmacksverstärkern, die manchmal so viel Schaden anrichten, dass danach ein paar Prozent mehr Fett lieber wären. Es sind Allergie- und Krebserregende Stoffe mit am Bord, es sind auch appetiterregende Stoffe mit dabei, die uns zum unaufhaltsamen Fressen bewegen. Light Food, na ja... Die zuckerarmen Produkte, die als Zuckerersatz viel fragwürdigere Stoffe beinhalten und deren Langzeitwirkungen bis jetzt immer noch nicht erforscht sind. Das Chaos mit den E-Nummern, die als Abhilfe für die Verbraucher eingeführt wurden und eine EU-weite Standardisierung der Zusatzstoffe ermöglichen sollte. Es stellte sich heraus, dass manche Länder einen oder anderen Stoff als deklarierungspflichtig erklären, die andere dagegen nicht. So kann es sein, dass eine Dose aus Ausland weniger Informationen auf dem Etikette hat, als hierzulande. Und überhaupt, es gibt mehr als 900 E-Nummern. Liest sie jemand? Versteht sie jemand? Die Frage ist längst beantwortet und das Ergebnis ist erschreckend - es können weniger als 20% der Verbraucher mit den Angabe irgendetwas anfangen, noch weniger können sie richtig interpretieren.
War's das schon? Nein, natürlich! Es sind noch die Probleme der immer wieder auftauchenden vergammelten Produkte. Gammelfleisch ist ein Begriff, der uns allen bestens bekannt ist. Die Buchautoren erklären die Ursachen dafür und führen uns in die unappetitlichen Tiefen der brancheinternen Geheimnisse. Und es geht noch weiter. Selbst, wenn jemand beschließt gesundbewusst sich zu ernähren und so wenig wie möglich verarbeiten Lebensmittel zu kaufen, um selbst zu kochen - selbst dann ist so ein Mensch vielen Manipulationen ausgesetzt. Es gibt genügend davon: Pestizide und Genfood, mit den Antibiotika vollgepumptes Vieh sowie bestrahlte Getreide - man braucht die breite Palette des Übels gar nicht in den Fast Food Ketten suchen. Sie ist längst in den Rohstoffen reichlich vorhanden.
Am Ende des Buches beschäftigen sich die Autoren mit den Folgen des modernen Konsumverhaltens. Es sind bedrückend viele: Allergien und Pseudoallergien, krankhafte Vollleibigkeit, Störungen im Herz-Kreislaufsystem, Krebs und vieles mehr. Durch alle Altersgrenzen und Bevölkerungsschichten hindurch, laut Statistik, verläuft diese alarmierende Zunahme an den Krankheiten, die auf die falsche Ernährung hindeuten. Besonders sind Kinder davon betroffen, denn sie bekommen täglich das serviert, was nicht einmal für einen viel widerstandsfähigeren Organismus eines Erwachsenen gesund wäre. Die Fülle an schädlichen Zusatzstoffen, die in Kindernahrung vorhanden ist, ist eine tickende Bombe, die später im Organismus explodiert. Das sind keine Zukunftsprognosen - schon jetzt ist die Altersgrenze der Diabetiker deutlich gesunken, viele junge Menschen erleben sogar Schlaganfälle oder klagen den höheren Blutdruck - all die typischen Alterskrankheiten. Dementsprechend enorm sind die Folgen für die Wirtschaft. Das Gesundheitssystem ist längst damit überfördert, die Pharmaindustrie liefert nicht immer rechtzeitig eine Abhilfe, und wenn, dann häufig zu hohen Kosten.
Ja, so deprimierend kann ein gewöhnliches Einkaufen in einem Lebensmittelladen sein... Oder doch nicht? Die Autoren raten für mehr Konsum von Bio-Produkten, denn sie müssen sich per Gesetzt viel strengeren Kontrollen unterziehen, außerdem verzichten sie auf all die Manipulationen, sei es das Genfood, Pestizide, Antibiotika in den Rohstoffen sowie die schädlichen Zusatzstoffen. Zwar kostet solches Lebensmittel mehr und kann nicht ewig gelagert werden, doch es ist garantiert echt und nach dem besten Willen unbearbeitet. Einen der letzten Kapitel ist der Frage der Qualitätssiegel gewidmet. Es wird erklärt, wofür welcher Siegel steht und wie viel Vertrauen man ihm schenken soll. ************************ Es bleibt nur die Frage zu beantworten, wer diese beiden Buchautoren sind?
So viel steht auf dem Buchumschlag: "Maria Vollborn und Vlad Georgescu sind Buchautoren und freie Wissenschafts- und Medizinjournalisten. Sie arbeiten für Fokus, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung und andere Medien. Beide kennen die Nahrungsmittelindustrie und ihre Produkte gut: Maria Vollborn war als Lebensmitteltechnologin für einen internationalen Konzern tätig, Vlad Georgescu beschäftigte sich als Chemiker mit Schadstoffen und Belastungssubstanzen." ********************** ***
Und zu guter Letzt die Antwort auf die Frage: warum ausgerechnet die Joghurt Lüge? Werfen wir einen kurzen Blick auf die Regale: sie sind voll von Joghurts mit probiotischen Kulturen, mit den Vitaminen und vor allem mit den leckeren Obststückchen. Doch in der Wirklichkeit ist ein probiotischer Joghurt nicht mehr gesünder, als ein herkömmlicher; die Vitamine sind überflüssig und (Achtung!) die ach so leckeren Obststückchen sind nicht anderes als Abfallprodukte der Obstbearbeitung, die in mehreren Stufen so geformt werden, dass sich für uns als echt aussehen. Danach wird solcher Joghurt verkauft. Viel teurer als ein normaler, versteht sich. Ganz schön geschickt, nicht wahr?
Fazit: Ein Muss für alle, die sich und die eigene Familie gesund ernähren wollen
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